flatexDEGIRO – Insider greifen zu. Auch Jeffries sieht auf dem aktuellen Niveau Chancen. Andere nicht…

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flatexDEGIRO Aktie zuletzt auf Erholungskurs. Und dann eine Corporate News am Samstag Abend letzter Woche: Doppelschlag nach hinten. Prognose für 2022 gesenkt und organisitorische Schwächen von BAFin festgestellt, die zu strukturellen und Kapital-Massnahmen zwingen. Dass war’s dann erstmal für die Aktie. Kurseinbruch auf neue Jahrestiefststände, wo man sich gerade etwas von diesen absetzen konnte bei flatexDEGIRO AG (ISIN:DE000FTG1111 ). Allenthalben Kopfschütteln, so kommt der Platow Brief aktuell zu einer klaren Warnung an die Anleger: „Meiden Sie Flatexdegiro – näheres im aktuellen Gastbeitrag.

Weniger pessimsitisch ist Jeffries für die Aktie eingestellt, Denn am 7.12. bestätigte man ausdrücklich trotz der Meldung vom Wochenende inclusive operativ schwacher Zahlen das Kursziel von 13,00 EUR und entsprechend das BUY-Votum. Auch gegen die Negativstimmung am Parkett versucht sich der CEO von flatexDEGIRO, Frank Niehage, der mit fortgesetzten Insiderkäufen sein Vertrauen in die Zukunft des Neobrokers zum Ausdruck bringt.

Insiderkäufe summieren sich bis heute immerhin auf 10 einzelne, meldepflichtige Insiderkäufe in dieser Woche:

Melde- Datum/KauftagAktien-Stückdurchschnittl. Kurs in EURNettokaufbetrag in EUR
05.12./Montag10.0007,347673.476,3680
05.12./Montag5.0007,335436.679,0000
05.12./Montag3.6007,323226.365,4000
05.12./Montag4007,3080 2.923,2000
05.12./Montag10.0007,382773.826,5320
05.12./Montag1.0007,72327.723,1920
05.12./Montag5.0006,867334.336,5400
06.12./Montag20.0006,9300138.599,4200
09.12./Freitag5.0006,240231.200,8800
09.12./Freitag10.0006,263962.639,2000
Ausser von den dem CEO zuzurechnenden Käufen wurden bisher keine Insiderkäufe gemeldet, weder vom zum Co-CEO beförderten früheren CFO Muhamad Chahrour, der gegenüber Platow die sehr späte Information des Marktes über die BAFin-Anordnungen damit begründete, man habe dem Markt „erst das komplette Bild liefern wollen.“ Dem Kommentar der Platow Briefs dazu ist unseres erachtens nichts hinzuzufügen: „Kann man so machen, erhöht aber sicherlich nicht das Vertrauen der Anleger.“
Ob  sich derzeit der Hauptaktionär mit Käufen zurückzuhält, kann man schwer einschätzen – Meldungen wären nur bei Schwellenberührungen notwendig. Zumindest gehört er weder dem Aufsichtsrat noch dem Vorstand an, was ihn auf jeden Fall zum meldepflichtigen Insider machen würde. Interessant ist, dass in den reichweitenstärksten Medien der Börsenmedien AG respektive der Finanzen Verlag GmbH die gesamte Entwicklung „rund um flatexDEGIRO“ Meldung vom Samstag keine redaktionelle Erwähnung findet.
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Beseitigung von Organisations- und Verfahrensmängeln nach schnellem Wachstum erforderlich“ (flatexDEGIRO, CN 3.12.2022)

– BAFin-Sonderprüfung lief offensichtlich nicht ganz so gut… Hierzu stellt es sich im Einzelnen folgendermassen dar: Begründet mit dem exorbitanten organischen und anorganischen Wachstum (DEGIRO-Übernahme) seien die Anforderungen an die Strukturen des Konzerns erhöht worden. Eigentlich selbstverständlich, wenn sich von 2019 bis 2021 die Zahl der abgewickelten Transaktionen von 12 Millionen auf 91 Millionen mehr als versiebenfacht, während sich das verwahrte Kundenvermögen von 14,5 Milliarden Euro auf über 40 Milliarden Euro fast verdreifacht hat. Bis Ende September 2022 sind die Kundenaccounts um über 500 Prozent von 390.000 im Jahr 2019 auf 2,4 Millionen gewachsen. Also die Feststellung: „erhöhten regulatorischen Anforderungen“ gegenüberzustehen.

Professionalisierung erfolgt nicht freiwillig, sondern wegen BAFin Anordnung. Kommt wohl einer gelben Karte gleich. Vielleicht auch nur eine „Verwarnung“…

Im Jahr 2022 habe die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bei flatexDEGIRO eine Sonderprüfung gemäß § 44 Kreditwesengesetz (KWG) durchgeführt und dabei Mängel in einigen Geschäftspraktiken und der Unternehmensführung festgestellt; der Prüfungsbericht wurde im November 2022 vorgelegt. Als Ergebnis der Prüfung wird die BaFin flatexDEGIRO unter anderem auferlegen, eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation sicherzustellen und hat vorübergehende zusätzliche Eigenmittelanforderungen angeordnet.

Und fllatexDEGIRO reagiert entsprechend – ob die Massnahmen ausreichen, wird man wohl später erfahren…

flatexDEGIRO habe – so am Samstag Abend – umgehend verschiedene Maßnahmen eingeleitet, um die aufsichtsrechtlichen Anforderungen innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens zu erfüllen und werde weiterhin eng mit der BaFin zusammenarbeiten. Auf Vorstandsebene sei ein konzernweites Regulierungsprogramm aufgesetzt und erste Maßnahmen umgesetzt worden, darunter die Ernennung von Dr. Matthias Heinrich zum neuen Chief Risk Officer der flatexDEGIRO Bank AG sowie organisatorische Veränderungen in der Leitung der Abteilungen Interne Kontrollen, Risikomanagement und Meldewesen.

Darüber hinaus haben Aufsichtsrat und Vorstand beschlossen, die flatexDEGIRO Bank AG mit weiteren 50 Mio EUR aus eigenen Mitteln zu kapitalisieren. Mit dem aktuellen CET1 der flatexDEGIRO Gruppe von ca. 180 Mio EUR und dem vollständig zu thesaurierenden Jahresüberschuss 2022 sehe das Management alle zukünftigen Wachstumsanstrengungen ausreichend finanziert, mit soliden regulatorischen Eigenmitteln und ohne der Notwendigkeit von Kapitalmaßnahmen. Und da die Aktionäre seit Jahren keine Dividenden bei flatexDEGIRO gesehen haben, kein nennenswerter Verzicht – für das Unternehmen halt nur einen Nebensatz wert.

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paragon sieht in die Zukunft. Semvox Verkauf als Befreiungsschlag. Neuer Wachstumsträger ausgemacht. 5-Jahres Prognose: über 300 Mio EUR.

Martin Korbmacher, Aufsichtsratsvorsitzender der flatexDEGIRO AG am Samstag dazu: „Das erfolgreiche Wachstum von flatexDEGIRO zu Europas führendem Online-Broker erfordert auch, dass wir unsere internen Strukturen und Führungsgremien an diese neue Größe anpassen. Nachdem wir im vergangenen Jahr den Aufsichtsrat der flatexDEGIRO AG mit Aygül Özkan erweitert haben, freue ich mich sehr, dass wir mit zwei besonders erfahrenen und langjährigen Führungskräften unseres Unternehmens und mit Muhamad Chahrour, der nach seiner sehr erfolgreichen sechsjährigen Tätigkeit als Finanzvorstand unserer Gruppe in diese neue, wichtige Rolle wechselt, die Kompetenz und Vielfalt unseres Vorstandes weiter ausbauen können.“

Und hier die exakte Guidance für das Rest 2022 – ein offensichtlich nicht ganz so tolles Q4 wirft Schatten…

Trotz erster Anzeichen für eine Aufhellung am Aktienmarktes im Oktober habe der Handel von Privatanlegern insgesamt noch nicht zu den normalen saisonalen Mustern zurückgefunden, die in der Regel zu einer erhöhten Handelsaktivität gegen Ende des Jahres führten. Die positiven Marktbewegungen haben jedoch bis jetzt zu einem deutlichen Anstieg des bei flatexDEGIRO verwahrten Kundenvermögens geführt, das seit Ende September 2022 um über 4 Mrd EUR auf aktuell rund 42 Mrd EUR gestiegen sei. Vor diesem Hintergrund erwartet flatexDEGIRO für das Gesamtjahr 2022 Umsatzerlöse in Höhe von ca. 380 Mio EUR (+/- 2 Prozent) bei einer Adj. EBITDA-Marge von ca. 37 Prozent (+/- 1 Prozentpunkt).

Spannend der offensichtlich auf Kosten der Marge gehende Marketingaufwand in 2022

Während man in 2021 noch eine erhöhte Adj. EBITDAMarge vor Marketingaufwand von 53,4 % (2020: 52,9 %) melden konnte, mit einer adj. EBITDA-Marge nach  Marketingaufwand von 42,4 % (2020: 43,6 %), kommt man dieses Jahr „nur noch“ zu einer adj. EBITDA-Marge von rund 37%. Aber das scheint erstmal keinen grossen Einfluss auf die aktuellen Netto-Ergebnisse zu haben, wie es Frank Niehage, Vorstandsvorsitzender der flatexDEGIRO AG, zusammenfasst:

„Externe Faktoren haben die Handelsaktivität von Privatanlegern von einem Rekordhoch zu Beginn des Jahres 2021 zu einem Rekordtief im Jahr 2022 geführt, was es zum schwierigsten Jahr für die Online-Brokerage-Branche in Europa macht. Dennoch erwarten wir, dass wir selbst in diesem äußerst ungünstigen Umfeld im Jahr 2022 das höchste EBITDA und den höchsten Jahresüberschuss aller Zeiten erzielen werden, unterstützt durch unser starkes und kosteneffizientes Geschäftsmodell und eine optimierte Monetarisierung. Im kommenden Jahr wird der Jahresüberschuss nochmals deutlich vom steigende Zinsniveau profitieren. Zusammen mit den bereits eingeleiteten operativen Initiativen sind wir sehr zuversichtlich, unser profitables Wachstum im Jahr 2023 und darüber hinaus fortzusetzen.“

Zuletzt machte man klar: Höhere Umsätze je Trade sind für flatexDEGIRO die Lösung

Angesichts der „allgemeinen Inflationsentwicklung“ habe DEGIRO mit Wirkung zum 1. September 2022 die Bearbeitungsgebühr um 0,50 EUR erhöht. Da ein großer und wachsender Anteil der über flatexDEGIRO abgewickelten Transaktionen von DEGIRO stammt, mache sich diese relativ geringe Erhöhung bei Millionen von Transaktionen bemerkbar. Dafür wurde wenigstens auf die Negativzinsen verzichtet – nach Beendigung der Negativzins-Phase der EZB und steigenden Zentralbankzinsen eigentlich „selbstverständlich“ – für flatexDEGIRO besodners erwähnenswert. Spannend wird, inwieweit die steigenden Zentralbankzinsen an die Kunden weitergegeben werden. Scheinen laut Muhamad Chahrour, CFO der flatexDEGIRO AG und CEO von DEGIRO erstmal für flatexDEGIRO’s GuV wichtig, wie man seiner aktuellen Aussage entnehmen kann: „(…)Höhere Zinsen und unsere eigenen kommerziellen Maßnahmen haben das Potenzial, das EBT im nächsten Jahr um mehr als 50 Millionen Euro zu steigern.“

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Die Umsatzerlöse in den ersten neun Monaten 2022 beliefen sich auf 301,6 Mio EUR (9M 2021: 314,2 Mio). Sie lagen damit im Vergleich zu den ersten neun Monaten 2021 nur 4,0 Prozent unter dem Vorjahreswert, trotz eines deutlichen Rückgangs der Anzahl der Transaktionen um 25 Prozent. Ein erheblich höherer Umsatz je Transaktion aufgrund der optimierter Monetarisierung trugen positiv zu dieser Entwicklung bei.

Solange Prozesse rationalisiert werden, Gebühren von Societe Genrale oder BNP Paribas Erträge stabilisieren, sollte es keinen Einfluss auf die Kundenbindung haben – alles andere…

Der durchschnittliche Umsatz je Transaktion erreichte in den ersten neun Monaten 2022 5,26 EUR, ein Anstieg von 19,3 % gegenüber dem Vorjahr (9M 2021: 4,41 EUR). Das starke Wachstum resultiere vor allem aus der Nutzung von Früh- und Späthandel durch Kunden in den internationalen Märkten, dem erfolgreichen Start der ETP-Partnerschaften bei DEGIRO mit Société Générale und BNP Paribas im Dezember 2021 sowie der optimierten Preisstruktur bei DEGIRO seit Dezember 2021. Weitere positive Effekte aus der Erhöhung der Bearbeitungsgebühr bei DEGIRO um 0,50 EUR je Transaktion (wirksam seit dem 1. September 2022) und zusätzliche Zinserträge aus der Anhebung des Einlagensatzes der EZB von 0 Basispunkten auf 75 Basispunkte (wirksam seit Mitte September 2022) sollen sich in den ersten neun Monaten 2022 noch nicht wesentlich auf den Umsatz je Transaktion ausgewirkt haben, werden dies aber ab dem vierten Quartal 2022 tun.

Dazu Erweiterung der Wertpapierkredite – mehr Umsatz „ohne Neugeld“ – sollte wohl die Complianceaufwendungen erhöhen, aber…

Im vierten Quartal 2022 will DEGIRO den Zugang seiner Kunden zu Wertpapierkrediten deutlich erweitern. Das Produkt soll nahezu allen unserer mehr als 1,5 Millionen DEGIRO-Kunden zur Verfügung gestellt werden. Bisher steht es nur einem Bruchteil der DEGIRO-Kunden zur Verfügung (ca. 250 Tausend). Unter konservativen Annahmen soll sich das zusätzliche Margenkreditpotenzial auf deutlich über 300 Mio EUR belaufen. Bei einem aktuellen Zinsniveau von 400 Basispunkten entspräche dies einem annualisierten EBT-Potenzial von ca. 13 Mio EUR.

Derzeit ist flatexDEGIRO der „Platzhirsch“ unter den Discountbrokern, der sich einer hohen Kundenbindung erfreut. Ob das Drehen an der Gebührenschraube auf Dauer diese Position festigen kann, wird sich zeigen. Und die Umsetzung der Aufsichtsvorgaben sollte man „auf die Reihe kriegen“ können. Ob das Einschränkungen des Wachstums bedeutet, lässt sich der aktuellen Meldung jedenfalls nicht eindeutig entnehmen. Dass für die notwnedige – wohl bisher als zu schwach angesehene – Kapitalisierung der „grösseren“ flatexDEGIRO die Thesaurierung der Gewinne austeichend sein soll, schliesst zumindest kurzfristig die Verwässerunsgefffekte einer Kapitalerhöhung aus.
Potential hat die flatexDEGIRO definitiv, insbesondere da beim potentiellen Konkurrenten Smartbroker gerade bei der Neukundengewinnung bis zur Einführung des Smartbrokers 2.0 – die überraschend auf nächsten Jahr verschoben werden musste – eher Zurückhaltung zu bestehen scheint. Dazu kommt das Warten auf die zur besseren Monetarisierung notwendige Genehmigungserweiterung der BAFin, die ebenfalls – normal – noch auf sich warten lässt. Zu den aktuellen Entwicklungen konnten wir vor Kurzem ein Gespräch führen: Interview: Smartbroker Holding (ex. Wallstreet.online) – der neue – alte – CEO André Kolbinger sagt, wie es weitergeht. Was sich ändert.

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