Smartbroker Holding – CEO André Kolbinger zur Baader Bank und wie er den „attraktivsten Broker Deutschlands“ schaffen will.

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Smartbroker Interview
Smartbroker Holding AG (ISIN: DE000A2GS609) im Blick. Am Montag überraschte man mit einem Strategieschwenk und einem neuen Kooperationspartner – der Baader Bank. Was bedeutet das für die Smartbroker Kunden, was für die Prognosen und Pläne der Smartbroker Holding. Fragen die Antworten verdienen.

Kurzfristig stellte sich André Kolbinger, seit einigen Wochen wieder CEO der Smartbroker Holding, unseren Fragen. Vom Portalbetreiber mit schwankenden Erträgen hin zu einem modernen Finanzdienstleister mit berechenbareren Einnahmen, der Portalgeschäft und Trading verzahnt – Smartbroker Holding soll mehr sein als Portalgeschäft mit Brokerage Tochter. Synergien heben ist das Motto. Abläufe verzahnen. Und mit den Erträgen des Portalgeschäfts wurden/ werden allein in 2021 und 2022 insgesamt rund 20 Mio EUR in den Ausbau des „Smartbroker“-Geschäfts investiert – wie gesagt aus eigener Kraft. Und „aus eigener Kraft“ ohne Kapitalerhöhungen soll es weitergehen.

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Nach „Eingewöhnungsphase“ setzt André Kolbinger neue Schwerpunkte und will „den attraktivsten broker Deutschlands“ schaffen.

Wie das gehen soll, erfahren Sie nun vom CEO und Hauptaktionär der Smartbroker Holding AG, André Kolbinger.

NWM: Mit der Montag gemeldeten Kooperation mit der Baader Bank ist Ihnen ein Überraschungscoup gelungen. Weshalb die Baader Bank und was sind die Vorteile für die Smartbroker Holding?

André Kolbinger: Bei der Wahl des Partners war uns wichtig, dass wir eine möglichst hohe Planungssicherheit mit Blick auf den Relaunch haben. Die Baader Bank verfügt über eine verlässliche Wertpapierabwicklung, an die wir uns relativ einfach andocken können. Das Team in Unterschleißheim arbeitet derzeit mit drei Mitbewerbern zusammen und besitzt daher reichlich Erfahrung in Sachen Brokerage.

NWM: Eigentlich wollten Sie doch „alles selber machen“ nach einer entsprechenden Genehmigungserweiterung. Warum jetzt doch wieder eine Kooperation mit einer Abwicklungsbank?

André Kolbinger: Für die Kunden macht es keinen Unterschied, ob wir die Wertpapierabwicklung selbst übernehmen oder ob im Hintergrund die Systeme einer anderen Bank genutzt werden. Wichtig ist, dass wir unser Ziel einhalten und Mitte 2023 ein verbessertes Produkt auf den Markt bringen, inklusive App und neuer Handelsoberfläche. Ich möchte an der Stelle gerne hervorheben, dass wir „nicht einfach“ eine Abwicklungsbank gegen eine andere austauschen. Wir werden künftig für das Frontend und die sogenannte Middleware verantwortlich sein. Dadurch haben wir deutlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Man könnte auch sagen: Mit dem neuen Modell bekommen wir die Freiheiten, die wir bei der bisherigen Partnerbank nicht hatten.

NWM: Was ändert sich bei Smartbroker 2.0 konkret für die User? Welche neuen Produkte werden handelbar?

André Kolbinger: Im besten Fall ändert sich nichts. Das hört sich jetzt vermutlich seltsam an, aber wir haben in meinen Augen schon jetzt ein sehr gutes Angebot und wollen daran auch nichts Grundlegendes verändern. Durch das neue Modell werden wir vor allem die Kritikpunkte aus der Vergangenheit beseitigen. Wir werden unseren Kunden eine deutlich schnellere und vollständig digitale Depoteröffnung anbieten, dazu kommt unter anderem der Handel mit Kryptowährungen. Wir werden etwas zeitversetzt außerdem Depots für Firmenkunden sowie Gemeinschafts- und Juniordepots anbieten. Das Kernstück von Smartbroker 2.0 sind sicherlich die App und die neu gestaltete Handelsoberfläche. In meinen Augen schaffen wir damit den attraktivsten Broker Deutschlands: Bei uns sind alle Assetklassen und alle Börsen handelbar und das zu Preisen von 0 Euro bis 4 Euro je Order.

NWM: Und wie sieht es mit der Kosten-/Gebührenstruktur aus? Wird es teurer?

André Kolbinger: Nein, das wird es nicht. Die große Auswahl an Börsenplätzen und die niedrigen Preise bleiben erhalten. Genau dieser Spagat zwischen dem breiten Angebot der klassischen Broker und den Kampfpreisen der Neobroker macht den Smartbroker aus.

NWM: Warum starten Sie ihre Neukundenakquisitions-Maßnahmen erst wieder mit Einführung des Smartbroker 2.0?

André Kolbinger: Aus wirtschaftlicher Sicht macht es keinen Sinn, jetzt noch Kunden für teures Geld „einzukaufen“ und auf das System der DAB zu schicken. Die DAB möchte das nicht und wir möchten es auch nicht. Denn so ein Onboarding-Prozess ist mit Kosten verbunden, die sich erst über die Zeit amortisieren. Aber bereits in wenigen Monaten müssten wir diese neuen Kunden anschreiben und sie um Zustimmung bitten, ihr Konto auf die Baader Bank zu übertragen. Bis dahin würden vergleichsweise wenig Erträge erwirtschaftet, der gesamte Verwaltungsaufwand stünde in keinem Verhältnis zum Nutzen. Außerdem möchten wir unsere Kunden nicht unnötig stressen. Daher gilt: Lieber abwarten und im nächsten Jahr neue Kunden gewinnen.

NWM: Wie sicher sind Sie, den Sommer 2023 als Relaunch-Datum halten zu können?

André Kolbinger: 100%ige Sicherheit gibt es nie, aber ich würde sagen: Mit der Baader Bank als Partner stehen die Chancen für einen planmäßigen Relaunch sehr gut. Wir können eine ganze Reihe der Features, die wir in den vergangenen anderthalb Jahren entwickelt haben, weiterverwenden. Ich bin daher sehr optimistisch, dass wir Mitte 2023 mit Smartbroker 2.0 live gehen.

NWM: Gerade musste Ihr Wettbewerber flatexDEGIRO zum wiederholten Mal seine Prognose für 2022 zurückschrauben. Läuft es beim Smartbroker so, wie zuletzt kommuniziert?

André Kolbinger: Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass 2022 für uns ein super Jahr war. Momentan leiden alle Akteure unter den gleichen Problemen. Die Zahl der Trades ist bei allen Anbietern zurückgegangen. Nach aktuellem Stand liegen wir aber im Rahmen unserer Guidance, was zu großen Teilen unserem hochprofitablen Portalgeschäft zu verdanken ist.

NWM: flatexDEGIRO ächzt auch unter wesentlich erhöhten Marketingkosten für die Kundenakquise. Kann da der Smartbroker vom Finanzportalgeschäft profitieren und so im Sommer mit potentiell geringeren Akquisekosten je Kunden auskommen?

André Kolbinger: Für diesen Sommer haben wir keine aussagekräftigen Vergleichswerte, da wir die Werbeaktivitäten auf ein Minimum zurückgefahren haben. Mit Blick auf die künftigen durchschnittlichen Neukundengewinnungskosten erhoffen wir uns vor allem durch Social Media eine Verbesserung. Da wir bislang über keine App verfügen, macht es keinen Sinn auf Facebook, Youtube und Co. Werbung zu schalten. Die Abbruchquoten wären zu hoch und die Abschlusszahlen zu gering. Diese Situation wird sich ab Mitte 2023 ändern. Die Werbepreise in den sozialen Medien sind in der Regel etwas günstiger, von daher gehe wir davon aus, dass wir preislich einen besseren Mix hinbekommen.

NWM: In Ihrer Veröffentlichung betonen Sie, dass der Schwenk auf Smartbroker 2.0 und gleichzeitig zur Baader Bank vollständig durchfinanziert ist. Und auch die Kosten für geplante 75.000 Neukunden p.a. in Ihrer Planung für 24 berücksichtigt sind. Heißt das Sie können auf Dauer ohne Kapitalerhöhungen den Aufbau des Smartbrokers aus den Erträgen des Portalgeschäfts stemmen?

André Kolbinger: Ja, davon gehen wir aus.

NWM: Wo soll der Smartbroker – Stand Heute – in 5 Jahren stehen? Gibt es nach dem Launch des Smartbrokers 2.0 und der Baader Bank Kooperation weitere Milestones in diesem Zeitraum, die Sie bereits jetzt im Auge haben?

André Kolbinger: Momentan ist es noch zu früh um so weit in die Zukunft zu blicken. Wir müssen zunächst den Relaunch über die Bühne bringen und dann schauen, wie sich das Geschäft entwickelt. Wir sind natürlich auch ein gutes Stück davon abhängig, wie sich der Markt entwickelt. Wie geht es mit dem Krieg in der Ukraine weiter? Bleiben Inflation und Energiepreise weiterhin auf so einem hohen Niveau? Mit Smartbroker 2.0 können wir erst Ende 2023 / Anfang 2024 so richtig durchstarten, weil wir zunächst die Migration von mehr als 200.000 Bestandskunden bewältigen müssen. Erst dann werden wir das Marketingbudget wieder voll aufdrehen und bis dahin fließt noch eine ganze Menge Wasser die Spree hinunter.

NWM: Nachdem Sie nun einige Monate wieder im operativen Geschäft sind. Wie ist die Stimmung im Unternehmen?

André Kolbinger: So ganz war ich ja nie weg. Durch meine langjährige Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender kannten mich viele Mitarbeiter, außerdem habe ich als Gründer alle Projekte natürlich immer besonders intensiv verfolgt, weil mir das Unternehmen und das Team sehr am Herzen liegen. Die Stimmung ist meiner Meinung nach sehr gut. Es war richtig, sich einige Wochen Zeit zu nehmen und die Situation auch mit externen Beratern zu analysieren.

NWM: Können Sie das Portalgeschäft und den Smartbroker so verzahnen, wie es geplant ist? Wo sehen Sie die größten Probleme?

André Kolbinger: Das können wir umsetzen und das werden wir auch umsetzen, das größte Problem ist für uns aber momentan der Zeitfaktor. In den kommenden Monaten konzentrieren wir uns voll und ganz auf den Start von Smartbroker 2.0, danach auf die Migration der bestehenden Kunden, erst dann kommt alles andere. Der Relaunch ist die Basis für alle weiteren Schritte und ich bin mir sicher, dass es danach viele sinnvolle Erweiterungen geben wird, die wir stufenweise einführen werden.

André Kolbinger | CEO Smartbroker Holding AG

Mit einem Startkapital von weniger als 30.000 DM gründete der damals 23-jährige André Kolbinger (Jahrgang 1975) im Februar 1998 die GIS Wirtschaftsdaten GmbH, aus der bereits kurze später der bekannte Portalbetreiber wallstreet:online wurde (inzwischen umfirmiert als Smartbroker Holding AG). Kolbinger baute die Plattform zur größtem Finanzcommunity im deutschsprachigen Raum aus und führte das Unternehmen zunächst bis November 2008. Zu dem Zeitpunkt verkaufte er seine Beteilung an die Axel Springer SE.

Im Mai 2010 erfolgte der Rückkauf – Springer konzentrierte sich auf sein Portal Finanzen.net. Der Gründer übernahm bei wallstreet:online nicht nur 75 Prozent der Anteile, sondern erneut den Posten als CEO. Im Juli 2011 wechselte Kolbinger in den Aufsichtsrat und blieb dort bis August 2022 Vorsitzender des Kontrollgremiums. Während dieser Zeit kaufte das Unternehmen mehrere Mitbewerber, übernahm beispielsweise die Portale FinanzNachrichten.de, Ariva.de und BörsenNews, Ende 2019 wurde in Kooperation mit der Tochterfirma wallstreet:online capital AG (inzwischen als Smartbroker AG umfirmiert) der Smartbroker gestartet. Ende August trennte sich das Unternehmen kurzfristig vom ehemaligen comdirect-Manager Matthias Hach, Kolbinger wurde daraufhin für die Dauer von drei Jahren zum Vorstandsvorsitzenden bestellt.

Kolbinger ist verheiratet und hat drei Kinder.

Über die Smartbroker -Gruppe:

 Die Smartbroker-Gruppe betreibt den Smartbroker – einen mehrfach ausgezeichneten Next Generation Broker. der als einziger Anbieter in Deutschland das umfangreiche Produktspektrum der klassischen Broker mit den äußerst günstigen Konditionen der Neobroker verbindet. Gleichzeitig betreibt die Gruppe vier reichweitenstarke Börsenportale (wallstreet-online.de, boersenNews.de, FinanzNachrichten.de und ARIVA.de). Mit mehreren Hundert Millionen monatlichen Seitenaufrufen ist die Gruppe der mit Abstand größte verlagsunabhängige Finanzportalbetreiber im deutschsprachigen Raum und unterhält die größte Finanz-Community.


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