Verlierer 2023, Gewinner 2024? Teil1: Nel – verpasst man den Wasserstofftrend?

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Nel hat seit vielen Monaten nichts Neues über Auftragseingänge oder steigende Nachfrage nach den Produkten der Norweger geliefert. „Weg mit den Amateuren, die Profis sind da“ – so äusserte sich bereits eine Analystin zu Nel’s Management. Wird der grosse Kuchen, der definitiv kommen wird, an Nel vorbeigehen?

Schaut man sich die Kursentwicklung der Aktie in den letzten 12 Monaten an, dann kann einem ganz anders werden: Auf Jahressicht weist die Aktie der Norweger ein Minus von 54,5% auf. Aktuelle Kurse bei 0,65 EUR liegen zwar etwas über dem schon vor kurzem erst gesehenen Jahrestiefststand von 0,53 EUR – aber von der grossen Aufbruchstimmung für Wasserstoffwerte, von den Analystenlobliedern, die bei Kursen von 1,70 EUR in 2023 immer noch viel Potential sahen, scheint man bei Nel erstmal abgekoppelt.

Bisher fehlten einfach die grossen Aufträge, die Erfolge von RePowerEU, IRA und den ganzen anderen nationalen und multinationalen Wasserstoffprogrammen im Orderbuch Nel’s.

Zwar wurde das Management von Nel in diesem Jahr nicht müde, immer wieder von den hohen Vorlaufkosten für die Teilnahme an wirklich grossen Ausschreibungen zu reden, die dann ja auch zu „wirklich grossen Aufträgen“ führen sollen. Aber passiert ist seit Monaten im Orderbuch – ausser einem Grossauftrag für die Tankstellensparte – nichts. Und von der Tankstellensparte – so zumindest die Gerüchteküche – könnte sich Nel als grossem Verlustbringer trennen, um sich nur noch auf die Elektrolyseur-Produktion zu konzentrieren. Bei den Elektrolyseuren scheint Nel zumindest technologisch mithalten zu können. Warum trotzdem die wirklich grossen Aufträge, wie die von NEOM oder H2 Green-Steel, bei den grossprojekterfahrenen Konzernablegern, wie thyssenKrupp nucera, landen, weiss man nicht so recht.

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Kursziel Nel 22 NOK von RBC ist die aktuellste Analysteneinschätzung – mehr als 200%??

Die kanadische Bank RBC hat am 12. Dezember die Nel ASA mit einem Kursziel von 22 norwegischen Kronen auf „Outperform“ belassen. Mit dem Verkauf von Everfuel stärkten die Norweger ihre Kasse für 2024, kommentierte Analyst Erwan Kerouredan.

Nel – fokussiert auf die Gigafactories für Elektrolyseure in Heroya, demnächst vielleicht in Michigan und irgendwann mal an einem zweiten europäischen und einem asiatischen Standort – davon war zumindest in den letzten zwei Jahren die  Rede. Und auf dem Weg dahin ÜBERLEBEN, durch Verkauf nicht notwendiger Beteiligungen an Nikola und vor kurzem an Everfuel, möglicherweise Trennung von der kapitalintensiven, hochdefizitären Tankstellensparte. Dann noch die angekündigten Grossaufträge wirklich erringen – mit einem Break-Even, den zumindest die Analysten auf „nach 2025“ datieren. Wenn überhaupt, denn Zweifel an der Fähigkeit Nel’s profitabel Elektrolyseure zu produzieren schweben über den Norwegern seit Jahren.

Insgesamt nur ein HALTEN  bei den Analysten, mittleres Kursziel 10 NOK – Überzeugungstäter gefragt bei der Aktie.

Ob es Nel gelingt den grossauftragserfahrenen Playern, wie einer Siemens Energy, thyssenKrupp nucera, Volkswagen oder Cummins einige der wohl demnächst zur FID stehenden Grossaufträge abzuluchsen, ist die Preisfrage. Elektrolyseure im Umfang vieler GW werden gebaut und gebraucht werden, um die Decarbonisierungsziele der „Welt“ umzusetzen, ob Nel dabei eine Rolle spielt, entscheidet letztendlich der Erfolg bei den laufenden Ausschreibungen. Hopp oder Top der Nel Aktie sollte sich in 2024 entscheiden. Wenn man in 2024 wieder keine wirklich grossen Aufträge gewinnt, war’s das wohl mit der geplanten Gigafactory in Michigan, mit erhöhten Skaleneffekten bei der automatisierten Elektrolyseurproduktion und der notwendigen Hoffnung des Kapitalmarktes auf einen Break-Even. Denn ohne Kapitalmarktvertrauen sollte es immer schwieriger werden die bis 2025 sicher erscheinenden Verluste durch Kapitalmassnahmen ausgleichen zu können.

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Nel – grosser Verlierer des aufkommenden Wasserstoffzeitalters? Nicht nur keine neuen Aufträge, jetzt fliegen sogar sicher geglaubte Aufträge weg.
Nel bleibt ein Hotstock – der Wasserstoffmarkt kommt. Aber mit Nel als einem der Gewinner?

Verlierer in 2023 eindeutig, aber ob Gewinner in 2024 wird sich zeigen. Aktuelle Nachrichtenlage bietet relativ wenig Greifbares. Zuletzt lieferte Nel noch was zum Thema Konzentration – Everfuelbeteiligung verkauft, rund 11 Mio EUR für die Kasse.

Nel befindet sich in einer Aufbauphase, in der wir das Unternehmen verschlanken und alle Ressourcen auf unser eigenes Wachstum konzentrieren. Deshalb trennen wir uns von nicht-strategischen Finanzpositionen. Mit diesem Verkauf besitzen wir keine börsennotierten Aktien mehr„, sagte Kjell Christian Bjørnsen, CFO von Nel. Wie man vor Monaten bereits die NIKOLA-Beteilgiung zu Geld machte, hat man nun auch die letzte börsennotierte Beteiligung versilbert. Und wie bei NIKOLA meilenweit entfernt von mal gesehenen Höchstkursen, aber nach der Devise „Hauptsache Cash“ verschob man zumindest Gedanken an eine Kapitalerhöhung um diesen Betrag in die Zukunft.

So hat man insgesamt 11.698.918 Aktien der Everfuel zu einem Gesamtpreis von 116,6 Mio. NOK verkauft – knapp 10 Mio EUR. Daraus resultiert ein Buchgewinn im Q4  in Höhe von 23 Mio NOK. Erwerber ist ein Unternehmen im Besitz der japanischen Konzerne Itochu Corporation und Osaka Gas. Damit endet die gesellschaftrechtliche Verbindung Nel’s mit der ehemaligen Tochtergesellschaft, die 2020 verselbstständigt wurde. Angeblich soll davon die fruchtbare Lieferbeziehung Nel’s mit Everfuel nicht gestört werden. Man wird sehen. Everfuel kann sich auf Aktionäre freuen, die auf Wasserstoff für ihre Decarbonisierunsgstrategien setzen. Oder wie es  Bjørnsen formulierte: „Mit dieser Transaktion erhält Everfuel einen soliden, langfristigen industriellen Eckpfeiler als Investor. Nel hat Everfuel von Anfang an begleitet, und obwohl wir nicht mehr Anteilseigner sind, freuen wir uns auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Unternehmen“.

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Am Tag als man Everfuel „löste“ ein wirklicher Schlag ins Kontor – Nel verlor einen der letzten überhaupt noch akquirierten Grossaufträge.

Symptomatisch – Verzögerungen bei Subventionsentscheidungen, fehlende politische Rahmenbedingungen verzögern derzeit die meißten potentiellen Wasserstoffprojekte. Bei vielen Projekten kommt es einfach noch nicht zum FID-Zeitpunkt. Dass aber erteilte Aufträge – natürlich unter FID-Vorbehalt unterschrieben – komplett storniert werden, dass haben bisher wenige geschafft. Leider kann sich Nel hier einreihen. Nicht nur keine neuen Grossaufträge, nein ehemals gefeierte Aufträge werden sang- und klanglos storniert.

Am 6. Februar dieses Jahres feierte man einen 40 MW/12 Mio EUR-Auftrag für Wasserstoffverwendung in der Luftfahrt. Dazu hiess es damals: „… Auftraggeber erteilt den Elektrolyseur-Auftrag VERBINDLICH, obwohl die endgültige Investitionsentscheidung für den Einsatzort des Nel Elektrolyseurs erst in 2024 fallen soll.“ Allzu verbindlich kann es dann doch nicht gewesen sein, denn heute heisst es: „Der Kunde HyCC habe sein H2eron-Projekt auf eine Realisierung frühestens im Jahr 2028 verschoben und daher den Auftrag storniert.“

Nel’s neue Wirklichkeit – schrumpfendes Orderbuch.

Die Stornierung werde durch die ursprüngliche Vereinbarung für dieses Projekt, in der der Produktionsbeginn für das 4. Quartal 2025 angekündigt war, abgedeckt. Zwar habe Nel keine Einnahmen für das Projekt verbucht, aber die Stornierung werde das Orderbacklog um etwa 12 Mio EUR reduzieren. Dazu noch ein kleiner Hoffnungsschimmer – sofern Nel bis dahin seine Verluste über Zuschüsse, Darlehen oder Kapitalmassnahmen finanziert bekommt: HyCC und Nel planen, ihre Partnerschaft fortzusetzen, und führen Gespräche über den Einsatz der alkalischen Elektrolyseure von Nel in der neuen Anlage für das H2eron-Projekt mit einer Kapazität von bis zu 50 MW.

„Der regulatorische Rahmen braucht mehr Zeit, und die derzeitigen Marktbedingungen sind noch nicht so, dass das Projekt in der gewünschten Größenordnung durchgeführt werden kann. Im Interesse des H2eron-Projekts sind wir leider gezwungen, den Aufbau und den Zeitplan entsprechend anzupassen“, sagt Marcel Galjee, Geschäftsführer von HyCC.

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Nel könnte die Zweifel an seiner Zukunft beenden – „einfach“ aus der angeblich so grossen Pipeline Aufträge generieren.

Es fehlt der Beweis grossauftragsfähig zu sein – und eben nicht amateurhaft bei den wirklich grossen Projekten aussen vor zu bleiben. Damit die Aussage der Bernstein Analystin nicht das Ende der Anlegerträume über Nel beschreibt, ist bald der Gegenbeweis zu erbringen. Dabei sollte man sich „nicht-wirklich hilfreiche“ Perspektiv-News sparen, sofern sie mit einem alles zunichtemachenden Schlusssatz enden: „A final investment decision for constructing this facility has not been made yet. “ – Nel verbockte es.

In eine triste Stimmungslage für Verluste schreibende „H2-Perspektiv-Unternehmen“, die auf Kapitalzufuhr angewiesen sind, bevor sie – von manchen generell in Frage gestellt – den Breakeven in 2024, 2025 oder noch später eventuell erreichen können, kamen zuletzt aus Norwegen nur viel gehörte Ankündigungen. Nachdem sich Nel medienwirksam vor Monaten bereits für einen Standort im Grossraum von Detroit für die geplante Serienproduktion von Elektrolyseuren in den USA entschieden hatte, wurde es konkret: Plymouth Charter Township, ein Vorort von Detroit, Nel’s erste Wahl für US-Gigafactory.

Entscheidende Frage ist und bleibt: Kommen die angekündigten Grossaufträge für die Nel nach eigenen Worten hohe Investitionen in die Angebotserstellung (FEED-Studien) fliessen lassen muss. Und wenn diese dann wirklich die wesentlich höheren Margen erzielen, als die alten Aufträge, deren Abarbeiten die hohen laufenden Verluste erklären soll, dann könnte noch was aus der Nel Aktie werden – spannend. Kaufkurse? Charttechniker würden sagen: Finger weg. Mutige: So günstig wird’s nicht wieder. Vorsichtige: Wird auch noch billiger…

Nel Plug Power ITM Power Elringklinger PNE - Chartbild Nel.
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