Nagarro – der Lack ist ab. Und darunter?

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Nagarro legte am Freitag den Geschäftsbericht 2022 vor und kündigte ein Aktienrückkaufprogramm an. Entscheidend könnte der 20.04. werden

Nagarro (ISIN: DE000A3H2200) stand seit Februar letzten Jahres als die Wirtschaftswoche die „roten Flaggen“ identifizierte unter genauer Beobachtung. Und auch der Aktienkurs litt erkennbar zuerst unter den Vorwürfen und später auch noch unter zweimal reduzierten Prognosen.

Mittlerweile ist der Hochglanzlack des „Überfliegers“ ab, aber auch die seinerzeit erhobenen Vorwürfe haben ihre Schärfe verloren. Geblieben ist die Anpassung der Wirtschaftsprüfung an die Strukturen eines weltweit tätigen Konzerns – und hier wurde letzten September mit dem sukzessiven Übergang auf KPMG eine befriedigende Lösung präsentiert. Bleibt also nach dem Rauch ein“customised Softwareentwickler“, der nach 50% Umsatzwachstum in 2022 in 2023 eine scharfe Bremse beim Wachstum einlegen musste – bei gleichzeitig einbrechenden Margen, die eine zu sehr auf Wachstum angelegte Struktur aufdeckten. Wie geht es jetzt nach dem negativen Ausnahmejahr 2023 weiter?

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Prognose von Nagarro für 2024 reisst nicht vom Hocker – 10% Umsatzwachstum, Marge bleibt auf 2023er Niveau – dreistellige Kurse kurzfristig wieder möglich?

Mit einer aktuellen MarketCap von 1,2 Mrd EUR ist die Aktie in einer Range befangen, die seit Mai letzten Jahres sich zwischen 63,00 und gut 93,00 EUR bewegt. Ein Ausbruch aus dieser Seitwärtsbewegung ist bisher mehrfach gescheitert. Heute kommt die Prognose für 2024 von Nagarro „auf den Markt“. Während es noch an Informationen über die vorläufigen Zahlen für 2023 fehlt, sieht das Management die Zeit bereits gekommen für Nagarro 2024 „einen Umsatz in der Größenordnung von 1 Mrd EUR“ und die Schätzungen für die Gross Margin und die bereinigte EBITDA-Marge für das Jahr 2024 bei 27 % bzw. 14 % zu definieren.

Auf Basis der aktuellen Prognose für 2023 bleibt es bei rund 10% Wachstumspfad – vorbei die Zeiten von über 50% Wachstum? Dauerhaft?

Aufgrund der letzten Prognoserevision vom 11.08.2023 kann man „aufgrund ungünstiger Währungsentwicklungen und Zurückhaltung in einigen Projekten erwartet das Unternehmen nun für 2023 einen Gesamtumsatz in der Größenordnung von 915 Mio Euro“ erwarten. Das würde gegenüber 2022 mit 856,3 Mio EUR Umsatz ein Wachstum von rund 7% bedeuten – nach 56,8 % Wachstum in 2022. Und auf diesem Niveau sieht man sich dann auch in 2024 wachsen – viele produzierende Unternehmen wären über knapp 10% Wachstum froh – bei Nagarro war man anderes gewohnt. Aber diese Zeiten ungezügelten Wachstums scheinen vorbei – neue Entwicklungsphase der Nagarro? Fragt sich, welche Bewertungskennziffern dafür zugezogen werden sollten?

Und bei der Marge verbleibt man für 2024 auf 2023er Niveau. Im August begründete man eine wesentlich niedrigere Marge gegenüber 2022 folgendermassen: „Da das Unternehmen überschüssige Produktionskapazitäten aufweist, die sich in den Umsatzkosten widerspiegeln, liegt die neue Schätzung für die Gross Margin bei 26 %, während die neue Erwartung für die bereinigte EBITDA-Marge 13 % beträgt.“(CN, 11.08.2023, Nagarro Prognose 2023) Fast exakt dieselben Margen werden jetzt für 2024 genannt – gespannt kann man auf die Begründung für 2024 sein – überschüssige Produktionskapazitäten hätte man doch wohl mittlerweile abbauen können. Liegt wohl eher an den im Rahmen der Q3-Zahlen genannten Gründen: „Aufgrund von überschüssigen Kapazitäten in der Softwareentwicklung und einer Verlagerung hin zu mehr Vertriebsaktivitäten durch Berater sank die Gross Margin„(CN, 14.11.2023, Nagarro Q3-Zahlen)

Cancom, Bechtle oder Nagarro? Peers im Vergleich.

Ist die Nagarro Aktie derzeit ein Schnäppchen, Durchschnitt oder teuer? Ein Blick auf – Achtung Äpfel mit Birnen Vergleich – Unternehmen mit einem ähnlichen Dienstleistungsangebot, gibt Hinweise. Cancom wird derzeit mit einem KGV von 36,22 , Bechtle mit 22,47 und Nagarro mit 22,58 gehandelt. Bei Cancom steht einer MarketCap von rund 1 Mrd EUR steht ein Umsatz in 2023 von 1,5 Mrd EUR (Plus 17%) mit einer Bruttomarge von rund 38% gegenüber. Bechtle bringt es bei einer MarketCap von 5,8 Mrd EUR auf einen Umsatz von 6,4 Mrd EUR (Plus 6,8%) mit einer Bruttomarge von rund 17%.

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Shortpostionen immer noch auf relativ hohem Niveau – aber normalisiert.

Die meldepflichtigen Shortpositionen haben sich trotz kräftiger Kursverluste kaum verändert seit Ende Anfang letzten Jahres. Während im April noch etwas über7% der Aktien in Form von meldepflichtigen Positionen (mindestens 0,5% Positionsgrösse), lag man im Mai bei 6,82% (Stand 13.05.), im September bei 7,26% und aktuell (19.02.2024) bei 4,39% meldepflichtigen Positionen. Zum Vergleich die pbb als am stärksten geshortete Aktie am deutschen Markt liegt bei 8,47%. Offensichtlich erwarten einige Hedgefonds weitere schlechte Nachrichten, wahrscheinlich eher weniger Enthüllungen, sondern eher weitere Eintrübungen auf der Umsatz- oder Gewinnseite.

Wer wissen will, worum es im Februar ging bei den „red flaggs“, kann sich hier informieren: Wir setzten uns mit dem CEO Manas Human der Nagarro seinerzeit zusammen und gingen einen umfangreichen Fragenkatalog durch – als Reaktion auf den Artikel in der Wirtschaftswoche über die „Acht kritische Punkte: Die roten Flaggen von Nagarro“ . In Teil 1 ging es um Nagarro generell und die ersten 4 Themenbereiche, die für die Wirtschaftswoche Fragezeichen aufwarfen. Dann ging es „um den Rest“ im Teil2 – spannendes Interview mit Einblick in einen relativ unbekannten Konzern.
Aktuell scheint die Nagarro Aktie wieder auf einem Niveau angekommen, das ausgewogen Chancen und Risiken bietet. Gegenüber den Peers ist man „ähnlich“ bewertet – Phantasie könnte ein „Arbeiten“ an der Marge bringen – alte Grössenordnungen würden auf aktuellem Niveau durchaus interessante Perspektiven bieten. Nagarro „in der Normalität angekommen“. Nächste Trigger könnten die Zahlen 2023 werden oder eine Präzisierung, wie es weitergehen soll. Mittlefristplanung?

 

Chart: Nagarro SE | Powered by GOYAX.de
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