Nagarro „Wir haben verstanden“. KPMG zukünftig „Garant“ für saubere Bilanzen. Aber das Wachstum…

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Nagarro legte am Freitag den Geschäftsbericht 2022 vor und kündigte ein Aktienrückkaufprogramm an. Entscheidend könnte der 20.04. werden

Nagarro (ISIN: DE000A3H2200) steht seit Februar als die Wirtschaftswoche die „roten Flaggen“ identifizierte unter genauer Beobachtung. Und auch der Aktienkurs litt erkennbar zuerst unter den Vorwürfen und später auch noch unter reduzierten Prognosen.

Auch wenn es erkennbar ruhiger geworden ist um die Nagarro, zeigt das Management respektive der Aufsichtsrat, dass einige der Kritikpunkte durchaus bedenkenswert waren. So war die Kritik, dass die bisher eher national und mittelständisch aufgestellte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft LOHR + COMPANY GmbH  möglicherweise nicht mehr „passend“ zu der rasant gewachsenen Nagarro und ihrer weltweiten Präsenz sein könnte, nicht ganz von der Hand zu weisen. Nicht dass grössere und internationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaften – wie EY beim Wirecard-Bilanzbetrug – unbedingt geeigneter sind, Unregelmässigkeiten aufzudecken, aber allein deren internationale Struktur mit lokalen Prüfgesellschaften vor Ort gewährleistet wohl einen koordinierteren Prüfprozess aus „einem Guss“.

Und jetzt kommt KPMG, die bei Wirecard den Bilanzbetrug und die Fehler von EY aufdeckten, „in charge“ bei Nagarro. Klare Verbesserung für die Kapitalmarkttransparenz.

Auch wenn der testierte Bilanzbericht 2022 seit seiner Vorlageim April von vielen Akteuren mit Argusaugen seziert worden ist, gab es bisher keine klar formulierten Kritikpunkte – scheint keine weitere Munition in diesem Bericht geschlummert zu haben. Und so scheint der Druck auf die Verantwortlichen von der Seite Bilanzprüfung nicht übermächtig gewesen zus ein. Nichtsdestotrotz will man nun für die Bilanz 2024 mit KPMG einen der BIG Four/Five als Konzernprüfer beauftragen. Für 2023 sollen – wie bereits im Frühjahr angekündigt – in einem Übergangsjahr die Konzernzahlen weiter von LOHR + COMPANY GmbH  geprüft werden, wobei die meissten Landesgesellschaften und somit mit rund 60% Umsatzanteil die Basis für die letztendliche Konzernbilanzprüfung wohl bereits grösstenteils von Vertretern KPMG’s oder anderen „internationalen“ WP-Gesellschaften durchgeführt werden sollen.

Nagarro Aktie trotz Tagesgewinn von 3,48% mit 66.85 EUR weit weg von den Kursen, die man nach der WiWo, vor der Prognosereduktion wieder erreicht hatte.

Im Einzelnen: Auf Empfehlung des Prüfungsausschusses der Aufsichtsrat der Nagarro SE in seiner Sitzung vom 07. September 2023 beschlossen, der kommenden Hauptversammlung im Jahr 2024 die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft als Abschlussprüfer für den Jahresabschluss und den Konzernabschluss der Nagarro SE für das Geschäftsjahr 2024 vorzuschlagen. Diese Empfehlung ist das Ergebnis mehrerer Beratungen zwischen dem Aufsichtsrat, dem Prüfungsausschuss, dem Nagarro-internen Projektteam und dem Vorstand der Nagarro SE sowie eines umfassenden öffentlichen und diskriminierungsfreien Ausschreibungsverfahrens in Übereinstimmung mit den einschlägigen Bestimmungen der EU-Abschlussprüferverordnung.

In der ordentlichen Hauptversammlung der Nagarro SE im Juni 2023 wurde die LOHR + COMPANY GmbH erneut zum Abschlussprüfer der Nagarro SE für die Prüfung des Jahresabschlusses und des Konzernabschlusses für das Geschäftsjahr 2023 bestellt. In der Folge hat Nagarro weltweit anerkannte Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in die engere Auswahl genommen, die auf der Grundlage der von LOHR + COMPANY erteilten Instruktionen die konsolidierungsfähigen Prüfungen bzw. die gesetzlichen Prüfungen mehrerer rechtlicher Konzerneinheiten für das Jahr 2023 durchführen werden, welche im Jahr 2022 gemeinsam etwa 60 % des konsolidierten Umsatzes des Nagarro-Konzerns ausmachten.

„Wir haben das Auswahlverfahren frühzeitig eingeleitet, um einen reibungslosen Übergang des Mandats im Einklang mit den Anforderungen an die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers zu gewährleisten“

, sagte Christian Bacherl, Vorsitzender des Prüfungsausschusses.

Manas Human, „Custodian of Entrepreneurship in the Organization“, andere würden sagen CEO, fügte hinzu: „Jeder Investor ist für uns bedeutsam. Dennoch möchten wir Nagarro noch attraktiver für große internationale institutionelle Investoren machen, die mit unserer Peer Group vertraut sind. Nagarro hat mehrere Schritte in diese Richtung unternommen, wie z. B. die Erweiterung unseres Aufsichtsrats um unabhängige Mitglieder sowie einen Vertreter aus den USA. Weltweit anerkannte Wirtschaftsprüfungsgesellschaften prüfen bereits einige wesentliche rechtliche Einheiten von Nagarro und der Schritt zur Bestellung einer weltweit tätigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft auf Konzernebene ist ein weiterer Beleg für unser Engagement für ein Höchstmaß an Corporate Governance und Transparenz.“

Shortpostionen beharren auf relativ hohem Niveau – ist es noch nicht vorbei?

Die meldepflichtigen Shortpositionen haben sich trotz kräftiger Kursverluste kaum verändert seit Ende Februar. Während im April noch etwas über7% der Aktien in Form von meldepflichtigen Positionen (mindestens 0,5% Positionsgrösse), lag man im Mai bei 6,82% (Stand 13.05.) und aktuell (11.09.2023, Bundesanzeiger) wieder übe r7% bei 7,26%. Offensichtlich erwarten die Hedgefonds weitere schlechte Nachrichten, wahrscheinlich eher weniger Enthüllungen, sondern eher weitere Eintrübungen auf der Umsatz- oder Gewinnseite. Aber wohl erwartet man auf jeden Fall weiter Druck auf den Aktienkurs.

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Wer wissen will, worum es im Februar ging bei den „red flaggs“, kann sich hier informieren: Wir setzten uns mit dem CEO Manas Human der Nagarro seinerzeit zusammen und gingen einen umfangreichen Fragenkatalog durch – als Reaktion auf den Artikel in der Wirtschaftswoche über die „Acht kritische Punkte: Die roten Flaggen von Nagarro“ . In Teil 1 ging es um Nagarro generell und die ersten 4 Themenbereiche, die für die Wirtschaftswoche Fragezeichen aufwarfen. Dann ging es „um den Rest“ im Teil2 – spannendes Interview mit Einblick in einen relativ unbekannten Konzern.
Aktuell liegt der Ball wieder einmal bei Nagarro. Und wie geht es weiter? Die Compliance-Arbeit ist für Nagarro noch nicht erledigt. Der Wechsel des Wirtschaftsprüfers in 2024 kann als klares Signal an den Kapitalmarkt verstanden werden, die Bedenken einiger Kritiker ernst zu nehmen und angemessen zu reagieren. Wichtig für die zukünftige Sichtweise des Kapitalmarktes auf Nagarro. Aber die Kür wäre und ist die Rückkehr zu den „alten Wachstumszahlen“. Zu den über 50%, die man noch in 2022 geschafft hatte und von denen man sich nun für 2023 klar verabschieden musste. Aktie unter Beobachtung – „unter Bewährung“. Mit Chancen, wenn… Aber eben auch mit den bekannten Risiken.
Chart: Nagarro SE | Powered by GOYAX.de
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