
SAP Zalando Rheinmetall – nächste Topgewinner am deutschen Aktienmarkt? Morningstar sieht weiter eine klare Unterbewertung bei den 3 Aktien. Auch bei SAP, selbst nach dem zuletzt hingelegten „Kurs-Lauf“. Warum?
Bevor man gestern sich wieder mal festlegte und „Favoriten“ kürte, hatte zuletzt am 3. Juli 2026 Morningstar-Autorin Antje Schiffler die systematische Einschätzung ihres Hauses zum deutschen Aktienmarkt zusammengefasst. Das Ergebnis war seinerzeit relativ hoffnungsvoll: Die Experten stuften damals 26 von insgesamt 52 beobachteten deutschen Titeln als unterbewertet ein. Unter den lediglich acht Aktien, die das begehrte Höchstrating von 5 Sternen erhielten, fielen vor allem die beiden Rüstungs- und Verteidigungswerte Rheinmetall und HENSOLDT auf. Zudem zählte der Softwareriese SAP zu den Volltreffern der Analyse. Der einzige Griff daneben schien die Zalando Aktie zu sein – zumindest in der Momentaufnahme.
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In den darauf folgenden Wochen bestätigten die Märkte diesen Ausblick in weiten Teilen. Ende August 2026 legt Morningstar nun mit einer aktualisierten Auswertung nach. Die Kernaussage bleibt bestehen: Während die weltweiten Märkte im Großen und Ganzen auf einem historisch sehr hohen Bewertungsniveau verharren, bieten ausgewählte deutsche Standardwerte nach wie vor deutliches Aufwärtspotenzial. Besonders drei DAX-Schwergewichte stechen laut Frau Schiffler diesmal durch einen massiven Abschlag auf ihren berechneten fairen Wert hervor:
| Aktie | Abschlag auf fairen Wert (Discount) | Morningstar Fair Value | Economic Moat (Burggraben) |
| Rheinmetall | 51 % | 2.380 Euro | Breit |
| SAP | 30 % | 265 Euro | Breit |
| Zalando | 47 % | 42,50 Euro | Keiner / Enge Nische |
Rheinmetall: Die Transformation vom Rüstungsbauer zum Systemdienstleister – nächstes Argument neben den Morningstar-Gründen.
Die Rheinmetall-Aktie erlebte im Sommer 2026 eine intensive Phasenprüfung. Nachdem der Kurs im Juli zeitweise um die Marke von 1.000 bis 1.033 Euro pendelte, stieg die Notierung bis Ende August wieder auf über 1.120 Euro an. Analystin Loredana Muharremi (CFA) stellt in ihrer aktuellen Einschätzung fest, dass sich der massive Kapazitätsausbau der Produktion nun messbar in Einnahmen- und Margenwachstum niederschlägt. Die zurückliegende Zurückhaltung am Markt führt sie auf temporäre Transparenzsorgen bezüglich des deutschen Beschaffungszeitplans, des Projekts Arminius sowie der Anpassung von Lieferplänen im Boxer-Programm zurück. Morningstar sieht für den Titel einen fairen Wert von 2.380 Euro und bescheinigt Rheinmetall dank hoher Wechselkosten und technologischer Barrieren einen „breiten wirtschaftlichen Burggraben“.
Dass dieser faire Wert fundiert begründet sein könnte, zeigt ein Blick auf die aktuelle Berichterstattung über die Düsseldorfer. Rheinmetall entwickelt sich vom reinen Hardware-Lieferanten hin zum langfristigen Dienstleister und Systemintegrator. Und eine mögliche Blaupause für diese Transformation bietet ein Großprojekt in Litauen. Rheinmetall übernimmt dort als Generalunternehmer den schlüsselfertigen Bau, die umfassende Betreuung sowie den späteren Rückbau eines modularen Feldlagers für bis zu 2.000 Bundeswehrsoldaten.
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Errichtung und Infrastruktur: Rund 250 Millionen Euro fließen in die Fertigung, Logistik und den Aufbau vor Ort.
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Dienstleistungen und Betrieb: Ab der geplanten Inbetriebnahme Mitte August 2027 generiert Rheinmetall jährlich rund 40 Millionen Euro für Facility Management, Verpflegungsdienstleistungen und Wäschereibetrieb.
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Lebenszyklus-Betreuung: Der Vertrag deckt die gesamte Kette ab – von der Entwicklung über den Transport bis zum späteren vollständigen Rückbau.
Mit solchen Verträgen verabschiedet sich der DAX-Konzern von rein schwankungsanfälligen Einmalverkäufen und sichert sich planbare, hochmargige wiederkehrende Erlöse. Dieses Servicemodell dient bereits als Muster-Idee für weitere NATO-Einsätze entlang der Ostflanke.
SAP: Beeindruckende Sommer-Rallye trotzt KI-Sorgen.
Der Softwareriese SAP erwies sich in den Sommermonaten als einer der stärksten Werte im DAX. Seit dem Einstiegssignal Mitte Mai legte die Aktie eine kontinuierliche Erholung an den Tag. Allein von Ende Juli bis Ende August kletterte der Kurs von rund 135 Euro auf in der Spitze über 185 Euro – ein Plus von über 30 Prozent binnen eines Monats. Trotz kurzfristiger Konsolidierungen, etwa ausgelöst durch Gewinnmitnahmen nach Analystenumstufungen Ende August bei 181 bis 184 Euro, sieht Morningstar-Analyst Rob Hales (CFA) die Aktie weiterhin mit einem unveränderten Fair Value von 265 Euro klar unterbewertet.
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Die Monatsverluste im Frühjahr basierten nach Hales‘ Einschätzung vor allem auf der verallgemeinerten Angst der Marktteilnehmer, dass generative künstliche Intelligenz (GenAI) das klassische Software-Geschäft untergraben könnte. Morningstar hält dieses Szenario bei SAP für äußerst unwahrscheinlich. Die Systeme von SAP sind so tief in den operativen Prozessen der globalen Kundschaft verankert, dass ein Austausch schlicht unrealistisch ist. Stattdessen nutzt SAP GenAI als Hebel, um eigene Plattformen aufzuwerten und zusätzliche Erlöse im Cloud-Geschäft zu generieren.
Zalando: Bodenbildung nach Margenanpassung.
Im E-Commerce-Sektor zeigt sich bei Zalando ein gemischtes, aber chancenreiches Bild. Nach Erreichen eines Tiefs Ende Juli bei 19,21 Euro kämpfte sich die Aktie bis Ende August wieder auf etwa 23,80 Euro zurück und kreuzte dabei erstmals seit Wochen wieder die wichtige 200-Tage-Linie nach oben. Analystin Jelena Sokolova (CFA) passte die Fair-Value-Schätzung von 45,00 Euro leicht auf 42,50 Euro an, um der vorsichtigen Prognose des Managements für ein verlangsamtes Wachstum im laufenden Geschäftsjahr Rechnung zu tragen.
Dennoch bleibt die Aktie im Morningstar-Modell massiv unterbewertet. Der Markt preist derzeit ein sehr konservatives Szenario ein. Sokolova prognostiziert mittelfristig ein Umsatzwachstum im hohen einstelligen Bereich bei einer schrittweisen Ausweitung der Marge auf 6,5 Prozent. Die strategische Fokussierung auf Logistikdienstleistungen für Dritte (ZEOS) und ein striktes Kostenmanagement bilden hierbei das Fundament für die anstehende Margenerholung.
SAP Rheinmetall Zalando – Toppicks?
Die aktuelle Morningstar-Auswertung bestätigt den Trend aus dem Juli 2026. Während der Gesamtmarkt auf hohem Niveau nach Orientierung sucht, bieten Qualitätsaktien wie Rheinmetall, SAP und Zalando substanzielles Erholungspotenzial. Insbesondere Rheinmetall sticht heraus: Mit einem fairen Wert von 2.380 Euro, einem breiten Burggraben und dem erfolgreichen Wandel hin zu hochmargigen Betreibermodellen vereint der Konzern fundamentale Auskristallisierung mit langjähriger Ertragssicherheit.
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