
Porsche Aktie als Witwen- und Waisenpapier war mal eine schöne Vorstellung. Ein Unternehmen in der Krise, das sich neu erfinden muss, passt schon eher. Natürlich mit der Chance eines klaren Wechsels wieder auf die Überholspur. Wie das funktionieren soll, darauf gab es heute antworten auf Porsche’s Capital Markets Day.
Erste Börsenreaktion könnte man als abwartend bezeichnen – kleines Plus ist kein Jubel. Es gibt natürlich nichts grundlegend Neues – Sparen in allen Bereichen, Nebentätigkeiten weg, mehr Luxus, weniger Stückzahlen mit höherer Marge. Hört sich einfach an, aber die Umsetzung entscheidet über den zukünftigen Börsenwert der Porsche SE. Und natürlich die Reaktion der „Käufer“ auf Porsche 2.0.
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Value over Volume – Porsche sagt’s.
Mit der Strategie „Sportwagenschmiede ’35“ zieht Porsche die Reißleine nach dem herben Absatzeinbruch in China und korrigiert die bisherige Volumenstrategie grundlegend. Unter dem Leitmotiv „Value over Volume“ peilt das Management mittelfristig eine operative Konzernumsatzrendite von 10 bis 15 Prozent sowie eine Netto-Cashflow-Marge im Automobilbereich von 9 bis 12 Prozent an, während langfristig sogar 15 Prozent operative Rendite und 12 Prozent Marge ins Auge gefasst sind. Beim Konzernumsatz wird ein Korridor von 41 bis 45 Milliarden Euro angestrebt. Um diese Ziele abzusichern und die Gewinnschwelle auf unter 200.000 Einheiten zu drücken, greift das Unternehmen massiv durch.
Die Kosten…
Der harte Kern der Neuausrichtung liegt auf der Ausgabenseite, wo Porsche angesichts aufgeblähter Strukturkosten den Rotstift ansetzt. Das vereinbarte Zukunftspaket sieht neben einer Standortsicherung bis 2035 den sozialverträglichen Abbau von rund 9.000 Stellen vor. Flankierend dazu sollen die Personalkosten in der Fertigung mittelfristig um bis zu 30 Prozent sinken.
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Auch in der Verwaltung wird rigoros ausgedünnt: Managementpositionen werden um 40 Prozent reduziert, und die Gesamtbelegschaft in direkten sowie indirekten Bereichen soll um 25 bis 30 Prozent schrumpfen. Ergänzend zielt das Management darauf ab, die Entwicklungskosten durch modulare Prozesse um bis zu 20 Prozent zu senken, die Vertriebs- und Verwaltungskosten ebenfalls um 20 Prozent zu drücken und die Materialeinzelkosten für neue Fahrzeugprojekte um rund 10 Prozent zu reduzieren. Nach dem erwarteten Investitionshöhepunkt im Jahr 2026 sollen zudem die Ausgaben für Forschung, Entwicklung und Sachanlagen spürbar zurückgehen.
Porsche verkauft einen Traum von Luxus.
Auf der Produktseite schärft Porsche sein Profil durch eine selektive Premiumisierung und eine Straffung des Portfolios um rund 20 Prozent weniger Modellvarianten. Flankiert von einer neuen Mittelmotor-Supersportwagenplattform und hochemotionalen Derivaten soll das stark ausgebaute Sonderwunsch-Programm die Umsätze pro Fahrzeug ankurbeln und die Exklusivität stärken. Eine begleitende Qualitäts-Initiative soll zudem die Kundenzufriedenheit sichern und parallel die Garantiekosten mittelfristig um bis zu 45 Prozent senken.
Für Aktionäre bedeutet dieser Übergang einen harten Ritt durch eine Phase operativer Restrukturierung. Ob die Flucht in noch exklusivere Segmente und margenstärkere D- und E-Modelle (obere Mittleklasse und mehr) die wegbrechenden Absatzzahlen auf Dauer vollständig kompensieren kann, bleibt in einem eingetrübten makroökonomischen Umfeld ein riskanter Balanceakt. Die strikte Kapitaleffizienz und die starke Cash-Generierung sollen zwar eine solide Bilanz mit einer Nettoliquidität von 15 bis 20 Prozent des Automobilumsatzes sowie eine aktionärsfreundliche Ausschüttungspolitik mit einer Mindestquote von 50 Prozent des Konzerngewinns absichern, doch der Weg dorthin erfordert von Anlegern in den kommenden Jahren eine hohe Frustrationstoleranz. Wobei der Aktienkur sbereits genug Frust verursacht haben sollte.














