Enapter wieder zurück auf Los. CEO Dr. Laakmann im Gespräch. Wie es jetzt alles besser werden soll.

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Enapter – viele Pläne, begeisterte NRW-Landespolitiker, die einen Innovationsstandort meinten in ih rbundesland geholt zu haben, Break-Even in diversen Investorenveranstaltungen immer wieder als erreichbar und in x-Jahren zu verwirklichen. Jetzt macht an bei Enapter reinen Tisch – weg mit grosser eigener Produktionsstätte, riesigem Forschungskampus. Weg mit Schulden, die mit dem neuen Ansatz nicht mehr in Einklang zu bringen waren – Anleger haben schon viel gehört. Jetzt kommt ein CEO und sagt, man habe jetzt die Lösung gefunden. Bis ihm der Kapitalmarkt folgen wird, ist schon einiges an Überzeugungsarbeit nötig. Mit seinen offenen Worten gegenüber dem nwm könnte eine neue Basis des Vertrauens zwischen einer Enapter 2.0 und dem Kapitalmarkt beginnen. Enapter hat durchaus auch etwa szu bieten – neben vielen hochfiegenden, gescheiterten Plänen. Lesen, nachdenken und vielleicht eine Chance geben?

nwm: Herr Dr. Laakmann, Enapter hat eine strategische Neuausrichtung auf ein Asset-Light-Geschäftsmodell beschlossen. Was steckt dahinter?

Dr. Laakmann: Enapter wird sich künftig deutlich schlanker aufstellen. Wir werden weniger selbst produzieren, flexibler auf Marktsituationen reagieren und unsere Fixkosten erheblich reduzieren. Der Großteil der personalintensiven industriellen Produktfertigung wird künftig von qualifizierten Partnern in China und den USA übernommen. Unser Fokus liegt auf Forschung und Entwicklung, Produktentwicklung und Produktmanagement, dem weltweiten Vertrieb, der Projektentwicklung sowie Serviceangeboten im Wasserstoffbereich.

nwm: Welche Rolle übernimmt der Standort Pisa?

Dr. Laakmann: Pisa wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle für Enapter spielen. Die chemische Herstellung der für die AEM-Technologie wesentlichen Elektroden findet weiterhin am Standort Pisa statt. Damit verbleiben die IP-intensivsten Wertschöpfungsschritte und technologischen Kernkompetenzen in der Enapter-Gruppe. Gleichzeitig reduzieren wir den Kapitalbedarf für Produktionsanlagen und erhöhen unsere Skalierbarkeit und Flexibilität.

nwm: Im Zuge der Neuausrichtung will Enapter sein Produktangebot auch auf alkalische Elektrolyseure ausweiten. Bislang lag der Fokus ja einzig auf der AEM-Technologie…

Dr. Laakmann: Durch die Ergänzung unseres Produktangebots mit alkalischen Elektrolyseuren decken wir künftig ein deutlich breiteres Spektrum an Elektrolyseurlösungen ab – von kleinen Singlecore-Elektrolyseuren im Kilowattbereich bis hin zu Großprojekten im Multi-Megawatt- und Gigawattmaßstab. Dabei geht es nicht darum, AEM und alkalische Elektrolyse in jedem Projekt physisch miteinander zu kombinieren. Entscheidend ist vielmehr, unseren Kunden technologieoffen die jeweils passende Lösung aus einer Hand anbieten zu können. Bei schwankender Energieversorgung aus Wind und Sonne spielt unsere modulare AEM-Technologie ihre Stärken aus. Alkalische Elektrolyseure ergänzen unser Angebot für großskalige Anwendungen. Wir können damit deutlich größere Wasserstoffprojekte umsetzen als in der Vergangenheit und unseren adressierbaren Markt erheblich vergrößern.

nwm: In China hat nun gemeinsam mit einem Partner die Produktion der Stacks begonnen.

Dr. Laakmann: Bei unserem neuen Produktionspartner Runqing Hydrogen Technology Co., Ltd., einem Unternehmen der Runshihua-Gruppe, haben wir die Stack-Produktion in Shenzhen in kurzer Zeit aufnehmen können. Die hochmodernen, vollautomatisierten Produktionsanlagen ermöglichen es, AEM-Stacks in der erforderlichen Qualität und in bedarfsgerecht skalierbaren Stückzahlen herzustellen. Nach Abschluss der laufenden Hochlaufphase soll die vorgesehene Produktionsleistung innerhalb weniger Wochen erreicht werden. Die ersten Stacks für Enapter-Elektrolyseure im Megawattbereich sind bereits montiert und auslieferungsbereit.

nwm: Wie entwickelt sich der Markt? Ist die Nachfrage nach kleinen Elektrolyseuren überhaupt noch vorhanden?

Dr. Laakmann: Die Nachfrage nach kleineren Elektrolyseuren ist weiterhin intakt. Sie kommen beispielsweise bei der lokalen Energiespeicherung oder mobilen Anwendungen zum Einsatz. Gleichzeitig hat sich der Markt deutlich in Richtung größerer, leistungsstärkerer Elektrolyseure im Megawatt- und Multimegawattbereich entwickelt. Darauf reagieren wir mit einem Angebot vom Kilowattbereich bis zum Gigawattmaßstab. Tausende Enapter AEM-Elektrolyseure sind bereits bei mehr als 360 Kunden in über 55 Ländern im Einsatz. Das zeigt, dass modulare Anwendungen und großskalige Projekte nebeneinander bestehen.

nwm: Mit Patrimonium, dem Inhaber der Enapter-Unternehmensanleihe, wurde eine umfassende Restrukturierung vereinbart. Könnten Sie diese kurz erläutern?

Dr. Laakmann: Die Vereinbarung hat zwei Seiten. Mit ihrem Vollzug übernimmt Patrimonium den Enapter Campus in Saerbeck. Enapter leistet daneben eine Zahlung von 5 Mio. Euro und gewährt Patrimonium einen auf 2 Mio. Euro begrenzten Besserungsschein. Damit sind die Ansprüche aus der Unternehmensanleihe abgegolten. Die Einigung ist erzielt, vollzogen ist sie noch nicht. Erst mit dem Vollzug entfallen die Finanzverbindlichkeiten von rund 26 Mio. Euro und der darauf entfallende Zinsaufwand von rund 300.000 Euro pro Monat, also rund 3,6 Mio. Euro im Jahr.

Für Enapter ist der Effekt ein doppelter: Wir trennen uns von einem Vermögenswert, den wir im künftigen, deutlich schlankeren Geschäftsmodell nicht mehr benötigen, und lösen zugleich eine der größten Belastungen unserer Bilanz ab.

nwm: Wissen Sie, was mit dem – man muss sagen – ehemaligen Enapter Campus in Saerbeck werden soll? Was plant der neue Eigentümer? Wird es irgendetwas mit Wasserstoff zu tun haben? Waren die Bemühungen von NRW um einen Innovationsstandort im Endeffekt „für die Katz“?

Dr. Laakmann: Welche Nutzung der Campus nach dem Vollzug erhalten wird, entscheidet Patrimonium, nicht Enapter. Über die Absichten eines Dritten zu spekulieren, steht mir nicht zu. „Für die Katz“ war in Saerbeck aber nichts. Dort wurden die baulichen und technischen Voraussetzungen geschaffen, um regionale Energieerzeugung, Forschung, Entwicklung und industrielle Fertigung an einem Ort zusammenzubringen. Gebäude und Infrastruktur sind vorhanden und bleiben nutzbar – daran ändert auch der künftige Eigentümerwechsel nichts.

nwm: Wozu hat es den Enapter Campus denn benötigt? Produziert wurde dort ja nie…

Dr. Laakmann: Der Wasserstoffmarkt hat sich in den vergangenen Jahren – das muss man in aller Deutlichkeit sagen – nicht so entwickelt, wie wir selbst und nahezu alle Experten und Akteure im Wasserstoffmarkt es prognostiziert hatten. Als wir den Enapter Campus ab 2020 errichtet haben, war er als zentraler Standort für Forschung, Entwicklung und die industrielle Produktion von AEM-Elektrolyseuren geplant und sollte den Aufbau einer großskaligen Serienfertigung ermöglichen. Dieses Ziel war auf Grundlage der damaligen Markt- und Finanzierungsbedingungen nachvollziehbar. Inzwischen haben sich sowohl die Marktbedingungen im Wasserstoffsektor als auch die Finanzierungsbedingungen für Wachstumsunternehmen deutlich verändert. Deshalb haben wir unsere langfristige Produktionsstrategie überprüft und stellen nun auf ein partnerbasiertes Modell um.

nwm: In ihrer letzten Mitteilung war von einer Brückenfinanzierung die Rede und einer Kapitalerhöhung. Wozu sollen die Mittel eingesetzt werden?

Dr. Laakmann: Großaktionäre von Enapter stellen uns kurzfristig eine Überbrückungsfinanzierung von 3 Mio. Euro zur Verfügung. Für das zweite Halbjahr 2026 ist eine Kapitalmaßnahme geplant, an der sich ein strategischer Investor mit 10 bis 12 Mio. Euro zu beteiligen beabsichtigt. Hierzu wurde ein Zeichnungsvorvertrag geschlossen; seine Wirksamkeit steht unter anderem unter dem Vorbehalt der erforderlichen regulatorischen Genehmigungen. Die Mittel dienen der operativen und finanziellen Restrukturierung und stärken zugleich die Eigenkapitalbasis. Die beabsichtigte Beteiligung werten wir als Bestätigung unseres Asset-Light-Modells.

nwm: Die Prognose für das laufende Jahr wurde kassiert. Was erwarten Sie für 2026?

Dr. Laakmann: Eine neue Prognose können wir derzeit noch nicht seriös abgeben. Die Restrukturierung läuft, und wesentliche Elemente unserer künftigen operativen Aufstellung und Kostenstruktur stehen noch nicht abschließend fest.

Die Richtung ist klar: Wir richten Enapter auf eine deutlich niedrigere Kostenbasis, weniger Kapitalbindung und ein partnerbasiertes Produktionsmodell aus. Wie stark und ab welchem Zeitpunkt sich dies 2026 auf Umsatz und Ergebnis auswirken wird, lässt sich heute noch nicht belastbar beziffern. Sobald ausreichende Klarheit besteht, werden wir eine neue Prognose veröffentlichen.

nwm: Wie sehen Sie Enapter für die kommenden Jahre aufgestellt?

Dr. Laakmann: Die Anpassung unseres Geschäftsmodells ist ein wichtiger Schritt, um Enapter für eine nachhaltig erfolgreiche Zukunft aufzustellen. Wir können uns auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren: Forschung und Entwicklung, Produktentwicklung und Produktmanagement, die chemische Herstellung der Elektroden in Pisa sowie den weltweiten Vertrieb und Service. Unsere Partner übernehmen zugleich die personal- und kapitalintensive Serienfertigung. Damit reduzieren wir Fixkosten und Kapitalbedarf, erhöhen unsere Skalierbarkeit und Flexibilität und können schneller auf die Marktnachfrage reagieren. Mit diesem Ansatz können wir sowohl modulare AEM-Anwendungen als auch deutlich größere Projekte im Multi-Megawatt- und Gigawattbereich bedienen. So stellen wir Enapter nachhaltig auf und erweitern unseren adressierbaren Markt erheblich.

nwm: Herr Laakmann, besten Dank für das Interview.
Dr. Jürgen Laakmann…

….ist promovierter Ingenieur für Maschinenbau und verfügt über mehr als 20 Jahre Management-Erfahrung, unter anderem in der Strategieberatung und in den Bereichen Automotive und Tech. Bevor er seine Vorstandsposition 2023 bei Enapter antrat, war er CEO bei der Formel D Gruppe, einem führenden Automobildienstleister. Dort hat Jürgen Laakmann maßgeblich die strategische Geschäftsentwicklung gestaltet und unter anderem 22 internationale Niederlassungen und Tochtergesellschaften aufgebaut.

Kurzinfo zum Unternehmen

Die Enapter AG (ISIN DE000A255G02) ist Marktführer im Bereich der AEM-Elektrolyseure zur Erzeugung von grünem Wasserstoff. Die vom Unternehmen patentierte und bewährte Anionenaustauschmembran-Technologie (AEM) verzichtet auf teure und seltene Rohstoffe wie Iridium und ermöglicht durch eine einzigartige Baukastenweise einen maximalen Ertrag aus schwankenden erneuerbaren Energien wie Solar und Wind und damit eine hocheffiziente Produktion von grünem Wasserstoff. Über 12.000 wasserstoffproduzierende AEM-Stacks von Enapter sind bereits bei mehr als 360 Kunden in mehr als 55 Ländern in den Bereichen Energiespeicherung, Industrieanwendungen, Betankung, Power-to-X und Forschung im Einsatz.

Und sonst im nwm?
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