sdm Aktie: Eines der wenigen erfolgreichen IPO’s in letzter Zeit. Warum? CEO Oliver Reisinger im Gespräch.

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Die Börsenstory der sdm SE (ISIN: DE000A3CM708) ist seit der Handelsaufnahme am 04.11.2021 für die Aktionäre ein Erfolg. Während die meissten IPO’s des letzten Jahres derzeit weit unter Emissionspreis handeln, oft auch ihre Prognosen und Planungen ein Stück weit zurücknehmen mussten, sieht das bei dem „Sicherheitsdienst München“ ganz anders aus. Die sdm Aktie handelt derzeit bei 4,28 EUR, während die sdm aktie zu 3,50 EUR im November gezeichnet werden konnte. Was steckt hinter dem Kürzel sdm, was macht man anders als andere? Der Hauptaktionär und CEO des Unternehmens gibt Einblicke – was man macht, was man will und was zu erwarten ist. Spannend. Hierbei darf man jedoch nicht vergessen, dass der Freefloat der sdm Aktie äusserst gering ist und deshalb eventuelle Orders in einem derart marktengen Wert zwingend limitert sein sollten.

sdm SE – Sicherheitsdienste München macht konkret was?

Reisinger: Die sdm Gruppe wurde 1999 gegründet, von mir im Jahr 2019 übernommen und notiert seit Herbst 2021 an der Börse. Heute sind wir mit über 300 Mitarbeitern einer der führenden Sicherheitsdienstleister in der Metropolregion München. Wir bieten ein breites Leistungsspektrum vom Werk- und Objektschutz, über Wert- und Geldtransporte bis hin zur Organisation von Veranstaltungen und effektivem Personenschutz. Unser Kerngeschäft ist der Schutz von Behörden, kommunalen Einrichtungen und es kommen auch immer mehr Unternehmenskunden dazu.

Eine Kapitalisierung von knapp 15 Mio EUR beim aktuellen Allzeithoch von 4,28 EUR spricht für ein Geschäftskonzept, das von der derzeitigen Börsenschwäche nicht berührt wird. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Reisinger: Wir haben ein solides Geschäftsmodell mit nachhaltigem Wachstumspotenzial. Im Jahr 2021 haben wir den Umsatz um 25% auf 13 Mio. Euro und den Nettogewinn um 67% auf 1,15 Mio. Euro erhöht – Tendenz weiter steigend. Das Sicherheitsgefühl nimmt in unserem Land seit Jahren ab. Entsprechend steigt die Nachfrage nach Schutz seitens Behörden, Unternehmen und Privatpersonen. Zudem haben wir uns in den vergangenen Jahren modernisiert, optimiert und uns als Qualitätsanbieter positioniert. Dies zahlt sich bei der Kundenakquise und auf der Kostenseite mehr und mehr aus.

Der Börsengang der sdm SE im letzten Oktober brachte letztendlich bei 3,50 Euro und 336.060 Aktien emittierten Aktien „nur“ knapp 1,2 Mio. in die Kasse. Eigentlich war ja mehr geplant. Eine Enttäuschung für Sie?

Reisinger: Kurzfristig vielleicht. Aber im Nachhinein war es wohl ein Glücksfall. Denn unser organisches Wachstum ist deutlich stärker als erwartet. So können wir in Ruhe nach Targets suchen, die strategisch zu uns passen und wo auch der Preis stimmt. Mit mehr Kapital in der Kasse wäre der Druck größer, ein Unternehmen zu übernehmen, auch wenn nicht optimal passt.

Reicht das Geld denn für die Pläne, eine neue Sicherheitszentrale zur Geschäftserweiterung in eigener Immobilie aufzubauen und Zukäufe in der kleinfragmentierten Sicherheitsbranche zu tätigen?

Reisinger: Absolut. Sonst würden wir der Hauptversammlung Ende August auch nicht eine Dividendenausschüttung vorschlagen. Neben den Mitteln aus dem Börsengang steht uns Fremdkapital zu attraktiven Konditionen zur Verfügung.

Was ist davon umgesetzt worden?

Reisinger:  Sowohl wegen einer neuen Sicherheitszentrale als auch Zukäufen sondieren wir intensiv den Markt. Wie Sie sich sicher vorstellen können, ist die Grundstücks- und Immobiliensuche im Raum München kein Selbstläufer. Dies gilt auch bei Übernahmen – wenn Qualität und Preis stimmen sollen. Bei beidem lassen wir uns nicht unter Druck setzen und unsere operative Entwicklung seit dem IPO zeigt, dass wir sehr erfolgreich unterwegs sind.

Sie sprechen es an, Ihre bisher erreichten Geschäftszahlen in 2021 und 2022 zeigen eine beeindruckende Umsatz- und Gewinnentwicklung. Wie konnte das erreicht werden? Und was würde die neue Sicherheitszentrale für die zukünftige Entwicklung bedeuten?

Reisinger: : Es klingt vielleicht langweilig, aber auf der Umsatzseite ist die Nachfrage einfach sehr groß und wir haben uns als verlässlicher Partner etabliert. Auf der Kostenseite profitieren wir von der Neuorganisation seit 2019. Wir sehen weitere Chancen zu Effizienzsteigerung, auch wenn unser Geschäft nur begrenzt skalierbar ist. Früher oder später werden wir eine zusätzliche Sicherheitszentrale benötigen, doch unsere Kapazitätsgrenze ist noch nicht erreicht. Im Idealfall würden wir durch eine passende Übernahme eine weitere Sicherheitszentrale mit Expansionspotenzial erhalten – was nicht unwahrscheinlich ist.

Nun hört man durchaus das Argument, der geringe Freefloat der Aktie mache eine faire Preisbildung annähernd unmöglich. Wie hoch ist derzeit der Freefloat der Aktie? Gibt es Pläne diesen zu erhöhen und wie?

Reisinger: Natürlich kann es bei Aktien mit geringem Freefloat stärker nach unten oder oben gehen, damit muss man als Anleger leben können. Bei uns liegt der Freefloat derzeit bei rund 16 Prozent. Darüber hinaus halten Aktionäre mit jeweils einem Anteil von über 3 Prozent insgesamt fast 19 Prozent. Die übrigen Aktien halte ich. Die bestehenden Aktionäre mit denen ich spreche, wollen ihre Bestände eher aufstocken und eine Kapitalerhöhung ist derzeit nicht geplant. Daher wird sich an dem Freefloat erstmal nichts Wesentliches ändern.

In den letzten Tagen haben Sie eine Reihe von Investorenveranstaltungen durchgeführt. Wie war die Resonanz?

Reisinger: Schon seit dem IPO haben wir viel positives Feedback bekommen, auch wenn wir einigen noch zu klein sind. Aber unsere Roadshows sind immer sehr gut besucht und so war es auch dieses Mal.

Macht ein solcher Zeit- und auch Geld-Aufwand beim derzeitigen Freefloat überhaupt Sinn?

Reisinger: Wir haben uns für den Börsengang entschieden und sind von der langfristigen Vorteilen überzeugt. Wenn man einen solchen Schritt macht, dann gehört es auch dazu, Anleger regelmäßig zu informieren.

Wie sehen Ihre mittel- und langfristigen Unternehmens-Ziele aus? Bleibt es bei dem „Münchener“-Einsatzgebiet oder wäre eine regionale Ausweitung sinnvoll oder denkbar?

Reisinger: Der Sicherheitsmarkt im Großraum München ist einige Hundert Millionen Euro groß – und er wächst weiter. Daher können wir hier sicher noch einige Jahre solide wachsen. Darüber hinaus schauen wir uns natürlich auch andere Regionen an – beispielsweise Stuttgart. Doch für einen solchen Schritt hätten wir gerne einen regionalen Partner an der Seite.

Dieses Jahr scheint es ja wieder ein Oktoberfest zu geben. Wie wichtig sind solche Grossveranstaltungen für das Geschäft der sdm SE?

Reisinger:  Grundsätzlich sind wir nicht auf Events ausgerichtet, sondern auf kontinuierlichen Objektschutz. Daher sind wir auch sehr gut durch die Corona-Zeit gekommen. Auch in diesem Jahr spielt das Oktoberfest keine Rolle in unserer Planung. Bei Ausschreibungen gibt es derzeit den Trend, dass Wettbewerber günstig anbieten und dann nicht ausreichend Personal stellen können. Teilweise springen wir dann ein – zu für uns attraktiven Konditionen. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies auch beim Oktoberfest der Fall sein könnte.

Gibt es ein Segment oder einen Bereich im Sicherheitsmarkt, den Sie als besonders interessant betrachten? Gibt es Pläne dort zu wachsen oder aktiv zu werden?

Reisinger: Bis auf Weiteres wird der Objektschutz unser Wachstumstreiber bleiben. Innerhalb dieses Kerngeschäfts sprechen wir seit dem vergangenen Jahr zunehmend Unternehmen an und haben da auch schon Neukunden gewonnen. Auch im Privatkundenbereich steigt die Nachfrage, auch wenn das Niveau noch niedrig ist. Auch den Bereich Video- und Drohnen- bzw. Roboterüberwachung beobachten wir. Zudem werden wir immer wieder von Kunden angesprochen, ob wir nicht auch ein Paket mit Cybersecurity anbieten können. Doch ein solcher Schritt braucht Zeit.

Das Geschäft der sdm scheint sehr personalintensiv. Wie wichtig und wie schwierig ist es aktuell Personal zu bekommen und zu binden?

Reisinger: Gutes Personal ist für unsere erfolgreiche Weiterentwicklung entscheidend und es ist deutschlandweit knapp. Schauen Sie sich nur die aktuelle Situation an den Flughäfen an. Wir zahlen fair und pünktlich  – beides ist in der Branche leider nicht selbstverständlich – und versuchen unseren Kolleginnen und Kollegen das Arbeitsumfeld so angenehm wie möglich zu gestalten. Außerdem bieten wir Weiterbildungsmöglichkeiten an.

Gibt es entsprechende „Ausbildungsberufe“? Oder wo finden Sie Ihr Personal?

Reisinger: Zufriedene Mitarbeiter sind das beste Marketing. Für den Einstieg reicht ein einwöchiger Lehrgang bei der IHK mit der Prüfung gemäß §34a GewO und einem Erste-Hilfe-Kurs. Anschließend gibt es zahlreiche berufsbegleitende Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zum Meister für Schutz und Sicherheit. Auch wir bieten eine dreijährige intensive Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit an. Inzwischen gibt es sogar an mehreren Hochschulen den Bachelor für Sicherheitsmanagement.

Bitte kommentieren Sie zum Ende kurz einige Stichworte:

Kapitalmarkt: der IPO hat unsere Reputation in der Branche und Fremdkapitalseite gestärkt

Übernahmeziel: Für die Auswahl nehmen wir uns die nötige Zeit

Grösster Wettbewerber: securitas ist der Größte, aber unsere Branche ist stark diversifiziert

Rezession: Wird die Personalsuche erleichtern.

Aktienkurs: Ist mir persönlich kurzfristig nicht so wichtig

Risiko: Personalmangel

Personal: Unser wichtigstes Asset

Vielen Dank für das Gespräch!
Oliver Reisinger | CEO und Hauptaktionär der sdm SE

Oliver Reisinger hat 2019 die Mehrheit an sdm übernommen und ist heute Vorstand der SE. Seit 2015 ist der ehemalige Investmentbanker im Bereich Private Equity aktiv und verfolgt einen langfristigen Investmentansatz, bei dem er sich aktiv in die Gesellschaften einbringt. Seine Karriere begann er 1990 bei der Bayerischen Vereinsbank AG. Nach Stationen im In- und Ausland baute er dann ab 2013 bei der Investmentbank Mainfirst den Bereich Capital Markets auf.

Kurzinfo zum Unternehmen

Die sdm SE ist die Holding der operativen Tochtergesellschaften sdm Sicherheitsdienste München sowie W&W Dienstleistungen. Die sdm Gruppe wurde 1999 gegründet und ist heute einer der führenden Sicherheitsdienstleister in der Metropolregion München. Als Spezialist für Werk- und Objektschutz, über Wert- und Geldtransporte bis hin zur Organisation von Veranstaltungen und effektivem Personenschutz ist die sdm der perfekte Partner rund um alle Werte, die unsere Kunden schützen wollen. Die über 300 Mitarbeiter verfügen über umfangreiche Kenntnisse in den Bereichen Erste Hilfe und Brandschutz und werden regelmäßig geschult. Im Jahr 2021 hat sdm einen Umsatz von 12,99 Mio. Euro und ein operatives Ergebnis von 1,36 Mio. Euro erzielt. Weitere Informationen: www.sdm-se.de

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