SAP Zahlen. Ziele knapp erfüllt – Freitag Kurs-Spannung garantiert – Prognose „angepasst“…

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SAP liefert die Quartalszahlen um 22:05. Zusammenfassend – SAP erfüllt die Erwartungen, wenn auch mit wenig Puffer. Und dabei treffen diese Zahlen auf einen hypernervösen Markt, der bereits die IBM-Aktie zuletzt in den Orkus schickte, obwohl man nur „knapp“ drunterlag.

Und bei der Prognose gibt es kleine Abstriche beim Gewinn – übernahmebedingt. Insgesamt gilt: SAP hat am Donnerstagabend um 22:05 Uhr MESZ die Bücher für das zweite Quartal 2026 geöffnet – Zahlen auf den ersten Blick solide. Der Gesamtumsatz erreichte 9,878 Milliarden Euro und lag damit leicht über der Analystenerwartung von 9,85 Milliarden Euro. Und der wichtige Cloud-Umsatz kam auf 6,281 Milliarden Euro und übertraf die Prognose von 6,26 Milliarden ebenfalls knapp. Das entspricht einem währungsbereinigten Wachstum von 24 Prozent. Der Current Cloud Backlog, der Auftragsbestand als zentraler Frühindikator, legte währungsbereinigt um 26 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro zu. Das bereinigte Betriebsergebnis stieg um 7 Prozent auf 2,743 Milliarden Euro, das bereinigte Ergebnis je Aktie auf 1,59 Euro. Der Gewinn je Aktie (EPS) erreichte 1,89 Euro, die Erwartung der Analysten lagen bei ~1,75 bis 1,76 Euro.

Doch es ist ein knappes Erfüllen der Erwartungen – kein deutliches Übertreffen, kein Ausrufezeichen.

Und das in einem Markt, der hypernervös ist und nach jedem Anzeichen von Schwäche sucht. Und erst vor einer Woche schickte die Börse die IBM-Aktie in den Orkus – und das, obwohl der Technologie-Riese die Erwartungen nur knapp verfehlt hatte: Vier Prozent beim Umsatz, drei Prozent beim Gewinn. Die Folge war ein Kurssturz von über 25 Prozent, der größte Tagesverlust seit 1987, fast 70 Milliarden Dollar vernichtete Marktkapitalisierung – und ein Ansteckungseffekt, der die gesamte IT- und Software-Branche erfasste. SAP selbst verlor damals bereits 4,4 Prozent, obwohl es noch gar keine eigenen Zahlen vorgelegt hatte.

Die Prognose – der eigentliche Knackpunkt?

Die Zahlen für das abgelaufene Quartal sind das eine. Viel entscheidender ist, was SAP für die Zukunft sagt. Und hier gibt es einen Wermutstropfen. Denn SAP hat die Jahresprognose für das operative Ergebnis (Non-IFRS) gesenkt. Zwar nur leicht, aber es geht von 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro auf nun 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro runter. Dabei beruhigt der Grund: Übernahmen von Dremio und Prior Labs, die im Juli abgeschlossen wurden und den Gewinn mit mehr als 100 Millionen Euro belasten. Die Cloud-Umsatzprognose für 2026 bleibt dagegen unverändert bei 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro, das entspricht einem Wachstum von 23 bis 25 Prozent.

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Und Finanzvorstand Dominik Asam erklärte dazu: „Wir haben im zweiten Quartal erneut starke Ergebnisse geliefert und trotz eines unbeständigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds ein kontinuierliches Wachstum beim Current Cloud Backlog und Free Cashflow erzielt. Diese Ergebnisse spiegeln die disziplinierte Umsetzung unserer Strategie und unsere Fähigkeit wider, die operativen Ziele zu erreichen.“ Doch die Frage ist, ob der Markt morgen früh diese leichte Prognosesenkung verzeiht – oder ob sie als Vorwand für eine Korrektur dient. Denn die Aktie notiert derzeit nahe ihrem 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 35 Prozent verloren, vom Rekordhoch bei 284 Euro im Februar 2025 ist es weit entfernt.

Zwischen den Zeilen lauert …

Selbst wenn alle Erwartungen erfüllt werden – und sie wurden es, wenn auch nur knapp –, könnte etwas zwischen den Zeilen den Zorn der Analysten erregen. Die Märkte schauen nicht nur auf die nackten Zahlen, sondern auf drei wesentliche Faktoren: das Cloud-Wachstum und den Current Cloud Backlog, die KI-Monetarisierung und die Bestätigung der Jahresprognose. Passend hierzu betonte Vorstands-Chef Christian Klein in seiner ersten Reaktion: „Auch in diesem Quartal haben wir ein starkes Wachstum beim Current Cloud Backlog erzielt. Währungsbereinigt ist er um 26 Prozent gestiegen. Dieses Ergebnis wird durch unsere Strategie für das autonome Unternehmen gestützt, in deren Rahmen unsere SAP Autonomous Suite und SAP Business AI Platform auf große Resonanz stoßen. Kunden entscheiden sich für SAP, um genaue und gesetzeskonforme KI-Ergebnisse zu ermöglichen, die auf ihren zentralen Geschäftsprozessen und Daten basieren.“ Weiter positiv zu werten: Die Cloud ERP Suite, das Herzstück des Geschäfts, legte währungsbereinigt um 27 Prozent zu – ein klares Signal, dass die Migration zu S/4HANA unvermindert an Fahrt gewinnt.

Iran-Konflikt als unsichtbarer Belastungsfaktor?

Und dann ist da noch die politische Grosswetterlage. Die Zahlen von SAP kommen in einem Moment, in dem sich der Nahost-Konflikt zwischen dem Iran und den USA weiter hochschaukelt. So weist SAP selbst in seinem Ausblick darauf hin, dass die Prognose auf der „Annahme einer kurzfristigen Deeskalation des Konflikts im Nahen Osten“ beruht – und dass andere Auswirkungen „derzeit unbekannt sind und unserem Geschäft möglicherweise materiell nachteilige Folgen zufügen könnten, sollte sich die Situation fortsetzen oder sogar über ihren derzeitigen Umfang hinaus eskalieren“. Das ist keine Floskel. In einem solchen Umfeld reagieren Märkte überempfindlich. Selbst eine solide Zahlenvorlage kann von geopolitischen Ängsten überlagert werden.

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Übernahmen als strategischer Hebel – aber auch als Kostenfaktor!

SAP hat in den vergangenen Wochen zwei strategische Akquisitionen abgeschlossen: Dremio, eine Data-Lakehouse-Plattform, und Prior Labs, ein KI-Startup, das auf Tabular Foundation Models spezialisiert ist – KI-Modelle für tabellarische Unternehmensdaten, wie sie im ERP-Kerngeschäft anfallen. Beide Übernahmen sind Teil der Strategie, SAP zur Plattform für das „autonome Unternehmen“ zu machen. Doch sie kosten Geld. Und die Prognosesenkung spiegelt genau diese Belastung wider. Die Frage ist, ob der Markt diese Investitionen als zukunftsweisend würdigt – oder ob er kurzfristig auf die Gewinnwarnung reagiert.

Was passiert, wenn der Markt enttäuscht ist?

Die große Frage ist: Wie reagiert die Aktie morgen früh bei Eröffnung der Märkte? Die Parallelen zum IBM-Desaster sind unübersehbar – aber auch die Unterschiede. Denn IBM verfehlte die Erwartungen, SAP hat sie knapp erfüllt. IBM leidet unter einem schwachen Mainframe-Geschäft und einer Umschichtung der Kundenbudgets hin zu KI-Hardware – SAP profitiert von der Cloud-Migration und positioniert sich als KI-Enabler für Geschäftsprozesse.

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Dennoch: Die Stimmung ist fragil. Die Aktie notiert nahe dem Jahrestief, der geopolitische Hintergrund ist alles andere als beruhigend, und die leichte Prognosesenkung könnte als Schwächezeichen interpretiert werden. Sollte der Markt die Zahlen als nicht gut genug empfinden, könnte es zu einem Kurssturz kommen – auch wenn die Erwartungen formal erfüllt wurden. Manche Beobachter unkten im Vorfeld der Zahlen von 20 bis 30 Prozent Kurseinbruch, sollte der Markt enttäuscht sein.

Bewährungsprobe für SAP – Morgen wird’s spannend. 

SAP hat geliefert – aber nur knapp. Die Zahlen sind solide, das Cloud-Wachstum intakt, die KI-Strategie erkennbar. Doch der Markt ist hypernervös, die Aktie notiert nahe dem Jahrestief, die Prognose wurde leicht gesenkt, und der geopolitische Hintergrund ist alles andere als beruhigend. Die nächsten Stunden werden zeigen, ob die Anleger die leichte Prognosesenkung verzeihen und die Stärke des operativen Geschäfts sehen – oder ob sie jede Schwäche als Vorwand für eine Korrektur nutzen. Sollte der Markt enttäuscht reagieren, droht eine Verkaufswelle, die – ähnlich wie bei IBM – die gesamte Branche erfassen könnte: Oracle, Microsoft, ServiceNow und die gesamte europäische Tech-Landschaft wären dann mit hoher Wahrscheinlichkeit massiv unter Druck. Spannend wird es morgen früh bei Eröffnung der Märkte. Die Messlatte liegt hoch – und SAP ist sie nur knapp gesprungen.
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