Der Life-Science-Konzern Sartorius setzt seine operative Erholung im Geschäftsjahr 2026 fort. Im ersten Halbjahr erzielte das Unternehmen ein robustes Umsatzwachstum, steigerte seine operative Profitabilität und verbesserte zugleich wichtige Bilanzkennzahlen. Besonders das wiederkehrende Geschäft mit Verbrauchsmaterialien entwickelte sich erneut zum zentralen Wachstumstreiber.
Auch bei Anlagen und Laborinstrumenten zeigen sich zunehmend Stabilisierungstendenzen. Nach einer längeren Phase zurückhaltender Investitionen seitens der Pharma- und Biotechindustrie kehrte dieses Geschäft erstmals wieder zu leichtem Wachstum zurück. Gleichzeitig bestätigte der Vorstand die Prognose für das Gesamtjahr 2026.
Belastet beziehungsweise verzerrt wurden die berichteten Zahlen durch Rückzahlungen unrechtmäßig erhobener US-Zölle sowie die geplante Weitergabe dieser Beträge an Kunden. Operativ entwickelte sich Sartorius jedoch weitgehend im Rahmen der ursprünglichen Erwartungen.
Operatives Umsatzwachstum liegt bei 7,7 Prozent
Der Konzernumsatz erreichte im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 1,811 Mrd. Euro. Bereinigt um Wechselkurse und den Effekt aus geplanten Kundenkompensationen für Zollzuschläge legte der Umsatz operativ um 7,7 Prozent zu.
Einschließlich der zollbezogenen Effekte belief sich das wechselkursbereinigte Wachstum auf 6,2 Prozent. Nominal stieg der Umsatz aufgrund negativer Währungseffekte lediglich um 2,5 Prozent.
Wichtigster Wachstumstreiber blieb in beiden Konzernsparten das wiederkehrende Geschäft mit Verbrauchsmaterialien. Diese Produkte werden regelmäßig in biopharmazeutischen Produktions- und Forschungsprozessen benötigt und sorgen deshalb für vergleichsweise gut planbare Erlöse.
Ermutigend entwickelte sich zugleich das zuletzt schwache Geschäft mit Bioprozessanlagen und Laborinstrumenten. Dieses stabilisierte sich weiter und kehrte zu leichtem Wachstum zurück. Für Sartorius ist dies ein wichtiges Signal, da Investitionsgüter in den vergangenen Jahren besonders stark unter dem Lagerabbau und der Investitionszurückhaltung der Kunden gelitten hatten.
Die im Juli 2025 übernommene MATTEK steuerte rund 0,5 Prozentpunkte zum Konzernwachstum bei.
Asien wächst zweistellig – China erholt sich weiter
Regional trugen alle wichtigen Märkte zur positiven Entwicklung bei. In der Region Europa, Naher Osten und Afrika stieg der Umsatz wechselkursbereinigt um 7,2 Prozent auf 784 Mio. Euro.
Die Region Amerika erzielte Erlöse von 608 Mio. Euro. Ohne die geplanten Kompensationen für Zollzuschläge lag das wechselkursbereinigte Wachstum bei 5,6 Prozent. Einschließlich dieses Effekts erreichte die Region lediglich ein Plus von 1,2 Prozent.
Am stärksten entwickelte sich erneut die Region Asien/Pazifik. Dort erhöhte sich der Umsatz wechselkursbereinigt um 12,1 Prozent auf 419 Mio. Euro. Unterstützt wurde das Wachstum insbesondere durch die fortschreitende Markterholung in China.
Die Entwicklung in Asien ist für Sartorius von besonderer Bedeutung. Nach deutlichen Belastungen in den vergangenen Jahren zeichnet sich zunehmend eine Normalisierung der Nachfrage ab. Eine nachhaltige Erholung Chinas könnte dem Konzern auch in den kommenden Quartalen zusätzliche Wachstumsimpulse liefern.
EBITDA-Marge steigt über die Marke von 30 Prozent
Das operative EBITDA erhöhte sich im ersten Halbjahr um 3,9 Prozent auf 548 Mio. Euro. Die entsprechende Marge verbesserte sich von 29,8 Prozent auf 30,3 Prozent.
Positive Volumen- und Skaleneffekte konnten die Investitionen in laufende Wachstumsinitiativen ausgleichen. Die Margenentwicklung wurde zugleich von zwei gegenläufigen technischen Effekten beeinflusst: Belastungen aus weiterhin bestehenden US-Zöllen standen positiven Effekten aus den Zollrückzahlungen gegenüber. Beide Effekte glichen sich nach Angaben des Unternehmens weitgehend aus.
Das maßgebliche Periodenergebnis erhöhte sich leicht um 2 Prozent auf 172 Mio. Euro. Der bereinigte Gewinn je Stammaktie stieg von 2,44 Euro auf 2,49 Euro, bei den Vorzugsaktien von 2,45 Euro auf 2,50 Euro.
Damit gelingt es Sartorius, trotz Währungseffekten, Zöllen und fortgesetzten Zukunftsinvestitionen die Profitabilität weiter zu stabilisieren.
Bioprocess Solutions bleibt wichtigster Wachstumsmotor
Die Sparte Bioprocess Solutions, die mehr als 80 Prozent des Konzernumsatzes erwirtschaftet, setzte ihren profitablen Wachstumskurs fort.
Der Umsatz stieg auf 1,475 Mrd. Euro. Ohne die Effekte aus Kundenkompensationen für Zollzuschläge belief sich das wechselkursbereinigte Wachstum auf 8,3 Prozent. Einschließlich dieser Effekte erreichte das Wachstum 6,7 Prozent.
Das operative EBITDA erhöhte sich um 5,2 Prozent auf 477 Mio. Euro. Die operative Marge verbesserte sich von 31,6 Prozent auf 32,3 Prozent.
Die Sparte profitierte von einem höheren Geschäftsvolumen und Skaleneffekten, die negative Produktmixeffekte mehr als kompensierten. Das wiederkehrende Geschäft mit Einwegkomponenten, Filtern und weiteren Verbrauchsmaterialien blieb dabei die tragende Säule.
Zugleich erweiterte Sartorius sein Produktportfolio. Mit dem neuen Ambr-250-System adressiert das Unternehmen insbesondere die Entwicklung und Skalierung moderner Zelltherapien. Das System soll hochwertige Prozessdaten erzeugen und eignet sich damit auch für zunehmend digitale und KI-gestützte Entwicklungsprozesse.
Darüber hinaus baute Sartorius seine Pionic-Plattform für intensivierte kontinuierliche Bioprozesse aus. Neue Module ermöglichen unter anderem flexible Chromatographie- sowie integrierte Filtrationsprozesse. Damit stärkt Sartorius seine Position bei effizienteren und stärker automatisierten Produktionsverfahren für Biopharmazeutika.
Laborsparte gewinnt an Dynamik
Auch die kleinere Sparte Lab Products & Services setzte ihre Erholung fort. Der Umsatz erhöhte sich auf 335 Mio. Euro.
Ohne die zollbezogenen Kundenkompensationen lag das wechselkursbereinigte Wachstum bei 5,3 Prozent. Einschließlich dieser Effekte erreichte die Sparte ein Plus von 4,3 Prozent. MATTEK steuerte dabei 2,8 Prozentpunkte zum Wachstum bei.
Das operative EBITDA ging allerdings von 74 Mio. Euro auf 71 Mio. Euro zurück. Die Marge verringerte sich von 22,3 Prozent auf 21,2 Prozent.
Positive Volumen- und Skaleneffekte konnten die Investitionen in neue Wachstumsinitiativen nicht vollständig ausgleichen. Operativ zeigen die Geschäftszahlen dennoch in die richtige Richtung, insbesondere weil sich neben Verbrauchsmaterialien und Dienstleistungen auch das Geschäft mit Instrumenten weiter stabilisierte.
Mit der neuen Premium-Laborwaage Cubis III baut Sartorius sein Angebot für digitalisierte Laborumgebungen aus. Das System lässt sich direkt mit Labornetzwerken verbinden, verfügt über integrierte Compliance-Funktionen und unterstützt ein vereinfachtes Datenmanagement für KI-gestützte Arbeitsabläufe.
Verschuldung sinkt weiter
Auch die Bilanzkennzahlen entwickelten sich positiv. Die Eigenkapitalquote erhöhte sich zum Ende des ersten Halbjahres von 39,8 Prozent auf 41,6 Prozent.
Der dynamische Verschuldungsgrad verringerte sich planmäßig von 3,55 auf 3,51. Bis zum Jahresende soll dieser Wert auf etwas über 3 zurückgeführt werden.
Die Investitionen in Forschungs- und Produktionskapazitäten beliefen sich im ersten Halbjahr auf 161 Mio. Euro und lagen damit auf dem Niveau des Vorjahres. Die Investitionsquote erreichte 8,9 Prozent.
Sartorius beschäftigte zum 30. Juni 2026 insgesamt 14.279 Mitarbeitende. Gegenüber dem Jahresende 2025 nahm die Beschäftigtenzahl vor allem aufgrund zusätzlicher Einstellungen in der Fertigung zu.
US-Zollrückzahlungen verzerren die berichteten Zahlen
Eine Besonderheit des ersten Halbjahres waren Rückzahlungen auf US-Zölle, die vom Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten für unzulässig erklärt worden waren.
Da Zeitpunkt und Höhe der Rückzahlungen lange unsicher waren, konnten diese zuvor nicht verlässlich in der Planung berücksichtigt werden. Sartorius beabsichtigt nun, Kunden für bereits entrichtete Zollzuschläge zu kompensieren.
Bilanziell werden die entsprechenden Beträge sowohl als Reduzierung der Umsatzkosten als auch der Umsatzerlöse erfasst. Dadurch fällt das berichtete Umsatzwachstum niedriger aus, obwohl der Effekt nicht aus einer Abschwächung des operativen Geschäfts resultiert.
Für Anleger ist deshalb die operative Entwicklung vor diesen Zolleffekten aussagekräftiger als die reine berichtete Wachstumsrate.
Prognose für 2026 bleibt bestehen
Auf Grundlage der Halbjahreszahlen und der weiteren Erholung der Endmärkte bestätigt Sartorius seine Prognose für das Gesamtjahr.
Für den Konzern erwartet das Management weiterhin ein wechselkursbereinigtes Umsatzwachstum von 5 bis 9 Prozent. Die Sparte Bioprocess Solutions soll um 6 bis 10 Prozent wachsen, während für Lab Products & Services ein Plus von 2 bis 6 Prozent vorgesehen ist.
Operativ und vor den Zolleffekten soll das Konzernwachstum ungefähr in der Mitte der Prognosebandbreite liegen. Für die Bioprozesssparte gilt dieselbe Erwartung. Bei Lab Products & Services rechnet Sartorius mit einem Wachstum in der oberen Hälfte der Bandbreite.
Die geplanten Kundenkompensationen für unrechtmäßig erhobene US-Zölle könnten die berichteten Umsatzerlöse um bis zu 40 Mio. Euro reduzieren. Unter Einbeziehung dieses Effekts dürfte das Wachstum des Konzerns und der Bioprozesssparte eher in der unteren Hälfte der jeweiligen Zielkorridore liegen.
Bei der Profitabilität erwartet Sartorius weiterhin eine operative EBITDA-Marge von etwas mehr als 30 Prozent auf Konzernebene. Für Bioprocess Solutions wird eine Marge von etwas über 32 Prozent angestrebt. Die Laborsparte soll leicht unter 21 Prozent erreichen.
Sartorius profitiert von Normalisierung der Biopharma-Märkte
Das erste Halbjahr bestätigt, dass sich Sartorius nach den schwierigen Jahren des Lagerabbaus und der Investitionszurückhaltung wieder auf einem stabileren Wachstumspfad befindet.
Das besonders wichtige Verbrauchsmaterialgeschäft wächst robust, die Nachfrage nach Anlagen und Instrumenten stabilisiert sich und China liefert wieder positive Impulse. Gleichzeitig gelingt es dem Konzern, seine EBITDA-Marge zu verbessern und die Verschuldung schrittweise zurückzuführen.
Kurzfristig erschweren Währungseffekte, US-Zölle und deren bilanzielle Behandlung den Blick auf die operative Entwicklung. Bereinigt um diese Faktoren zeigt das Geschäft jedoch eine klare Verbesserung.
Für Anleger dürfte nun entscheidend sein, ob sich die Erholung bei Bioprozessanlagen und Laborinstrumenten in der zweiten Jahreshälfte weiter beschleunigt. Sollte dies gelingen, könnte Sartorius zunehmend wieder von der strukturell wachsenden Nachfrage nach Biopharmazeutika, Zell- und Gentherapien sowie digitalisierten Laborprozessen profitieren.















