Aurelius reagiert auf Vorwürfe. Ertappter Sünder? „Juristisch einwandfrei“? Geschmack bleibt auf jeden Fall.

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Aurelius Aktie „broke“ – während der Carve Out Spezialist aus München ein „gigantisches Aktienrückkaufprogramm auflegen will“, was möglicherweise das nahende Ende für die freien Aurelius Aktionäre einleuten könnte, trommelte die SdK zum Aktionärsaufstand. Ob’s was gebracht hat? Letzte Woche ging es um die Hauptversammlung der Aurelius, als es eine “ schallende Ohrfeige für diejenigen gab, die versuchten, wenigstens die Dividendenpolitik zu verändern“. Kurzgefasst: Der Plan die Dividende mit der Mehrheit der Aktien, die an der HV vertreten wurden, von 0,50 EUR auf die „in anderen Zeiten“ avisierten 1,50 EUR zu erhöhen, wurde pariert und entgegen dem ursprünglichen 0,50 EUR-Vorschlag der Aurelius-Vorstände und Aufsichtsräte wurde die Dividende auf 0,05 EUR reduziert. Klare Machtdemonstration der Aurelius-Partner. Und im Rahmen der Hauptversammlung kam „etwas ans Licht“, was die Mehrheit auf der Hauptversammlung für die „Partei der Aurelius Partner“ erst möglich gemacht hat:

Während der Aurelius Hauptversammlung wurde „als normale Transaktion“ die Veräusserung von 1,25 Mio Aktien –

über den Markt von Aurelius zu rund 16,00 EUR im Rahmen des Rückkaufprogramms erworben – und dann passend zur HV-Anmeldefrist weiterveräussert, zu wesentlich niedrigeren Kursen an dem Management/Partnern von Aurelius Nahestehende.  Oder wie es der SdK-Vorstand Paul Petzelberger, für die SdK an der Hauptversammlung teilnehmend, in einem „Tweet“ treffend quasi live von der HV kommentierte:

Pure Fassungslosigkeit. Hat #Aurelius wirklich am 23.08. wenige Tage vor dem HV-Nachweisstichtag 1,25 Mio. zu Kursen weiter über 16 € eingesammelte eigene Aktien an die AURELIUS Growth Investments S.à r.l., eine von einem Julian Raffael Markus kontrollierte Gesellschaft, zu einem Kurs von 13,60 € verkauft? Ich komme mir vor wie in einem falschen Film. (Post auf X, Paul Petzelberger, 18:36 Uhr, 20.09.2023)

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Heute rudert Aurelius zurück – notgedrungen? Ohne Eingeständniss eines Fehlers.

Offensichtlich haben die Vorwürfe zur „Aktientransaktion“ die Aurelius-Verantwortlichen zum Nachdenken gebracht. Der Verkaufspreis der Aktien wurde nachträglich geändert. Bei „normalen Aktienkäufern“, wie man es noch auf der HV dargestellt hatte, ein Ding der Unmöglichkeit. Aber natürlich bei „Verbundenen“ möglich, Ob hier wirklich kein „juristisches Fehlverhalten“ vorgelegen hat oder nicht, ist dabei nicht zweitrangig. Ob jedoch ein „Fehlverhalten“ vorgelegen hat, wird wahrscheinlich durch das Einknicken der Aurelius Partner nicht mehr vor Gericht geklärt werden können.

Nachträglich geheilt? Oder wurde das Gerechtigkeitsgefühl der Verantwortlichen im Aurelius Management geweckt?

Auf jeden Fall ein – wenn auch nur ein Neben- Erfolg der Aktionärsvertreter. Und die Konzessionen der Aurelius-Verantwortlichen lesen sich so:

Auf der Hauptversammlung der AURELIUS Equity Opportunities SE & Co. KGaA („AEO“) am 20. September 2023 stieß der Verkauf von 1,25 Mio. Aktien zu einem Preis von EUR 13,60 (entspricht dem gewichteten Durchschnittspreis der drei vorhergehenden Monate) an die AURELIUS Growth Investments Sàrl auf Kritik von Aktionären und ihren Vertretern.

Anmerkung: Nicht nur Kritik, sondern auch eine juristische Überprüfung wurde angekündigt. Auch der Ruf nach der BAFin wurde laut – alles jetzt wohl obsolet durch das Nachgeben der Aurelius-Partner/Verantwortlichen/Vorstände.

Dieses Vorgehen war juristisch einwandfrei. Gleichwohl hat der geschäftsführende Komplementär der AEO nunmehr mit der Käuferin vereinbart, den Preis pro Aktie für das verkaufte Aktienpaket auf EUR 16,92 anzuheben. Dieser neue Preis entspricht dem Durchschnittswert aller bisher im Jahr 2023 durch die AEO zurückgekauften Aktien und liegt damit über dem Aktienkurs zum Zeitpunkt der Transaktion (damals EUR 13,32). Die Käuferin hat zugesagt, den hieraus entstehenden Kaufpreisnachschlag von ca. EUR 4,2 Mio. EUR in den kommenden Tagen an die AEO zu leisten.“ (Aurelius, „Ergänzende Stellungnahme zum Verkauf eigener Aktien“, 25.09.2023)

Anmerkung: Kein normaler Käufer würde einer nachträglichen, derartig wesentlichen Kaufpreiserhöhung zustimmen, es sei denn „Käufer und verkäufer handeln im Einklang“ und verfolgen gemeinsame Interessen oder „wurden ertappt bei etwas, was man nicht tun darf“. Zumindest sind das nach unserer Meinung die möglichen Gründe für ein solches Verhalten. Wem etwas anderes einfällt, gerne mitteilen.

Trotz erfolgreicher Transaktionen, insbesondere einem mehr als bilanzrelevantem Exit  und operativer Entwicklung steht die aktuelle Marktkapitalisierung der Aurelius vielleicht gerade mal auf Höhe der für 2023 zu erwartenden Gewinne. Und meilenweit vom wahrscheinlich sowieso  schlecht gerechneten NAV entfernt…

Aktie verkaufen und vergessen als Lösung? Ist wahrscheinlich, was die Aurelius-Macher erreichen wollen. Und dann billig einsammeln und die Gewinnanteile, die auf die Aktionäre entfallen würden „internalisieren“.

So sollte jeder Aktionär sich fragen, ob die Aktionäre eine reale Chance haben, die derzeitige Unternehmenspolitik zu ändern – auch nach dem heutigen kleinen Schritt auf die Aktionäre zu. Oder wenigstens die Aktien zu einem angemesseneren Preis an die Aurelius-„Macher“ abgeben zu können. Ob irgendwann im Rahmen eines derzeit sehr fernen Squeeze-Out (Voraussetzungen derzeit nicht erfüllt) oder „um sich Ruhe“ zu kaufen. Oder weil ein Grossteil der Aktionäre „billig“ rausgekauft werden konnte – beispielsweise mit dem „Riesenrückkaufprogramm“. Neueinstiege drängen sich definitv nicht auf.

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Zur Erinnerung: Die Verantwortlichen von AURELIUS Equity Opportunities SE & Co. KGaA (ISIN: DE000A0JK2A8) hatten relativ einsam und zum Ärger der Finanz-Community entschieden, dass „man“ aus Kostengründen den m:access verlassen will und in den einfachen Freiverkehr  wechseln wolle. Hierbei begründete man diesen Schritt mit „erheblichen Kosten- und Zeitersparnissen“. Anders gesagt, an Deutlichkeit kaum zu überbieten: Aktionäre für die Gruppe nicht mehr nötig – genug Geld über andere Quellen. Und die Kommanditgesellschaft gibt den Aurelius Partnern alle Macht.

Und die Halbjahreszahlen als saldierte Ziffern  ohne Erläuterungen sagen wenig bis gar nichts über die Erfolge/Misserfolge des Carve Out – Spezialisten Aurelius aus.

Während die Halbjahreszahlen 2022 der AURELIUS Equity Opportunities SE & Co. KGaA (ISIN: DE000A0JK2A8) in einem Bericht von 81 Seiten anlegergerecht präsentiert worden sind, reicht es nach dem Austritt aus dem m:access nur noch für eine lapidare Unternehmensmeldung, hier vollständig wiedergegeben:

AURELIUS Equity Opportunities SE & Co. KGaA (AURELIUS; ISIN DE000A0JK2A8) veröffentlicht den Konzernzwischenabschluss zum ersten Halbjahr 2023. AURELIUS erzielte einen Konzerngesamtumsatz von 1.498,9 Mio. EUR (H1 2022: 1.591,9 Mio. EUR). Der annualisierte Konzernumsatz aus fortgeführten Geschäftsbereichen betrug 2.504,1 Mio. EUR (H1 2022: 2.784,8 Mio. EUR).

Das operative EBITDA im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2023 blieb mit 135,0 Mio. EUR nahezu konstant (H1 2022: 127,6 Mio. EUR). Der nicht operative Bestandteil wurde beeinflusst durch einen geringeren Effekt aus der Entkonsolidierung von veräußerten sowie angepassten Bewertungen von übrigen Vermögenswerten und belief sich auf den Wert von 89,7 Mio. EUR (H1 2022: 13,7 Mio. EUR). Dies resultiert folglich in einem EBITDA des Gesamtkonzerns von 224,7 Mio. EUR (H1 2022: 141,3 Mio. EUR). Die liquiden Mittel des Konzerns blieben zum Ende des abgelaufenen Halbjahres mit 324,0 Mio. EUR nahezu unverändert (31. Dezember 2022: 331,5 Mio. EUR).

Kennzahlen

 (in Mio. EUR) 1.1. – 30.06.2022 1.1. – 30.06.2023
Konzern-Gesamtumsatz 1.591,9 1.498,9
Konzernumsatz (annualisiert) 1,2 2.784,8 2.504,1
EBITDA Konzern gesamt 141,3 224,7
davon nicht operative Bestandteile des EBITDA -13,7 -89,7
EBITDA Konzern operativ 127,6 135,0
Konzernergebnis 1 55,7 144,3
31.12.2022 30.06.2023
Vermögenswerte 2.185,8 2.275,1
 davon liquide Mittel 331,5 324,0
Verbindlichkeiten 1.611,2 1.570,7
 davon Finanzverbindlichkeiten 442,2 395,4
Anzahl Mitarbeiter zum Stichtag 10.144 10.100

1) Die Konzern-Gesamtergebnisrechnung und Konzern-Kapitalflussrechnung des Vorjahres wurden entsprechend den Bestimmungen des IFRS 5 zu Vergleichszwecken angepasst.
2) Aus fortgeführten Geschäftsbereichen.“ (Unternehmensmeldung Aurelius, 10.08.2023)

Aurelius wieder da? Oder bald weg? Das grosse Aktienrückkaufprogramm, das nach der Hauptversammlung wahrscheinlich startet, könnte der Anfang sein, auf lange Sicht die Aktien der Aurelius Equity Opportunities einzuziehen und aus der Aurelius Group einen closed shop zu machen. Und das bezahlt mit den Gewinnen des operativen Geschäfts – mit Verzicht oder stark reduzierten Dividendenzahlungen, denn diese gehen ja auch zum Freefloat, der rund 80% erreicht.
Es spräche ja eigentlich auch einiges für die Aktie: Das bereits jetzt laufende Aktienrückkaufprogramm als „Kursstütze“. Dazu endlich   ein nennenswerter Exit im laufenden Jahr. Und die Perspektiven der wirtschaftlichen Situation der in den letzten Jahren in den Fokus gerückten „Grossinvestments“ im Rahmen des Coinvestmentstruktur mit dem neuen Aurelius-Fonds. Dagegen steht die undurchschaubare Struktur der Aurelius-Gruppe, der Transparenzverlust durch Börsensegmentdowngrade und die verhaltene Prognose für 2023. Und dann auch noch eine EBITDA-Erhöhung, die einer Erläuterung bedarf, die man auch am 10. August bei Vorlage der Halbjahreszahlen nicht erhalten hat. Ohne XETRA-Handel und mit einer Kommunikation, die kein Interesse mehr an den Aktionären des börsennotierten Teils der Aurelius GROUP erkennen lässt. Einem Teil der erklärtermassen nicht mehr wichtig für die Finanzierungsstruktur der Aurelius GROUP sei.
Dazu kommt die kapitalmarktfeindliche KGaA-Struktur, die letztendlich alle Entscheidungen beim Komplementär lässt. Und die Hauptversammlungsvorgänge machen die Aurelius-Aktie nicht attraktiver. Vielleicht die rechtlichen Schritte, die jetzt wahrscheinlich vornehmlich auf formale Schwächen abzielen werden, denn „sich betrogen fühlen“ ist kein justiziabler Begriff.
Und aktuelle Aktienkurse finden sich auf auf Lange&Schwarz, Freiverkehr Hamburg und Freiverkehr München.

 

 

 

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