Mutares setzt seine hohe Transaktionsgeschwindigkeit fort und baut das Segment Energy & Technology mit einer traditionsreichen deutschen Industriegesellschaft aus. Die Beteiligungsgesellschaft übernimmt die Steinmüller Engineering GmbH von der japanischen IHI Corporation. Das Closing ist vorbehaltlich der üblichen Bedingungen für das vierte Quartal 2026 vorgesehen.
Mit einer Gesamtleistung von nahezu 100 Millionen Euro, rund 170 Mitarbeitern und mehr als 150 Jahren Unternehmensgeschichte bringt Steinmüller bereits eine beachtliche Größenordnung mit. Noch interessanter ist jedoch die strategische Perspektive: Mutares sieht erhebliche Synergien mit der bestehenden Sofinter Group und zieht ausdrücklich Parallelen zur erfolgreichen Entwicklung der inzwischen veräußerten NEM Energy Group.
Damit könnte die Akquisition weit mehr als nur ein weiterer Zukauf sein.
Knapp 100 Millionen Euro zusätzliche Gesamtleistung
Steinmüller Engineering mit Hauptsitz in Gummersbach entwickelt Lösungen im Bereich der thermischen Verfahrenstechnik.
Das Unternehmen ist in mehreren Bereichen aktiv, darunter Feuerungs- und Verbrennungsanlagen, Abgasreinigung sowie Wärmeübertragung. Angeboten werden Engineering-, Beschaffungs- und komplette EPC-Lösungen.
Zu den Kunden gehören Unternehmen aus Energieversorgung, Entsorgung, Chemie und Industrie.
Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte Steinmüller eine Gesamtleistung von nahezu 100 Millionen Euro und beschäftigte rund 170 Mitarbeiter.
Damit kauft Mutares kein kleines Add-on, sondern etabliert ein eigenständiges neues Plattforminvestment.
1.300 Projekte in 80 Ländern
Hinzu kommt eine umfangreiche industrielle Historie.
Die Wurzeln von Steinmüller reichen bis 1874 zurück. Seit 2014 gehört das Unternehmen zur japanischen IHI Group.
Insgesamt wurden bereits mehr als 1.300 Projekte für über 500 Kunden in 80 Ländern realisiert.
Damit bringt Steinmüller nicht nur technisches Know-how, sondern auch eine breite internationale Projekterfahrung und Kundenbasis mit.
Zusätzlich verfügt das Unternehmen über ein Portfolio europäischer Patente. Gerade dieses technische Know-how könnte für Mutares bei der weiteren Entwicklung der Plattform eine wichtige Rolle spielen.
Mutares setzt auf Dekarbonisierung
Strategisch positioniert Mutares die Neuerwerbung klar innerhalb der Energiewende und industriellen Dekarbonisierung.
Steinmüllers Technologien adressieren Bereiche, in denen Industrieunternehmen ihre Prozesse effizienter gestalten und Emissionen reduzieren müssen.
Mutares sieht hier einen stark regulatorisch getriebenen Wachstumsmarkt.
Für die Beteiligungsgesellschaft eröffnet sich damit die Möglichkeit, eine neue Plattform aufzubauen, die von langfristigen Investitionen in Energieeffizienz, Abgasbehandlung und die Modernisierung industrieller Prozesse profitieren soll.
Sofinter könnte zum entscheidenden Baustein werden
Besonders interessant ist die Verbindung zur bereits im Mutares-Portfolio befindlichen Sofinter Group.
CIO Johannes Laumann spricht ausdrücklich von erheblichen Synergien zwischen beiden Plattformen.
Damit deutet sich bereits an, dass Steinmüller nicht isoliert entwickelt werden soll.
Gemeinsam könnten die Unternehmen Kompetenzen, Kundenbeziehungen und geografische Präsenz miteinander verbinden und dadurch größere Projekte adressieren.
Laumann formuliert das Ziel ambitioniert: Beide Plattformen hätten gemeinsam das Potenzial, eine führende Marktposition im Dekarbonisierungsmarkt aufzubauen.
Sollte Mutares hier tatsächlich eine größere Industriegruppe formen, könnte Steinmüller zum Ausgangspunkt weiterer Zukäufe werden.
Mutares zieht selbst den Vergleich zu NEM Energy
Für Anleger dürfte eine Aussage in der Mitteilung besonders interessant sein.
Mutares verweist ausdrücklich auf die NEM Energy Group.
Nach Einschätzung von CIO Johannes Laumann könnten Steinmüller und Sofinter einen ähnlichen Wertsteigerungspfad einschlagen.
Dieser Vergleich ist bemerkenswert, weil Mutares NEM Energy Ende 2022 im Rahmen eines Carve-outs von Siemens Energy übernommen, anschließend als eigenständige Plattform weiterentwickelt und erst kürzlich an Hyundai Heavy Industries Power Systems veräußert hat.
Genau dieses Muster entspricht dem Kern des Mutares-Geschäftsmodells: Unternehmen oder Konzernteile erwerben, operativ weiterentwickeln und nach erfolgreicher Transformation wieder verkaufen.
Mit Steinmüller könnte nun ein neuer Zyklus beginnen.
Vom japanischen Industriekonzern zum Mutares-Portfolio
Auch die Verkäuferseite passt zum typischen Mutares-Profil.
Steinmüller gehört seit 2014 zur japanischen IHI Group. Mutares verweist darauf, dass es sich erneut um eine Akquisition von einer führenden japanischen Industriegruppe handelt.
Solche Transaktionen sind für Mutares interessant, weil große Konzerne regelmäßig Geschäftsbereiche abgeben, die nicht mehr zum strategischen Kerngeschäft gehören, aber als eigenständige Unternehmen Entwicklungspotenzial besitzen.
Mutares kann dabei neben Kapital insbesondere Erfahrung bei Carve-outs, Restrukturierungen und operativen Verbesserungen einbringen.
Die konkreten finanziellen Bedingungen der Steinmüller-Übernahme wurden allerdings nicht genannt.
Damit lässt sich zunächst nicht beurteilen, zu welcher Bewertung Mutares die Gesellschaft übernimmt.
Aus 100 Millionen Euro könnte mehr werden
Die nahezu 100 Millionen Euro Gesamtleistung von Steinmüller sind deshalb nur der Ausgangspunkt.
Für Mutares dürfte es darum gehen, das Geschäft zunächst operativ weiterzuentwickeln und anschließend zusätzliche Skaleneffekte mit Sofinter zu realisieren.
Denkbar sind dabei beispielsweise gemeinsame Vertriebsaktivitäten, eine breitere internationale Kundenansprache, eine optimierte Beschaffung oder eine stärkere Bündelung von Engineering-Kompetenzen.
Welche konkreten Maßnahmen geplant sind, geht aus der Mitteilung allerdings noch nicht hervor.
Für Anleger wird deshalb interessant sein, welche Transformationsagenda Mutares nach dem Closing vorlegt.
Neues Plattforminvestment statt klassischem Add-on
Die Einstufung als Plattforminvestment ist entscheidend.
Bei Mutares dienen Plattformunternehmen regelmäßig als Basis für weitere Add-on-Akquisitionen.
Damit könnte die Steinmüller-Übernahme den Auftakt für den Aufbau einer größeren Gruppe im Bereich Energie- und Dekarbonisierungstechnologie darstellen.
Gemeinsam mit Sofinter wäre bereits eine industrielle Basis vorhanden, auf der weitere Unternehmen oder Geschäftsbereiche integriert werden könnten.
Genau darin liegt potenziell ein wesentlicher Werthebel: Mutares muss die Wertsteigerung nicht ausschließlich aus organischem Wachstum generieren, sondern kann durch weitere Zukäufe zusätzliche Größe schaffen.
Wieder mehr Aktivität im Energy-&-Technology-Segment
Die Transaktion stärkt zugleich das Segment Energy & Technology.
Das ist auch deshalb interessant, weil Mutares mit NEM Energy zuletzt einen wichtigen Exit aus diesem Bereich vollzogen hat.
Mit Steinmüller wird nun wieder eine neue Plattform aufgebaut.
Das zeigt die typische Rotation innerhalb des Portfolios: erfolgreiche Beteiligungen werden verkauft, während gleichzeitig neue Unternehmen mit Transformationspotenzial erworben werden.
Für das Geschäftsmodell von Mutares ist diese kontinuierliche Pipeline aus Akquisition, Transformation und Exit entscheidend.
Was bedeutet der Deal für Anleger?
Kurzfristig ist die Übernahme zunächst vor allem eine weitere Erweiterung des Portfolios.
Die wirtschaftliche Bedeutung hängt davon ab, zu welchen Konditionen Steinmüller übernommen wird, welche Ergebnisqualität das Unternehmen aktuell besitzt und wie viel Restrukturierungs- beziehungsweise Investitionsbedarf besteht.
Dazu liefert die Mitteilung bislang keine konkreten Zahlen.
Die nahezu 100 Millionen Euro Gesamtleistung allein erlauben deshalb noch keine Aussage darüber, welchen Ergebnisbeitrag Steinmüller nach dem Closing liefern kann.
Strategisch ist die Richtung dagegen klarer.
Mutares will aus Steinmüller und Sofinter eine stärkere Position im wachsenden Markt für Dekarbonisierungstechnologien aufbauen. Sollte das gelingen, könnte daraus mittelfristig eine Plattform entstehen, die für strategische Käufer interessant wird.
Fazit: Will Mutares hier das nächste NEM Energy bauen?
Die Übernahme von Steinmüller Engineering besitzt mehrere Merkmale einer typischen Mutares-Transaktion: traditionsreiches Industrieunternehmen, internationaler Konzern als Verkäufer, knapp 100 Millionen Euro Gesamtleistung, technologisches Know-how und erhebliches Transformationspotenzial.
Besonders interessant ist jedoch die strategische Einordnung durch das Management.
Mutares will Steinmüller mit der Sofinter Group verzahnen und sieht ausdrücklich die Möglichkeit, einen ähnlichen Wertsteigerungspfad wie bei NEM Energy einzuschlagen.
Damit ist die Messlatte gesetzt.
Kurzfristig fehlen noch wichtige Informationen – insbesondere Kaufpreis, Profitabilität und konkrete Transformationsmaßnahmen. Auch das Closing steht noch unter den üblichen Vollzugsbedingungen.
Doch für Anleger dürfte nun eine zentrale Frage interessant werden: Gelingt es Mutares, Steinmüller und Sofinter zu einer größeren Dekarbonisierungsplattform auszubauen und daraus perspektivisch den nächsten lukrativen Exit im Energy-&-Technology-Segment zu formen?
Genau darin könnte langfristig der eigentliche Wert dieser Akquisition liegen.














