
Evotec stand vor gar nicht langerZeit für eine Biotech-Aktie mit Potential, vielen Forschungsprojekten im feuer, die durch einen interessanten Ansatz eine für die Hamburger positive Rsikoverteilung aufwiesen. Dann kam die kalte Dusche, eingeläutet mit dem Ausscheiden des langjährigen CEO’s Dr. Lanthaler. Dann kam es Schlag auf Schlag.
Hohe Verluste, zu viele Projekte, zu viele Baustellen, zu hohe Kosten – verzettelt, Investitionen in Just Evotec, die letztendlich zu hoch für die Hamburger waren. Grossreinemachen angesagt. Aktie im Sinkflug, Verlsute je nach Einstiegszeitpunkt von bis zu 90%. Immer wieder Übernahmegerüchte, die sich aber am Ende nicht bestätigten. Sparprogramme. Abgabe von Randgebieten. Horizon als Programm, um wieder nach vorne schauen zu können.
Trotz Fortschritten steckte Evotec auch im ersten Halbjahr 2026 noch tief in der Transformation. Umsatz und bereinigtes EBITDA waren deutlich eingebrochen, wichtige Meilensteinzahlungen verschoben sich und beide Geschäftssegmente schreiben Verluste. In diese düstere Stimmungslage eine gute Nachricht heute. Die zeigt wofür Evotec eigentlich stand und stehen sollte:
Evotec startet Forschungskooperation.
Die angekündigte Forschungskooperation mit dem oberbayerischen Biotech-Unternehmen Plectonic Biotech zeigt zwar technologische Fortschritte, ändert aber nichts an der strukturellen Krise des Wirkstoffforschers Evotec. Gemeinsam wollen die Hamburger eine Immuntherapie für solide Tumoren entwickeln. Dabei wird Evotecs BiTco-Plattform, die T-Zellen über einen speziellen CD2-Antikörper aktiviert, mit Plectonics logikgesteuerten LOGIBODY®-Molekülen kombiniert. Ziel ist eine präzisere Bekämpfung solider Tumoren, bei denen klassische T-Zell-Engager bisher an Grenzen stoßen.
So vielversprechend der Ansatz in der Onkologie scheint: Für die Aktionäre bringt die Meldung vorerst keine kurzfristige operative Wende. Evotec hat in den vergangenen Monaten massiv an Börsenwert verloren. Nach einer Serie von Gewinnwarnungen, enttäuschenden Zahlen und strategischer Unsicherheit ist das Vertrauen der Anleger nachhaltig gestört. Wichtig nun: Die Partnerschaft mit Plectonic unterstreicht zwar die wissenschaftliche Kompetenz des Konzerns, verbleibt jedoch im präklinischen Stadium. Bis aus der Kooperation marktreife Produkte oder nennenswerte Umsätze entstehen, vergehen Jahre. Für die akuten Probleme – eine schwache Auftragslage, laufende Umstrukturierungen und die Zurückhaltung der Pharmaindustrie bei F&E-Ausgaben – liefert das Projekt keine schnelle Entlastung.
Analysten Stimmung lässt auch wenig Phantasie – zu lange war man zu optimisitisch.
Manche sagen bereits, was man damals zu optimistisch war, ist man jetzt zu pessimisitisch. Letztendlich werden die nächsten Zahlen und Prognsoen die Antwort liefern. Derzeit spiegelt sich auf jeden Fall tiefe Skepsis auch in den aktuellen Analystenschätzungen wider. Nach der drastischen Kappung der Jahresziele – die ein negatives bereinigtes EBITDA von bis zu minus 105 Millionen Euro voraussieht – reagierten die Marktexperten mit deutlichen Korrekturen. Das durchschnittliche Konsens-Kursziel wurde spürbar zusammengestaucht und liegt mehrheitlich nur noch in einer Spanne von 3,60 Euro und 4,50 Euro.
In den Anlageempfehlungen dominieren klar die Einstufungen „Halten“ oder „Neutral“. Während Häuser wie die Deutsche Bank oder Berenberg vorerst eine abwartende Haltung einnehmen, bis das eingeleitete Sparprogramm greift, verweisen kritische Stimmen auf den anhaltend belasteten Free Cashflow. Optimistische Kursziele, wie die der kanadischen RBC (10,00 Euro), die auf die langfristige Kraft der Forschungsplattform setzen, bilden derzeit die Ausnahme.
Auch Leerverkäufer setzen eher auf Fortsetzung der Talfahrt.
Wie skeptisch der Markt insgesamt bleibt, zeigt der Blick in den Bundesanzeiger. Professionelle Akteure wetten weiterhin auf fallende Kurse und halten weiter signifikante Leerverkaufspositionen-trotz grösstenteils bereits hohen Gewinnen mit diesen Positionen:
- ActusRayPartners Limited: 0,62 % (gemeldet am 31. August 2026)
- Winton Capital Management Limited: 0,52 % (25. August 2026)
- Capital Ventures International: 0,84 % (17. August 2026)
- Mirabella Financial Services LLP: 0,68 % (3. August 2026)
- Whitebox Advisors LLC: 0,50 % (15. Juli 2026)
- Highbridge Capital Management, LLC: 0,70 % (Mitte Mai 2026)
Die Summe dieser Short-Meldungen verdeutlicht, dass M&A-Signale oder frühe Forschungskooperationen derzeit nicht ausreichen, um die fundamentale Skepsis der Marktteilnehmer zu zerstreuen. Die langfristige Substanz der Plattformen steht außer Frage – die operative Konsolidierung steht jedoch nach Ansicht der Markt-„Profis“ wohl erst am Anfang. Ob sich in dieser Situation antizyklisches Handeln auszahlen könnte? Erfordert sehr viel Mut – und eine hohe Risikoaffinität. Wer kauft, wenn das Ende so offen ist, wie derzeit bei Evotec, der kann natürlich im Erfolgsfalle hohe Gewinne erzielen. Oder eben alles verlieren…