Berentzen Aktie ade? Übernahmeangebot attraktiv? Ja, aber…

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Berentzen-Aktie vor dem Abschied? Sazerac bietet 5,55 Euro je Aktie – nachdem „gerade erst“ mit den Halbjahreszahlen wieder einmal eine Prognosesenkung zu verdauen war, könnte die lange Durststrecke für Berentzen Aktionäre jetzt zu einem versöhnlichen Ende kommen.

Mit der Ankündigung eines freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots durch das US-amerikanische Spirituosenunternehmen Sazerac steht die traditionsreiche Aktie wohl vor dem mutmaßlichen Abschied vom Kurszettel. Und das Angebot scheint fair: Sazerac bietet 5,55 Euro je Aktie in bar, was einem satten Aufschlag von 68 % auf den volumengewichteten Durchschnittskurs der letzten drei Monate entspricht.

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Attraktives Angebot? Besonders für Einsteiger der letzten Jahre.

Nach Einschätzung des Berentzen-Vorstands handelt es sich um eine „hervorragende Chance für das Unternehmen, seine Mitarbeitenden sowie seine Aktionärinnen und Aktionäre“. Für Aktionäre, die in den vergangenen ein bis zwei Jahren eingestiegen sind, markiert der Preis ein Niveau, das „seit über zwei Jahren nicht mehr erreicht wurde“. Wahrscheinlich hofft man auf die vollen kassen -und auch Expertise der Amerikaner, auf jeden fall heisst es: Vorstand und Aufsichtsrat unterstützen den Zusammenschluss ausdrücklich und kündigten an, den Anteilseignern die Annahme der Offerte zu empfehlen.

„Unserer Ansicht nach ist das Angebot für unsere Aktionärinnen und Aktionäre sehr attraktiv. Wir werden daher allen Anteilseignern empfehlen, das Angebot anzunehmen.“ , so Oliver Schwegmann und Ralf Brühöfner, Vorstand der Berentzen-Gruppe.(CN Berentzen)

Sazerac als starker Partner für den europäischen Markt.

Hintergrund der Transaktion ist der Plan, gemeinsam mit Sazerac eine „führende“ Spirituosenplattform in Europa aufzubauen. Und die Basis ist besser, als alles was die Norddeutschen allein in den letzten Jahren versuchten. Sazerac gilt als eines der wachstumsstärksten Spirituosenunternehmen weltweit und bringt starke Marken sowie globale Vertriebsstärke ein. Ein Milliardenkonzern, der bereits in der Vergangenheit „Übernahmen konnte“.

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Un Jake Wenz, CEO und Präsident von Sazerac, betont die langfristige Ausrichtung des Zukaufs: „Wir schätzen die lange und traditionsreiche Geschichte der Berentzen-Gruppe auf dem deutschen Markt sehr. […] Wir sind überzeugt, dass wir der Berentzen-Gruppe zusätzliche Ressourcen zur Verfügung stellen können, damit sie ihr Wachstum heute und in Zukunft fortsetzen kann.“

Neben der Stärkung der Marktposition sollen auch die bestehenden Standorte weiterentwickelt und durch erhöhte Investitionen unterstützt werden.

Geplantes Berentzen-Delisting und die Konsequenzen für verbleibende Aktionäre.

Die Transaktion ist an eine Mindestannahmeschwelle von 50 % plus einer Aktie geknüpft und soll voraussichtlich im 4. Quartal 2026 vollzogen werden. Dabei seien regulierungsbehördliche Genehmigungen für den Vollzug nicht erforderlich. Im Anschluss an ein erfolgreiches Übernahmeangebot ist jedoch – wie üblich – ein Delisting der Berentzen Aktie geplant, welches der Vorstand ebenfalls unterstütze. Das bedeutet für Anleger, die das Angebot nicht annehmen:

  • Die Aktie verschwindet vom regulierten Markt.

  • Der Handel an Regionalbörsen (wie der Börse Hamburg) dürfte relativ illiquide werden, was den späteren Verkauf von Aktien stark erschweren kann.

  • Ob es im Nachgang zu einem Squeeze-out kommt, ist ungewiss und kann eine langwierige Durststrecke bedeuten. Wobei einige Squeeze-Outs auch die lange Wartezeit durchaus lohnenswert erscheinen liessen. Aktuelle Beispiele, wo man vor Gericht eine Eingung sucht: Aareal Bank AG, Adler Real Estate AG, Kabel Deutschland, STADA Arzneimittel AG, Deutsche Wohnen SE. 

Langfristig geplagte Aktionäre erhalten mit dem Barangebot von 5,55 Euro die Chance, mit einem blauen Auge oder sogar Gewinn auszusteigen, während kurzfristige Neueinsteiger über einen schnellen Buchgewinn jubeln können. Angesichts des avisierten Delistings und der damit drohenden Illiquidität an der Börse stellt das anstehende Angebot für die meisten Anleger eine wirtschaftlich vernünftige Exit-Möglichkeit dar. Oder eben ein langer Atem ist angesagt.
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