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Was war das für ein Wirbel um PNE Wind AG (ISIN: DE000A0JBPG2) während und nach der Hauptversammlung (HV) im Juni.

Auf der im Vorfeld medial als Showdown zwischen Vorstandsvorsitzenden Martin Billhard sowie dem Aufsichtsratsvorsitzenden Dieter Kuprian auf der einen Seite und dem Großaktionär Volker Friedrichsen auf der anderen Seite bezeichneten Aktionärsversammlung tauchte zu guter Letzt noch die Polizei auf und beschlagnahmte diverse Unterlagen.

pne wind diagramm aktionaersstruktur

Die zu einem Marathon ausgeuferte HV wurde zuvor ohne Bekanntgabe der Abstimmungsergebnisse abgebrochen, da diese bis 0.00 Uhr nicht vorlagen. Einige der Anwesenden vermuteten ein absichtliches Zurückhalten der Abstimmungsergebnisse und alarmierten die Polizei. (Eklat auf der Hauptversammlung von PNE Wind)

Unter anderem stellte im Weiteren dann das Aufsichtsratsmitglied Astrid Zielke eine Strafanzeige wegen Wahlbetrugs und Urkundenunterdrückung. Die in den Raum gestellten Vorwürfe haben sich laut Staatsanwaltschaft Stade jedoch schnell als unhaltbar herausgestellt, so dass das Ermittlungsverfahren vollumfänglich eingestellt wurde.

Unterm Strich passierte also nichts, außer dass viel Lärm um Nichts gemacht worden ist. Als Sieger ging von den Herrschaften jedenfalls am Ende keiner von der Bühne.


Neue Hauptversammlung und neuer Aufsichtsrat geplant

Etwas Gutes könnte der Eklat auf der HV in Cuxhaven aber doch noch gehabt haben. Die Augen richteten sich durch das Spektakel ganz vehement auf das Management und den Aufsichtsrat, vor allen Dingen auf deren Bezahlung, so dass sich der Vorstand der PNE Wind offensichtlich in der Pflicht sah, gewisse Änderungen im Vorfeld einer derzeit in Planung befindlichen neuen HV vorzuschlagen.

So soll ein vollständig neuer und unabhängiger Aufsichtsrat nominiert werden, der das Vertrauen der Aktionäre genießt und gleichzeitig auch über das erforderliche Knowhow verfügt, um die Arbeit des Managements auch kritisch bewerten zu können. Zudem will man vorschlagen, ausschließlich eine feste Vergütung für die Aufsichtsratsmitglieder zu zahlen und diese auch zu reduzieren. So hatte der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Kuprian bei der PNE Wind zuletzt 229.000 EUR kassiert und zusätzlich für seinen Posten im Aufsichtsrat bei der Tochter WKN AG noch einmal 112.000 EUR.

An die Vorstandsgehälter, die ebenfalls in der Kritik standen, viel zu hoch auszufallen, will das Unternehmen allerdings wohl nicht herangehen. Martin Billhard soll eine Gesamtvergütung von 1,36 Mio. EUR erhalten haben. Mitenthalten sind hier die Boni, welche sich am EBIT des Windpark-Projektierers aus Cuxhaven orientiert. Da dürfte sich beim Vorstand aktuell sicherlich auch wieder Freude auftun. Denn die Halbjahreszahlen sehen diesbezüglich sehr gut aus.

 


Schwarze Zahlen wegen Verkauf des britischen Geschäfts

Die Zahlen für das erste Halbjahr 2015 sehen auf den ersten Blick sehr gut aus. So hat PNE Wind das EBIT von 2,8 Mio. EUR (1. HJ 2014) auf 24 Mio. EUR steigern können. Eine Steigerung von über 750%. Auch beim Gewinn legte das Unternehmen ordentlich zu. Der stieg auf 18,4 Mio. EUR,  im letzten Jahr verzeichnete man noch einen Verlust von 2,4 Mio. EUR.

Allerdings ist dieses Ergebnis ausschließlich dem Verkauf des britischen Geschäfts zu verdanken. Im Juni hatte man die britischen Tochter PNE Wind UK und deren gesamten Projekte veräußert. Der Gesamtkaufwert wurde mit 103 Mio. GBP (ca. 141,5 Mio. EUR) ausgewiesen. PNE Wind hielt 90% der Anteile (entspricht rund 92,7 Mio. GBP) und erhielt bereits einen Teilbetrag von rund 38,3 Mio. GBP (ca. 52,8 Mio. EUR) erhalten. Die restliche Summe wird bis 2020 per Meilensteinzahlungen fällig.

Während das EBIT und die schwarzen Zahlen von dieser Transaktion positiv beeinflusst wurden, sah es beim Umsatz aus dem laufenden Geschäft weniger gut aus. Der Umsatz sank von 117,9 Mio. EUR (1. HJ 2014) auf 71,9 Mio. EUR und brach somit 39% ein.

Dennoch sieht der Vorstand der PNE Wind positiv in die Zukunft. So geht man davon aus, dass der Einstieg ins YieldCo-Geschäft erhebliches Umsatz- und Ertragspotenzial hat. Im YieldCo-Geschäft werden fertige Windparks zu einem Portfolio gebündelt, die über die gesicherte Einspeisevergütung und über Dividenden nachhaltig Erträge erwirtschaften. Zudem kann man YieldCo auch an die Börse bringen oder sie an einen Investor verkaufen. Zwei dafür vorgesehene Parks befinden sich im Bau und weitere sind in Vorbereitung.

Für das laufende Geschäftsjahr geht der Vorstand von einem EBIT in Richtung 30-40 Mio. EUR aus.


Auf den Absturz folgte die Erholung

Im Nachgang der ominösen HV Mitte Juni folgte auf Schlusskursbasis ein deftiger Rücksetzer der Aktie von 2,33 EUR auf 2,07 EUR um über 11% binnen zwei Tage. In den beiden Tagen nach der HV rutschte der Titel sogar zeitweise unter die 2 EUR-Marke.

Nachdem aber die Staatsanwaltschaft Stade die Ermittlungen eingestellt hat und der Vorstand der PNE Wind mit der Nachricht aufwartete, den Aufsichtsrat ersetzen zu wollen und dessen Bezüge neu festzulegen, erholte sich die Aktie Anfang Juli wieder. Binnen einer Woche stieg sie dann bis auf 2,35 EUR.

Die Halbjahreszahlen wurden indes bisher nicht weiter honoriert. Grund dafür ist sicherlich die Frage, ob PNE Wind in den nächsten Jahren nachhaltiger wachsen kann. Der rückläufige Umsatz in Verbindung mit dem noch nicht ausgeräumten Streit zwischen Großaktionär Friedrichsen und dem Management könnten den einen oder anderen Anleger davon abhalten, die Aktie zu kaufen. Aktuell notiert sie bei 2,24 und damit 1,06% unter dem gestrigen Schlusskurs.

Trotz aller berechtigter Skepsis dürfte PNE Wind gute Chancen haben, das Geschäft in den nächsten Jahren weiter auszubauen. Dabei bleibt abzuwarten, ob das YieldCo-Geschäft auch die gewünschten Zuwächse beim Umsatz und Ertrag in die Gruppe bringt. Positiv hinzu kommt, dass PNE Wind über die kommenden 4,5 Jahre voraussichtlich noch rund 54,4 Mio. GBP aus dem Verkauf des britischen Geschäfts kassiert.

Die Analysten von SMC Research,Oddo Seydler,First Berlin und Warburg Research  gehen jedenfalls in ihren Bewertungen seit Mai dieses Jahres allesamt von einer positiven Entwicklung der Aktie aus. Die Kursziele reichen dabei von 3,45 EUR über 4 EUR und 4,40 EUR bis 5,10 EUR.      

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Noch immer stehen deutsche Nebenwerte weitestgehend im Schatten der sogenannten 30 Blue Chips aus dem DAX, dem deutschen Leitindex. Doch so mancher Wert aus dem DAX kam ja einst aus der zweiten und dritten Reihe und war somit selbst einmal ein Mid-cap oder Small-Cap. SDAX, TECDAX und MDAX sind daher sozusagen die Wiege des DAX.

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