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Asien gilt als einer der wichtigsten Entwicklungs- und Wachstumsmärkte für die Recyclingbranche. Besonders die bevölkerungsreichen Staaten wie China, Indien und Indonesien stehen vor dem Problem einer immer größer werdenden Müllmenge und zeigen ein zunehmendes Umweltbewusstsein.

Knapp 2 Millionen Tonnen Müll werden jeden Tag in Asien produziert, Tendenz durch wachsende Bevölkerung und zunehmenden Wohlstand steigend. Die immer größer werdenden Deponien sind vor allem in Städten mit Platzmangel wie Hong Kong und Singapur keine Lösung mehr. Ein ineffizientes Abfallmanagement ohne hohe Recycling- und Verwertungsquoten kostet zudem wichtige Prozente beim Wirtschaftswachstum.


China bietet ein enormes Potenzial

Auch europäische und somit deutsche Unternehmen haben das Potenzial von mehreren zehn Milliarden Euro jährlich bereits vor Jahren erkannt. Interessant ist aufgrund der zunehmenden Privatisierung und einem geschätzten Potenzial von 6 bis 7 Mrd. EUR pro Jahr Indien. Aber vor allem in China hat man sich in den immer stärker umkämpften Markt vorgewagt. Eines von ihnen ist der Berliner Konzern ALBA Group, ein Pionier in der Wertstofftrennung in Deutschland. Mit einem Umsatzvolumen von 2,45 Mrd. EUR im vergangenen Jahr ist ALBA einer der größten Umweltdienstleister und Rohstoffhändler Europas und der Welt.

Am Montag teilte der Vorstandschef der ALBA Group Axel Schweitzer mit, dass man ein Joint-Venture mit zwei chinesischen Unternehmen geschlossen habe. Zusammen mit Guangdong Rising Assets Management Co. Ltd. und Zhongde Metal Group Co. Ltd. hat man in Hong Kong ein Gemeinschaftsunternehmen für die Entwicklung und den Betrieb von Anlagen zur Behandlung von Haushaltsabfällen gegründet.

Acht dieser Anlagen sollen in den nächsten Jahren in verschiedenen Regionen Chinas errichtet werden. Dort sollen die Abfälle getrennt und ein Großteil davon in die sogenannte „Grüne Kohle“ umgewandelt werden. Dieser Brennstoff wird in Kraftwerken verwendet und erzeugt im Vergleich zu herkömmlicher Energiegewinnung rund 70% weniger CO2.


Bereits seit 20 Jahren in China aktiv

Für ALBA ist das Joint-Venture ein weiterer wichtiger Schritt, um dem Ziel näher zu kommen, in den nächsten Jahren eine signifikante Rolle in der dortigen Recyclingwirtschaft zu spielen. Das Unternehmen ist bereits seit rund 20 Jahren in Hong Kong als einer der größten Rohstoffhändler tätig und unterhält Büros in Shanghai und seit 2012 auch in Peking.

Seit 2011 konzentriert man sich in China neben der Vermarktung recycelter Rohstoffe verstärkt auf das Recyclinggeschäft selbst, die damit verbundene technische Entwicklung von Projekten und die Beratung. Die Chinesen sind sehr an ausländischer Recyclingtechnologie und dem Know-how von ALBA interessiert, die ihnen hilft, mit der wachsenden Müllproduktion und der gleichzeitig zunehmenden Rohstoffnachfrage fertig zu werden.

Mit einem weiteren chinesischen Partnerunternehmen ist man bereits im Altfahrzeugrecycling tätig und 2012 wurde die erste „Grüne Kohle“ aus chinesischen Abfällen gewonnen. Für die Herstellung des Brennstoffes sieht man bei ALBA ein enormes Potenzial von bis zu 500 Anlagen in China. Aber auch im Bereich des Aufbaus einer modernen und nachhaltigen Kreislaufwirtschaft steckt noch viel Nachholbedarf.

 


Deutsches Know-how ist gefragt

In China gibt es bisher kaum eine durch Kommunen oder Unternehmen organisierte Müllabholung und -trennung. Das existierende System ist privatwirtschaftlich und besteht aus Sammlern, die mit Karren oder kleinen LKWs den Müll abholen, trennen und an Zwischenhändler verkaufen. Zudem verändert sich die Zusammensetzung des Hausmülls ständig und erfordert eine permanente technologische Entwicklung. Enthält er derzeit noch größtenteils organische Stoffe, erhöht sich der Anteil an Kunststoffen und anderen Abfallarten mit zunehmendem Wohlstand und Verstädterungsgrad.

Als Anbieter der kompletten Bandbreite an Dienstleistungen von Beratung. Lizensierung, Facility-Management, Technologie und Logistik hat ALBA seine Position im mittlerweile hart umkämpften und vor allem für lokale Unternehmen, wie die in Frankfurt notierte ZhongDe Waste Technology AG, interessanten chinesischen Markt stetig ausbauen können. Durch die in China ohnehin notwendigen Partnerschaften mit einheimischen Unternehmen hat man diese nun auch zunehmend gefestigt.

Die internationale Konkurrenz kämpft jedoch ebenfalls um die für ausländische Unternehmen zunehmend kleiner werdenden Marktanteile. Remondis hat vor ein paar Jahren Büros in Singapur und Shanghai gegründet und die teilweise mit deutschem Know-how erfahrenen Unternehmen aus Singapur suchen sich ebenfalls ihren Platz. Sita, ein Tochterunternehmen der Suez Environment, hat ein Büro in Hong Kong und betreibt wie auch das US-Unternehmen Waste Management, ein Betreiber von hunderten Recyclinganlagen und Deponien in Nordamerika, ein Joint-Venture in Shanghai.


Eine Vision

Doch vorerst braucht ALBA einen allzu harten Wettbewerb nicht zu fürchten. Mittlerweile arbeitet man mit der nationalen Planungskommission zusammen, welche die Fünf-Jahres-Pläne der Regierung in Sachen Wirtschaftspolitik erstellt. Somit ist China mit seiner verhältnismäßig jungen Recyclingwirtschaft und den Millionen Tonnen von Haushaltsabfällen der wichtigste Zukunftsmarkt für das in Deutschland, Europa und den USA tätige Unternehmen.

Das bisherige Hauptgeschäft, der Schrotthandel, wurde aufgrund der anhaltenden Schwäche des internationalen Marktes zudem umstrukturiert, um Synergien zu schaffen. Nicht umzustrukturierende Unternehmen und Sammelstellen wurden verkauft, während andere Schrottplätze mit Sammelstellen für Abfälle wie Papier zusammengelegt wurden, um die Wertschöpfung zu erhöhen und Kosten zu senken. So will man bei ALBA die Schulden in vermuteter dreistelliger Millionenhöhe abtragen und in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben.

Laut Vorstand brauchen sich die Anteilseigner keine Sorgen um die Finanzierung zu machen. Diese ist bei dem 1968 gegründeten, teilweise als ALBA SE börsennotierten Familienunternehmen bis 2017 gesichert und danach wohl auch kaum gefährdet. In Deutschland kann man somit weiterhin der Vision folgen, dass das Land bis 2030 ohne Müllverbrennung auskommt. Auch eine für China interessante und in den nächsten Jahrzehnten mit deutschem Know-how umsetzbares Ziel.

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