thyssenkrupp nucera unter Druck: Wasserstoffgeschäft schwächelt – Chlor-Alkali stabilisiert

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thyssenkrupp nucera liefert im dritten Quartal 2025/2026 ein gemischtes Bild. Der Auftragseingang steigt deutlich, das Chlor-Alkali-Geschäft wächst kräftig und die Bilanz bleibt komfortabel. Gleichzeitig kämpft das Unternehmen weiter mit einem schwachen Wasserstoffgeschäft, hohen Verlusten im gH2-Segment und zusätzlichen Belastungen aus der strategischen Neuausrichtung bei der SOEC-Technologie.

Für Anleger ist vor allem entscheidend, dass die Jahresprognose erneut angepasst wurde. Der erwartete Konzernverlust fällt nun deutlich höher aus als bislang angenommen.

Auftragseingang steigt deutlich – 471 Millionen Euro nach neun Monaten

Im dritten Quartal erhöhte thyssenkrupp nucera den Auftragseingang um 29 Prozent auf 81 Millionen Euro.

Nach neun Monaten summierten sich die Bestellungen auf 471 Millionen Euro nach 241 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Damit hat sich der Auftragseingang nahezu verdoppelt.

Wichtigster Treiber war das Segment Grüner Wasserstoff. Hier gewann das Unternehmen unter anderem das 300-Megawatt-Projekt von Moeve zum Bau einer großen Wasserstoffproduktionsanlage in Südeuropa.

Inklusive Servicepaket umfasst der Auftrag auch digitale Lösungen wie Digital Twins, Lastmanagement und Betriebssimulationen.

Das ist strategisch wichtig, denn solche Serviceleistungen können langfristig zusätzliche und besser planbare Erlöse liefern.

Chlor-Alkali ist aktuell die klare Ergebnissäule

Während das Wasserstoffgeschäft weiterhin schwankt, entwickelt sich das Segment Chlor-Alkali robust.

Der Auftragseingang stieg im dritten Quartal um 57 Prozent auf 78 Millionen Euro. Der Umsatz legte um 34 Prozent auf 109 Millionen Euro zu.

Das EBIT verbesserte sich gleichzeitig von 13 auf 15 Millionen Euro.

Auch nach neun Monaten zeigt sich das Segment stabil. Der Auftragseingang erhöhte sich auf 288 Millionen Euro, während das EBIT 38 Millionen Euro erreichte.

Damit ist Chlor-Alkali derzeit die wichtigste operative Stütze des Konzerns.

Für Anleger ist das besonders relevant, weil dieser Bereich deutlich weniger volatil ist als das projektgetriebene Wasserstoffgeschäft.

Grüner Wasserstoff bleibt die große Baustelle

Im Segment Grüner Wasserstoff sieht das Bild deutlich schwächer aus.

Der Umsatz sank im dritten Quartal von 103 auf 36 Millionen Euro. Nach neun Monaten erreichten die Erlöse nur noch 80 Millionen Euro nach 377 Millionen Euro im Vorjahr.

Das EBIT fiel im dritten Quartal auf minus 17 Millionen Euro und nach neun Monaten auf minus 107 Millionen Euro.

Hauptgrund sind geringere Umsatzbeiträge aus großen Referenzprojekten wie NEOM sowie hohe Sonderkosten aus Neubauprojekten.

Hinzu kommt die Vertragsauflösung eines Projekts in den USA, die bereits im zweiten Quartal belastet hatte.

Damit wird deutlich: Der Auftragseingang im Wasserstoffsegment verbessert sich, aber die Umsetzung in profitables Geschäft bleibt schwierig.

SOEC-Strategie wird zurückgefahren

Ein besonders wichtiger Schritt betrifft die Hochtemperaturelektrolyse.

thyssenkrupp nucera hat entschieden, keine eigene Serienfertigung für SOEC-Anlagen aufzubauen.

Grund sind die verzögerte Marktentwicklung, hohe Investitionsanforderungen und eine aus Sicht des Managements derzeit unattraktive wirtschaftliche Perspektive.

Die Entscheidung führt zu einmaligen Belastungen von rund 30 Millionen Euro. Diese entstehen vor allem durch Abschreibungen auf die Pilotanlage und aktivierte Entwicklungsleistungen.

Künftig will sich nucera stärker auf drei Bereiche konzentrieren:

die etablierte Chlor-Alkali-Technologie,

die alkalische Wasserelektrolyse,

und künftig die Hochdruck-Wasserelektrolyse.

Strategisch ist das ein Rückzug aus einem Zukunftsfeld, gleichzeitig aber auch ein Zeichen von Kostendisziplin.

Umsatz sinkt – operative Stabilität im dritten Quartal

Der Konzernumsatz fiel im dritten Quartal von 184 auf 145 Millionen Euro.

Trotz des niedrigeren Umsatzvolumens konnte das EBIT mit minus 2 Millionen Euro nahezu stabil gehalten werden.

Im Vorjahr lag das operative Ergebnis bei null.

Eine verbesserte Bruttomarge und konsequentes Kostenmanagement kompensierten einen großen Teil des Umsatzrückgangs.

Nach neun Monaten sieht das Bild allerdings deutlich schwächer aus.

Der Konzernumsatz sank von 663 auf 354 Millionen Euro, während das EBIT von plus 4 Millionen Euro auf minus 69 Millionen Euro abrutschte.

Bilanz bleibt ein großer Pluspunkt

Trotz der operativen Verluste bleibt die finanzielle Position stark.

Zum 30. Juni 2026 verfügte thyssenkrupp nucera über ein Nettofinanzguthaben von 627 Millionen Euro.

Ende September 2025 waren es noch 656 Millionen Euro.

Der Free Cashflow lag nach neun Monaten bei minus 26 Millionen Euro, blieb angesichts der hohen Liquiditätsreserven jedoch gut verkraftbar.

Der Auftragsbestand stieg auf 638 Millionen Euro nach 606 Millionen Euro zum Geschäftsjahresbeginn.

Damit verfügt das Unternehmen trotz der Verluste weiterhin über erheblichen finanziellen Handlungsspielraum.

Indien soll neues Wachstum bringen

Strategisch erweitert thyssenkrupp nucera seine Präsenz in Indien.

Im Juli wurde eine Partnerschaft mit BHEL vereinbart. Beide Unternehmen wollen auch bei der schrittweisen Lokalisierung der Fertigung von Elektrolysemodulen zusammenarbeiten.

Indien zählt zu den Märkten mit besonders ambitionierten Wasserstoffplänen und könnte langfristig eine wichtige Rolle für die Nachfrage nach Elektrolyseuren spielen.

Ob sich daraus kurzfristig größere Umsatz- und Ergebnisbeiträge ergeben, bleibt allerdings offen.

Prognose wird erneut nach unten angepasst

Die größte Belastung für die Investmentstory ist die neue Jahresprognose.

Für den Auftragseingang erwartet thyssenkrupp nucera nun 550 bis 670 Millionen Euro. Zuvor lag die Spanne bei 550 bis 850 Millionen Euro.

Beim Umsatz wurde der Zielkorridor auf 450 bis 500 Millionen Euro reduziert, nach bislang 450 bis 550 Millionen Euro.

Noch deutlicher fällt die Anpassung beim Ergebnis aus.

Das Konzern-EBIT soll nun zwischen minus 105 und minus 75 Millionen Euro liegen. Zuvor hatte das Management noch minus 80 bis minus 30 Millionen Euro erwartet.

Im Segment Grüner Wasserstoff wird nun ein Umsatz von 100 bis 130 Millionen Euro erwartet. Das EBIT soll zwischen minus 155 und minus 135 Millionen Euro liegen.

Die Prognose für das Chlor-Alkali-Segment bleibt dagegen unverändert.

Einordnung für Anleger

thyssenkrupp nucera bleibt eine anspruchsvolle Investmentstory.

Positiv sind der hohe Auftragseingang, die solide Bilanz und das starke Chlor-Alkali-Geschäft. Auch die strategische Partnerschaft in Indien und neue Großprojekte im Wasserstoffbereich zeigen, dass langfristig Nachfrage vorhanden ist.

Kurzfristig dominiert aber die schwache Profitabilität im gH2-Segment.

Der massive Umsatzrückgang, hohe Projektverluste und zusätzliche Abschreibungen belasten das Ergebnis deutlich. Die erneute Prognosesenkung unterstreicht, dass der Weg zu einem profitablen Wasserstoffgeschäft länger dauert als ursprünglich erhofft.

Für Anleger bleibt damit vor allem entscheidend, ob thyssenkrupp nucera die Verluste im Wasserstoffsegment 2026/2027 deutlich reduzieren und den hohen Auftragseingang in profitables Wachstum übersetzen kann.

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