thyssenkrupp nucera meldet einen weiteren Auftrag aus China. Der Elektrolyse-Spezialist liefert Chlor-Alkali-Technologie für eine neue Anlage von Hongniu Lanzhou Environmental Protection Technology in Nordwestchina. Das Auftragsvolumen liegt im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Gemessen an der Größe von thyssenkrupp nucera ist das kein Großauftrag. Strategisch ist die Bestellung dennoch interessant: Sie erweitert die installierte Basis in einem wichtigen chinesischen Industriemarkt und stärkt ausgerechnet jenes etablierte Chlor-Alkali-Geschäft, das neben dem deutlich volatileren Wasserstoffgeschäft eine wichtige Säule des Unternehmens darstellt.
Niedriger zweistelliger Millionenbetrag
Hongniu Lanzhou beauftragt thyssenkrupp nucera mit einem umfangreichen Leistungspaket.
Dazu gehören die Lizenzierung und das Engineering, Beschaffungsdienstleistungen, die Lieferung wichtiger Komponenten sowie Unterstützung bei der Inbetriebnahme der neuen Chlor-Alkali-Anlage.
Damit beschränkt sich nuceras Rolle nicht auf die Lieferung einzelner Komponenten.
Das Unternehmen begleitet wesentliche Teile des Projekts von der technologischen Planung bis zur Inbetriebnahme.
Konkreter als mit einem Auftragswert im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich wird thyssenkrupp nucera bei der finanziellen Größenordnung allerdings nicht.
Neukunde setzt erstmals auf Chlor-Alkali
Bemerkenswert ist vor allem der Kunde.
Für Hongniu Lanzhou ist es nicht nur der erste Auftrag bei thyssenkrupp nucera. Das Unternehmen steigt mit diesem Projekt überhaupt erstmals in den Chlor-Alkali-Markt ein.
Hongniu Lanzhou ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Jiangsu Hongniu und dient als strategische Projektplattform für Nordwestchina.
Das Unternehmen beschäftigt sich unter anderem mit Recycling und Verwertung industrieller Salzabfälle, der Herstellung chemischer Produkte sowie Forschung und Entwicklung im Bereich Umwelttechnologien.
Für den erstmaligen Einstieg in die Chlor-Alkali-Produktion setzt Hongniu damit auf die Technologie von thyssenkrupp nucera.
e-BiTAC v7 soll vor allem beim Energieverbrauch punkten
Technologisch kommt die aktuelle Generation e-BiTAC v7 zum Einsatz.
Nach Angaben von thyssenkrupp nucera liegt der Stromverbrauch bei weniger als 1.960 kWh je Tonne NaOH bei einer Stromdichte von 6 kA/m².
Gerade bei industriellen Elektrolyseanlagen ist der Energieverbrauch ein entscheidender Wirtschaftlichkeitsfaktor.
Je größer die Produktionsmengen, desto stärker wirken sich Unterschiede beim Strombedarf auf die laufenden Betriebskosten aus.
Mit der e-BiTAC-v7-Technologie will nucera deshalb nicht allein bei der technischen Leistungsfähigkeit punkten, sondern insbesondere bei der Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus der Anlage.
China bleibt ein wichtiger Markt
Für thyssenkrupp nucera besitzt China weiterhin eine hohe strategische Bedeutung im Chlor-Alkali-Geschäft.
Das Unternehmen verweist auf hohe industrielle Nachfrage, zusätzliche Produktionskapazitäten und Investitionen in die Modernisierung bestehender Anlagen.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit.
Genau daraus können sich zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten für moderne Elektrolyseverfahren ergeben.
Mit dem Auftrag von Hongniu Lanzhou erweitert nucera seine installierte Basis nun gezielt in Nordwestchina, einer bedeutenden Region für industrielle Chlor-Alkali-Produktion.
Chlor-Alkali bleibt wichtiges Gegengewicht zum Wasserstoffgeschäft
Für Anleger ist der Auftrag vor allem im Kontext des gesamten Geschäftsmodells interessant.
thyssenkrupp nucera wird an der Börse häufig vor allem mit grünem Wasserstoff und alkalischer Wasserelektrolyse in Verbindung gebracht.
Das Unternehmen besitzt jedoch gleichzeitig ein etabliertes Chlor-Alkali-Geschäft.
Gerade diese Diversifikation kann wichtig sein, wenn sich große Wasserstoffprojekte verzögern oder Investitionsentscheidungen langsamer fallen als ursprünglich erwartet.
Der neue China-Auftrag zeigt, dass nucera parallel zum Aufbau des Wasserstoffgeschäfts seine traditionelle technologische Basis weiter vermarktet.
Nach schwachen Zahlen zählt jeder profitable Auftrag
Das bekommt zusätzliche Bedeutung vor dem Hintergrund der zuletzt schwierigen Ergebnisentwicklung.
Im laufenden Geschäftsjahr hatte thyssenkrupp nucera mit deutlichen Belastungen zu kämpfen. Insbesondere die Entwicklung im Wasserstoffbereich und strategische Entscheidungen wie die Beendigung der eigenen SOEC-Serienfertigung hatten das Ergebnis belastet.
Umso wichtiger ist ein kontinuierlicher Auftragseingang aus etablierten Geschäftsbereichen.
Der neue China-Auftrag allein wird die Ergebnisentwicklung des Konzerns zwar nicht grundlegend verändern. Er zeigt aber, dass das bestehende Chlor-Alkali-Geschäft weiterhin neue Projekte generiert und die installierte Basis wächst.
Installierte Basis kann langfristig zusätzlichen Wert schaffen
Dabei ist nicht nur der unmittelbare Auftragswert relevant.
Mit jeder zusätzlichen Anlage wächst auch die weltweite Basis installierter nucera-Technologie.
Das kann langfristig Folgegeschäft ermöglichen – beispielsweise durch Modernisierungen, Ersatzkomponenten, technische Dienstleistungen oder weitere Kapazitätserweiterungen.
Gerade im Chlor-Alkali-Bereich, in dem Anlagen über lange Zeiträume betrieben werden, können bestehende Kundenbeziehungen deshalb über den ursprünglichen Projektauftrag hinaus von Bedeutung sein.
Bei Hongniu Lanzhou muss sich allerdings erst zeigen, ob aus dem ersten gemeinsamen Projekt tatsächlich eine langfristige Kundenbeziehung entsteht.
Auftrag bestätigt technologische Positionierung
CEO Keisho Cho sieht in der Bestellung eine Bestätigung für die Kombination aus Technologie und Projekterfahrung.
Auch Hongniu-Manager Wang Zhaomin verweist ausdrücklich auf die bewährte und energieeffiziente Technologie sowie die internationale Erfahrung von thyssenkrupp nucera.
Für einen Neukunden, der erstmals in den Chlor-Alkali-Markt eintritt, spielen Referenzen und Projekterfahrung naturgemäß eine besonders große Rolle.
Dass nucera den Auftrag gewinnen konnte, ist insofern auch ein Referenzerfolg für zukünftige Projekte.
Kein Gamechanger – aber ein wichtiges Signal
Anleger sollten die Größenordnung dennoch realistisch einordnen.
Ein Auftrag im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich verändert die finanzielle Perspektive von thyssenkrupp nucera nicht fundamental.
Entscheidend ist vielmehr die Summe solcher Projekte.
Wenn nucera seine installierte Basis im Chlor-Alkali-Geschäft kontinuierlich erweitert und gleichzeitig größere Aufträge im Wasserstoffbereich gewinnt, entsteht eine breitere Grundlage für zukünftiges Wachstum.
Der aktuelle Auftrag liefert deshalb eher einen weiteren Baustein als einen unmittelbaren Kurstreiber.
Fazit: Das etablierte Geschäft liefert weiter
Der neue Auftrag aus China ist klein genug, um die Gesamtentwicklung von thyssenkrupp nucera nicht allein zu verändern – aber strategisch durchaus relevant.
Das Unternehmen gewinnt einen Neukunden, erweitert seine installierte Basis in Nordwestchina und platziert mit der e-BiTAC v7 seine neueste Chlor-Alkali-Technologie.
Gleichzeitig zeigt die Bestellung, dass nucera nicht ausschließlich von der Entwicklung des grünen Wasserstoffmarktes abhängig ist.
Gerade angesichts der Unsicherheiten und Verzögerungen, die große Wasserstoffprojekte begleiten können, besitzt das etablierte Chlor-Alkali-Geschäft eine wichtige stabilisierende Funktion.
Für Anleger bleibt deshalb entscheidend, ob aus solchen Einzelaufträgen ein kontinuierlich hoher Auftragseingang entsteht – und ob es thyssenkrupp nucera gleichzeitig gelingt, das wesentlich größere Wachstumspotenzial der Wasserstoffelektrolyse in profitable Projekte zu verwandeln.















