Bei Steyr Motors wird es ernst. Der US-Konzern Red Cat bietet 39 Euro je Aktie und will den österreichischen Motorenspezialisten übernehmen. Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen den Aktionären jetzt einstimmig, das Angebot anzunehmen. Auch Großaktionär B&C und Vorstandschef Julian Cassutti wollen ihre Aktien abgeben. Für Anleger stellt sich damit eine entscheidende Frage: Sind die 39 Euro ein attraktiver Ausstieg oder verschenkt man damit langfristiges Kurspotenzial?
Steyr Motors: 28,9 Prozent Prämie auf den Aktienkurs
Das Übernahmeangebot von Red Cat Holdings über die Tochter SMOT Acquisition GmbH hat ein Gesamtvolumen von rund 205 Millionen Euro. Geboten werden 39 Euro je Steyr Motors Aktie in bar.
Das entspricht einem Aufschlag von 28,9 Prozent auf den Xetra-Schlusskurs vom 16. Oktober 2026, dem letzten Handelstag vor Bekanntgabe der Übernahmepläne. Damals kostete die Aktie 30,26 Euro.
Vorstand und Aufsichtsrat halten den Preis für fair und attraktiv. Unterstützung kommt von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC, die den Angebotspreis in einer sogenannten Fairness Opinion als finanziell angemessen bewertet.
Für Aktionäre bietet das Angebot einen entscheidenden Vorteil: Sie können ihre Aktien zu einem festen Preis verkaufen, ohne darauf warten zu müssen, dass sich die vorhandenen Aufträge und Wachstumschancen tatsächlich in steigenden Gewinnen niederschlagen.
Großaktionär und CEO machen mit: Übernahme gewinnt an Fahrt
Ein wichtiges Signal kommt aus dem Aktionärskreis. Die B&C Holding Österreich GmbH hat bereits zugesagt, ihre 780.000 Aktien anzudienen. Damit sind nahezu 15 Prozent des Grundkapitals vertraglich für das Angebot vorgesehen.
Auch Steyr-Chef Julian Cassutti will seine eigenen Aktien verkaufen.
„Ich stehe voll hinter diesem Angebot und diene deshalb auch meine eigenen Aktien an. Es ist für unsere Aktionärinnen und Aktionäre finanziell attraktiv und für Steyr Motors strategisch richtig. Mit Red Cat haben wir einen starken Partner, der unsere Identität und unser Team bewahrt und zusätzlich in unser Wachstum investiert. Gemeinsam bringen wir unsere Motoren aus Steyr zu deutlich mehr Kunden und schlagen das nächste Kapitel unserer Wachstumsgeschichte auf.“
Die Unterstützung aus Vorstand und Großaktionärskreis erhöht die Chancen, dass Red Cat die erforderliche Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus einer Aktie erreicht. Garantiert ist der Erfolg der Übernahme damit allerdings noch nicht.
Red Cat will mit Steyr Motors im Verteidigungsmarkt wachsen
Strategisch ergibt die geplante Übernahme durchaus Sinn. Steyr Motors entwickelt und produziert Spezialmotoren für anspruchsvolle zivile und militärische Anwendungen. Red Cat ist im Bereich unbemannter Systeme und Drohnentechnologie aktiv.
Mit dem österreichischen Motorenhersteller könnte sich der US-Konzern zusätzliche industrielle Kompetenzen sichern und sein Geschäft im Verteidigungssektor breiter aufstellen.
Red Cat hat zudem zugesagt, den Standort Steyr zu erhalten. Produktion, Forschung und Entwicklung sollen in Österreich bleiben. Auch die bestehenden Beschäftigungsbedingungen und die aktuelle Vorstandsbesetzung sollen nicht verändert werden.
Für Steyr Motors eröffnet die Partnerschaft die Möglichkeit, neue Kunden und internationale Märkte zu erschließen. Red Cat kündigt dafür zusätzliche Investitionen an.
Steyr Motors Aktie: Was sollten Anleger jetzt beachten?
Für Aktionäre ist vor allem der Börsenkurs im Verhältnis zum Angebotspreis entscheidend. Notiert die Steyr Motors Aktie unter 39 Euro, könnte sich theoretisch eine Übernahmeprämie ergeben. Allerdings müssen Anleger dabei das Risiko eines Scheiterns und die Zeit bis zur Auszahlung berücksichtigen.
Die Annahmefrist läuft bis zum 18. Dezember 2026 um 17 Uhr. Voraussetzung für den Vollzug sind neben der Mindestannahmeschwelle unter anderem behördliche Genehmigungen in Österreich, Australien, Italien und Großbritannien.
Die Finanzierung ist nach Unternehmensangaben gesichert. Red Cat will den Kaufpreis aus eigenen Mitteln bezahlen. Ein Finanzierungsvorbehalt besteht nicht.
Wichtig ist auch: Die Auszahlung erfolgt erst nach Erfüllung der Angebotsbedingungen. Wer seine Aktien andient, erhält die 39 Euro also nicht automatisch unmittelbar nach Ablauf der Annahmefrist.
Steyr Motors: 39 Euro sicher oder auf mehr spekulieren?
Die Übernahmeempfehlung von Vorstand und Aufsichtsrat macht deutlich, dass die Unternehmensführung den gebotenen Preis für attraktiv hält. Mit der Zusage des Großaktionärs B&C hat Red Cat außerdem bereits wichtige Unterstützung gewonnen.
Für Anleger, die nach der Kursentwicklung der vergangenen Jahre Gewinne realisieren möchten, bietet das Barangebot eine konkrete Ausstiegsmöglichkeit.
Wer dagegen auf einen höheren Übernahmepreis oder die langfristigen Wachstumsperspektiven von Steyr Motors setzt, muss zusätzliche Risiken akzeptieren. Ein verbessertes Angebot liegt bislang nicht vor.
Die entscheidende Frage für die Steyr Motors Aktie lautet deshalb nicht mehr nur, wie stark das Unternehmen künftig wachsen kann, sondern ob Red Cat die Übernahme zu 39 Euro erfolgreich abschließt. Bis dahin dürfte sich die Kursentwicklung vor allem an den Erfolgsaussichten der Transaktion orientieren.















