Bei der pferdewetten.de AG rückt die Bilanz erneut in den Mittelpunkt. Im Zusammenhang mit einem laufenden Bilanzkontrollverfahren der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat der Vorstand beschlossen, den bereits festgestellten Jahresabschluss 2024 zu ändern und neu aufzustellen. Im Fokus stehen Ausleihungen und Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen. Die möglichen Auswirkungen auf Eigenkapital und Jahresergebnis sind derzeit noch nicht bezifferbar.
Für Anleger ist die Entwicklung von besonderer Bedeutung. Schließlich geht es um Bilanzpositionen in erheblicher Größenordnung, deren Werthaltigkeit nun erneut überprüft werden muss.
Ausleihungen von 38,7 Millionen Euro im Fokus
Im Jahresabschluss zum 31. Dezember 2024 hatte pferdewetten.de Finanzanlagen von insgesamt 40,49 Millionen Euro ausgewiesen. Davon entfielen allein 38,70 Millionen Euro auf Ausleihungen an verbundene Unternehmen. Damit machten diese konzerninternen Finanzierungen rund 95,6 Prozent der ausgewiesenen Finanzanlagen aus.
Genau bei der Bewertung dieser Ausleihungen und weiterer Forderungen sieht das Unternehmen nach bisherigen Analysen Anhaltspunkte für einen Korrekturbedarf. Das bedeutet allerdings noch nicht, dass die gesamten Forderungen wertberichtigt werden müssen. Vielmehr soll nun geprüft werden, welcher Teil der bilanzierten Ansprüche tatsächlich werthaltig ist und in welcher Höhe gegebenenfalls Anpassungen erforderlich werden.
Die endgültigen Auswirkungen stehen bislang nicht fest.
BaFin-Verfahren führt zur Neuaufstellung der Bilanz
Hintergrund der Entscheidung ist das bereits bekannte Bilanzkontrollverfahren der BaFin. Im Zuge der laufenden Prüfung sind offenbar Fragen zur Bewertung der Forderungen und Ausleihungen gegenüber verbundenen Unternehmen aufgekommen.
Um diese Sachverhalte aufzuklären, will pferdewetten.de eine detaillierte Werthaltigkeits- und Recovery-Analyse durchführen. Dabei wird für die einzelnen Gesellschaften untersucht, in welchem Umfang die bestehenden Forderungen wirtschaftlich gedeckt sind und welche Rückflüsse realistisch erwartet werden können. Auf dieser Grundlage soll anschließend entschieden werden, welche Wertanpassungen notwendig sind und welchen Geschäftsjahren diese zugeordnet werden müssen. Für Anleger ist dabei besonders relevant, dass bislang weder die Höhe möglicher Abschreibungen noch deren konkrete Auswirkungen auf das Eigenkapital feststehen.
Auch Eigenkapital und Jahresergebnis könnten betroffen sein
Die Überprüfung beschränkt sich nicht ausschließlich auf die konzerninternen Ausleihungen. Nach Angaben des Unternehmens werden auch unmittelbar damit zusammenhängende Bilanzierungs- und Berichtssachverhalte nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) erneut untersucht. Dazu gehören unter anderem Beteiligungsbuchwerte, Haftungsverhältnisse und Bürgschaften.
Sollten sich daraus zusätzliche Anpassungen ergeben, könnten diese ebenfalls Auswirkungen auf das ausgewiesene Eigenkapital und das Jahresergebnis der pferdewetten.de AG haben. Auch der Anhang und der zusammengefasste Lagebericht werden entsprechend überarbeitet. Damit geht die Neuaufstellung über eine rein formale Korrektur einzelner Bilanzpositionen hinaus. Wie umfangreich die Änderungen tatsächlich ausfallen, wird sich allerdings erst nach Abschluss der laufenden Analysen und der anschließenden Prüfung zeigen.
IFRS-Konzernabschluss bleibt zunächst unverändert
Eine wichtige Unterscheidung betrifft den Einzelabschluss der pferdewetten.de AG und den Konzernabschluss. Nach Angaben des Unternehmens bleiben die Zahlen des IFRS-Konzernabschlusses 2024 von den nun vorgesehenen Wertanpassungen zunächst unberührt. Der Grund: Konzerninterne Ausleihungen werden im Rahmen der Konzernrechnungslegung eliminiert. Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen einbezogenen Konzerngesellschaften erscheinen deshalb nicht als entsprechende Positionen im konsolidierten Abschluss.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche Auswirkungen auf Konzernebene bereits ausgeschlossen sind. pferdewetten.de weist ausdrücklich darauf hin, dass mögliche weitere Folgeeffekte gesondert untersucht werden müssen. Da auch der zusammengefasste Lagebericht geändert wird, soll der Konzernabschluss zudem formal in die Nachtragsprüfung einbezogen werden.
Abschlussprüfer muss Änderungen erneut kontrollieren
Der Vorstand verfolgt mit der Neuaufstellung nach eigenen Angaben das Ziel, bestehende Prüfungshemmnisse möglichst vollständig zu beseitigen.
Nach Abschluss der Werthaltigkeitsanalysen werden die erforderlichen Änderungen in den Jahresabschluss eingearbeitet und vom Abschlussprüfer im Rahmen einer Nachtragsprüfung untersucht. Anschließend soll der geänderte Jahresabschluss dem Aufsichtsrat zur Prüfung und Billigung vorgelegt werden. Erst danach ist die Veröffentlichung des korrigierten Abschlusses vorgesehen. Einen konkreten Zeitplan für den Abschluss dieses Verfahrens nennt das Unternehmen bislang nicht. Damit bleibt offen, wann Anleger die endgültigen Zahlen und die vollständigen finanziellen Auswirkungen beurteilen können.
Fazit: pferdewetten.de steht vor wichtiger Bilanzklärung
Die pferdewetten.de AG muss ihren bereits festgestellten Jahresabschluss 2024 erneut aufstellen. Auslöser sind mögliche Bewertungsprobleme bei Ausleihungen und Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen im Zusammenhang mit dem laufenden BaFin-Bilanzkontrollverfahren. Mit 38,7 Millionen Euro an konzerninternen Ausleihungen steht eine bedeutende Bilanzposition im Mittelpunkt der Überprüfung.
Positiv ist, dass das Unternehmen die offenen Fragen nun durch eine rechtsträgerbezogene Analyse und eine anschließende Nachtragsprüfung klären will. Für eine Entwarnung ist es allerdings noch zu früh. Die Höhe möglicher Wertberichtigungen und die Auswirkungen auf das Eigenkapital und Jahresergebnis sind weiterhin offen.
Für die pferdewetten.de-Aktie dürfte deshalb weniger die bloße Ankündigung der Bilanzkorrektur entscheidend sein als deren tatsächlicher Umfang. Erst mit dem neu aufgestellten und geprüften Jahresabschluss wird sich beurteilen lassen, welche finanziellen Konsequenzen die Überprüfung hat.











