Schaeffler liefert für die ersten neun Monate 2026 ein gemischtes Bild: Während die Profitabilität auf Konzernebene leicht steigt und der Free Cash Flow im dritten Quartal deutlich zulegt, bleibt die Elektromobilität das Sorgenkind. Mit Sonderbelastungen von rund 240 Millionen Euro reagiert der Automobil- und Industriezulieferer auf schwächere Projekte europäischer Hersteller in China. Gleichzeitig entwickelt sich mit der humanoiden Robotik ein neues Wachstumsfeld, in dem der Auftragsbestand inzwischen rund 400 Millionen Euro erreicht.
Umsatz leicht rückläufig, Profitabilität verbessert
Die Schaeffler AG hat vorläufige Geschäftszahlen für die ersten neun Monate sowie das dritte Quartal 2026 veröffentlicht. Trotz des weiterhin herausfordernden Marktumfelds konnte der Konzern seine operative Profitabilität auf Neunmonatssicht verbessern.
Der Umsatz erreichte von Januar bis September 17,5 Milliarden Euro, nach 17,7 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem leichten Rückgang von rund 1,1 Prozent.
Gleichzeitig verbesserte sich die EBIT-Marge vor Sondereffekten von 4,2 auf 4,5 Prozent. Damit gelang es Schaeffler, trotz des niedrigeren Umsatzvolumens die bereinigte operative Marge zu steigern.
Im dritten Quartal zeigte sich allerdings ein etwas anderes Bild. Der Umsatz blieb mit 5,8 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau, während die bereinigte EBIT-Marge von 4,5 auf 4,2 Prozent zurückging.
Die Entwicklung verdeutlicht, dass Schaeffler zwar Fortschritte bei der Profitabilität erzielt, die operative Lage jedoch weiterhin von unterschiedlichen Entwicklungen in den einzelnen Geschäftsbereichen geprägt ist.
Free Cash Flow im dritten Quartal deutlich verbessert
Ein positives Signal liefert die Entwicklung des Free Cash Flows.
Im dritten Quartal 2026 erwirtschaftete Schaeffler einen Free Cash Flow von 260 Millionen Euro, nach 175 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Das entspricht einer Verbesserung um rund 49 Prozent.
Auf Sicht der ersten neun Monate bleibt der Wert allerdings negativ. Hier weist das Unternehmen einen Free Cash Flow von minus 40 Millionen Euro aus, nachdem im Vorjahreszeitraum noch 47 Millionen Euro erzielt worden waren.
Die genannten Werte verstehen sich jeweils vor Ein- und Auszahlungen für M&A-Aktivitäten.
Für Anleger ist insbesondere die starke Entwicklung im dritten Quartal interessant. Sie zeigt, dass Schaeffler zuletzt wieder deutlich mehr Liquidität aus dem Geschäft generieren konnte. Entscheidend wird nun sein, ob sich diese Entwicklung im Schlussquartal fortsetzt.
E-Mobility bleibt die größte Baustelle
Die Sparte E-Mobility steht weiterhin vor erheblichen Herausforderungen.
Zwar stieg der Umsatz in den ersten neun Monaten von 3,7 auf 3,9 Milliarden Euro, doch das Geschäft schreibt operativ weiterhin deutliche Verluste.
Die EBIT-Marge vor Sondereffekten verbesserte sich immerhin von minus 17,8 auf minus 14,8 Prozent. Im dritten Quartal erreichte sie minus 13,1 Prozent, nach minus 15,0 Prozent im Vorjahresquartal.
Damit bewegt sich die Sparte in die richtige Richtung, bleibt aber noch weit von der Gewinnschwelle entfernt.
Das Management hält deshalb am Ziel fest, die E-Mobility-Sparte operativ in die schwarzen Zahlen zu führen.
Besonders belastend ist die schwächere Entwicklung bestimmter Projekte europäischer Automobilhersteller in China. Anhaltende Volumenreduzierungen zwingen Schaeffler nun zu einer umfangreichen Anpassung seiner Produktionskapazitäten.
240 Millionen Euro Sonderbelastung für den Konzern
Als Konsequenz hat Schaeffler beschlossen, Sonderabschreibungen und Rückstellungen von insgesamt rund 240 Millionen Euro vorzunehmen.
Davon entfallen etwa 220 Millionen Euro auf das dritte Quartal 2026.
Betroffen sind insbesondere Produktionsanlagen, die aufgrund rückläufiger Projektvolumina nicht mehr benötigt werden. Zusätzlich bereinigt das Unternehmen sein Portfolio bei bestimmten Thermomanagementsystemen.
Das Geschäft mit Komponenten und Modulen in diesem Bereich soll allerdings unverändert fortgeführt werden.
Die Sonderbelastungen werden bei der Berechnung des EBIT vor Sondereffekten herausgerechnet. Sie beeinträchtigen somit nicht die ausgewiesene bereinigte EBIT-Marge, belasten aber das Ergebnis einschließlich Sondereffekten.
Schaeffler will mit den Maßnahmen Überkapazitäten abbauen und bilanzielle Risiken reduzieren. Gleichzeitig sollen die Anpassungen die Profitabilität der E-Mobility-Sparte in den kommenden Jahren verbessern.
Für Anleger bleibt allerdings entscheidend, ob die Bereinigung tatsächlich zu einer nachhaltig besseren Kostenstruktur führt und wie schnell sich die operative Verlustsituation verringern lässt.
China bleibt strategisch wichtig
Trotz der Belastungen hält Schaeffler an seiner Elektromobilitätsstrategie in China fest.
Allerdings verändert das Unternehmen seine Ausrichtung. Während Projekte europäischer Automobilhersteller unter Druck stehen, will Schaeffler künftig den Anteil chinesischer Fahrzeughersteller am eigenen Elektromobilitätsgeschäft weiter ausbauen.
Das ist eine wichtige strategische Weichenstellung.
Schaeffler reagiert damit auf die veränderten Marktverhältnisse und versucht, sein Geschäft stärker auf die Nachfrage lokaler Hersteller auszurichten.
Ob diese Strategie ausreicht, um die E-Mobility-Sparte nachhaltig profitabel zu machen, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.
Powertrain & Chassis bleibt wichtiger Ergebnislieferant
Deutlich profitabler arbeitet weiterhin die Sparte Powertrain & Chassis.
Hier sank der Umsatz in den ersten neun Monaten von 6,7 auf 6,3 Milliarden Euro. Gleichzeitig ging die bereinigte EBIT-Marge von 11,5 auf 10,8 Prozent zurück.
Im dritten Quartal erreichte die Sparte bei einem Umsatz von 2,1 Milliarden Euro eine EBIT-Marge vor Sondereffekten von 10,2 Prozent.
Trotz der rückläufigen Entwicklung bleibt Powertrain & Chassis damit ein wichtiger Ergebnislieferant innerhalb des Konzerns.
Noch höhere Margen erzielt das Geschäft mit Ersatzteilen und Fahrzeuglebenszykluslösungen.
Die Sparte Vehicle Lifetime Solutions erwirtschaftete in den ersten neun Monaten einen stabilen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro. Die bereinigte EBIT-Marge verbesserte sich von 14,8 auf 15,1 Prozent.
Auch Bearings & Industrial Solutions entwickelte sich bei der Profitabilität positiv. Bei einem stabilen Umsatz von 4,8 Milliarden Euro stieg die bereinigte EBIT-Marge von 7,8 auf 8,9 Prozent.
Damit zeigt sich eine klare Zweiteilung innerhalb des Konzerns: Während die Elektromobilität weiterhin hohe Verluste verursacht, liefern die etablierten Industrie- und Fahrzeuggeschäfte überwiegend solide operative Ergebnisse.
Humanoide Robotik: Auftragsbestand wächst auf 400 Millionen Euro
Für besondere Aufmerksamkeit dürfte allerdings ein Geschäftsfeld sorgen, das bislang noch nicht zu den klassischen Schaeffler-Aktivitäten zählt: humanoide Robotik.
Hier setzt sich der positive Trend aus den vergangenen Quartalen fort.
Im dritten Quartal 2026 konnte Schaeffler zwei neue Kunden aus Greater China gewinnen. Gleichzeitig erhöhte sich der Auftragsbestand in diesem Wachstumsfeld auf rund 400 Millionen Euro.
Damit gewinnt das Robotikgeschäft zunehmend an Bedeutung für die langfristige strategische Ausrichtung des Unternehmens.
Schaeffler verfügt über Kompetenzen in Präzisionsmechanik, Antriebstechnik und industriellen Komponenten, die auch für robotische Anwendungen relevant sind.
Der wachsende Auftragsbestand zeigt, dass das Unternehmen bereits konkrete Kundenprojekte gewinnt. Allerdings bleibt offen, über welchen Zeitraum die Aufträge abgearbeitet werden und welche Umsatz- beziehungsweise Ergebnisbeiträge daraus entstehen.
Dennoch könnte sich hier langfristig ein zusätzlicher Wachstumstreiber entwickeln, der Schaeffler unabhängiger von der klassischen Automobilindustrie macht.
Prognose für 2026 und Ziele für 2028 bestätigt
Trotz der Sonderbelastungen und der anhaltenden Herausforderungen in der Elektromobilität hält Schaeffler an seiner bisherigen Planung fest.
Der Vorstand bestätigte sowohl die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 als auch die Mittelfristziele für 2028.
Das Management sieht die Entwicklung der ersten neun Monate und des dritten Quartals damit weiterhin im Rahmen seiner Erwartungen.
Vorstandschef Klaus Rosenfeld betont insbesondere die Notwendigkeit, die Kapazitäten in der Elektromobilität an die veränderten Marktbedingungen anzupassen. Die einmaligen Sonderabschreibungen sollen Risiken reduzieren und das Ergebnispotenzial in den Folgejahren verbessern.
Gleichzeitig verweist er auf den wachsenden Auftragsbestand in der humanoiden Robotik.
Weitere Einzelheiten will Schaeffler am 13. Oktober 2026 in einem Analysten-Call erläutern. Die Zwischenmitteilung mit den abschließenden Zahlen ist für den 3. November 2026 angekündigt.
Einordnung für Anleger: Zwischen Restrukturierung und neuen Wachstumschancen
Die vorläufigen Neunmonatszahlen zeigen, dass Schaeffler weiterhin in einer anspruchsvollen Transformationsphase steckt.
Auf der einen Seite stehen solide Margen in den etablierten Geschäftsbereichen, eine leicht verbesserte bereinigte Konzernprofitabilität und ein deutlich gestiegener Free Cash Flow im dritten Quartal.
Auf der anderen Seite bleibt die Elektromobilität ein erheblicher Belastungsfaktor. Die bereinigte EBIT-Marge von minus 14,8 Prozent nach neun Monaten verdeutlicht, wie weit die Sparte noch von einer nachhaltigen Profitabilität entfernt ist.
Die Sonderbelastungen von rund 240 Millionen Euro sind deshalb ein deutliches Zeichen dafür, dass Schaeffler seine bisherigen Kapazitäts- und Projektannahmen anpassen muss.
Interessant ist gleichzeitig die Entwicklung in der humanoiden Robotik. Ein Auftragsbestand von 400 Millionen Euro ist ein konkreter Hinweis darauf, dass Schaeffler in diesem Zukunftsmarkt bereits geschäftlich Fuß fasst.
Für Anleger dürften deshalb vor allem drei Fragen im Mittelpunkt stehen: Wie schnell kann E-Mobility seine Verluste reduzieren? Bleibt die Cashflow-Entwicklung stabil? Und welchen Ergebnisbeitrag kann die humanoide Robotik mittelfristig leisten?
Fazit: Schaeffler räumt auf und setzt auf Robotik
Schaeffler liefert für die ersten neun Monate 2026 insgesamt solide, aber keineswegs sorgenfreie Ergebnisse.
Der Umsatz ging leicht auf 17,5 Milliarden Euro zurück, während sich die bereinigte EBIT-Marge auf 4,5 Prozent verbesserte. Besonders erfreulich entwickelte sich der Free Cash Flow im dritten Quartal mit 260 Millionen Euro.
Die größte Herausforderung bleibt die Elektromobilität. Mit Sonderabschreibungen und Rückstellungen von rund 240 Millionen Euro reagiert Schaeffler auf rückläufige Projektvolumina und versucht, die Sparte für die kommenden Jahre effizienter aufzustellen.
Gleichzeitig eröffnet die humanoide Robotik neue Perspektiven. Der auf 400 Millionen Euro gestiegene Auftragsbestand zeigt, dass Schaeffler in diesem Zukunftsmarkt bereits konkrete Nachfrage verzeichnet.
Die Investmentstory wird damit zunehmend von zwei Entwicklungen geprägt: der notwendigen Sanierung des verlustreichen Elektromobilitätsgeschäfts und dem Aufbau neuer Wachstumsfelder außerhalb der klassischen Automobilindustrie.
Dass Schaeffler trotz der Herausforderungen seine Jahresprognose und die Mittelfristziele für 2028 bestätigt, sorgt zunächst für Planungskontinuität. Ob die eingeleiteten Maßnahmen den gewünschten Erfolg bringen, müssen die kommenden Quartale zeigen.














