Bei NanoRepro tut sich einiges. Der ehemalige Corona-Testprofiteur baut sein Geschäftsmodell konsequent um und setzt inzwischen verstärkt auf Kosmetik, Hautpflege und Consumer Health. Die ersten Zahlen zeigen, dass die Neuausrichtung langsam Früchte trägt. Während die Kosten auf Holdingebene sinken, wächst das Geschäft auf Gruppenebene um rund 26 Prozent. Jetzt folgt der nächste Schritt: Die Marken PAEDIPROTECT und newkee sollen ab 2027 gemeinsam in zahlreichen Drogeriemärkten vertreten sein. Bis 2030 peilt NanoRepro sogar 40 Millionen Euro Konzernumsatz an. Für die NanoRepro Aktie könnte sich damit eine neue Perspektive eröffnen. Doch es gibt auch Punkte, bei denen Anleger genauer hinschauen sollten.
NanoRepro senkt Kosten deutlich: Operativer Verlust schrumpft trotz Umsatzrückgang
Die NanoRepro AG (ISIN: DE0006577109, WKN: 657710) hat ihre Halbjahreszahlen für 2026 vorgelegt. Auf den ersten Blick wirkt die Entwicklung wenig spektakulär. Der Umsatz der Holding ging von 2,43 auf 2,15 Millionen Euro zurück.
Doch der Rückgang ist teilweise gewollt.
Das Geschäft mit Selbsttests läuft inzwischen zu großen Teilen über die dm-Eigenmarke Mivolis. Dadurch entfallen für NanoRepro wesentliche Marketing- und Vertriebsaufwendungen. Gleichzeitig wurden die Aktivitäten rund um alphabiol im Rahmen der strategischen Neuausrichtung vorübergehend zurückgefahren.
Die Auswirkungen auf die Kostenstruktur sind deutlich.
Die Materialeinsatzquote sank von 40,3 auf 33,9 Prozent. Dadurch blieb das Rohergebnis mit 1,58 Millionen Euro nahezu auf Vorjahresniveau, obwohl der Umsatz zurückging.
Noch deutlicher zeigt sich die Entwicklung beim Marketing. Hier wurden die Aufwendungen von 860.000 auf 400.000 Euro mehr als halbiert.
Das operative Ergebnis verbesserte sich entsprechend. Das EBIT stieg von minus 1,05 auf minus 0,84 Millionen Euro. Der Halbjahresfehlbetrag verringerte sich von 840.000 auf 780.000 Euro.
NanoRepro AG: Halbjahreszahlen 2026 auf Holdingebene
| Umsatz | 2,15 Mio. € | −11,5 % |
| Rohergebnis | 1,58 Mio. € | nahezu stabil |
| Marketingaufwand | 0,40 Mio. € | −53,5 % |
| EBITDA | −0,82 Mio. € | verbessert |
| EBIT | −0,84 Mio. € | +20 %* |
| Eigenkapitalquote | rund 98 % | Holding |
*Verbesserung des EBIT beziehungsweise Verringerung des operativen Verlusts gegenüber H1 2025. Quelle: Unternehmensmeldung NanoRepro.
Von einer nachhaltigen Profitabilität ist NanoRepro damit zwar noch entfernt. Allerdings zeigt sich, dass das Unternehmen inzwischen wesentlich effizienter arbeitet.
Gerade für kleinere börsennotierte Gesellschaften ist das ein wichtiger Faktor. Denn wenn die Kostenbasis sinkt, können zusätzliche Umsätze künftig schneller zu positiven Ergebnisbeiträgen führen.
PAEDIPROTECT und newkee: NanoRepro wächst auf Gruppenebene um 26 Prozent
Die eigentliche Wachstumsstory spielt sich inzwischen nicht mehr allein in der NanoRepro Holding ab.
Mit der Paedi Protect AG und der seit Oktober 2026 mehrheitlich zur Gruppe gehörenden Deutsche Kosmetikwerke AG baut NanoRepro eine Plattform für Consumer-Health- und Hautpflegeprodukte auf.
Und die ersten Zahlen können sich sehen lassen.
Auf kombinierter Basis erzielten NanoRepro und die vollkonsolidierte Paedi Protect im ersten Halbjahr 2026 einen vorläufigen Umsatz von knapp 13 Millionen Euro. Gegenüber dem Pro-forma-Vorjahreswert von 10,3 Millionen Euro entspricht das einem Wachstum von rund 26 Prozent.
Wichtig ist allerdings die Unterscheidung: Diese Wachstumsrate bezieht sich auf die kombinierte Betrachtung der beiden Gesellschaften und nicht auf den Einzelabschluss der NanoRepro AG.
Zusätzliche Umsätze sollen künftig durch die Deutsche Kosmetikwerke AG hinzukommen, die seit Oktober 2026 vollkonsolidiert wird.
Damit verändert sich das Geschäftsmodell zunehmend.
Statt sich vor allem auf diagnostische Selbsttests zu konzentrieren, setzt NanoRepro auf mehrere Marken, gemeinsame Vertriebsstrukturen und eine breitere Produktpalette.
Die Idee dahinter ist nachvollziehbar. Bestehende Handelskontakte, Marketingressourcen und Vertriebswege sollen künftig von mehreren Marken genutzt werden.
Das kann Kosten sparen und gleichzeitig den Zugang zu neuen Kunden erleichtern.
Ob daraus auch dauerhaft höhere Gewinne entstehen, muss sich allerdings erst zeigen.
Drogerie-Offensive ab 2027: newkee soll in Tausenden zusätzlichen Verkaufsstellen erhältlich sein
Besonders interessant ist die angekündigte Ausweitung des stationären Handelsgeschäfts.
Die Hautpflegemarke newkee soll ab 2027 gemeinsam mit PAEDIPROTECT bei einer führenden deutschen Drogeriemarktkette angeboten werden.
Der Markteintritt erfolgt in zwei Schritten.
Ab Januar 2027 sollen zunächst die beiden umsatzstärksten newkee-Produkte im Onlineshop des Handelspartners erhältlich sein.
Ab Ende März folgt dann die stationäre Einführung. Pünktlich zum Beginn der Sonnensaison sollen PAEDIPROTECT und newkee gemeinsam auf eigenen Warenpräsentationsflächen beziehungsweise Aufstellern angeboten werden.
Damit könnte NanoRepro einen wichtigen Schritt bei der Vermarktung seiner Marken machen.
Denn die Präsenz im stationären Drogeriehandel bietet die Möglichkeit, deutlich mehr Verbraucher zu erreichen als über reine Onlinekanäle.
Besonders interessant ist dabei die gemeinsame Positionierung der beiden Marken.
PAEDIPROTECT steht für dermatologisch geprüfte Pflegeprodukte für Babys und Kinder. newkee ergänzt das Sortiment um Hautpflege für Erwachsene.
Damit deckt die Gruppe unterschiedliche Altersgruppen ab und kann Handelspartnern ein breiteres Sortiment anbieten.
Luca Studenroth, CEO der Deutsche Kosmetikwerke AG, formuliert die Erwartungen konkret:
„In 2027 werden wir unsere Präsenz um eine vierstellige Zahl zusätzlicher Verkaufsstellen erweitern, was die Schlagkraft unseres Vertriebs und die Strahlkraft der Marke unterstreicht.“
Das ist eine durchaus ambitionierte Ansage.
Für die NanoRepro Aktie könnte der Schritt relevant werden, wenn sich die zusätzliche Präsenz tatsächlich in steigenden Verkaufszahlen niederschlägt.
Allerdings gilt auch hier: Mehr Verkaufsstellen bedeuten nicht automatisch höhere Gewinne. Entscheidend sind die tatsächlichen Abverkaufszahlen, die Handelsspannen und die Kosten für Marketing und Warenpräsentation.
Der Ausbau des Drogeriegeschäfts ist deshalb zunächst eine Wachstumschance, deren wirtschaftlicher Erfolg sich erst in den kommenden Quartalen zeigen wird.
40 Millionen Euro Umsatz bis 2030: NanoRepro setzt auf Wachstum und weitere Übernahmen
Der Vorstand hält an seinen mittelfristigen Wachstumszielen fest.
Für das laufende Geschäftsjahr 2026 erwartet NanoRepro einen Konzernumsatz von rund 18 Millionen Euro.
Bis 2028 soll dieser durch organisches Wachstum auf etwa 28 Millionen Euro steigen.
Unter Einbeziehung weiterer geplanter Übernahmen strebt das Unternehmen bis 2030 sogar einen Konzernumsatz von rund 40 Millionen Euro an.
Allerdings muss man die Ziele differenziert betrachten.
Während die Planung bis 2028 auf organischem Wachstum basiert, sind für das Umsatzziel 2030 weitere Akquisitionen vorgesehen.
Das bedeutet: Ein Teil des angestrebten Wachstums hängt davon ab, ob NanoRepro passende Unternehmen findet, die Übernahmen finanzieren kann und die neuen Gesellschaften erfolgreich integriert.
Finanziell verfügt die Holding dafür über eine solide Ausgangsbasis.
Zum 30. Juni 2026 lag das Eigenkapital bei 37,3 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote betrug rund 98 Prozent. Bankverbindlichkeiten bestanden nicht.
Die liquiden Mittel beliefen sich auf etwa 6,5 Millionen Euro. Dabei wurden im ersten Halbjahr bereits Mittel für die Aufstockung der Beteiligung an der Deutsche Kosmetikwerke AG sowie für eine Wandelanleihe über eine Million Euro an die FiberSense AG eingesetzt.
Für Anleger ist diese Bilanzstruktur ein wichtiger Pluspunkt. Sie bietet Spielraum für die weitere Entwicklung, auch wenn zukünftige Akquisitionen zusätzliche Finanzierungsmittel erfordern könnten.
NanoRepro Aktie: Wachstumsfantasie trifft auf offene Fragen beim Konzernabschluss
Bei aller positiven Entwicklung gibt es einen Punkt, den Anleger nicht übersehen sollten.
NanoRepro verschiebt die Veröffentlichung des freiwilligen Konzernabschlusses 2025 sowie des konsolidierten Halbjahresabschlusses 2026.
Ursprünglich sollten beide Berichte am 30. Oktober 2026 vorliegen. Nun ist die Veröffentlichung erst für Ende des Jahres vorgesehen.
Als Grund nennt das Unternehmen zusätzliche Arbeiten im Zusammenhang mit der erstmaligen Konsolidierung und Integration der Gruppengesellschaften.
Unter der Verantwortung des neuen Finanzvorstands Mike Eckel sollen die Rechnungslegungsprozesse vereinheitlicht und das gruppenweite Controlling ausgebaut werden.
Das ist bei einer wachsenden Unternehmensgruppe grundsätzlich nachvollziehbar.
Trotzdem ist die Verzögerung für Anleger relevant. Denn erst die konsolidierten Abschlüsse werden ein vollständigeres Bild davon liefern, wie sich die neue Gruppenstruktur auf Umsatz, Ergebnis, Vermögenslage und Liquidität auswirkt.
Besonders interessant wird dabei die Profitabilität der einzelnen Beteiligungen sein.
Denn während die NanoRepro Holding ihren operativen Verlust reduziert hat, fehlen in der vorliegenden Meldung noch vollständige konsolidierte Ergebniszahlen für die gesamte Gruppe.
Die bisher veröffentlichten kombinierten Umsätze zeigen Wachstum, lassen aber noch keine abschließende Aussage über die Ertragskraft des neuen Konzerns zu.
Fazit: NanoRepro befindet sich mitten in einem grundlegenden Wandel. Aus dem früher stark auf Selbsttests ausgerichteten Unternehmen soll eine breiter aufgestellte Consumer-Health-Gruppe mit mehreren Marken und gemeinsamen Vertriebsstrukturen entstehen.
Die ersten Fortschritte sind sichtbar. Die Holding arbeitet kosteneffizienter, die kombinierte Gruppe wächst und mit der angekündigten Drogerie-Offensive ab 2027 könnte ein zusätzlicher Wachstumsschub bevorstehen.
Auch die langfristigen Ziele sind ambitioniert. Bis 2030 soll der Konzernumsatz auf rund 40 Millionen Euro steigen.
Für die NanoRepro Aktie ergibt sich daraus eine interessante, aber noch nicht vollständig bewiesene Wachstumsstory.
Entscheidend wird sein, ob sich die neuen Handelskooperationen in nachhaltige Umsätze und Gewinne umsetzen lassen und ob die Integration der Beteiligungen wie geplant gelingt.
Die Wachstumsstrategie nimmt erkennbar Gestalt an. Jetzt muss NanoRepro zeigen, dass aus steigenden Umsätzen auch eine nachhaltig profitable Unternehmensgruppe werden kann.















