Daldrup wächst um 56 Prozent: Volle Auftragsbücher und Geothermie-Boom sorgen für Rückenwind

Post Views : 17

Daldrup & Söhne legt für das erste Halbjahr 2026 kräftige Wachstumszahlen vor. Der Bohrtechnik- und Geothermiespezialist steigerte seine Konzern-Gesamtleistung um 56 Prozent auf 32,3 Millionen Euro. Gleichzeitig erhöhte sich das EBIT um 29,3 Prozent auf 3,43 Millionen Euro.

Bemerkenswert ist vor allem der Blick nach vorne: Ende August verfügte Daldrup über einen Auftragsbestand von rund 132 Millionen Euro – mehr als das Vierfache der im ersten Halbjahr erzielten Gesamtleistung. Die Auslastung reicht damit bereits weit in das Jahr 2027.

Und die potenzielle Projektpipeline wächst weiter: Das mit Eintrittswahrscheinlichkeiten gewichtete relevante Marktvolumen erhöhte sich innerhalb eines Jahres von 325 auf 371 Millionen Euro.

Gesamtleistung springt um 56 Prozent

Die operative Dynamik hat sich im ersten Halbjahr deutlich beschleunigt.

Die Konzern-Gesamtleistung stieg von 20,7 auf 32,3 Millionen Euro. Das entspricht einem Wachstum von 56 Prozent.

Das EBITDA erhöhte sich von 3,5 auf 4,5 Millionen Euro, während das EBIT von 2,65 auf 3,43 Millionen Euro zulegte.

Unter dem Strich verdiente Daldrup ebenfalls mehr: Der Konzernüberschuss erhöhte sich von 2,14 auf 2,94 Millionen Euro – ein Plus von rund 37 Prozent.

Das Ergebnis je Aktie verbesserte sich von 0,41 auf 0,49 Euro.

Damit wächst Daldrup sowohl beim Geschäftsvolumen als auch beim Gewinn deutlich.

Einen kleinen Schönheitsfehler gibt es

Das starke Umsatz- beziehungsweise Leistungswachstum schlägt allerdings nicht vollständig auf die Marge durch.

Die EBIT-Marge bezogen auf die Gesamtleistung ging von 12,8 auf 10,6 Prozent zurück.

Das ist angesichts eines EBIT-Wachstums von fast 30 Prozent zunächst auffällig.

Daldrup nennt dafür unter anderem Investitionen in die Aufrüstung und Modernisierung des Geräteparks. Hinzu kommen Sicherheitsabschläge für noch ausstehende Schlussabrechnungen einzelner Projekte.

Damit liegt die Profitabilität im ersten Halbjahr zwar unter dem Vorjahresniveau, soll sich im weiteren Jahresverlauf jedoch wieder verbessern.

Das wird für die Erreichung der Jahresprognose auch notwendig sein.

Jahresprognose verlangt ein starkes zweites Halbjahr

Der Vorstand bestätigt für 2026 eine Gesamtleistung von rund 58 Millionen Euro und eine EBIT-Marge zwischen 11,5 und 13,5 Prozent.

Nach 32,3 Millionen Euro im ersten Halbjahr fehlen damit noch rund 25,7 Millionen Euro Gesamtleistung, um das Jahresziel zu erreichen.

Interessanter ist die Ergebnisrechnung.

Bei 58 Millionen Euro Gesamtleistung entspricht die prognostizierte EBIT-Marge einem Jahres-EBIT zwischen rund 6,7 und 7,8 Millionen Euro.

Nach 3,43 Millionen Euro im ersten Halbjahr müsste Daldrup im zweiten Halbjahr demnach noch etwa 3,2 bis 4,4 Millionen Euro EBIT erwirtschaften.

Die bestätigte Prognose signalisiert entsprechend, dass der Vorstand mit einer starken zweiten Jahreshälfte rechnet.

132 Millionen Euro Auftragsbestand sorgen für Sichtbarkeit

Dafür spricht insbesondere die hohe Auslastung.

Ende August lag der Auftragsbestand bei rund 132 Millionen Euro.

Vor einem Jahr waren es zwar mit 140 Millionen Euro noch etwas mehr. Entscheidend ist jedoch die Relation zur aktuellen Unternehmensgröße.

Der Auftragsbestand entspricht rechnerisch mehr als dem Vierfachen der Halbjahres-Gesamtleistung und mehr als dem Doppelten der für 2026 erwarteten Jahres-Gesamtleistung.

Die vorhandenen Aufträge sichern nach Unternehmensangaben die Auslastung der Bohrmannschaften und Anlagen bereits bis weit in das Jahr 2027.

Für ein projektgetriebenes Unternehmen ist diese Visibilität besonders wertvoll.

Die eigentliche Pipeline wächst auf 371 Millionen Euro

Während der feste Auftragsbestand leicht unter dem Vorjahresniveau liegt, entwickelt sich die potenzielle Pipeline in die andere Richtung.

Das von Daldrup mit Eintrittswahrscheinlichkeiten bewertete relevante Marktvolumen erreichte Ende August 371 Millionen Euro.

Im August 2025 waren es 325 Millionen Euro.

Das entspricht einem Anstieg um rund 14 Prozent.

Natürlich handelt es sich dabei nicht um bereits gewonnene Aufträge. Das Volumen zeigt aber, welche Projekte Daldrup aktuell als relevante Geschäftsmöglichkeiten betrachtet.

Sollte daraus ein entsprechender Anteil in feste Bestellungen übergehen, könnte die hohe Auslastung über 2027 hinaus verlängert werden.

Geothermie bekommt politischen und regulatorischen Rückenwind

Ein zentraler Wachstumstreiber bleibt die Geothermie.

Daldrup verweist insbesondere auf verbesserte regulatorische Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten.

Dazu gehören das Geothermiebeschleunigungsgesetz sowie der KfW-Förderkredit Geothermie mit einer Absicherung des Fündigkeitsrisikos.

Für Geothermieprojekte ist gerade das Fündigkeitsrisiko ein entscheidender Faktor: Investoren müssen erhebliche Mittel für Tiefenbohrungen einsetzen, bevor endgültig feststeht, ob die erwarteten geologischen Bedingungen tatsächlich vorliegen.

Eine bessere Absicherung dieses Risikos kann deshalb Investitionsentscheidungen erleichtern und damit zusätzliche Projekte ermöglichen.

Für einen spezialisierten Bohrdienstleister wie Daldrup könnte daraus zusätzliche Nachfrage entstehen.

Daldrup ist inzwischen mehr als eine Geothermie-Wette

Interessant ist gleichzeitig die breitere Aufstellung des Unternehmens.

Daldrup gliedert sein Geschäft inzwischen in vier Bereiche: Geothermie, Rohstoffexploration & Wissenschaft, Infrastruktur & Umwelt sowie Bohrlochsanierung & Stilllegung.

Diese Diversifikation ist strategisch relevant.

Im ersten Halbjahr führte das Unternehmen beispielsweise Erkundungsbohrungen zur Salzgewinnung und Workover-Arbeiten für die Schweizer Salinen durch.

Hinzu kamen Forschungsbohrungen zum geothermischen Potenzial von Kalksteinschichten, Arbeiten für die RAG im Bereich Altbergbaunachsorge sowie die Verfüllung stillgelegter Bohrungen in der Schweiz.

Im Geothermiebereich realisierte Daldrup unter anderem zwei Tiefengeothermiebohrungen in Olching bei München.

Damit hängt die Geschäftsentwicklung nicht ausschließlich vom Bau neuer Geothermiekraftwerke ab.

Neuer 16- bis 18-Millionen-Euro-Auftrag startet im November

Auch nach dem Halbjahresende bleibt das Neugeschäft lebhaft.

Besonders relevant ist der bereits im Juli gemeldete Auftrag der AFK-Geothermie GmbH.

Daldrup soll in Aschheim bei München zwei Tiefengeothermiebohrungen durchführen.

Das Auftragsvolumen liegt zwischen 16 und 18 Millionen Euro.

Die Bohrungen sollen bis zu 3.700 Meter tief reichen und im November 2026 beginnen.

Allein dieser Auftrag besitzt damit eine erhebliche Größenordnung im Verhältnis zur aktuellen Jahresleistung von Daldrup.

Fünf zusätzliche Bohranlagen für das nächste Wachstumsniveau

Die hohe Nachfrage führt bereits zu Investitionen in zusätzliche Kapazitäten.

Daldrup hat fünf gebrauchte Bohranlagen erworben.

Nach Auslieferung und Überarbeitung sollen sie den bestehenden Gerätepark ergänzen.

Damit reagiert das Unternehmen auf einen wichtigen Engpass: Wenn die Nachfrage weiter wächst, muss Daldrup über genügend Anlagen und Personal verfügen, um zusätzliche Projekte überhaupt annehmen und parallel abarbeiten zu können.

Der Ausbau des Geräteparks kann deshalb die Grundlage für weiteres Wachstum schaffen.

Kurzfristig verursacht die Modernisierung allerdings Kosten – einer der Gründe, warum die EBIT-Marge im ersten Halbjahr trotz des kräftigen Leistungswachstums zurückging.

Neue Milliardenprogramme könnten zusätzliche Nachfrage schaffen

Auch außerhalb der Geothermie sieht Daldrup zusätzliche Marktchancen.

Das Sondervermögen Infrastruktur & Klimaneutralität könnte nach Einschätzung des Unternehmens mittelfristig zusätzliche Erkundungsbohrungen im Verkehrs- und Tiefbau auslösen.

Hinzu kommt die Endlagersuche in Deutschland, die potenzielles Geschäft für den Bereich Rohstoffexploration & Wissenschaft bieten kann.

Im Geschäft mit Bohrlochsanierungen und Stilllegungen erwartet Daldrup ebenfalls steigende Nachfrage – insbesondere durch gesetzlich und behördlich veranlasste Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen.

Das ist ein wichtiger Punkt für die Investmentstory: Mehrere der adressierten Märkte werden nicht ausschließlich von konjunktureller Nachfrage bestimmt, sondern teilweise durch regulatorische, infrastrukturelle oder sicherheitsbezogene Anforderungen.

Bilanz bietet Spielraum

Trotz der Investitionen bleibt die Bilanz solide.

Die Eigenkapitalquote lag zum 30. Juni bei 65,3 Prozent und damit exakt auf dem Niveau des Jahresendes 2025.

Das verschafft Daldrup finanziellen Spielraum, um zusätzliche Kapazitäten aufzubauen und die vorhandene Projektpipeline abzuarbeiten.

Gerade bei einem geplanten Wachstum der Bohrkapazitäten ist eine stabile Bilanz wichtig, weil Anlagen, Personal und Projektvorfinanzierungen zunächst Kapital benötigen, bevor entsprechende Umsätze und Ergebnisse realisiert werden.

Einordnung für Anleger: Wachstum trifft auf hohe Visibilität

Die Halbjahreszahlen liefern ein interessantes Gesamtbild.

Die Gesamtleistung wächst um 56 Prozent, das EBIT um 29 Prozent und der Konzerngewinn um rund 37 Prozent.

Gleichzeitig liegt ein Auftragsbestand von 132 Millionen Euro vor und die relevante gewichtete Projektpipeline erreicht 371 Millionen Euro.

Der entscheidende Punkt ist derzeit weniger die Nachfrage.

CEO Andreas Tönies spricht selbst von hoher Nachfrage in allen vier Geschäftsbereichen und weiterhin gut ausgelasteten Bohrkapazitäten.

Damit verschiebt sich die operative Herausforderung zunehmend auf die Kapazitätsseite: Daldrup muss zusätzliche Projekte effizient abarbeiten und gleichzeitig die neuen Bohranlagen integrieren.

Genau hier entscheidet sich auch, ob das hohe Wachstum künftig wieder mit steigenden beziehungsweise stabilen Margen verbunden werden kann.

Fazit: Daldrup wächst kräftig – jetzt muss die Marge nachziehen

Daldrup liefert ein starkes erstes Halbjahr 2026.

32,3 Millionen Euro Gesamtleistung, 3,43 Millionen Euro EBIT, 2,94 Millionen Euro Konzerngewinn und 0,49 Euro Ergebnis je Aktie zeigen eine deutliche operative Expansion.

Noch interessanter ist der Blick nach vorne.

Mit 132 Millionen Euro Auftragsbestand, einer gewichteten Markt-Pipeline von 371 Millionen Euro, zusätzlichen Bohrkapazitäten und neuen Großprojekten ist die Grundlage für weiteres Wachstum vorhanden.

Der entscheidende Punkt bleibt die Profitabilität.

Die EBIT-Marge ist trotz des kräftigen Wachstums von 12,8 auf 10,6 Prozent zurückgegangen. Für das Gesamtjahr stellt der Vorstand jedoch weiterhin 11,5 bis 13,5 Prozent in Aussicht.

Damit muss das zweite Halbjahr nicht nur weiteres Wachstum, sondern auch eine Verbesserung der Profitabilität bringen.

Sollte Daldrup beides miteinander verbinden können, würde die Kombination aus Geothermie-Boom, hoher Auftragsabdeckung, wachsender Projektpipeline und zusätzlichen Bohrkapazitäten eine interessante Grundlage für die kommenden Jahre schaffen.

Share : 

Interviews

Wochenrückblick

Trendthemen

Anzeige

Nachrichten SMALL CAPS

Anzeige

Related Post

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner