Bechtle hat im zweiten Quartal 2026 kräftig zugelegt und damit ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt. Der IT-Dienstleister steigerte Geschäftsvolumen, Umsatz und Vorsteuerergebnis zweistellig. Gleichzeitig kletterte der Auftragsbestand auf einen neuen Rekordwert von 3,5 Milliarden Euro.
Die starke Entwicklung hat den Vorstand dazu veranlasst, die Prognose für das Gesamtjahr deutlich anzuheben. Für Anleger ist das ein wichtiges Signal: Bechtle wächst aktuell nicht nur trotz eines schwierigen wirtschaftlichen Umfelds, sondern verbessert gleichzeitig die Profitabilität.
Geschäftsvolumen steigt um 18 Prozent
Im zweiten Quartal erhöhte sich das Geschäftsvolumen von Bechtle um 18,1 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro.
Der Umsatz legte ebenfalls kräftig zu und stieg um 16,5 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro.
Auch organisch fiel das Wachstum stark aus. Ohne Übernahmen erhöhte sich das Geschäftsvolumen um 12,9 Prozent, beim Umsatz lag das organische Plus bei 10,3 Prozent.
Damit wird deutlich, dass die Entwicklung nicht allein durch Zukäufe getragen wird.
Besonders positiv: Alle regionalen Segmente und Kundengruppen trugen zum Wachstum bei.
Gewinn wächst schneller als der Umsatz
Noch stärker als die Erlöse entwickelte sich das Ergebnis.
Das Ergebnis vor Steuern stieg im zweiten Quartal um 20,1 Prozent auf 80,2 Millionen Euro.
Die EBT-Marge bezogen auf den Umsatz verbesserte sich leicht auf 4,6 Prozent. Bezogen auf das Geschäftsvolumen blieb sie stabil bei 3,5 Prozent.
Damit wächst der Gewinn schneller als der Umsatz.
Unterstützt wurde diese Entwicklung durch ein konsequentes Kostenmanagement. Bechtle gelingt es somit, höhere Volumina in zusätzliche Profitabilität umzuwandeln.
Auftragsbestand erreicht Rekordwert
Ein besonders starkes Signal liefert der Auftragsbestand.
Zum Ende des zweiten Quartals lag dieser bei 3,5 Milliarden Euro und damit auf einem neuen historischen Höchststand.
Gegenüber dem ersten Quartal hat sich der Auftragsbestand nochmals erhöht.
Für Anleger ist das besonders relevant, weil der hohe Bestand die Visibilität für die zweite Jahreshälfte verbessert. Selbst wenn sich das konjunkturelle Umfeld nicht deutlich aufhellt, verfügt Bechtle bereits über ein erhebliches Volumen an vorhandenen Aufträgen.
Das reduziert kurzfristig das Risiko eines abrupten Umsatzrückgangs.
Öffentliche Auftraggeber und Industrie sorgen für Rückenwind
Die positive Entwicklung wird weiterhin breit getragen.
Sowohl Industriekunden als auch öffentliche Auftraggeber investierten verstärkt in IT-Infrastruktur und digitale Lösungen.
Gerade der öffentliche Bereich bleibt für Bechtle interessant. Behörden und öffentliche Einrichtungen stehen weiterhin unter erheblichem Modernisierungsdruck, während Themen wie Cloud, Cybersecurity, Digitalisierung und moderne Arbeitsplatzlösungen langfristig hohe Investitionen erfordern.
Auch Industrieunternehmen können ihre IT-Ausgaben trotz schwacher Konjunktur nicht beliebig verschieben.
Damit profitiert Bechtle von einem strukturellen Digitalisierungstrend, der weniger stark von kurzfristigen Konjunkturzyklen abhängt als klassische Investitionsgüter.
Europa wächst breit – organisch sogar über 20 Prozent
Regional überzeugte Bechtle ebenfalls.
Die Segmente Deutschland, Frankreich und Benelux erzielten beim Geschäftsvolumen jeweils ein organisches Wachstum von mehr als 10 Prozent.
Besonders dynamisch entwickelte sich das Segment Sonstiges Europa. Neben den Übernahmen in Spanien, Italien und Portugal erreichte das Segment auch organisch ein Wachstum von mehr als 20 Prozent.
Damit zahlt sich die konsequente europäische Expansion zunehmend aus.
Die breitere geografische Aufstellung reduziert gleichzeitig die Abhängigkeit vom deutschen Markt.
Cashflow fällt deutlich ins Minus – aber mit Erklärung
Ein Schwachpunkt findet sich beim Cashflow.
Der operative Cashflow lag im ersten Halbjahr bei minus 101,7 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte Bechtle noch einen positiven Mittelzufluss von 24,2 Millionen Euro erzielt.
Der deutliche Rückgang ist laut Unternehmen vor allem auf einen temporären Aufbau des Working Capitals zurückzuführen.
Bechtle erhöhte auftragsgedeckte Lagerbestände, um das starke Geschäft bedienen zu können. Gerade zum Quartalsende führte dies zu einer erhöhten Kapitalbindung.
Andere Working-Capital-Kennzahlen entwickelten sich hingegen positiv. Die durchschnittliche Außenstandsdauer der Forderungen wurde weiter reduziert.
Auch das Working Capital im Verhältnis zum annualisierten Geschäftsvolumen verbesserte sich von 7,3 auf 6,8 Prozent.
Für das Gesamtjahr erwartet Bechtle deshalb weiterhin einen deutlich positiven operativen Cashflow.
Mitarbeiterzahl wächst nur durch Übernahmen
Zum Ende des zweiten Quartals beschäftigte Bechtle 16.418 Mitarbeiter.
Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg um 810 Beschäftigte beziehungsweise 5,2 Prozent.
Interessant ist jedoch die Zusammensetzung: Der gesamte Anstieg resultierte aus Übernahmen. Organisch ging die Mitarbeiterzahl um 1,4 Prozent zurück.
Damit schafft Bechtle aktuell deutlich höhere Geschäftsvolumina, ohne seine organische Personalbasis auszuweiten.
Das spricht für Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen.
Gleichzeitig investiert das Unternehmen weiter in Nachwuchskräfte. Ende Juni befanden sich 672 junge Menschen in Ausbildung oder in einem dualen Studium.
Prognose deutlich angehoben
Die starke Entwicklung im ersten Halbjahr führt zu einer klaren Anpassung der Jahresziele.
Beim Geschäftsvolumen erwartet Bechtle nun ein Wachstum von mehr als 10 Prozent. Zuvor lag die Prognose bei 5 bis 10 Prozent.
Beim Umsatz wird nun ein Wachstum zwischen 5 und 10 Prozent erwartet. Bislang lag die Spanne lediglich bei 0 bis 5 Prozent.
Auch für das Ergebnis vor Steuern rechnet Bechtle jetzt mit einem Wachstum von 5 bis 10 Prozent, nachdem zuvor ebenfalls 0 bis 5 Prozent erwartet worden waren.
Die Prognoseanhebung betrifft damit alle wichtigen Steuerungsgrößen.
Einordnung für Anleger
Bechtle liefert ein starkes zweites Quartal und hebt sich damit positiv von vielen anderen IT-Dienstleistern ab.
Besonders überzeugend ist die Kombination aus zweistelligem organischem Wachstum, steigender Profitabilität und einem Rekord-Auftragsbestand.
Der negative Cashflow im ersten Halbjahr sollte beobachtet werden, ist angesichts des auftragsbedingten Working-Capital-Aufbaus derzeit jedoch nachvollziehbar. Entscheidend wird sein, dass sich diese Mittelbindung im weiteren Jahresverlauf wieder abbaut.
Für die Bechtle-Aktie ist vor allem die angehobene Prognose ein starkes Signal. Das Management zeigt sich deutlich optimistischer als noch zu Jahresbeginn.
Sollte der Rekord-Auftragsbestand planmäßig abgearbeitet werden und die Profitabilität stabil bleiben, dürfte Bechtle auch im zweiten Halbjahr überdurchschnittlich wachsen.















