Villeroy & Boch kämpft weiterhin mit einer schwachen Baukonjunktur, geopolitischen Unsicherheiten und einer zurückhaltenden Nachfrage im internationalen Badgeschäft. Nach neun Monaten 2026 liegt der Umsatz des Traditionskonzerns rund elf Prozent unter dem Vorjahr, während das operative Ergebnis deutlich zurückgegangen ist. Hoffnung macht allerdings der gestiegene Auftragsbestand und die positive Entwicklung im Geschäft mit Geschirr, Tischkultur und Lifestyle-Produkten. Besonders der Onlinehandel wächst kräftig. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen hält der Vorstand an seiner bereits angepassten Jahresprognose fest.
Die Geschäftszahlen der Villeroy & Boch AG für die ersten neun Monate 2026 zeigen, wie unterschiedlich sich die beiden Unternehmensbereiche derzeit entwickeln. Während Bad & Wellness unter der schwachen Baukonjunktur und schwierigen internationalen Absatzmärkten leidet, behauptet sich Dining & Lifestyle mit steigenden Umsätzen und einer starken Nachfrage nach neuen Produkten. Für den weiteren Jahresverlauf kommt es nun vor allem darauf an, ob der höhere Auftragsbestand tatsächlich in zusätzliche Umsätze umgesetzt werden kann und das wichtige Weihnachtsgeschäft die Erwartungen erfüllt.
Umsatzrückgang und deutlich geringeres operatives Ergebnis
In den ersten neun Monaten 2026 erzielte Villeroy & Boch einen Konzernumsatz von 956,2 Millionen Euro, was einem Rückgang von 11,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Dabei ist zu berücksichtigen, dass neben der schwächeren Nachfrage auch Währungseffekte und der Verkauf der nordeuropäischen Marken Gustavsberg und Vatette die Entwicklung beeinflusst haben. Bereinigt um diese Faktoren lag das Umsatzminus bei 5,2 Prozent und fiel damit deutlich geringer aus als der ausgewiesene Rückgang.
Noch stärker machte sich das schwierige Marktumfeld beim Ergebnis bemerkbar. Das operative EBIT sank von 65,1 auf 40,9 Millionen Euro. Selbst gegenüber dem um Desinvestitionen bereinigten Vorjahreswert von 55,5 Millionen Euro ergibt sich damit ein spürbarer Rückgang. Die operative EBIT-Marge verringerte sich auf rund 4,3 Prozent, nachdem sie auf Basis der berichteten Vorjahreszahlen noch bei etwa 6,1 Prozent gelegen hatte.
Immerhin verbesserte sich das nicht operative Ergebnis deutlich von minus 24,5 auf minus 3,4 Millionen Euro. Unter dem Strich musste Villeroy & Boch dennoch einen Konzernverlust von 12,4 Millionen Euro ausweisen, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn von 8,4 Millionen Euro erzielt worden war. Nach Unternehmensangaben wurde das Ergebnis insbesondere durch steuerliche Sondereffekte beeinflusst.
Die Zahlen verdeutlichen, dass der Konzern weiterhin erheblich unter Druck steht. Gleichzeitig zeigt der bereinigte Umsatzvergleich, dass ein Teil des ausgewiesenen Rückgangs auf Veränderungen im Unternehmensportfolio zurückzuführen ist und nicht ausschließlich auf eine schwächere operative Nachfrage.
Bad & Wellness bleibt die größte Herausforderung
Besonders deutlich wird die schwierige Situation im Unternehmensbereich Bad & Wellness, der mit Abstand den größten Anteil am Konzernumsatz erwirtschaftet. In den ersten neun Monaten gingen die Erlöse von 865,6 auf 742,4 Millionen Euro zurück, was einem Minus von 14,2 Prozent entspricht. Bereinigt um Währungseffekte und Desinvestitionen lag der Rückgang bei 7,2 Prozent.
Die Belastungen verteilen sich dabei auf mehrere internationale Märkte. In der Region EMEA sank der Umsatz um 13,5 Prozent, während die Regionen Asien-Pazifik und Amerika zusammen einen Rückgang von 22 Prozent verzeichneten. Neben der schwachen Baukonjunktur machen sich insbesondere geopolitische Spannungen und handelspolitische Unsicherheiten bemerkbar, die Investitionsentscheidungen und die Nachfrage nach Sanitärprodukten beeinflussen.
Auch die Profitabilität des Geschäftsbereichs hat deutlich nachgelassen. Das operative EBIT fiel von 52,5 auf 28,2 Millionen Euro, womit die Ergebnissituation weiterhin angespannt bleibt.
Ein positives Signal liefert allerdings der Auftragsbestand, der sich gegenüber dem Jahresende 2025 von 131,9 auf 136,9 Millionen Euro erhöhte. Das Wachstum fällt zwar vergleichsweise moderat aus, deutet aber darauf hin, dass trotz der schwierigen Marktbedingungen weiterhin Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens besteht.
Für die weitere Entwicklung setzt Villeroy & Boch insbesondere auf die Integration von Ideal Standard und das gemeinsame Produktportfolio. Damit sollen die Marktposition gestärkt und zusätzliche Möglichkeiten geschaffen werden, um von einer späteren Erholung der Bau- und Renovierungsmärkte zu profitieren. Wie schnell sich daraus messbare Ergebnisverbesserungen ergeben, bleibt angesichts der aktuellen Marktsituation allerdings offen.
Dining & Lifestyle wächst trotz zurückhaltender Verbraucher
Deutlich erfreulicher präsentiert sich das Geschäft mit Geschirr, Tischkultur und Lifestyle-Produkten. Während viele Konsumgütermärkte weiterhin von einer verhaltenen Kaufbereitschaft geprägt sind, konnte Villeroy & Boch in diesem Segment seine Umsätze steigern.
Der Unternehmensbereich Dining & Lifestyle erzielte in den ersten neun Monaten 211,5 Millionen Euro Umsatz, nach 207,6 Millionen Euro im Vorjahr. Das entspricht einem Wachstum von 1,9 Prozent beziehungsweise 2,4 Prozent auf währungsbereinigter Basis.
Besonders dynamisch entwickelte sich der E-Commerce, der um 13,3 Prozent zulegte. Auch der stationäre Handel verzeichnete mit einem Plus von 4,9 Prozent eine positive Entwicklung. Damit zeigt sich, dass Villeroy & Boch sowohl über digitale Vertriebskanäle als auch im klassischen Einzelhandel zusätzliche Nachfrage generieren kann.
Ein wichtiger Faktor sind dabei die Produktneuheiten des Jahres 2026, die nach Unternehmensangaben bei Handel und Verbrauchern auf eine gute Resonanz stoßen. Gerade im Lifestyle-Geschäft spielt die regelmäßige Erneuerung des Sortiments eine wesentliche Rolle, um zusätzliche Kaufanreize zu schaffen und die Attraktivität der Marke zu erhalten.
Noch deutlicher wird die positive Entwicklung beim Auftragsbestand. Dieser stieg von 18,5 Millionen Euro zum Jahresende 2025 auf 30,5 Millionen Euro Ende September 2026. Das entspricht einem Zuwachs von rund 65 Prozent und ist insbesondere auf Bestellungen für neue Produkte sowie das bevorstehende Weihnachtsgeschäft zurückzuführen.
Für Dining & Lifestyle ist das vierte Quartal traditionell von besonderer Bedeutung. Der deutlich höhere Auftragsbestand schafft daher eine günstige Ausgangslage für die umsatzstarke Jahresendphase, auch wenn die tatsächliche Entwicklung weiterhin von der Konsumstimmung abhängt.
Auftragsbestand steigt konzernweit auf 167 Millionen Euro
Trotz des rückläufigen Umsatzes konnte Villeroy & Boch seinen gesamten Auftragsbestand in den ersten neun Monaten ausbauen. Zum 30. September 2026 lag dieser bei 167,4 Millionen Euro, nachdem zum Jahresende 2025 noch 150,4 Millionen Euro ausgewiesen worden waren.
Das entspricht einem Anstieg um rund 11,3 Prozent und ist angesichts der schwierigen Marktsituation ein ermutigendes Zeichen. Besonders auffällig ist dabei, dass der Zuwachs nicht ausschließlich aus dem größeren Badgeschäft stammt, sondern maßgeblich von Dining & Lifestyle getragen wird.
Der gestiegene Auftragsbestand bietet dem Unternehmen eine bessere Grundlage für die kommenden Monate, garantiert allerdings noch keine entsprechende Ergebnisverbesserung. Entscheidend bleibt, wann die Aufträge tatsächlich abgearbeitet werden und welche Margen sich dabei erzielen lassen.
Gerade im Badgeschäft dürfte es deshalb weiterhin auf eine Stabilisierung der Nachfrage und eine Verbesserung der operativen Profitabilität ankommen.
Villeroy & Boch bestätigt angepasste Jahresprognose
Ungeachtet der schwachen Neunmonatszahlen sieht sich der Vorstand weiterhin auf Kurs, die bereits angepassten Ziele für das Geschäftsjahr 2026 zu erreichen. Das Unternehmen rechnet unverändert mit einem Umsatzrückgang im höheren einstelligen Prozentbereich und einem operativen EBIT zwischen 50 und 56 Millionen Euro.
Darüber hinaus erwartet Villeroy & Boch eine rollierende operative Nettovermögensrendite von 5,5 bis 6,5 Prozent sowie operative Investitionen von rund 40 Millionen Euro.
Ausgehend vom operativen EBIT von 40,9 Millionen Euro nach neun Monaten müsste das Unternehmen im Schlussquartal noch einen Ergebnisbeitrag zwischen 9,1 und 15,1 Millionen Euro erzielen, um die prognostizierte Spanne zu erreichen.
Finanzvorstand Dr. Markus Warncke verweist in diesem Zusammenhang auf die weiterhin notwendige vorsichtige Planung. Gleichzeitig sieht das Management im höheren Auftragsbestand und der stabilen Entwicklung von Dining & Lifestyle eine gute Grundlage für das Schlussquartal.
Eine wesentliche Voraussetzung bleibt jedoch, dass sich die geopolitischen und wirtschaftlichen Belastungen nicht weiter verschärfen. Insbesondere der Nahost-Konflikt sowie Zoll- und Handelsunsicherheiten könnten die internationale Nachfrage auch in den kommenden Monaten beeinflussen.
Einordnung für Anleger: Schwaches Badgeschäft trifft auf robustes Lifestyle-Segment
Für Anleger ergibt sich aus den Neunmonatszahlen ein gemischtes Bild. Der deutliche Rückgang des operativen Ergebnisses und der Konzernverlust zeigen, dass Villeroy & Boch die schwierige Marktsituation weiterhin erheblich belastet. Besonders im umsatzstarken Badgeschäft ist eine nachhaltige Verbesserung bislang nicht erkennbar, während die schwache Baukonjunktur und geopolitische Unsicherheiten die Geschäftsentwicklung erschweren.
Auf der anderen Seite gibt es durchaus positive Entwicklungen. Der bereinigte Umsatzrückgang fällt deutlich geringer aus als das ausgewiesene Minus, der Auftragsbestand ist gestiegen und Dining & Lifestyle zeigt, dass das Unternehmen auch in einem schwachen Konsumumfeld wachsen kann.
Interessant ist insbesondere die zunehmende Bedeutung des Onlinehandels, der mit einem Wachstum von 13,3 Prozent deutlich stärker zulegt als das Segment insgesamt. Hinzu kommt die Integration von Ideal Standard, die langfristig zusätzliche Potenziale im Badgeschäft eröffnen soll, deren wirtschaftliche Wirkung sich aber erst noch zeigen muss.
Für die weitere Bewertung der Villeroy & Boch-Aktie dürfte deshalb entscheidend sein, ob der Konzern seine operative Marge wieder verbessern kann und wann sich die Nachfrage im internationalen Bad- und Wellnessmarkt stabilisiert.
Fazit: Villeroy & Boch bleibt unter Druck, doch das Schlussquartal bietet Chancen
Die ersten neun Monate 2026 waren für Villeroy & Boch von erheblichen Herausforderungen geprägt. Der Konzernumsatz sank auf 956,2 Millionen Euro, das operative EBIT ging auf 40,9 Millionen Euro zurück und unter dem Strich stand ein Verlust von 12,4 Millionen Euro.
Während das Bad- und Wellnessgeschäft weiterhin unter der schwachen Baukonjunktur leidet, entwickelt sich Dining & Lifestyle deutlich stabiler. Insbesondere das zweistellige Wachstum im Onlinehandel und der kräftig gestiegene Auftragsbestand sorgen für Zuversicht mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft.
Dass der Vorstand trotz des schwierigen Umfelds an der angepassten Jahresprognose festhält, schafft zumindest eine gewisse Planungskontinuität. Für eine nachhaltige Verbesserung der Geschäftsentwicklung muss Villeroy & Boch allerdings vor allem im Badgeschäft wieder höhere Umsätze und bessere Margen erzielen.
Für die Aktie bleibt damit die Frage entscheidend, ob das Unternehmen nach dem schwierigen Jahr 2026 von einer Markterholung und der Integration von Ideal Standard profitieren kann. Der gestiegene Auftragsbestand liefert erste positive Signale, doch die Rückkehr zu einer nachhaltig höheren Profitabilität muss sich erst in den kommenden Quartalen bestätigen.














