Die E-Commerce- und Softwareholding The Platform Group SE & Co. KGaA hat einen starken Jahresauftakt hingelegt und beeindruckt mit rasantem Wachstum bei Umsatz, Kunden und Bestellungen. Doch trotz der starken Zahlen schlägt CEO Dominik Benner überraschend vorsichtigere Töne an – und kündigt eine strategische Neuausrichtung an.
Der Hintergrund: Steigende Zins- und Logistikkosten infolge des Iran-Krieges verändern offenbar die Spielregeln für Plattformunternehmen deutlich.
Für Anleger könnte genau das jetzt besonders spannend werden.
Umsatz springt um mehr als 50 Prozent
Im ersten Quartal 2026 legte The Platform Group ein beeindruckendes Wachstumstempo vor. Der Umsatz schoss um mehr als 51 % auf 243,1 Millionen Euro nach oben.
Auch das Bruttowarenvolumen (GMV) entwickelte sich dynamisch und stieg um 23 % auf 438,4 Millionen Euro.
Noch bemerkenswerter ist jedoch die operative Entwicklung der Plattform selbst:
- Die Zahl aktiver Kunden kletterte auf über 8,1 Millionen
- Die Bestellungen stiegen um 36 % auf 3,4 Millionen
- Die Zahl der angebundenen Partner erhöhte sich auf mehr als 17.200
Damit zeigt sich: Das Plattformmodell gewinnt weiter massiv an Reichweite und Skalierung.
Plattform-Ökonomie zahlt sich aus
Besonders wichtig für Investoren: Trotz des starken Wachstums konnte The Platform Group die operative Profitabilität weiter verbessern.
Das bereinigte EBITDA stieg um 37 % auf 21,8 Millionen Euro. Gleichzeitig verbesserten sich mehrere Kostenquoten, unter anderem bei Vertrieb und Marketing.
Genau das gilt bei Plattformunternehmen als entscheidender Faktor: Wachstum allein reicht nicht aus – die Skalierung muss sich auch in steigender Profitabilität niederschlagen.
Offenbar gelingt genau dieser Schritt zunehmend.
Der Konzern profitiert dabei vom Ausbau seiner Plattform- und Softwarelösungen, die immer stärker als Wachstumstreiber wirken.
CEO reagiert auf neue Realität nach dem Iran-Krieg
Spannend wird es jedoch vor allem beim strategischen Ausblick.
CEO Dominik Benner spricht offen darüber, dass sich seit dem Iran-Krieg insbesondere Zins- und Logistikkosten deutlich verändert haben. Die Folge: The Platform Group will künftig konservativer agieren.
Das Unternehmen plant:
- einen aktiven Abbau von Bankverbindlichkeiten
- sinkende Verschuldung
- weniger Übernahmen
- stärkeres Kostenmanagement
Die Zahl geplanter Akquisitionen wurde bereits reduziert. Statt einer aggressiven Expansionsstrategie rückt nun offenbar stärker die Bilanzqualität in den Fokus.
Für Anleger könnte das langfristig positiv sein. Denn viele Wachstumsunternehmen geraten aktuell unter Druck, wenn hohe Verschuldung auf steigende Finanzierungskosten trifft.
Verschuldung soll massiv sinken
Besonders bemerkenswert: The Platform Group hat erstmals ein konkretes Ziel für die Entschuldung formuliert.
Der Verschuldungsgrad soll bis 2030 auf nur noch 1,0x bis 1,4x EBITDA sinken. Zum Vergleich: 2025 lag dieser Wert noch bei 2,1x.
Damit sendet das Unternehmen ein klares Signal an den Kapitalmarkt: Wachstum bleibt wichtig – aber künftig stärker kontrolliert und cashflow-orientiert.
Bleibt die Übernahmestory intakt?
Trotz der vorsichtigeren Strategie hält The Platform Group an ihrer Prognose für 2026 fest.
Der Vorstand erwartet weiterhin:
- ein GMV von 1,7 Milliarden Euro
- einen Umsatz von 1 Milliarde Euro
- ein bereinigtes EBITDA zwischen 70 und 80 Millionen Euro
Gleichzeitig laufen weiterhin M&A-Projekte, darunter die geplante AEP-Akquisition.
Für Anleger stellt sich nun die entscheidende Frage: Kann The Platform Group den Spagat zwischen Wachstum, Profitabilität und sinkender Verschuldung meistern?
Sollte dies gelingen, könnte sich die Aktie zunehmend als einer der spannendsten deutschen Plattform- und E-Commerce-Nebenwerte positionieren.















