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Die Aktie der RIB Software AG (ISIN: DE000A0Z2XN6) ist, nachdem sie am 30. Juli ein neues Allzeithoch bei 16,94 EUR erklommen hatte, um knapp 47% eingebrochen.

Dabei kann man nicht behaupten, dass es bei dem Spezialisten für 5D-Bauplanungs- und Bauausführungs-Software nicht läuft. Das Umsatzwachstum ist nach wie vor hoch und von den angestrebten 25 Phase II/III-Aufträgen in 2015 sind bereits 21 in der Tasche.

Warum also dieser Einsturz? Nun, im Verlauf des zweiten Halbjahrs wirkte sich zuletzt vor allem die mitgeteilte Senkung der Jahresprognose negativ auf den Kurs aus. Doch schon zuvor bröckelte der Kurs deutlich wieder ab. Hier trafen verschiedene ungünstige Faktoren aufeinander und führten zu deutlichen Kursverlusten.


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Gewinnrückgang und Kapitalerhöhung haben Aktie gebremst

Bereits in den vier Wochen nach dem Erreichen des Allzeithochs bewegte sich die Aktie von RIB Software abwärts und lief noch im August auf Kurse zwischen 13 EUR und 14 EUR zurück. Grund dafür könnte unter anderem der Halbjahresbericht gewesen sein, der am 31. Juli veröffentlicht wurde.

Obwohl die Q2-Zahlen in punkto Umsatzsteigerung und anderen Kennzahlen überzeugten, verzeichnete man beim Gewinn gegenüber dem Q2-2014 ein dickes Minus: Er ging um knapp 43% auf 1,98 Mio. EUR zurück. Berücksichtigen muss man dabei aber, dass das positive Ergebnis im Jahr zuvor stark von Sonder- und Währungseffekten beeinflusst war.

Letztendlich reichten die Halbjahreszahlen offensichtlich aber nicht aus, um die Aktie auf neue Allzeithochs zu katapultieren. Somit war der Weg für eine Konsolidierung frei. Dass aus der Konsolidierung allerdings ein heftiger Absturz werden würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Immerhin blieb RIB Software operativ weiterhin auf Kurs. Allein im August meldete man drei weitere Phase II-Aufträge.

Erschwerend zur jetzt bereits vorhandenen technischen Schwäche der Aktie kam Anfang September dann auch noch die etwas überraschende Ankündigung und Durchführung einer Kapitalerhöhung (KE) ohne Bezugsrecht hinzu. Rund 46,5 Mio. EUR wurden durch die Ausgabe von 3.378.696 neuen Aktien an institutionelle Investoren zu einem Preis von 14,25 EUR in die Kassen gespült. Die Aktie reagierte auf die durchgeführte KE auf Tagesbasis am 04. September mit einem Abschlag von -3,7%.

Das Verwässern einer Aktie kommt an der Börse eben nur sehr selten gut an. Auch wenn man unterm Strich folgern muss, dass das Unternehmen sich in diesem Fall weiteren finanziellen Spielraum für das zukünftige Wachstum gesichert hat, was der operativen Entwicklung alles in allem doch zu Gute kommen sollte. Der Erlös soll unter anderem für etwaige Akquisitionen sowie für Investitionen in die komplett webfähige iTWO 4.0-Software genutzt werden.

Etwa 100 Mio. EUR sollen dabei für weitere Akquisitionen bereitgestellt werden, 50% aus dem bisherigen Cashbestand und die anderen 50% aus dem Erlös der KE. Das gezielte Zukaufen von Unternehmen zur weiteren Expansion gehört laut Vorstand zur Unternehmensstrategie. Bereits Anfang Juli hat RIB Software die spanische Soft SA gekauft, um den Vertrieb für das Kernprodukt iTWO 5D im spanischsprachigen Raum, d.h. sowohl in Spanien selbst als auch in Lateinamerika, voranzutreiben. Ein weiterer Zukauf erfolgte Anfang Oktober: RIB Software erwarb 75% der Anteile von SAA Software Engineering GmbH aus Wien, dem europäischen Marktführer im Bereich der Automatisierung von Betonfertigteilwerken.


Gewinnwarnung schickt Aktie endgültig auf Talfahrt

Vom Allzeithoch Ende Juli aus gesehen, verlor die Aktie von RIB Software bis zum 26. Oktober über 22% und notierte an jenem Montag zum Handelsschluss nur noch bei 13,21 EUR. In den folgenden beiden Tagen fiel die Aktie dann nochmals um 16% bis auf 11,04 EUR. Zunächst hatte die Investmentbank Equinet am 27. Oktober das Kursziel von 18 EUR auf 15,50 EUR gesenkt, einen Tag später senkte auch die Privatbank Hauck & Aufhäuser das Kursziel von 18,70 EUR auf 16,70 EUR.

Kurz vor und nach der Veröffentlichung der 9-Monatszahlen am 30. Oktober bewegte sich der Kurs dann noch einmal kurzfristig Richtung 12 EUR. Es war aber nur ein kurzes Zucken. Die Zahlen für das Q3 fielen nicht so gut aus, als dass dies für einen nachhaltigen Turnaround gereicht hätte. Zumal die Prognose für 2015 dieses Mal nur unter der Einschränkung bestätigt wurde, dass die noch ausstehenden zwei Phase III-Aufträge mit einem Umsatz von 10 Mio. EUR und die fünf Phase II-Aufträge noch im laufenden Jahr abgeschlossen werden. Ein Wink mit dem Zaunpfahl nennt man das wohl.

Denn nur zweieinhalb Wochen später kam die Hiobsbotschaft: RIB Software reduzierte am 17. November die Gewinn- und Umsatzprognose, da sich der Abschluss der beiden Phase III-Aufträge voraussichtlich bis ins neue Jahr verschieben wird.

Statt der bisher angepeilten 85 Mio. EUR bis 95 Mio. EUR Umsatz sollen es nun 78 Mio. EUR bis 86 Mio. EUR werden. Die EBITDA-Prognose wurde von 29 Mio. EUR bis 36 Mio. EUR auf 22 Mio. EUR bis 30 Mio. EUR ebenfalls deutlich gesenkt.

Die Gewinnwarnung brachte die Aktie in den Tagen danach bis auf unter 9 EUR.


Wann dreht die Aktie wieder ins Plus?

In den letzten fünf Monaten wurde die Aktie von RIB Software ordentlich abgestraft. Vor allem die Gewinnwarnung hat noch einmal ordentlich Druck auf das Papier ausgeübt. Erholt hat sich die Aktie bisher noch nicht, aber es besteht berechtigte Hoffnung, dass eine Kehrtwende noch in diesem Jahr einsetzt.

Denn für das Geschäft von RIB Software sind die verschobenen Aufträge an sich noch kein Beinbruch. In der Mitteilung vom 17. November heißt es ja, dass die Verhandlungen fortgesetzt werden und weiterhin erfolgsversprechend sind.

Der Abschluss der beiden Phase III-Aufträge dürfte sich somit nur ins nächste Jahr aufschieben. Der Umsatz für die beiden Aufträge fehlt somit zwar in diesem Jahr, wird aber dafür im nächsten Jahr hinzu kommen. Das bedeutet, dass die Umsatzprognose für 2016 entsprechend um 10 Mio. EUR höher ausfallen dürfte.

Nachdem sich hier die Gemüter beruhigt haben und unter der Voraussetzung, dass keine weiteren negativen Nachrichten seitens des Unternehmens kommen, sollte es bei RIB Software wieder schnell über die 10 EUR-Marke gehen. Die Kursziele der Analysten liegen allesamt oberhalb von 15 EUR, somit erscheint der Kurs von 9,00 EUR aktuell sehr attraktiv für einen Einstieg.

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Das Nebenwerte Magazin richtet seinen Fokus auf die Welt der deutschen Nebenwerte und hat sich zum Ziel gesetzt, Mid-Caps und Small-Caps aus Deutschland mehr in den Blickpunkt zu rücken.

Noch immer stehen deutsche Nebenwerte weitestgehend im Schatten der sogenannten 30 Blue Chips aus dem DAX, dem deutschen Leitindex. Doch so mancher Wert aus dem DAX kam ja einst aus der zweiten und dritten Reihe und war somit selbst einmal ein Mid-cap oder Small-Cap. SDAX, TECDAX und MDAX sind daher sozusagen die Wiege des DAX.

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