SUSS meldet einen neuen Rekord beim Auftragseingang und profitiert dabei zunehmend vom weltweiten Ausbau der Infrastruktur für Künstliche Intelligenz. Ein Großauftrag über rund 115 Millionen Euro ließ die Bestellungen im zweiten Quartal auf ein historisches Hoch springen.
Gleichzeitig verbesserte der Halbleiterausrüster seine Profitabilität deutlich und erzielte wieder einen positiven Free Cashflow. Der hohe Auftragsbestand sorgt bereits jetzt für ungewöhnlich gute Planungssicherheit bis weit in das Geschäftsjahr 2027 hinein.
Auftragseingang springt auf neuen Rekordwert
Nach einem bereits starken Jahresauftakt hat SUSS im zweiten Quartal 2026 noch einmal deutlich zugelegt. Der Auftragseingang erreichte 260,7 Millionen Euro und damit einen neuen Rekordwert.
Im ersten Quartal waren bereits Bestellungen über 149,3 Millionen Euro eingegangen. Für das gesamte erste Halbjahr ergibt sich damit ein Auftragseingang von 410,0 Millionen Euro.
Der Auftragsbestand erhöhte sich zum 30. Juni auf den historischen Höchststand von 473,7 Millionen Euro. Besonders relevant für Anleger: Rund 220 Millionen Euro davon betreffen Anlagen, deren Auslieferung erst für 2027 vorgesehen ist.
Damit verfügt SUSS bereits heute über eine hohe Umsatzvisibilität für das kommende Geschäftsjahr. Dass Kunden ihre Bestellungen mit längeren Vorlaufzeiten platzieren, deutet zugleich darauf hin, dass sie sich frühzeitig Produktionskapazitäten für strategisch wichtige Halbleiterprojekte sichern wollen.
115-Millionen-Euro-Auftrag aus der KI-Wertschöpfungskette
Den größten Einzelbeitrag zum Rekordquartal lieferte ein Auftrag über rund 115 Millionen Euro für Coating-Lösungen.
Auftraggeber ist ein sogenannter OSAT-Kunde. Diese Unternehmen übernehmen unter anderem das Packaging und Testen von Halbleitern. Der betreffende Kunde beliefert laut SUSS einen führenden Akteur in der Wertschöpfungskette für KI-Chipmodule.
Damit profitiert SUSS indirekt vom rasant steigenden Bedarf an leistungsfähigen KI-Chips. Moderne Prozessoren für Rechenzentren und Künstliche Intelligenz stellen hohe Anforderungen an das Advanced Packaging, bei dem mehrere Komponenten besonders präzise verbunden und verarbeitet werden müssen.
Genau in diesem Bereich bietet SUSS Anlagen und Prozesslösungen an. Der Großauftrag unterstreicht daher nicht nur die aktuelle Nachfrage, sondern auch die strategische Position des Unternehmens in einem der wichtigsten Wachstumsmärkte der Halbleiterindustrie.
Umsatz und Marge erholen sich im zweiten Quartal
Auch operativ zeigte sich im zweiten Quartal eine klare Verbesserung. Der Umsatz stieg von 86,6 Millionen Euro im ersten Quartal auf 116,2 Millionen Euro.
Mit dem höheren Auslieferungsvolumen zog auch die Profitabilität deutlich an. Die Bruttomarge verbesserte sich von 36,2 auf 38,0 Prozent.
Noch stärker fiel der Anstieg der EBIT-Marge aus. Diese erhöhte sich von 4,3 Prozent im ersten Quartal auf 9,0 Prozent und lag damit wieder innerhalb des für das Gesamtjahr angestrebten Korridors.
Die Zahlen zeigen, wie stark die Profitabilität bei SUSS von der Höhe und Zusammensetzung der Auslieferungen abhängt. Nach einem schwächeren Jahresauftakt konnte das Unternehmen im zweiten Quartal wieder mehr Anlagen ausliefern und Skaleneffekte nutzen.
Halbjahresumsatz noch unter Vorjahr
Trotz des starken zweiten Quartals lag der Konzernumsatz in den ersten sechs Monaten mit 202,8 Millionen Euro noch deutlich unter dem Vorjahreswert von 266,6 Millionen Euro.
Der Rückgang dürfte vor allem auf die zeitliche Verteilung von Aufträgen und Auslieferungen zurückzuführen sein. Die rekordhohen Bestellungen führen nicht unmittelbar zu Umsatz, da zwischen Auftragseingang, Produktion und Abnahme der Anlagen häufig mehrere Quartale liegen.
Bei der Profitabilität entwickelte sich SUSS dennoch solide. Die Bruttomarge erreichte im ersten Halbjahr 37,2 Prozent und lag damit sogar leicht oberhalb des prognostizierten Korridors von 35 bis 37 Prozent.
Die EBIT-Marge belief sich auf 7,0 Prozent. Damit liegt das Unternehmen trotz des niedrigeren Umsatzvolumens auf Kurs, seine Ergebnisziele für das Gesamtjahr zu erreichen.
Free Cashflow dreht deutlich ins Plus
Ein weiteres positives Signal lieferte SUSS beim Cashflow. Der Free Cashflow verbesserte sich von minus 27,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf plus 16,4 Millionen Euro.
Dadurch erhöhte sich der Bestand an Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten gegenüber dem Jahresende 2025 um 13,8 Prozent auf 112,3 Millionen Euro.
Die Entwicklung stärkt die finanzielle Flexibilität des Konzerns. Gerade in der Halbleiterausrüstung können Wachstum und neue Produktanläufe einen hohen Kapitalbedarf verursachen. Ein positiver Free Cashflow erleichtert es SUSS, Kapazitäten auszubauen und gleichzeitig weitere Innovationen zu finanzieren.
Neue Produkte sollen zusätzliche Märkte erschließen
Neben dem gut gefüllten Auftragsbuch arbeitet SUSS an der Erweiterung seines Produktportfolios.
Zu Beginn des dritten Quartals lieferte das Unternehmen erstmals einen Scanner zur Bearbeitung von Panels an einen Kunden in Taiwan aus. Weitere Produkteinführungen sind für die zweite Jahreshälfte vorgesehen.
Die Panel-Bearbeitung gilt als wichtiger Zukunftsbereich im Advanced Packaging. Größere Formate können dazu beitragen, mehr Chips gleichzeitig zu verarbeiten und damit die Kosten pro Bauteil zu senken.
Gelingt es SUSS, seine Lösungen erfolgreich im Markt zu etablieren, könnte sich daraus neben dem bestehenden Geschäft mit Wafern eine zusätzliche Wachstumssäule entwickeln.
Prognose bestätigt
Der Vorstand hält an der Prognose für das Geschäftsjahr 2026 fest. Konkrete Zielwerte wurden in der Mitteilung nicht erneut genannt.
Die Entwicklung des zweiten Quartals spricht jedoch dafür, dass sich Umsatz und Profitabilität nach dem schwächeren Jahresauftakt wie erwartet erholen.
Der Rekordauftragsbestand schafft zugleich eine solide Grundlage für die kommenden Quartale. Kurzfristig bleibt entscheidend, wie schnell SUSS die Bestellungen in Auslieferungen und Umsätze umwandeln kann.
Einordnung für Anleger
SUSS präsentiert ein starkes Auftragsbild. Der Rekordauftrag aus der KI-Wertschöpfungskette zeigt, dass das Unternehmen unmittelbar vom Ausbau moderner Halbleiter- und Packaging-Kapazitäten profitiert.
Besonders überzeugend ist die Kombination aus einem historischen Auftragsbestand, verbesserter Profitabilität und positivem Free Cashflow. Rund 220 Millionen Euro an bereits für 2027 vorgesehenen Auslieferungen erhöhen zudem die Planungssicherheit deutlich.
Die Schwachstelle bleibt der gegenüber dem Vorjahr rückläufige Halbjahresumsatz. Dieser verdeutlicht, dass ein hoher Auftragseingang erst mit zeitlicher Verzögerung im Zahlenwerk sichtbar wird.
Für die weitere Kursentwicklung dürfte daher entscheidend sein, ob SUSS die geplanten Auslieferungen ohne größere Verzögerungen abarbeiten und dabei die EBIT-Marge im Zielkorridor halten kann. Gelingt dies, könnte sich der Halbleiterausrüster weiter als einer der europäischen Profiteure des KI- und Advanced-Packaging-Booms etablieren.















