Schaeffler und Vitesco – könnte Sinn machen. Entschieden scheint es sowieso.

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Schaeffler AG: Schaeffler Gruppe schließt Geschäftsjahr 2021 mit starkem Ergebnis ab und erhöht Dividende
Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler AG (ISIN: DE000SHA0159) setzt auf Wachstum. Vor einigen Jahren hatte man sich fast mit der Übernahme von Continental überhoben, woraus man bestimmt gelernt hat: Als 49,9% Aktionär der – ebenfalls kontrollierten – Continental-Abspaltung Vitesco setzt man auf Grösse.Und liefert dafür direkt drei gute Argumente: Komplementäre Geschäftsfelder sollen in einem Schaeffler Konzern, auf den Vitesco verschmolzen werden soll, Synergien von jährlich 600 Mio EUR ermöglichen. Im Rahmen der Verschmelzung sollen die Schaeffler-Vorzugsaktien zu gleichberechtigten Stammaktien gewandelt werden. Und zu guter Letzt: Durch einen potentiellen Indexaufstieg (Freefloaterhöhung plus nur noch eine Aktiengattung sollen das ermöglichen) soll die Kapitalmarktwahrnehmung und damit möglicherweise die Kursentwicklung der „Mauerblümchenaktie“ positiv beeinflusst werden.

Scheint fast sicher entschieden? Schaeffler schluckt Vitesco. Stolpersteine? Gegenargumente?

Ein Konzern mit 25 Mrd Umsatz soll entstehen, mit einer wachstumsstarken E-Mobility-Sparte. Erinnert an die alten Pläne mit Continental, aber jetzt halt ohne Reifen und nur mit den Einheiten, die ergänzen. Eine rein bayerische Veranstaltung mit sicherem Ausgang? Mit den Voraussetzungen, bereits 49,9 % der Vitesco Aktien in den Händen des Mehrheitsaktionärs des Schaeffler-Konzerns zu haben, einer für Automotive attraktiv erscheinenden Prämie auf den Aktienkurs könnte der Verschmelzungsplan „klappen“. Insbesondere, da für einen verschmelzungsbedingten Squeeze-Out geringere Schwellen gelten. Deshalb mit grossen Chancen:

Den Aktionären von Vitesco wird eine Barabfindung in Höhe von 91 Euro pro Aktie angeboten. Das entspricht einer attraktiven Prämie von rund 21 Prozent auf den letzten Schlusskurs vom 6. Oktober 2023 und einer Prämie von rund 20 Prozent auf den volumengewichteten 3-Monats-Durchschnittskurs. Für Aktionäre, die seit der Abspaltung von der Continental AG in Vitesco investiert sind, ergibt sich eine Prämie von rund 52 Prozent auf den erstmaligen Kurs der Vitesco-Aktie von 59,80 Euro am 16. September 2021.

Automotive ist an der Börse einfach nicht sexy.  Schaeffler kann zwar E-Mobilität, aber nicht so wie Tesla. Transformation hat gekostet. Vielleicht macht jetzt die schiere Grösse attraktiver.

Mit dem Aufbau des Kompetenzzentrums für Wasserstofftechnologie am Standort in Herzogenaurach sowie dem Werkzeugtechnologiezentrum am Standort Höchstadt setzte die Schaeffler Gruppe bereits in 2022 Massnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit um, man könnte auch sagen zur „Überlebensfähigkeit“ um. Und nicht zu vernachlässigen: 5 Mrd EUR Auftragseingang für E-Mobilitätslösungen (von insgesamt 12,3 Mrd EUR Auftragseingang) im Geschäftsjahr 2022 bestätigen Kurs.

Und jetzt ist sich Schaeffler über die Zukunft sicher. Zumindest bei Schaeffler-Vitesco.

Aktionäre von Vitesco können ihre Aktien im Rahmen des Erwerbsangebots andienen und damit die von Schaeffler angebotene Prämie realisieren. Alternativ haben sie die Möglichkeit, von den erwarteten erheblichen Synergien und dem Wertsteigerungspotenzial zu profitieren, indem sie ihre Aktien bis zur geplanten Verschmelzung halten, bei der Vitesco-Aktien gegen neu ausgegebene Schaeffler-Aktien getauscht werden. Die Schaeffler-Aktionäre werden von den erwarteten erheblichen Synergien und dem Wertsteigerungspotenzial sowie von einer vereinfachten Aktionärsstruktur und einer erhöhten Liquidität der Aktien profitieren.

3 Stufenplan – ob da wirklich keiner stören wird?

Schaeffler gibt sich davon überzeugt, dass der Zusammenschluss mit Vitesco die Wettbewerbsfähigkeit erheblich verbessern werde. Insbesondere bei der Elektrifizierung sollen Schaeffler und Vitesco über ein sehr komplementäres Technologieportfolio verfügen, das es dem kombinierten Unternehmen ermöglichen soll, in diesem Bereich eine lückenlose Produktpalette anzubieten und so das Wachstumspotenzial der Elektromobilität zu nutzen. Schaeffler und Vitesco sollen gemeinsam die Profitabilität von konventionellen Antriebstechnologien mit einem weiterhin attraktiven Margen- und Cash-Profil verbessern können. Gleiches gelte für Fahrwerksysteme und im Automotive-Aftermarket-Geschäft.

Mit der Transaktion beabsichtigt Schaeffler, sein Geschäfts- und Technologieportfolio zu erweitern, insbesondere im Bereich der Elektromobilität, und eine führende Motion Technology Company zu schaffen. Diese wird aus vier fokussierten Sparten bestehen, die in ihren entsprechenden Märkten jeweils führende Positionen einnehmen:

  1. In der Sparte E-Mobility werden die hochkomplementären Kompetenzen von Schaeffler und Vitesco gebündelt – mit der Ambition, einen Marktführer im Bereich E-Mobility mit einem pro-forma Auftragsbestand von 40 Milliarden Euro sowie mittelfristig solider Profitabilität und hohem Wachstumspotenzial zu schaffen.
  2. Die Sparte Powertrain & Chassis wird die etablierten Geschäftsfelder beider Partner vereinen und eine führende Position bei konventionellen Antrieben und Fahrwerksystemen einnehmen.
  3. Die Sparte Vehicle Lifetime Solutions wird die Automotive-Aftermarket-Aktivitäten von Vitesco mit der bestehenden Aftermarket-Plattform von Schaeffler vereinen und so einen integrierten Plattform-Anbieter schaffen.
  4. Die Sparte Bearings & Industrial Solutions wird aus der bisherigen Sparte Industrial und dem Unternehmensbereich Automotive Bearings bestehen, um den weltweit führenden Anbieter von Bearings & Industrial Solutions zu schaffen, der in vier Marktclustern aktiv ist.

Die neue divisionale Struktur soll zu größerer Transparenz bei der Performance der Sparten führen, was durch die Veröffentlichung aussagekräftiger Finanzdaten unterstützt werden soll.

Klaus Rosenfeld, Vorstandsvorsitzender der Schaeffler AG, sagte: „Mit dem heutigen Angebot gehen wir einen nächsten wichtigen Entwicklungsschritt. Durch den Zusammenschluss von Schaeffler und Vitesco wollen wir eine führende Motion Technology Company mit vier fokussierten Sparten schaffen, die sich durch ein ausgewogenes, gut diversifiziertes Portfolio und relevante Größe in allen vier Sparten auszeichnet. Dazu gehört ein erstklassiger E-Mobilitäts-Anbieter mit erheblichem Wachstumspotential. Schaeffler und Vitesco sind zusammen stärker. Das bringt deutliche Vorteile für Kunden, Beschäftigte, Aktionäre und Geschäftspartner.“

Vitesco scheint bisher noch nicht involviert gewesen zu sein.

Um eine für alle Seiten vorteilhafte Transaktion sicherzustellen, strebe Schaeffler Gespräche mit Vitesco über einen einvernehmlichen Zusammenschluss an. Zu diesem Zweck werde Schaeffler unmittelbar nach Veröffentlichung der Pflichtmitteilung an der Börse Kontakt zum Vorstand und zum Aufsichtsrat von Vitesco aufnehmen und den Wunsch äussern, im besten Interesse beider Unternehmen mit Vitesco zusammenzuarbeiten.

Interessantes Wording „den Wunsch äussern“ „zusammenzuarbeiten“ –

warum man bisher nicht Gespräche eröffnet hat, weshalb man nicht im Vorfeld dieser Veröffentlichung auf die Führungsgremien der Vitesco zugegangen ist? Fragen, die auf mögliche „Sollbruchstellen“ zwischen den Führungsetagen der Automotives hindeuten könnten. Wobei mit 49.9% der Aktien in Schaeffler-Hand wäre es für das Vitesco-Management schwierig einen „weissen Ritter“ zu finden.

Georg F.W. Schaeffler, Familiengesellschafter und Aufsichtsratsvorsitzender der Schaeffler AG: „Für meine Mutter und mich als Familiengesellschafter ist die Abgabe von Stimmrechten ein einschneidender Schritt, den wir im Interesse des Unternehmens sorgfältig abgewogen haben. Angesichts der signifikanten Vorteile, die die gesamte Transaktion für alle Stakeholder mit sich bringt, sind wir überzeugt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, den nächsten großen Schritt in der Entwicklung unseres Unternehmens zu gehen. Mit dem Zusammenschluss von Schaeffler und Vitesco, die große kulturelle Gemeinsamkeiten haben, schaffen wir eine führende Motion Technology Company.“

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Schaeffler Aktionäre sollten im Verschmelzungsfall definitiv „gewinnen“, allein dass die Vorzugsaktien zu Stämmen werden, sollte die Kurschancen ihrer Aktien erhöhen. Und die Vitesco-Aktionäre? Sollte das behauptete Synergiepotential gehoben werden können, wäre die Variante bei der verschmolzenen neuen Schäffler dabei zu sein eine interessante Alternative. Andererseits 20% Kursaufschlag bei einem Automotive-Wert sollte einen kurzfristigen Exit durchaus attraktiv erscheinen lassen. Also win-win für alle Beteiligten? Vielleicht. Interessant wird es nun, wie sich Vitesco-Vorstand und Aufsichtsrat äussern werden. Wobei diese natürlich normalerweise durch den Vitesco-Mehrheitsaktionär Schaeffler-Familie eigentlich positiv „voreingenommen“ sein sollten.


Chart: Schaeffler AG | Powered by GOYAX.de

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