Salzgitter schafft den Turnaround: Gewinnsprung, Aurubis-Millionen und höhere Prognose

Post Views : 12

Salzgitter meldet sich im ersten Halbjahr 2026 eindrucksvoll zurück. Der Stahlkonzern hat das operative Ergebnis massiv verbessert und nach einem Vorsteuerverlust im Vorjahr wieder klar schwarze Zahlen geschrieben. Rückenwind kam gleich von mehreren Seiten: Die Aurubis-Beteiligung lieferte einen außergewöhnlich hohen Ergebnisbeitrag, das Effizienzprogramm P28 greift sichtbar und auch die Kerngeschäfte Stahlerzeugung, Handel und Technologie entwickelten sich deutlich besser.

Zusätzliche Fantasie bringt die vollständige Übernahme der Hüttenwerke Krupp Mannesmann. Der Konzern hat seine Jahresprognose bereits angehoben und erwartet nun einen Umsatz von rund 10 Milliarden Euro.

EBITDA mehr als verdoppelt – EBT dreht klar ins Plus

Der Konzernumsatz lag im ersten Halbjahr mit 4,59 Milliarden Euro leicht unter dem Vorjahreswert von 4,66 Milliarden Euro.

Beim Ergebnis sieht das Bild dagegen völlig anders aus. Das berichtete EBITDA stieg von 116,8 auf 277,7 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Steuern verbesserte sich von minus 83,8 Millionen Euro auf plus 76,3 Millionen Euro.

Unter Herausrechnung der Bewertungseffekte aus der Umtauschanleihe fällt die operative Entwicklung noch deutlich stärker aus. Das bereinigte EBITDA VX erreichte 459 Millionen Euro, während das EBT VX auf 257,6 Millionen Euro sprang.

Im Vorjahreszeitraum hatte Salzgitter beim bereinigten Vorsteuerergebnis noch einen Verlust von 83,8 Millionen Euro ausgewiesen.

Unterm Strich erzielte der Konzern einen Gewinn nach Steuern von 43,5 Millionen Euro nach einem Verlust von 88,9 Millionen Euro im Vorjahr. Das Ergebnis je Aktie drehte entsprechend von minus 1,68 Euro auf plus 0,74 Euro.

Aurubis wird erneut zum Gewinnmotor

Ein wesentlicher Treiber der starken Entwicklung war die Beteiligung an Aurubis.

Der at-equity einbezogene Kupferkonzern steuerte im ersten Halbjahr 193 Millionen Euro zum Ergebnis von Salzgitter bei. Im Vorjahreszeitraum waren es lediglich 71,5 Millionen Euro.

Damit stammt ein erheblicher Teil des Gewinnsprungs aus der Aurubis-Beteiligung.

Die Zahlen zeigen erneut, welchen strategischen Wert Aurubis für Salzgitter besitzt. Gleichzeitig sorgt die im Oktober 2025 platzierte Umtauschanleihe auf Aurubis-Aktien für erhebliche bilanzielle Schwankungen. Allein im ersten Halbjahr entstand daraus ein negativer Bewertungseffekt von 181,3 Millionen Euro.

Salzgitter verwendet deshalb seit 2026 die bereinigten Kennzahlen EBITDA VX, EBT VX und ROCE VX, bei denen diese nicht operativen Bewertungseffekte herausgerechnet werden.

Stahlgeschäft schafft die operative Wende

Auch ohne Aurubis sind klare Fortschritte im Kerngeschäft sichtbar.

Der Geschäftsbereich Stahlerzeugung erhöhte den Umsatz leicht auf 1,74 Milliarden Euro. Das EBITDA sprang gleichzeitig von 65,6 auf 159,0 Millionen Euro.

Noch deutlicher zeigt sich der Turnaround beim Vorsteuerergebnis. Nach einem Verlust von 55,6 Millionen Euro im Vorjahr erzielte die Sparte nun ein EBT von 50,4 Millionen Euro.

Auch der Handel verbesserte sich erheblich. Trotz eines Umsatzrückgangs von 1,43 auf 1,27 Milliarden Euro verdoppelte sich das EBITDA auf 50,6 Millionen Euro. Das EBT erhöhte sich von 10,9 auf 37,6 Millionen Euro.

Der Geschäftsbereich Technologie steigerte den Umsatz auf 876 Millionen Euro und das EBITDA von 69,5 auf 81,1 Millionen Euro.

Damit basiert die Ergebnisverbesserung nicht ausschließlich auf Aurubis. Auch die operativen Stahl- und Technologieaktivitäten zeigen einen klaren Aufwärtstrend.

Stahlverarbeitung bleibt die Baustelle

Noch nicht vollständig geschafft ist der Turnaround im Bereich Stahlverarbeitung.

Das Segment erhöhte den Umsatz leicht auf 606,1 Millionen Euro, blieb beim Ergebnis jedoch in den roten Zahlen.

Das EBITDA verbesserte sich zwar deutlich von minus 39,8 auf minus 12,5 Millionen Euro, beim EBT stand aber weiterhin ein Verlust von 39,9 Millionen Euro.

Im Vergleich zum Vorjahresverlust von 63,4 Millionen Euro zeigt sich zwar eine klare Verbesserung, dennoch bleibt die Sparte der größte operative Schwachpunkt innerhalb des Konzerns.

Für Anleger dürfte deshalb relevant sein, ob Salzgitter die Restrukturierungsmaßnahmen auch hier in den kommenden Quartalen in die Gewinnzone übersetzen kann.

P28 liefert bereits 97 Millionen Euro Einsparungen

Eine zentrale Rolle beim Ergebnisanstieg spielt das Effizienzprogramm P28.

Bis Ende Juni erzielte Salzgitter daraus nachhaltige Ergebnisverbesserungen von 97 Millionen Euro. Damit hat der Konzern bereits nach sechs Monaten einen Großteil des für das Gesamtjahr angepeilten Effekts von 122 Millionen Euro erreicht.

Seit Start des Programms summieren sich die Verbesserungen laut Unternehmen auf fast 350 Millionen Euro.

Langfristig sollen insgesamt 575 Millionen Euro erreicht werden.

Die Zahlen zeigen, dass die Kostensenkungs- und Effizienzmaßnahmen inzwischen einen substanziellen Beitrag zur Profitabilität leisten. Gerade in einer zyklischen Branche wie Stahl kann eine dauerhaft niedrigere Kostenbasis in einer späteren Markterholung einen erheblichen Ergebnishebel entfalten.

HKM-Übernahme bringt zusätzliche Größe

Nach Ende des zweiten Quartals hat Salzgitter die vollständige Übernahme der Hüttenwerke Krupp Mannesmann abgeschlossen.

Die Transaktion soll den Konzern nicht nur beim Umsatz vergrößern, sondern bereits 2026 einen zusätzlichen Ergebnisbeitrag liefern.

Salzgitter erwartet aus der vollständigen Konsolidierung von HKM einen zusätzlichen Außenumsatz im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Beim EBITDA VX und EBT VX soll der Beitrag – vorbehaltlich einmaliger Effekte aus der Kaufpreisallokation – im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich liegen.

Damit gewinnt das klassische Stahlgeschäft innerhalb des Konzerns wieder deutlich an Gewicht.

Gleichzeitig steigt durch die Übernahme allerdings auch der Kapitalbedarf. Die Nettofinanzverschuldung soll zum Jahresende auf etwas mehr als 1 Milliarde Euro steigen.

SALCOS bleibt Milliardenprojekt

Parallel zum operativen Turnaround treibt Salzgitter die Transformation der Stahlproduktion voran.

Mit dem Dekarbonisierungsprogramm SALCOS will der Konzern seine Stahlproduktion schrittweise auf CO₂-ärmere Verfahren umstellen.

Die Investitionen bleiben entsprechend hoch. Dennoch lag die Nettofinanzposition Ende Juni mit minus 792 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahres.

Dass Salzgitter die Verschuldung trotz hoher Investitionen bislang stabil halten konnte, ist positiv. Mit der HKM-Übernahme wird die Bilanz in der zweiten Jahreshälfte allerdings stärker beansprucht.

Prognose erneut angehoben

Nach dem starken ersten Halbjahr und der vollständigen Konsolidierung von HKM hat Salzgitter die Prognose für 2026 erneut erhöht.

Der Konzern erwartet nun:

Umsatz von rund 10 Milliarden Euro

EBITDA VX zwischen 725 und 825 Millionen Euro

EBT VX zwischen 325 und 425 Millionen Euro

Zudem soll der ROCE VX leicht über dem Vorjahresniveau liegen.

Nach einem EBITDA VX von bereits 459 Millionen Euro und einem EBT VX von 257,6 Millionen Euro im ersten Halbjahr hat Salzgitter einen erheblichen Teil der Jahresziele bereits erreicht.

Die zweite Jahreshälfte bleibt dennoch schwer kalkulierbar. Der Konzern verweist auf geopolitische Risiken, volatile Rohstoffpreise und unsichere Nachfrageentwicklungen.

Positive Impulse erwartet Salzgitter dagegen von neuen EU-Handelsschutzmaßnahmen.

Einordnung für Anleger

Salzgitter liefert einen eindrucksvollen Turnaround. Der Konzern kehrt in die Gewinnzone zurück, steigert die Profitabilität im Stahlgeschäft und profitiert gleichzeitig massiv von seiner Aurubis-Beteiligung.

Besonders positiv ist, dass sich die operative Verbesserung über mehrere Geschäftsbereiche erstreckt. Stahlerzeugung, Handel und Technologie verdienen deutlich mehr als im Vorjahr, während das P28-Programm schneller Wirkung zeigt als ursprünglich geplant.

Die Kehrseite: Ein erheblicher Teil des Ergebnisses hängt weiterhin an Aurubis, die Stahlverarbeitung schreibt Verluste und die vollständige Übernahme von HKM erhöht den Finanzierungsbedarf.

Für die Aktie bleibt damit vor allem entscheidend, ob Salzgitter die derzeitige Ergebnisverbesserung auch in einem weiterhin schwierigen Stahlmarkt verstetigen kann. Gelingt dies und liefert HKM den erwarteten Beitrag, könnte sich der operative Hebel in den kommenden Quartalen noch deutlicher zeigen.

Share : 

Interviews

Wochenrückblick

Trendthemen

Anzeige

Nachrichten MDAX

Anzeige

Related Post

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner