Prime Standard | IPO? Interview mit CEO der 3U Holding-Tochter Weclapp: „Wir wollen jetzt erst richtig loslegen.“

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Spannende Entwicklungen beim Hoffnungsträger und schon lange als Börsenkandidat gehandelten weclapp SE – einer Beteiligung der 3U Holding AG (ISIN:DE0005167902). Die im letzten Geschäftsjahr erfolgte Desinvestments für Investitionen in das Wachstum der weclapp SE bereitstellte. Aber auf Dauer werden die notwendigen Investitionen, um die Wachstumschancen der Cloud-Tochter weclapp SE zu nutzen, die finanziellen Möglichkeiten der Mutter übersteigen. Und wo gibt es Geld für Wachstumsinvestitionen? Die Antwort findet sich neben anderen spannenden Informationen in unserem Interview mit Ertan Özdil, CEO und Gründer und Minderheitsaktionär der weclapp SE:
Können Sie kurz erläutern, was Ihr Unternehmen macht?

weclapp ist Anbieter einer cloudbasierten ERP-Plattform. Unsere Software nutzen kleine und mittelständische Unternehmen, um den Arbeitsalltag zu vereinfachen und die Geschäftsprozesse zu optimieren. Egal ob CRM, Warenwirtschaft oder Buchhaltung – mit weclapp können Teams alle wichtigen Prozesse intelligent in einer Software steuern. Cloudbasiert bedeutet, dass alle Daten und Prozesse von jedem Ort aus erreichbar sind und bearbeitet werden können – man braucht nur eine Internetverbindung und ein browserfähiges Gerät. Wir gehören aktuell zu den am schnellsten wachsenden Cloud-ERP-Systemen Europas. Bereits vier Mal wurde unsere Plattform zum ERP-System des Jahres gekürt.

Cloud-Computing ist die Zukunft, heißt es. Wie unterscheidet sich Ihre Software von klassischen ERP-Programmen?

Bei den herkömmlichen Anbietern muss die Software noch von Beratern zeit- und kostenintensiv beim Kunden implementiert und individuell angepasst werden. Das ist die alte Welt. Aber die Zukunft hat schon begonnen: weclapp ist demgegenüber eine offene Plattform. Kunden melden sich an und nutzen ihren Zugang sofort, können umfassend ihr gesamtes Geschäft abbilden und betreiben. Die Oberflächen können die Nutzer flexibel selbst anpassen. Dank API-first-Ansatz haben wir eine aktive Community, die ständig neue Ideen entwickelt. Im weclapp-Store bieten sie ihre Add-ons anderen Usern an. Die Kunden interagieren auf der Plattform, können direkt und ohne Umwege miteinander Geschäfte machen. Unsere cloudbasierte Technologie ist uneingeschränkt skalierbar, für weclapp gibt es keine inhärenten Wachstumsgrenzen. Mit diesen Eigenschaften sind wir davon überzeugt, technologisch die Nase vorn zu haben.

Mit welchem Modell erwirtschaften Sie Ihre Umsätze?

Bei herkömmlichen Anbietern zahlen Mittelständler für die Implementierung oft fünfstellige oder noch höhere Beträge, bevor sie überhaupt loslegen können. Für 50.000 Euro kann unser Kunde zehn Beschäftigte sieben Jahre lang mit dem leistungsfähigsten weclapp-Paket arbeiten lassen. Wir sind also auch Preisführer. Unser Vertriebsmodell ist Software as a Service: Die Plattform wird von uns betrieben und vom Kunden als Dienstleistung genutzt. Die meisten Kunden haben 12- oder 24-Monatsverträge. Dadurch haben wir zu 90 Prozent wiederkehrende Umsätze. Der größte Kunde hat übrigens mehr als 250 Zugänge gebucht.

Und wie hoch sind ihre Umsätze? Wie hoch die Wachstumsraten?

Im Jahr 2020 lag unser Umsatz bei 7,3 Millionen Euro. Seit Markteintritt 2013 sind wir im Schnitt jedes Jahr um etwa 100 Prozent gewachsen. Für 2021 erwarten wir einen Umsatz von mehr als 11 Millionen Euro.

Können Sie dieses Wachstumstempo durchhalten?

Nicht nur durchhalten: Wir wollen jetzt erst richtig loslegen. In Deutschland haben wir die kritische Masse und die richtige Produktqualität erreicht, um in die Phase starken Wachstums vorzudringen. Dazu trägt auch die Internationalisierung bei. Und schließlich wollen wir auch durch gezielte Zukäufe wachsen.

Wie sind Ihre Pläne für 2021 und darüber hinaus?

Wir wollen unseren Wachstumskurs beschleunigen. Das funktioniert durch Erweiterung des Funktionsspektrums der Plattform, Durchdringung bestehender Kundensegmente und Erschließung neuer Branchen, Internationalisierung und darüber hinaus Übernahmen von Kundenstämmen und ganzen Unternehmen. Es gibt allein in Deutschland rund 500 Unternehmen, die ERP-Systeme der alten Generation, sogenannte On-Premises-Lösungen, anbieten und den Sprung in die cloudbasierte Welt nicht schaffen werden. Solche Anbieter sind mögliche Übernahmekandidaten für uns.

Ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg ist ein möglicher Börsengang, den wir für weclapp planen. Wir arbeiten bereits intensiv an den Vorbereitungen. Dazu veröffentlichen wir einen Geschäftsbericht nach IFRS, bauen die interne Prozesslandschaft aus, unter anderem auch für Investor Relations.

Wie schaffen Sie es, bei diesem hohen Wachstumstempo so ertragreich zu wirtschaften? Wie hoch ist ihre Marge?

Wir sind hoch profitabel, weil wir keine Gebühren für Drittsoftware entrichten müssen. und weil wir ausschließlich auf Online-Marketing und -Vertrieb setzen. Wir hatten 2020 ein EBITDA von 2,6 Millionen. Euro, die EBITDA-Marge lag also bei über 35%. Wir haben keine finanziellen Verbindlichkeiten und erwirtschaften gute Cashflows.

Wie viele Mitarbeiter hat das Unternehmen?

Bei weclapp arbeiten mittlerweile über 80 Menschen an den drei Standorten in Frankfurt am Main, Marburg und Kitzingen. Hinzu kommt ein Entwicklerteam in Mumbai, das exklusiv für uns tätig ist.

Ist es derzeit nicht schwierig, gute Softwareentwickler zu finden?

Ja, wir suchen ständig qualifizierte Entwickler und finden sie aber auch. Für uns spielt die fachliche Qualifikation eine große Rolle, vor allem aber sollten unsere Beschäftigten gut zu unserer Unternehmenskultur passen. Wir sind immer noch so etwas wie ein Start-up, teamorientiert, offen, flexibel, kollegial und effizient. Gute Noten auf den Personalportalen zeigen, dass wir ein attraktiver Arbeitgeber sind.

Auf Ihren Servern liegen wichtige Daten der Kunden. Gehören Ihnen die Server und wie wichtig sind bei Ihnen Datenschutz und Datensicherheit?

Datenschutz und Sicherheit nehmen wir bei weclapp sehr ernst. Wir sind ISO 27001 zertifiziert, um den Kunden die höchste erreichbare Sicherheit zu bieten. Denn gerade weil bei uns das gesamte Geschäft der Kunden geborgen ist, müssen wir für deren Sicherheit sorgen. Die Server werden von einem führenden deutschen Dienstleister in Deutschland gehostet, die Daten sind redundant gepflegt. Grundsätzlich ist die Plattform unbegrenzt skalierbar, auch durch Hinzufügung weiterer dezentraler Rechenzentren in aller Welt.

Die weclapp SE gehört zur börsennotierten 3U Holding AG. Ist die 3U Holding eine reine Holding oder gibt es auch operative Berührungspunkte oder Formen der Zusammenarbeit?

Die 3U war so etwas wie unser Venture-Kapitalgeber. Davon haben wir auch immer profitiert. Die 3U Holding hat uns von Anfang als Finanzinvestor in unseren Entwicklungsstufen begleitet. Durch die solide Finanzierung konnten wir konsequent ein ausgereiftes Produkt entwickeln und ab 2013 dann auch erfolgreich vermarkten. Operativ arbeiten wir zum Beispiel mit dem Onlinehandel der 3U zusammen. Mit der 3U Telecom besteht ein Dienstleistungsvertrag. Da die 3U selbst börsennotiert ist, haben wir als junge Firma ein erfahrenes Unternehmen an unserer Seite, mit dem die Vorbereitung auf das IPO einfacher wird.

Warum haben Sie Überlegungen, an die Börse zu gehen?

Wenn wir die ERP-Lösung der Wahl für KMU weltweit werden wollen, müssen wir unser Wachstum massiv beschleunigen. Wir suchen Finanzmittel, um unsere Forschung und Entwicklung weiter voranzutreiben – insbesondere auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Zugleich bietet sich derzeit die Gelegenheit, in Deutschland und international Kundenstämme und Unternehmen zu übernehmen, auch hierfür benötigen wir Kapital. Der Börsengang stellt für uns die nachhaltigste Lösung dar.

Wie sind konkret die Eigentumsverhältnisse an der weclapp SE derzeit?

Aktuell hält die 3U Holding knapp 75 Prozent an der weclapp SE. Mir persönlich gehören 25 Prozent plus “eine Aktie”.

Und wie sähe es nach einem Börsengang aus? Würden Sie eine Kapitalerhöhung anstreben, die vollständig der weclapp zufließen würde?

Klar ist, dass wir einen hohen Emissionserlös zugunsten des Wachstums der weclapp anstreben. Das derzeit wahrscheinlichste Szenario bestünde daher aus einer Kapitalerhöhung.

An welches Volumen denken Sie bei einem potentiellen Börsengang?

Wir erwarten eine substanzielle Bewertung, aber zu Details können wir uns aktuell noch nicht äußern.

Ein Gutachten vor 2 Jahren kam auf einen Wert von 70 Millionen Euro. Ist dieser Wert noch aktuell? Oder hat es Entwicklungen gegeben, die eine andere, möglicherwiese höhere Bewertung, in ihren Augen rechtfertigen würden?

Seit dem Gutachten sind wir rasant gewachsen und haben unsere geplanten Zahlen teilweise übererfüllt. In dem Maße, wie wir unsere Wachstumsstrategie erfolgreich umsetzen, verändern sich auch die Bewertungsparameter. Das ist auch den Investoren bewusst. Tech-Unternehmen sind am Kapitalmarkt weiter gefragt; wir wachsen und sind profitabel. Und ein Vergleich zeigt das Potenzial: Exasol ging im Mai 2020 an die Börse mit einer Marktkapitalisierung von über 200 Mio. Euro bei einem Konzernumsatz von über 20 Mio. Euro und Verlust im betreffenden Geschäftsjahr.

Gutachten betrachten gerade bei wachstumsstarken Unternehmen, wie ihrem, zukünftige, geplante Umsatz- und Ertragserwartungen. Und dann werden diese Werte auf die Gegenwart abdiskontiert. Von welchen Wachstumsraten ging das alte Gutachten aus? Und welche Raten konnten Sie konkret in den letzten Jahren erreichen?

Das Gutachten ist inzwischen zwei Jahre alt und basierte auf unserer damaligen Planung mit Wachstum von 50 %. Das haben wir 2019 erreicht und 2020 übertroffen. Ab 2021 streben wir an, das Tempo weiter zu erhöhen.

Was wollen Sie mit den Erlösen aus dem Börsengang machen?

Ganz klar, wir wollen unseren Wachstumskurs vorantreiben. Die Erlöse aus einem möglichen Börsengang könnten zu rund 20 % in organisches Wachstum fließen: Marktdurchdringung, Internationalisierung, Forschung und Entwicklung, insbesondere auf dem Gebiet Künstliche Intelligenz. 80 % könnten dann für Zukäufe eingesetzt werden.

Haben Sie schon einen konkreten Zeitplan?

Wir arbeiten darauf hin, einen Börsengang schon in diesem Herbst zu ermöglichen, haben aber noch keinen konkreten Zeitplan.

Bei ihren Wachstumsplänen sollte ein potentieller Aktionär davon ausgehen, dass erstmal keine Dividenden zu erwarten sind?

Aktionäre sind grundsätzlich an einer Aktienkurssteigerung sowie aktionärsfreundlichen Dividendenpolitik interessiert, beides sind Teile unserer Wachstums- und Kapitalmarktstrategie und werden, ggf. zu gegebener Zeit, entsprechend umgesetzt.

Und wahrscheinlich planen Sie weitere Kapitalmaßnahmen nach einem eventuellen Listing, um Ihre Markposition weiter auszubauen?

Dazu haben wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine konkreten Pläne gemacht. Aktuell liegt unser Fokus auf dem möglichen Börsengang. Dann wollen wir den Aktionären zunächst beweisen, dass wir mit ihrem Geld gut umzugehen wissen. Mit weiteren Kapitalmaßnahmen beschäftigen wir uns derzeit nicht.

In welchem Marktsegment verorten Sie derzeit die weclapp? Gibt es Annahmen, welche Größenordnung dieses Marktsegment in den nächsten Jahren erreichen wird?

Marktforscher sehen zweistellige Wachstumsraten für cloudbasierte ERP-Systeme, ein Markt, der 2025 ein Volumen von über 60 Milliarden US-Dollar umfassen wird. Das umfasst auch unser Segment der KMU und bietet uns dort exzellente Wachstumschancen.

Sie sprachen davon, auch mit Übernahmen, zu wachsen; sehen Sie die weclapp auch als potentielles Übernahmeziel?

Nein, die weclapp ist kein Übernahmeziel. Wir haben ein klares Ziel und das gilt es nun mit allen dafür nötigen Maßnahmen zu realisieren.

Wo sehen Sie die weclapp SE in 5 Jahren?

weclapp wird das bevorzugte ERP-System bei mittelständischen Unternehmen sein. Denn unser Ziel ist es, unseren Kunden Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Durch die komfortabelste und leistungsfähigste Cloudplattform weltweit und durch den Einsatz von lernenden “elektronischen Kollegen”, die Routinearbeiten übernehmen, den Workflow beschleunigen und die Kreativität der Teams freisetzen. In fünf Jahren wollen wir derartige Elemente der Künstlichen Intelligenz dem Mittelstand in aller Welt zur Verfügung stellen. Als immer noch schnell wachsendes, als immer noch hoch profitables Unternehmen, das Beschäftigten, Kunden und Aktionären viel Freude macht.

Vielen Dank für das Gespräch.

Ertan Özdil ist CEO, Gründer und Gesellschafter der weclapp SE. Er programmiert seit seinem neunten Lebensjahr. Seine ersten Erfahrungen in der Software-Entwicklung sammelte er Anfang 1990er im Alter von vierzehn Jahren bei der Entwicklung eines Warenwirtschaftssystems. Ein Jahrzehnt später entwickelte er eine Open Source Lösung für das Customer Relationship Management – eines der ersten Open Source CRM-Systeme überhaupt. Das gewonnene Know-how führte 2008 zu der frühen und richtungsweisenden Idee von weclapp: einer cloudbasierten ERP-Software für alle Unternehmensbereiche.

Über weclapp:

Die weclapp SE (www.weclapp.com) wurde 2008 gegründet und bietet seit 2013 die gleichnamige cloudbasierte Plattform an. Seit Markteintritt ist sie jedes Jahr um durchschnittlich 50 % gewachsen und arbeitet profitabel. Mit Software-as-a-Service (SaaS) adressiert sie überwiegend kleine und mittelständische Unternehmen, insbesondere mit den integrierten ERP- (Enterprise-Resource-Planning) und CRM- (Customer-Relationship-Management) Funktionalitäten. Kunden haben damit uneingeschränkten Zugriff auf ihre Geschäftsvorfälle und Daten von jedem internetfähigen Endgerät und von jedem mit dem Internet verbundenen Ort aus. Mit Speicher- und Rechenkapazitäten in Deutschland und der Schweiz und der Zertifizierung nach ISO 27001 bietet weclapp ein hohes Maß an Datensicherheit. Die Plattform wurde wiederholt als ERP-System des Jahres ausgezeichnet. Die weclapp SE hat ihren Sitz in Frankfurt am Main mit weiteren Standorten in Marburg und Kitzingen. Sie ist eine Tochtergesellschaft der 3U HOLDING AG mit Sitz in Marburg.

 Über 3U:

Die 3U HOLDING AG (www.3u.net) mit Sitz in Marburg wurde 1997 gegründet. Sie steht als operative Management- und Beteiligungsholding an der Spitze des 3U Konzerns. Sie erwirbt, betreibt und veräußert Unternehmen in den drei Segmenten ITK (Informations- und Telekommunikationstechnik), Erneuerbare Energien und SHK (Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik). In allen drei Segmenten ist der 3U Konzern mit Geschäftsmodellen in Megatrends erfolgreich und profitabel, baut insbesondere seine wachstumsstärksten Geschäftsmodelle Cloud Computing und E-Commerce energisch weiter aus und strebt mit ihnen marktführende Positionen an. Die Aktien der 3U HOLDING AG werden auf XETRA, Tradegate und an den deutschen Regionalbörsen gehandelt (ISIN: DE0005167902; Kürzel: UUU).


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