Bei der NORMA Group scheint der Konzernumbau zunehmend Früchte zu tragen. Der Verbindungstechnikspezialist hat im dritten Quartal 2026 nicht nur seinen Umsatz gesteigert, sondern das bereinigte operative Ergebnis mehr als verdoppelt. Gleichzeitig ist die Bilanz nach dem Verkauf des Water-Management-Geschäfts deutlich gestärkt. Doch das Management hat noch wesentlich größere Pläne: Bis 2031 soll die operative Marge auf über zehn Prozent steigen. Für Anleger könnte die NORMA Group Aktie damit zu einer interessanten Turnaround-Story werden.
NORMA Group: Gewinnsprung trotz schwierigem Marktumfeld
Die Zahlen für das dritte Quartal können sich sehen lassen. Der Umsatz stieg um 5,2 Prozent auf 207,8 Millionen Euro. Währungsbereinigt lag das Wachstum bei 4,2 Prozent.
Noch deutlicher fällt die Verbesserung beim Ergebnis aus. Das bereinigte EBIT kletterte von 3,8 auf 7,8 Millionen Euro und hat sich damit mehr als verdoppelt. Die bereinigte EBIT-Marge verbesserte sich von 1,9 auf 3,7 Prozent.
Verantwortlich dafür ist vor allem das Spar- und Effizienzprogramm NewNORMA. Niedrigere Personal- und Strukturkosten machen sich inzwischen bemerkbar.
Auch im Neunmonatsvergleich zeigt sich der Fortschritt. Das bereinigte EBIT stieg von 5,9 auf 21,7 Millionen Euro. Allerdings bleibt ein wichtiger Unterschied: Das berichtete EBIT lag im dritten Quartal wegen Transformationskosten und Abschreibungen noch bei minus 6 Millionen Euro.
Der Umbau zeigt also Wirkung, kostet aber weiterhin Geld.
Industriegeschäft wächst zweistellig: Amerika wird zum Wachstumstreiber
Besonders erfreulich entwickelt sich der Geschäftsbereich Industry Applications. Hier legte der Umsatz im dritten Quartal um 12,4 Prozent auf 70,2 Millionen Euro zu. Währungsbereinigt betrug das Plus 11,3 Prozent.
Die stärksten Impulse kamen aus Amerika. Dort steigerte NORMA den Umsatz konzernweit um 14,8 Prozent auf 76,1 Millionen Euro. Gleichzeitig verbesserte sich die bereinigte EBIT-Marge von 4,5 auf 8,4 Prozent.
Weniger dynamisch läuft dagegen das Geschäft mit der Automobilindustrie. Mobility & New Energy wuchs im dritten Quartal lediglich um 1,9 Prozent. Die weiterhin schwache Nachfrage in Teilen des Automobilmarktes bremst die Entwicklung.
Interessant sind deshalb die neuen Aufträge außerhalb des klassischen Autogeschäfts. NORMA liefert künftig unter anderem Komponenten für Baumaschinen, Landmaschinen und stationäre Batteriespeicher. Auch in China konnte das Unternehmen einen Auftrag für Kühlsysteme von Elektro- und Hybridfahrzeugen gewinnen.
Damit versucht NORMA, die Abhängigkeit von der Automobilindustrie schrittweise zu reduzieren.
Von 316 Millionen Euro Schulden zu 80 Millionen Euro Nettoliquidität
Fast noch bemerkenswerter als die operative Entwicklung ist der Blick auf die Bilanz.
Ende 2025 stand bei NORMA noch eine Nettoverschuldung von 316,1 Millionen Euro in den Büchern. Zum 30. September 2026 verfügte der Konzern dagegen über eine Nettoliquidität von 80 Millionen Euro.
Die Eigenkapitalquote erhöhte sich gleichzeitig von 45,1 auf 64,2 Prozent.
Hinter dieser deutlichen Veränderung steckt vor allem der Verkauf des Water-Management-Geschäfts. Aus dem Verkaufserlös wurden Schulden getilgt und insgesamt rund 260 Millionen Euro über Aktienrückkäufe an die Aktionäre zurückgeführt.
Die deutlich verbesserte Finanzlage verschafft NORMA zusätzlichen Spielraum für den laufenden Konzernumbau.
Allerdings bleibt der Cashflow ein Punkt, den Anleger beobachten sollten. In den ersten neun Monaten lag der operative Netto-Cashflow bei minus 2,9 Millionen Euro. Im dritten Quartal wurden immerhin wieder positive 10,2 Millionen Euro erwirtschaftet.
NewNORMA: Bis 2031 soll die Marge auf über zehn Prozent steigen
Mit der neuen Strategie hat sich NORMA ehrgeizige Ziele gesetzt. Bis 2031 soll der Umsatz währungsbereinigt jährlich um durchschnittlich ein bis drei Prozent wachsen.
Der eigentliche Hebel liegt jedoch bei der Profitabilität.
Während die bereinigte EBIT-Marge im dritten Quartal bei 3,7 Prozent lag, strebt der Konzern langfristig einen Wert von mehr als zehn Prozent an.
Das wäre ein erheblicher Sprung. Bei einem Umsatz auf dem Niveau der aktuellen annualisierten Quartalserlöse würde eine zweistellige Marge rechnerisch ein bereinigtes EBIT von mehr als 80 Millionen Euro ermöglichen. Das ist allerdings nur ein Rechenbeispiel und keine Unternehmensprognose.
Entscheidend wird sein, ob NORMA die strukturellen Kosten weiter senken, die Produktionskapazitäten besser auslasten und gleichzeitig profitables Neugeschäft gewinnen kann.
Mit Tobias Bichler, der spätestens im April 2027 als neuer Finanzvorstand antreten soll, holt sich das Unternehmen zudem zusätzliche Erfahrung bei Restrukturierungen und industriellen Transformationsprogrammen ins Management.
NORMA Group Aktie: Turnaround-Fantasie trifft auf ehrgeizige Ziele
Für das laufende Geschäftsjahr bleibt NORMA zunächst vorsichtig. Die Prognose für 2026 wurde bestätigt. Erwartet werden ein Umsatzwachstum zwischen null und zwei Prozent, eine bereinigte EBIT-Marge von zwei bis vier Prozent sowie ein operativer Netto-Cashflow zwischen zehn und 20 Millionen Euro.
Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, dass der Konzern bei der Verbesserung seiner Profitabilität Fortschritte macht. Gleichzeitig ist die Bilanz nach dem Verkauf des Water-Management-Geschäfts erheblich robuster geworden.
Für die NORMA Group Aktie könnte genau diese Kombination interessant werden. Ein finanziell gestärkter Industriekonzern, dessen operative Marge sich schrittweise erholt, bietet grundsätzlich Potenzial für eine Neubewertung.
Allerdings liegt zwischen den aktuellen 3,7 Prozent bereinigter EBIT-Marge und dem langfristigen Ziel von über zehn Prozent noch ein weiter Weg. Zudem muss NORMA beweisen, dass die Ergebnisverbesserungen künftig auch in nachhaltig steigende Cashflows münden.
Die Richtung stimmt. Ob daraus eine größere Turnaround-Story wird, hängt nun davon ab, wie konsequent das Management die NewNORMA-Strategie in den kommenden Quartalen umsetzt.















