Bei Mutares nimmt das Geschäft weiter Fahrt auf. Während die portugiesische Beteiligung Efacec mit einem Milliarden-Auftragsbestand und ehrgeizigen Wachstumszielen aufhorchen lässt, meldet der Münchner Beteiligungsspezialist den nächsten Verkauf. Die Logistikplattform Stuart geht an Quiver. Zwei Nachrichten, die zeigen, dass Mutares sowohl beim operativen Umbau seiner Beteiligungen als auch bei der Portfoliobereinigung vorankommt. Für Aktionäre könnte vor allem die Entwicklung bei Efacec spannend werden.
Efacec: Aus dem Sanierungsfall wird eine Wachstumsstory
Als Mutares den portugiesischen Elektrotechnikspezialisten Efacec im November 2023 übernahm, stand zunächst die Restrukturierung im Vordergrund. Mittlerweile präsentiert sich das Unternehmen deutlich stärker und profitiert von einem Markt, der weltweit unter Hochspannung steht.
Der Ausbau der Stromnetze, die zunehmende Elektrifizierung der Industrie und der enorme Energiebedarf neuer Rechenzentren treiben die Nachfrage nach Transformatoren und Schaltanlagen. Genau hier ist Efacec positioniert.
In den ersten neun Monaten 2026 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 229 Millionen Euro und ein bereinigtes EBITDA von 34 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr stellt das Management Erlöse zwischen 320 und 335 Millionen Euro sowie ein EBITDA von 45 bis 55 Millionen Euro in Aussicht.
Das wäre ein Umsatzplus von mehr als 20 Prozent und ein EBITDA-Wachstum von über 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Restrukturierung scheint damit zunehmend Früchte zu tragen.
Eine Milliarde Euro Auftragsbestand: Efacec hat noch einiges vor
Besonders interessant ist der Blick auf die Auftragsbücher. Ende September 2026 verfügte Efacec über einen Auftragsbestand von mehr als einer Milliarde Euro. Das entspricht ungefähr dem Vierfachen des Jahresumsatzes 2025.
Und Mutares sieht noch erhebliches Potenzial. Mittelfristig soll Efacec einen Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro und ein EBITDA von über 100 Millionen Euro erreichen.
Sollte das gelingen, würde sich die operative Ertragskraft gegenüber 2026 nahezu verdoppeln. Gleichzeitig könnte Efacec damit für potenzielle Käufer deutlich attraktiver werden.
Ein wichtiger Wachstumstreiber ist das Geschäft in Nordamerika. Dort steigt die Nachfrage nach Netztechnik besonders stark. Efacec baut seine Präsenz in den USA aus und erweitert gleichzeitig die Produktionskapazitäten auf ungefähr das Doppelte.
Für Mutares ist das eine interessante Konstellation: Ein ursprünglich übernommener Restrukturierungsfall entwickelt sich zu einer Beteiligung mit erheblichen Wachstumsperspektiven.
Nächster Exit perfekt: Mutares verkauft Stuart
Während Efacec weiter wachsen soll, hat Mutares bei einer anderen Beteiligung bereits den nächsten Schritt vollzogen.
Die europäische Lieferplattform Stuart wurde erfolgreich an Quiver verkauft. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Frankreich betreibt eine technologiegestützte Plattform für urbane Lieferdienste und die sogenannte letzte Meile.
Seit der Übernahme 2023 hat Mutares das Geschäftsmodell neu ausgerichtet, den Kundenstamm verbreitert und die operativen Prozesse verbessert. Heute erwirtschaftet Stuart mit rund 70 Mitarbeitern einen Umsatz von etwa 50 Millionen Euro.
Ein Verkaufspreis wurde allerdings nicht genannt. Damit bleibt offen, welchen konkreten Ergebnis- und Liquiditätsbeitrag die Transaktion für Mutares bringt.
Dennoch ist der Verkauf ein weiterer Beleg dafür, dass Mutares seine Portfoliostrategie konsequent umsetzt. Gleichzeitig reduziert die Gesellschaft wie angekündigt ihr Engagement im Retail-Segment.
Mutares: Bei Efacec könnte der große Hebel liegen
Für Anleger sind beide Meldungen aus unterschiedlichen Gründen interessant.
Der Stuart-Verkauf zeigt, dass Mutares weiterhin Beteiligungen erfolgreich an neue Eigentümer übergeben kann. Entscheidend für die Bewertung solcher Transaktionen bleibt allerdings der tatsächlich erzielte Veräußerungsgewinn.
Bei Efacec könnte dagegen deutlich mehr Fantasie entstehen. Das Unternehmen bewegt sich in einem strukturell wachsenden Markt, verfügt über volle Auftragsbücher und verbessert seine Profitabilität. Mit einem mittelfristig angestrebten EBITDA von mehr als 100 Millionen Euro könnte die Beteiligung erheblich an Wert gewinnen.
Allerdings ist ein hoher operativer Unternehmenswert nicht automatisch mit einem entsprechenden Verkaufserlös für Mutares gleichzusetzen. Verschuldung, Kapitalbedarf, Beteiligungsstruktur und das Marktumfeld spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Mutares Aktie: Die Exit-Fantasie bekommt neue Nahrung
Die jüngsten Nachrichten passen zur Strategie des Münchner Beteiligungsspezialisten. Unternehmen übernehmen, operativ verbessern und anschließend möglichst gewinnbringend verkaufen.
Mit Stuart wurde ein weiterer Verkauf abgeschlossen. Efacec könnte sich unterdessen zu einer besonders wertvollen Beteiligung entwickeln, sofern die ehrgeizigen Wachstumsziele erreicht werden.
Für die Mutares Aktie ist das grundsätzlich eine erfreuliche Kombination. Kurzfristig bleibt abzuwarten, welchen finanziellen Beitrag der Stuart-Exit liefert. Mittelfristig dürfte vor allem Efacec in den Fokus rücken.
Denn bei einem Unternehmen mit mehr als einer Milliarde Euro Auftragsbestand, steigenden Margen und einem EBITDA-Ziel jenseits der 100-Millionen-Euro-Marke stellt sich für Aktionäre irgendwann zwangsläufig die Frage: Wie viel könnte diese Beteiligung bei einem späteren Verkauf wert sein?
Genau darin liegt die Fantasie. Ein konkreter Exit bei Efacec ist bislang allerdings nicht angekündigt.














