Kapsch TrafficCom senkt erneut den Ausblick: Umsatz bricht ein – EBIT nur dank Deutschland-Deal positiv

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Kapsch TrafficCom startet schwach ins Geschäftsjahr 2025/26: In den ersten drei Quartalen sank der Umsatz auf 307 Mio. € (Vorjahr: 411 Mio. €). Ein Teil war planbar – etwa 60 Mio. € entfallen auf das Ende des Mautprojekts in Gauteng (Südafrika) und die Entkonsolidierung Belarus. Der größere Schmerz sitzt aber woanders: Erwartete Projekte blieben in fast allen Regionen aus, Start- und Abwicklungsverzögerungen auf Kundenseite häuften sich – und der globale Maut-Markt zeigte eine „drastische“ Schwäche.

Kurz: Das ist nicht nur ein Projektloch, sondern ein Nachfrageschock im Kernmarkt.

Kapsch TrafficCom: EBIT steigt – aber nur wegen eines Sondereffekts von 23 Mio. €

Auf den ersten Blick wirkt die Ergebnisentwicklung positiv: Das operative EBIT liegt bei 12 Mio. € (Vorjahr: 6 Mio. €). Doch der Schein trügt: Der Zuwachs hängt maßgeblich an der vergleichsweisen Einigung mit der Bundesrepublik Deutschland, die im ersten Quartal einen Ergebniseffekt von 23 Mio. € brachte. Ohne diesen Sondereffekt wäre das EBIT negativ.

Für Anleger ist das der entscheidende Punkt: Das operative Geschäft läuft noch nicht wieder in der Spur, der positive EBIT-Print ist zu großen Teilen „einmalig“.

Zusätzlich belasteten Wechselkurse – vor allem der US-Dollar – das Ergebnis mit -5 Mio. € im EBIT und -4 Mio. € im Finanzergebnis.

Segmente: Maut schrumpft, Verkehrsmanagement stabiler – aber beide schwach

Die Segmentdaten zeigen die Struktur des Problems:

  • Segment Maut: Umsatz von 309 Mio. € auf 215 Mio. € (-31%). Das EBIT steigt von 6 Mio. € auf 13 Mio. € – wiederum stark geprägt vom Deutschland-Effekt.

  • Segment Verkehrsmanagement: Umsatz von 102 Mio. € auf 93 Mio. € (-9%), EBIT -0,9 Mio. € (Vorjahr: -0,4 Mio. €).

Umsatzanteile: 70% Maut, 30% Verkehrsmanagement. Wenn Maut so stark schwächelt, zieht das den Konzern zwangsläufig runter.

Regional gingen die Umsätze überall zurück:

  • EMEA -37%

  • Americas -13%

  • APAC -9%

Cash & Bilanz: Free Cashflow niedriger, aber Bilanz wirkt stabiler

Der operative Cashflow war in den ersten drei Quartalen ausgeglichen, Working Capital insgesamt stabil. Der Free Cashflow lag bei 7 Mio. € (Vorjahr: 24 Mio. €).

Die Bilanz zeigt Licht und Schatten:

  • Eigenkapitalquote steigt von 20% auf 23%

  • Nettoverschuldung bleibt mit 103 Mio. € nahezu stabil (31.3.2025: 101 Mio. €)

  • Verschuldungsgrad sinkt leicht auf 107% (vorher 111%)

Kapsch betont proaktives Working-Capital-Management (Abbau von Vorräten und Vertragsvermögenswerten), gleichzeitig stiegen Forderungen – typisch bei steigenden Fakturierungen gegen Ende der Periode.

Positiv: Bulgarien-Vertrag und besserer Auftragseingang – aber wirkt erst später

Ein klarer operativer Erfolg ist die Vertragsverlängerung in Bulgarien: ein neuer Fünf-Jahres-Auftrag für Betrieb und Wartung des landesweiten Maut- und E-Vignetten-Systems. Zudem wurde der Auftragseingang im Berichtszeitraum als „relativ gut“ bezeichnet, und Nordamerika zeigt nach Risikoreduzierung bessere Ergebnisbeiträge und neue Aufträge.

Aber: Diese Erfolge werden sich erst in den kommenden Jahren in den Umsätzen niederschlagen. Für die kurzfristige Ergebnislage 2025/26 helfen sie nur begrenzt.

Kapsch TrafficCom Ausblick erneut gesenkt: Umsatz 420 Mio. €, EBIT 7 Mio. €

Der entscheidende Kursfaktor ist die zweite Ausblickssenkung: Am 16. Februar 2026 reduzierte Kapsch TrafficCom die Guidance für 2025/26 auf:

  • Umsatz ~420 Mio. € (zuvor ~450 Mio. €)

  • EBIT ~7 Mio. € (zuvor ~25 Mio. €)

Damit ist klar: Das Jahr wird deutlich schwächer als ursprünglich gedacht. Kostensenkungen werden zwar weiter vorangetrieben, sollen aber ihre volle Wirkung erst im nächsten Geschäftsjahr entfalten.

Immerhin bleibt der Auftragsstand von 1,2 Mrd. € eine Basis – aber ein Teil davon wird sich laut Unternehmen nur mittel- bis langfristig in Umsatz umsetzen.

CEO Georg Kapsch bringt es auf den Punkt: Umsatz und Ergebnis liegen „weit unter unseren Erwartungen“, die Marktschwäche dürfte „vorerst anhalten“, die Kosten werden weiter angepasst – Wachstumspotenziale will man dennoch nicht abwürgen.

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