H2 Core – Börsengang durch die Hintertür: Erster in Deutschland gelisteter Wasserstoffintegrator. CEO und Gründer im Interview. Über Enapter. Über Pläne. Über Wachstum.

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H2 Core mit Börsengang durch die Hintertür: Erster in Deutschland gelisteter Wasserstoffintegrator
Vor einigen Wochen kündigte die börsennotierte Marna AG an, über ein Reverse IPO ihren Geschäftszweck zu wechseln. Durch die Einbringung der H2 Core Systems GmbH und der anschließenden Umfirmierung in H2 Core AG wird ein neues gelistetes Wasserstoff-Unternehmen auf dem Börsenparkett seine Premiere haben. Im Gespräch mit dem Nebenwerte Magazin erläutert H2 Core-Gründer Ulf Jörgensen die Hintergründe des Börsengangs, erklärt das Geschäftsmodell von H2 Core und gibt einen Ausblick auf einen stark wachsenden Wasserstoffmarkt. Natürlich könnte man fragen, braucht es wirklich noch einen weiteren „kleinen“ Wasserstoffwert an der Börse? Warum sollten grosse Pläne gerade bei der H2 Core umgesetzt werden können? Ein Urteil darüber sollte jeder potentielle Anleger für sich selber treffen. Basis für eine eigene Meinung sind Informationen. Sind ein persönlicher Eindruck von den „Leuten hinter dem Firmenschild“. Voila, hier unser Gespräch mit Ulf Jörgensen – interessant.
Herr Jörgensen, für alle, die H2 Core noch nicht kennen. Erklären Sie bitte kurz, was Ihr Unternehmen genau macht.

U. Jörgensen: Die H2 Core entwickelt, fertigt, installiert und wartet frei konfigurierbare Komplettanlagen zur Erzeugung, Speicherung und Nutzung von grünem Wasserstoff. Dabei bekommen unsere Kunden ein Komplettsystem aus verschiedenen Komponenten wie Elektrolyseur, Trockner, Speichertank und Brennstoffzelle aus einer Hand geliefert. Sozusagen eine Plug-and-Play- als All-in-One-Lösung. Wir haben für jede Größenordnung und jede Art der Anwendung die richtige Antwort. Es ist also völlig egal, wozu der grüne Wasserstoff produziert werden soll und in welchen Mengen. Unsere Systeme sind frei skalierbar und können auf das jeweilige Anwendungsfeld angepasst werden.

Was sind denn die typischen Anwendungen?

U. Jörgensen: Die Anwendungsfälle sind so vielfältig wie unsere weltweiten Kunden. Es kommt immer ein wenig darauf an, welchen geografischen Markt wir betrachten. In Nordeuropa forschen und lehren viele Hochschulen mit unseren Anlagen. Der Mittelstand nutzt die H2-Produktion zur Speicherung von Überschussenergie aus der eigenen PV-Anlage und auch immer mehr in der Produktion bei Brennprozessen. In Afrika, Asien und Lateinamerika besteht eine hohe Nachfrage nach Off-Grid oder Bad-Grid Applikationen in abgelegenen Gebieten, ohne eine eigene und verlässlichen Stromversorgung. Das ist durchaus auch ein Thema in den USA. In all diesen Bereichen sind wir jetzt schon tätig. Ein interessantes Projekt, das weiter ausgebaut wird, ist ein rollendes Notstromaggregat, das im Katastrophenfall am jeweiligen Ort mit Solarpanels Strom erzeugt, der mittels Wasserstoff gepuffert wird. Denn was nutzt ein Notstrom-Dieselaggregat, wenn im Katastrophenfall kein Diesel geliefert werden kann?

In Afrika ist die Versorgung von Funkmasten mit Strom ein Riesenthema. Bisher kommen oft in abgelegenen Gebieten ebenfalls Dieselaggregate zum Einsatz. Wir haben mit ersten Installationen bereits bewiesen, dass dies prächtig mit unseren dezentralen Wasserstoffeinheiten funktioniert, die unter allen klimatischen Bedingungen konstant laufen.

Das klingt ja schon sehr international oder täuscht der Eindruck?

U. Jörgensen: Ja, unser Geschäft ist sehr international. Die erste Anlage, die wir lieferten, ging nach Korea, die zweite war für Frankreich bestimmt und dann eine nach Dänemark. Wir liefern unsere Anlagen überall hin, unsere Unternehmens-DNA ist international. Bisher haben wir rund 200 Systeme in weit über 40 Ländern ausgeliefert und mit unseren Partnern vor Ort installiert. Neben Deutschland, Polen, Frankreich und UK in Europa, machen wir viel in Nord- und Südamerika, beispielsweise in Brasilien, aber auch in Thailand und Malaysia. Auch in Australien läuft eine unserer Anlagen.

Und das, obwohl es Sie erst seit ein paar Jahren gibt. Wie ist das möglich?

U. Jörgensen: Das stimmt. Als eigenständiges Unternehmen sind wir 2020 gestartet. Trotzdem haben wir jahrzehntelange Erfahrung mit Gasen und Flüssigkeiten unter Druck. H2 Core ist ein Spin-off der TC Hydraulik Gruppe, ein Spezialist für Fluidsysteme, die in der Hydraulik zur Anwendung kommen. Das ist unsere Wurzel. Wasserstoff ist da nur ein weiteres Medium. Und mit dem Bau von Komplettanlagen in dem Metier kennen wir uns aus.

Unter dem Dach hätten Sie auch bleiben können. Warum diese Ausgründung?

U. Jörgensen: Wäre Wasserstoff nur ein weiteres Gas, das unter Druck industriell genutzt wird, wäre es wohl nicht zur Ausgründung gekommen. Es hat sich aber schnell gezeigt, dass die extrem schnelle Entwicklung in diesem Segment, die vielfältigen Möglichkeiten, die sich aus den unterschiedlichen Anwendungsfeldern ergeben und das enorme Potential nach einer Spezialisierung verlangen. Deshalb haben wir das gesamte Knowhow in einer Gesellschaft gebündelt und können so am Markt als Spezialist für Umsetzungslösungen agieren.

Gab es von Anfang an eine klare Strategie?

U. Jörgensen: Ja, die gab es. Wir sahen, dass es auf der einen Seite eine Vielzahl von Produzenten von einzelnen Komponenten am Markt gibt. Auf der anderen Seite gibt es sprichwörtlich Millionen von Ingenieurbüros mit dem Knowhow in der Anlagenplanung, aber keine entsprechenden fertigen Produkte, die einfach in Betrieb genommen werden können. Und genau dazwischen haben wir uns positioniert. Wir bringen die Komponenten zu einer Lösung zusammen, die schnell und fertig geliefert werden und nur noch vor Ort in sprichwörtlich ein paar Stunden in Betrieb genommen werden können. Wir liefern an Kunden das fertige Produkt, das sofort einsatzbereit ist. Uns war es auch wichtig, keine Anlaufverluste in Millionenhöhe zu haben, bis wir etwas entwickelt haben. Dank unseres Knowhows haben wir schnell die PS auf die Straße gebracht und gleich kleine Gewinne erwirtschaftet.

Jetzt wagen Sie den Gang an die Börse. Wozu brauchen Sie den Kapitalmarkt, wenn Sie keine Anlaufverluste haben?

U. Jörgensen: Die Nachfrage nach Wasserstoff steigt weltweit stetig weiter an.  Wir wollen in der Lage sein, schnell zu liefern und unser Angebot weiter ausbauen. Dafür benötigen wir Working Capital. Auch um die Komponenten auf Lager zu haben. Das ist kapitalintensiv. Wir haben letztes Jahr unsere Produktionskapazitäten von 200 auf 500 Anlagen pro Jahr ausgebaut. Um diesen Outputlevel zu bedienen, ist eine strukturierte Lagerhaltung notwendig. Da wir auch beim Zugang zum Kapitalmarkt schnell und effizient sein wollten, haben wir uns entschlossen, über die Umfirmierung des Börsenmantels der Marna Beteiligungen AG an die Börse zu gehen. Die entsprechende Hauptversammlung war erst vor kurzem. Nächste Schritte werden die Eintragung in das Handelsregister sein und eine kleine Kapitalrunde unter den Altaktionären.

Wie sieht derzeit die Aktionärsstruktur der H2 Core aus? Gibt es Commitments der Hauptaktionäre?

U. Jörgensen: Wichtigster Partner im operativen Geschäft ist die Enapter AG. Ihre AEM-Elektrolyseure sind der Kern unserer Anlagen. Schnell hat sich zwischen uns eine starke Allianz entwickelt, von der beide Seiten in ihrer internationalen Wachstumsstrategie profitieren. Enapter ist auch einer unserer Ankeraktionäre mit einem   Anteil von ungefähr 25 %. Auch der Gründer von Enapter, Sebastian Justus Schmidt, hat sich über seine Beteiligungsgesellschaft Blugreen an uns beteiligt.

Am Markt tummeln sich ja schon einige große Spieler und der Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur geht nicht so richtig vorwärts, bzw. ist in Deutschland sehr teuer und langwierig. Wie will sich da H2 Core positionieren?

U. Jörgensen: Als Systemintegrator sind wir technologieoffen und können für unsere Komponenten auf unterschiedliche Anbieter zurückgreifen. Wir sind im Wasserstoffmarkt so etwas wie das Schnellboot, das zügig auf neue Entwicklungen reagieren kann. Genau das ist unsere Chance. Großanlagen sind komplex, teuer und aufwendig in der Produktion. Da vergehen schon mal gut und gerne 5 bis 7 Jahre vom Planungsbeginn, der Genehmigung bis zur Inbetriebnahme. Wir agieren sehr schnell eine Ebene unter diesen Megawattanlagen und können auch diese bei Bedarf zügig umsetzen. Hier tut sich bereits einiges in Deutschland. So werden Genehmigungen für kleinere Anlagen massiv vereinfacht und dadurch beschleunigt.

Doch unser Blick ist global. Wir bieten eine dezentrale und autarke Wasserstoffinfrastruktur, die ohne ein Netz auskommt oder dieses stabilisiert. Die Potenziale sind enorm. Teure, verschmutzende und ineffiziente Dieselaggregate können wir dort ablösen, wo diese primäre Stromquelle sind. In Afrika, Asien und Indien laufen tagtäglich sprichwörtlich Millionen von diesen hoch ineffizienten Dreckschleudern. Aber auch bei uns wird Strom aus erneuerbaren Energiequellen für Milliarden von Euro jährlich einfach weggeworfen, weil er nicht gespeichert werden kann. Diesen Überschussstrom aus ihren eigenen Anlagen wollen viele Industrieunternehmen lieber selbst später nutzen als verpuffen zu lassen. Da kommen unsere Anlagen ins Spiel. Wir liefern genau das, was der globale Markt verlangt: Schnell umzusetzende und gut funktionierende Lösungen, die mit schwankenden Energiequellen wie Solaranlagen gut zurechtkommen.

Was sind denn die unterschiedlichen Produkte, die sie anbieten und Ihre Produktpartner?

U. Jörgensen: Das beginnt bei recht kleinen Kompaktanlagen, mit denen beispielsweise ein 2-Familienhaus mit Energie versorgt werden kann oder an Universitäten Wasserstoffanwendungen erforscht werden. Das sind dann Lösungen, die in 19 Zoll-Schränken verbaut sind und neben den Elektrolyseuren auch einen Trockner, Wassertank und Brennstoffzelle von Intelligent Energy beinhalten. Diese skalierbaren Cabinett-Lösungen gibt es auch für Outdooranwendungen, die unter allen klimatischen Bedingungen zuverlässig arbeiten. Wenn mehr Wasserstoff benötigt wird, koppeln wir mehrerer dieser Schränke.

Wenn es um größere industrielle Lösungen geht, verwenden wir die durch uns montierten AEM-Flex 120 oder im Megawattbereich den AEM Nexus von Enapter. Diese kombinieren wir dann beispielsweise mit Tanklösungen von Harnyss, die mit einer hoch innovativen Metall-Hydrid-Technologie arbeiten, oder auch einfachen Druckspeicherlösungen. Wichtig ist: Alle Lösungen sind skalierbar und modular aufgebaut. Unsere Kunden können klein starten und erste Erfahrungen sammeln. Wird mehr Wasserstoff benötigt, können unsere Systeme einfach ergänzt werden. Wir stellen dann eine Anlage daneben. Das geht schnell, ist effizient und risikofrei für den Kunden.

Welche Entwicklungen erwarten Sie in den kommenden Jahren für H2 Core?

U. Jörgensen: Der Markt entwickelt sich aktuell extrem schnell und dynamisch. Die Experten von Deloitte haben beispielsweise prognostiziert, dass die weltweiten Produktionskapazitäten für Elektrolyseure bis 2030 um mehr als das 25-fache auf über 200 GW pro Jahr steigen müssen, damit die Klimaneutralitätsziele für grünen Wasserstoff erreicht werden. Wir können schon jetzt fertige Maschinen zur Wasserstoffproduktion liefern. Bei der Umsetzung nutzen wir bereits lokale Partner vor Ort, wie beispielsweise in Thailand, USA, Kanada, Brasilien und Uruguay. Diese haben wir bereits enabelt, unsere Lösungen zu montieren und zu warten. In ein paar Jahren werden wir ein weltumspannendes Netz von Partnern haben, die wir beliefern und die für uns installieren, in Betrieb nehmen und auch warten.

Wir wollen der Möglichmacher für jede Wasserstoffanwendung sein. Bis dahin wollen wir auch standardisierte Großanlagen von 15 Megawatt und mehr liefern. Dank weiterer Eigenentwicklungen werden wir unseren technologischen Vorsprung ausgebaut haben. Am Finanzmarkt wird man H2 Core als verlässlichen Wasserstoffintegrator kennen, der hoch profitabel ist und die Dekarbonisierung der Energiewirtschaft voranbringt. Das ist unsere Vorstellung, an der wir arbeiten.

Herr Jörgensen, vielen Dank für das Interview.
Ulf Jörgensen | CEO und Gründer der H2 Core

Ulf Jörgensen, Jahrgang 1978, ist Vorstand, CEO und Gründer der H2 Core verantwortet im Unternehmen Strategie und technologische Entwicklung. Er verfügt über langjährige Erfahrung und umfangreiches Know-how in den Bereichen Elektro- und Fluidsystemtechnik sowie Automation. Vor der Gründung von H2 Core war Jörgensen bei der TC-Hydraulik Gruppe und Lufthansa Technik AG tätig.

Kurzinfo zum Unternehmen

Die H2 Core AG entwickelt, fertigt und wartet weltweit modular konfigurierbare Komplettanlagen zur Erzeugung, Speicherung und Nutzung von grünem Wasserstoff. Die Lösungen von H2 Core sind skalierbar und zukunftssicher ausgerichtet. Sie lassen sich je nach Bedarf an individuelle Kundenbedürfnisse anpassen sowie um technologische Neuerungen ergänzen. Damit leistet das Unternehmen einen erheblichen sofortigen Beitrag zu einer weltweit nachhaltigen und ressourcenschonenden Energieversorgung. H2 Core setzt auf eine intensive Zusammenarbeit in einem globalen Partnernetzwerk und ermöglicht so ein äußerst schnelles globales Roll-Out der wasserstoffbasierten Energiesysteme.

 

 

 

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