Delivery Hero hebt Prognose erneut an: Eine Milliarde Bestellungen und Uber-Übernahme im Fokus

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Delivery Hero wächst schneller als erwartet und hebt nach einem starken dritten Quartal 2026 erneut seine Jahresprognose an. Der Berliner Lieferdienstkonzern überschritt erstmals die Marke von einer Milliarde Bestellungen innerhalb eines Quartals, steigerte seinen Umsatz um mehr als 23 Prozent und profitiert zunehmend von Abonnementmodellen sowie dem boomenden Quick-Commerce-Geschäft. Für Aktionäre ist die operative Entwicklung allerdings nur ein Teil der Geschichte: Mit dem laufenden Übernahmeangebot von Uber zu 41,50 Euro je Aktie steht Delivery Hero vor einem grundlegenden Eigentümerwechsel.

Die Zahlen für das dritte Quartal zeigen, dass die Strategie, sich vom klassischen Essenslieferdienst zu einer umfassenden Plattform für alltägliche Einkäufe zu entwickeln, zunehmend Wirkung entfaltet. Gleichzeitig verbessert Delivery Hero seine Finanzierungsbedingungen und stellt für das Gesamtjahr einen höheren Free Cashflow in Aussicht. Allerdings bleiben mit der geplanten Uber-Übernahme und dem gescheiterten Verkauf des Taiwan-Geschäfts zwei wichtige Transaktionen im Blickpunkt der Anleger.

Umsatz und Bestellungen wachsen deutlich schneller

Delivery Hero erzielte im dritten Quartal 2026 einen Konzernumsatz von 4,35 Milliarden Euro, nach 3,53 Milliarden Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem berichteten Wachstum von 23,2 Prozent. Auf vergleichbarer, währungsbereinigter Basis lag der Anstieg bei 22,0 Prozent, nachdem das entsprechende Wachstum im Vorjahresquartal noch 19,5 Prozent betragen hatte.

Auch beim Bruttowarenwert, dem sogenannten Gross Merchandise Value (GMV), beschleunigte sich die Entwicklung. Der Wert sämtlicher über die Plattform vermittelten Waren und Dienstleistungen stieg von 12,18 auf 13,93 Milliarden Euro. Auf Like-for-Like-Basis erreichte Delivery Hero damit ein Wachstum von 13,6 Prozent, gegenüber 7,2 Prozent im Vorjahresquartal.

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung der Bestellzahlen. Mit insgesamt 1,001 Milliarden Bestellungen überschritt das Unternehmen erstmals die Schwelle von einer Milliarde Transaktionen innerhalb eines einzigen Quartals. Das Bestellwachstum beschleunigte sich auf vergleichbarer Basis auf 11,5 Prozent.

Damit zeigt sich, dass die höheren Umsätze nicht allein aus Preiseffekten oder einem höheren Warenkorbwert resultieren, sondern auch durch eine zunehmende Nutzung der Plattform getragen werden.

Abonnenten werden zum wichtigsten Wachstumstreiber

Ein wesentlicher Bestandteil der positiven Entwicklung ist die sogenannte Everyday-App-Strategie. Delivery Hero möchte seine Plattformen stärker im Alltag der Kunden verankern und neben Restaurantbestellungen zunehmend auch Lebensmittel, Drogerieartikel und andere Waren des täglichen Bedarfs anbieten.

Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigen insbesondere die Nutzungsdaten. Im dritten Quartal entfielen bereits 51 Prozent des gesamten Bruttowarenwerts auf Abonnenten, ein Anstieg um 13 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Damit wird inzwischen mehr als jeder zweite Euro des vermittelten Warenwerts von Kunden generiert, die ein Abonnementprogramm nutzen.

Auch die Bedeutung unterschiedlicher Produktkategorien nimmt zu. Kunden, die über die Plattform mehrere Kategorien nutzen, standen mittlerweile für 62 Prozent des GMV. Im Vorjahr hatte dieser Anteil noch sechs Prozentpunkte niedriger gelegen.

Für das Geschäftsmodell ist diese Entwicklung wichtig, weil eine höhere Bestellhäufigkeit und eine stärkere Kundenbindung die wirtschaftliche Effizienz der Plattform verbessern können. Je häufiger Kunden bestellen, desto besser lassen sich Marketingaufwendungen und vorhandene Lieferstrukturen auf eine größere Zahl von Transaktionen verteilen.

Allerdings muss Delivery Hero weiterhin darauf achten, dass zusätzliche Bestellungen nicht durch übermäßig hohe Rabatte oder andere Kundenanreize erkauft werden. Das Management betont deshalb, dass nachhaltige Profitabilität auf Ebene der einzelnen Märkte weiterhin eine zentrale Priorität bleibt.

Quick Commerce wächst um 39 Prozent

Besonders dynamisch entwickelt sich das Geschäft mit der schnellen Lieferung von Waren des täglichen Bedarfs. Im dritten Quartal beschleunigte sich das Wachstum des Quick-Commerce-GMV auf 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr, berechnet auf vergleichbarer Basis.

Der Anteil dieses Geschäfts am gesamten Bruttowarenwert erreichte inzwischen 19 Prozent und lag damit vier Prozentpunkte über dem Vorjahreswert.

Eine wichtige Rolle spielen dabei die sogenannten Dmarts. Hierbei handelt es sich um kleinere, strategisch gelegene Lagerstandorte, aus denen Kundenbestellungen innerhalb kurzer Zeit ausgeliefert werden können.

Delivery Hero eröffnete im bisherigen Jahresverlauf 2026 knapp 90 zusätzliche Dmarts und betreibt mittlerweile rund 900 Standorte. Das Segment Integrated Verticals, das im Wesentlichen diese Lageraktivitäten umfasst, erreichte im dritten Quartal ein Like-for-Like-Wachstum des Bruttowarenwerts von 40 Prozent.

Die Entwicklung verdeutlicht, dass Delivery Hero zunehmend über das klassische Restaurantgeschäft hinauswächst. Gerade im Quick Commerce könnte sich langfristig ein zusätzliches Umsatzpotenzial ergeben, wenn es gelingt, die vorhandenen Liefernetzwerke stärker auszulasten und die Kosten pro Bestellung weiter zu reduzieren.

Dabei ist allerdings zu beachten, dass das Segment Integrated Verticals mit einem eigenen operativen Modell arbeitet. Ein hohes Umsatzwachstum bedeutet deshalb nicht automatisch, dass sich die Profitabilität im gleichen Umfang verbessert.

Wachstum in allen Regionen – Amerika besonders dynamisch

Die positive Geschäftsentwicklung verteilt sich auf sämtliche Regionen, wobei sich die Wachstumstreiber teilweise unterscheiden.

In der Region MENA entwickelte sich insbesondere Saudi-Arabien stark. Das Land wurde gemessen an der Zahl der Bestellungen erstmals zum größten Markt von Delivery Hero innerhalb dieser Region. Der Bruttowarenwert in MENA erhöhte sich im dritten Quartal von 3,66 auf 4,43 Milliarden Euro.

In Asien profitierte das Unternehmen unter anderem von einem verbesserten Kundenerlebnis in Südkorea. Der GMV stieg dort auf regionaler Ebene von 5,21 auf 5,45 Milliarden Euro.

Auch Europa verzeichnete eine Beschleunigung, die vor allem durch wichtige Märkte der Tochtergesellschaft Glovo getragen wurde. Der europäische Bruttowarenwert erhöhte sich von 2,35 auf 2,59 Milliarden Euro.

Die dynamischste Entwicklung zeigte weiterhin die Region Americas. Hier stieg der GMV von 960,6 Millionen auf 1,47 Milliarden Euro. Besonders Quick Commerce und das Abonnementprogramm PedidosYa Plus erreichten nach Unternehmensangaben neue Höchstwerte bei der Marktdurchdringung.

Die regionale Entwicklung zeigt, dass Delivery Hero nicht ausschließlich von einzelnen Märkten abhängig ist. Gleichzeitig bleibt die operative Komplexität hoch, da sich Wettbewerbsbedingungen, Währungen und regulatorische Anforderungen zwischen den Regionen erheblich unterscheiden.

Delivery Hero hebt Jahresprognose erneut an

Angesichts des starken dritten Quartals erhöht der Vorstand seine Prognose für das Geschäftsjahr 2026 erneut. Bemerkenswert ist dabei, dass sämtliche vier zentralen Kennzahlen angehoben werden: GMV-Wachstum, Umsatzwachstum, bereinigtes EBITDA und Free Cashflow.

Kennzahl Neue Prognose 2026 Bisherige Prognose
GMV-Wachstum (LfL) 10–12 % 9–11 %
Umsatzwachstum (LfL) 18–20 % 17–19 %
Bereinigtes EBITDA 980 Mio. – 1,02 Mrd. € 960 Mio. – 1,00 Mrd. €
Free Cashflow Über 300 Mio. € Über 250 Mio. €

Besonders relevant ist die angehobene EBITDA-Prognose. Delivery Hero erwartet nun ein bereinigtes operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von bis zu 1,02 Milliarden Euro. Die Untergrenze steigt gleichzeitig auf 980 Millionen Euro.

Auch beim Free Cashflow wird das Management optimistischer. Statt mehr als 250 Millionen Euro sollen nun über 300 Millionen Euro erreicht werden.

Für Anleger ist diese Entwicklung ein wichtiges Signal, da Delivery Hero über viele Jahre hinweg stark in Wachstum und Marktanteile investiert hat. Die Fähigkeit, steigende Umsätze zunehmend in positive operative Ergebnisse und freie Liquidität umzuwandeln, ist deshalb ein zentraler Maßstab für die wirtschaftliche Entwicklung des Konzerns.

Zu berücksichtigen ist allerdings, dass die Free-Cashflow-Prognose außergewöhnliche Mittelzuflüsse aus Übernahmen und Verkäufen ebenso ausklammert wie bestimmte außergewöhnliche rechtliche Zahlungsabflüsse, insbesondere im Zusammenhang mit kartellrechtlichen und fahrerbezogenen Angelegenheiten.

Refinanzierung senkt jährliche Zinsbelastung um rund 20 Millionen Dollar

Neben dem operativen Wachstum verbessert Delivery Hero auch seine Finanzierungsstruktur.

Am 10. September 2026 schloss das Unternehmen eine Anpassung der Konditionen seines im Dezember 2029 fälligen Term Loan B über 1,332 Milliarden US-Dollar ab.

Durch die Reduzierung der Zinsmarge um 150 Basispunkte sollen die jährlichen Zinsaufwendungen künftig um rund 20 Millionen US-Dollar sinken.

Für einen Konzern, der seine Profitabilität und Cashflow-Generierung nachhaltig verbessern möchte, ist diese Entlastung relevant. Niedrigere Finanzierungskosten können dazu beitragen, dass ein größerer Teil der erwirtschafteten Mittel im Unternehmen verbleibt.

Zum Ende des dritten Quartals verfügte Delivery Hero über einen Barmittelbestand von 2,6 Milliarden Euro. Darin sind auch Zahlungsmittel in Höhe von 439,7 Millionen Euro enthalten, die einer als zur Veräußerung gehalten klassifizierten Veräußerungsgruppe zugeordnet sind.

Damit bleibt die Liquiditätsposition solide, auch wenn die wirtschaftliche Verfügbarkeit einzelner Mittel im Zusammenhang mit geplanten Transaktionen differenziert betrachtet werden muss.

Uber-Übernahme zu 41,50 Euro: Was bedeutet das für Aktionäre?

Während Delivery Hero operativ wächst, steht für die Aktionäre derzeit eine andere Entwicklung im Mittelpunkt: das freiwillige öffentliche Übernahmeangebot von Uber.

Der US-Konzern bietet 41,50 Euro in bar je Delivery-Hero-Aktie. Die Annahmefrist läuft nach den veröffentlichten Angaben noch bis zum 5. November 2026.

Bis zum tatsächlichen Abschluss der Transaktion werden Delivery Hero und Uber weiterhin unabhängig voneinander operieren. Der Vollzug wird für die zweite Jahreshälfte 2027 erwartet und steht unter verschiedenen Bedingungen, insbesondere den erforderlichen regulatorischen Genehmigungen.

Für Anleger ist damit wichtig, zwischen dem laufenden Übernahmeangebot und einem bereits abgeschlossenen Zusammenschluss zu unterscheiden. Die Transaktion ist noch nicht vollzogen, und bis zur endgültigen Umsetzung bestehen weiterhin Unsicherheiten.

Die operative Entwicklung von Delivery Hero kann für die fundamentale Einschätzung des Unternehmens durchaus relevant sein. Kurzfristig dürfte die Aktie allerdings auch stark durch den Angebotspreis von Uber und die Erwartungen hinsichtlich eines erfolgreichen Transaktionsabschlusses beeinflusst werden.

Rückschlag in Taiwan: Verkauf an Grab erhält keine Genehmigung

Eine weitere wichtige Nachricht betrifft das Taiwan-Geschäft von Delivery Hero.

Am 21. Oktober 2026 bestätigte das Unternehmen, dass die taiwanische Wettbewerbsbehörde die Genehmigung für den geplanten Verkauf von foodpanda Taiwan an Grab verweigert hat.

Damit kann die Transaktion in der vorgesehenen Form zunächst nicht umgesetzt werden.

Delivery Hero verweist darauf, dass entsprechende Transaktionsschutzmaßnahmen vereinbart wurden, darunter eine sogenannte Break Fee. Dabei handelt es sich um eine vertraglich geregelte Ausgleichszahlung, die unter bestimmten Voraussetzungen bei einem Scheitern einer Transaktion fällig werden kann.

Konkrete Angaben zur Höhe oder zu einer bereits entstandenen Zahlungspflicht enthält das aktuelle Trading Update nicht.

Operativ soll foodpanda Taiwan unverändert weitergeführt werden. Das Unternehmen bezeichnet die Geschäftsentwicklung dort weiterhin als stark.

Für Delivery Hero bedeutet die Entscheidung allerdings, dass eine geplante Portfoliomaßnahme vorerst nicht wie vorgesehen umgesetzt werden kann. Welche finanziellen Auswirkungen daraus entstehen, bleibt abzuwarten.

Einordnung für Anleger: Starke operative Entwicklung trifft auf Übernahmefantasie

Die Zahlen des dritten Quartals zeigen, dass Delivery Hero bei der Weiterentwicklung seines Geschäftsmodells deutliche Fortschritte macht. Das Unternehmen wächst nicht nur bei Umsatz und Bestellungen, sondern verbessert gleichzeitig seine Prognose für Profitabilität und Free Cashflow.

Besonders positiv ist die zunehmende Bedeutung der Abonnementprogramme, die inzwischen mehr als die Hälfte des Bruttowarenwerts generieren. Auch Quick Commerce entwickelt sich mit einem Wachstum von 39 Prozent zu einem immer wichtigeren Bestandteil des Geschäfts.

Gleichzeitig sollte das starke Umsatzwachstum nicht mit einem entsprechend hohen Gewinnwachstum gleichgesetzt werden. Die veröffentlichten Quartalszahlen enthalten noch keine vollständige Ergebnisrechnung für das dritte Quartal. Die verbesserte EBITDA- und Cashflow-Erwartung ist daher ein positives Signal des Managements, ersetzt aber keine detaillierte Analyse der tatsächlichen Ergebnisentwicklung.

Für Aktionäre kommt hinzu, dass die geplante Übernahme durch Uber derzeit einen wesentlichen Einfluss auf die Bewertung der Delivery-Hero-Aktie haben dürfte.

Mit einem Angebotspreis von 41,50 Euro je Aktie steht ein konkreter Referenzwert im Raum. Ob die Transaktion tatsächlich abgeschlossen wird, hängt jedoch weiterhin von regulatorischen und weiteren Vollzugsbedingungen ab.

Fazit: Delivery Hero gewinnt operativ an Stärke – Uber bleibt der entscheidende Faktor

Delivery Hero hat im dritten Quartal 2026 mehrere wichtige Meilensteine erreicht. Erstmals wurden mehr als eine Milliarde Bestellungen innerhalb eines Quartals abgewickelt, der Umsatz stieg auf 4,35 Milliarden Euro und das Wachstum des Bruttowarenwerts beschleunigte sich deutlich.

Die Everyday-App-Strategie zeigt Wirkung, insbesondere durch die zunehmende Nutzung von Abonnementprogrammen und das starke Wachstum im Quick Commerce. Gleichzeitig hebt der Vorstand seine Jahresprognose erneut an und erwartet nun ein bereinigtes EBITDA von bis zu 1,02 Milliarden Euro sowie einen Free Cashflow von mehr als 300 Millionen Euro.

Für die weitere Entwicklung bleiben allerdings mehrere Faktoren entscheidend. Dazu gehören die nachhaltige Profitabilität der einzelnen Märkte, die wirtschaftliche Entwicklung des Quick-Commerce-Geschäfts und der Umgang mit dem gescheiterten Verkauf von foodpanda Taiwan.

Für die Delivery-Hero-Aktie steht derzeit jedoch vor allem das Übernahmeangebot von Uber im Mittelpunkt. Die verbesserten operativen Zahlen stärken die fundamentale Ausgangslage des Unternehmens, während der angekündigte Kaufpreis von 41,50 Euro und die noch ausstehenden Genehmigungen den weiteren Verlauf der Übernahme bestimmen werden.

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