Aurubis liefert im laufenden Geschäftsjahr eindrucksvoll ab. Der Kupfer- und Multimetallkonzern hat sein operatives Ergebnis in den ersten neun Monaten um 31 Prozent gesteigert und profitiert dabei gleich von mehreren Faktoren: höhere Edelmetallpreise, ein boomendes Recyclinggeschäft und eine hohe Auslastung der Hütten.
Besonders bemerkenswert: Während viele Industrieunternehmen unter dem schwierigen Konjunkturumfeld leiden, sieht Aurubis seine Strategie bestätigt und peilt inzwischen das obere Ende der Jahresprognose an. Gleichzeitig gehen milliardenschwere Zukunftsprojekte Schritt für Schritt in Betrieb.
Operatives Ergebnis steigt um 31 Prozent
Aurubis erzielte in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 ein operatives Ergebnis vor Steuern (EBT) von 374 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 286 Millionen Euro.
Das operative EBITDA verbesserte sich ebenfalls deutlich und stieg von 462 Millionen Euro auf 570 Millionen Euro.
Allein im dritten Quartal erwirtschaftete der Konzern ein operatives EBT von 149 Millionen Euro. Damit wurde nicht nur der Vorjahreswert von 57 Millionen Euro klar übertroffen, sondern auch das bereits starke zweite Quartal mit 121 Millionen Euro.
Die Zahlen zeigen eine spürbare Beschleunigung der operativen Entwicklung im Jahresverlauf.
Edelmetalle, Schwefelsäure und Recycling treiben das Wachstum
Mehrere Faktoren sorgten für den deutlichen Ergebnissprung.
Besonders positiv wirkten die gestiegenen Preise für Edelmetalle, die das Metallergebnis deutlich verbesserten. Hinzu kamen höhere Erlöse aus dem Verkauf von Schwefelsäure sowie leicht steigende Einnahmen aus der Verarbeitung von Recyclingmaterialien.
Auch der Absatz von Kupferprodukten entwickelte sich positiv.
Im Vergleich zum Vorjahr profitierte Aurubis zusätzlich davon, dass der geplante Großstillstand am bulgarischen Standort, der das Ergebnis im Vorjahreszeitraum belastet hatte, nicht mehr anfiel.
Die Entwicklung unterstreicht die Stärke des Geschäftsmodells. Aurubis verdient längst nicht mehr ausschließlich am Kupferpreis, sondern zunehmend an der effizienten Rückgewinnung zahlreicher Metalle und Nebenprodukte.
Recycling wird immer wichtiger
Besonders dynamisch entwickelte sich das Segment Multimetal Recycling.
Das operative EBT stieg dort von 36 Millionen Euro auf 87 Millionen Euro und hat sich damit mehr als verdoppelt.
Auch das Segment Custom Smelting & Products entwickelte sich positiv. Hier erhöhte sich das operative EBT von 342 Millionen Euro auf 355 Millionen Euro.
Damit trugen beide Geschäftsbereiche zum Ergebnisanstieg bei. Auffällig ist jedoch die deutlich stärkere Dynamik im Recyclingsegment.
Für Anleger ist das ein wichtiger Trend. Recycling gewinnt angesichts knapper werdender Rohstoffe, steigender Nachhaltigkeitsanforderungen und wachsender Nachfrage nach kritischen Metallen zunehmend an Bedeutung.
Aurubis positioniert sich hier als einer der weltweit führenden Anbieter im Multimetall-Recycling.
1,7-Milliarden-Euro-Programm steht kurz vor dem Abschluss
Auch strategisch kommt Aurubis schneller voran als geplant.
Nach Unternehmensangaben sind inzwischen rund 90 Prozent des insgesamt 1,7 Milliarden Euro schweren Investitionsprogramms umgesetzt.
Ein wichtiger Meilenstein wurde im Juli mit der Inbetriebnahme der neuen Complex Recycling Hamburg erreicht. In die Anlage investierte Aurubis rund 190 Millionen Euro.
Sie soll die Materialflüsse am Standort deutlich verbessern und nach vollständigem Hochlauf einen erheblichen finanziellen Beitrag leisten.
Damit baut Aurubis seine Position im hochwertigen Recycling weiter aus und erhöht gleichzeitig die Effizienz der bestehenden Werke.
USA und Bulgarien als nächste Wachstumstreiber
Parallel schreitet auch der Aufbau der neuen Recyclingaktivitäten in den USA voran.
Am Standort Aurubis Richmond befindet sich die erste US-Sekundärhütte für Multimetall-Recycling weiterhin im Hochlauf. Die erste Ausbaustufe benötigt zwar mehr Zeit als ursprünglich geplant, gleichzeitig startet bereits die Inbetriebnahme der zweiten Phase.
Nach aktueller Planung soll Phase 1 im Geschäftsjahr 2026/27 abgeschlossen werden, Phase 2 folgt im Geschäftsjahr 2027/28.
Trotz der zeitlichen Verschiebung bleibt das Projekt strategisch von großer Bedeutung. Aurubis erschließt sich damit den nordamerikanischen Recyclingmarkt und schafft die Grundlage für weiteres Wachstum entlang der metallurgischen Wertschöpfungskette.
Auch in Bulgarien nähert sich ein Großprojekt der Fertigstellung. Dort wird die Kapazität der Kupfer-Elektrolyse um 50 Prozent auf 340.000 Tonnen raffiniertes Kupfer erweitert.
Die schrittweise Inbetriebnahme verläuft nach Angaben des Unternehmens planmäßig.
Cashflow vorübergehend belastet
Weniger überzeugend entwickelte sich dagegen der Netto-Cashflow.
Nach neun Monaten lag dieser bei minus 28 Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein positiver Wert von 357 Millionen Euro erzielt worden war.
Grund hierfür ist allerdings keine operative Schwäche.
Im Zuge der Inbetriebnahme der erweiterten Kupfer-Elektrolyse in Bulgarien musste Aurubis zeitweise größere Mengen an Zwischenprodukten bevorraten. Dadurch wurde zusätzliches Kapital im Working Capital gebunden.
Das Unternehmen verweist ausdrücklich darauf, dass diese Effekte temporär seien und sich im weiteren Verlauf des Geschäftsjahres wieder ausgleichen sollen.
Kapitalrendite verbessert sich
Die operative Kapitalrendite entwickelt sich ebenfalls positiv.
Der operative ROCE stieg auf 9,4 Prozent nach 9,1 Prozent im Vorjahr und 8,1 Prozent zum Ende des zweiten Quartals.
Die höhere Profitabilität macht sich damit zunehmend auch bei der Verzinsung des eingesetzten Kapitals bemerkbar.
Mit Blick auf die Jahresziele erwartet Aurubis für das Gesamtjahr sogar einen operativen ROCE zwischen 10 und 12 Prozent.
Prognose bestätigt – Ergebnis am oberen Ende erwartet
Aurubis bestätigt den Ausblick für das Geschäftsjahr 2025/26.
Das Unternehmen rechnet weiterhin mit einem operativen EBT zwischen 425 und 525 Millionen Euro.
Bemerkenswert ist jedoch die neue Einschätzung des Managements: Nach aktuellem Stand erwartet Aurubis, das obere Ende dieser Prognosespanne zu erreichen.
Nach einem operativen EBT von bereits 374 Millionen Euro nach neun Monaten erscheint dieses Ziel durchaus realistisch.
Voraussetzung bleibt allerdings, dass sich Metallpreise, Produktionsauslastung und Recyclinggeschäft im Schlussquartal weiterhin stabil entwickeln.
Einordnung für Anleger
Aurubis liefert eines der stärksten Quartale der vergangenen Jahre. Das Unternehmen profitiert gleichzeitig von hohen Edelmetallpreisen, einem boomenden Recyclinggeschäft und einer hohen Auslastung seiner Hütten.
Besonders überzeugend ist, dass das Wachstum nicht nur vom klassischen Kupfergeschäft getragen wird. Das Recyclingsegment entwickelt sich immer stärker zu einem eigenständigen Ergebnistreiber und dürfte mit den neuen Anlagen in Hamburg und den USA zusätzlich an Bedeutung gewinnen.
Der negative Cashflow wirkt auf den ersten Blick belastend, erscheint nach Unternehmensangaben jedoch überwiegend investitions- und hochlaufbedingt. Entscheidend wird sein, dass sich diese temporären Belastungen mit Abschluss der Großprojekte wieder zurückbilden.
Mit rund 90 Prozent umgesetzter Investitionsagenda nähert sich Aurubis einer Phase, in der milliardenschwere Investitionen zunehmend in zusätzliche Erträge umgewandelt werden könnten. Gelingt dies wie geplant, dürfte der Konzern seine Position als einer der weltweit führenden Multimetall- und Recyclingkonzerne weiter ausbauen.














