Carl Zeiss Meditec ist mit einem spürbaren Dämpfer ins neue Geschäftsjahr 2025/26 gestartet. In den ersten drei Monaten bis zum 31. Dezember 2025 sank der vorläufige Umsatz von 490 Mio. € auf 467 Mio. €. Auf den ersten Blick kein Drama – doch beim operativen Ergebnis wird die Schwäche deutlich sichtbarer:
Das EBITA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte aus Kaufpreisallokationen) fiel von 35 Mio. € im Vorjahr auf nur noch 8 Mio. €. Für einen Premium-Anbieter in der Augenheilkunde ist das ein sehr schwacher Wert – und ein deutliches Signal, dass mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig durchschlagen.
Das Management verweist auf negative Währungseffekte als Haupttreiber des Umsatzrückgangs. Doch das erklärt die Ergebniseintrübung nur teilweise – der Rest ist handfestes operatives Gegenwind-Szenario.
Nachholeffekte, China-Schock und Amerika-Schwäche – der Cocktail im Q1
Die verhaltene Entwicklung im ersten Quartal ist kein Zufall, sondern das Ergebnis mehrerer ineinandergreifender Effekte.
Zum einen hatte Carl Zeiss Meditec im Schlussquartal des vorangegangenen Geschäftsjahres 2024/25 außergewöhnlich starke Geräteauslieferungen – ein klassischer „Pull-forward-Effekt“. Was dort vorgezogen wurde, fehlt nun im neuen Jahr. Der Start in 2025/26 war entsprechend schwächer, weil die Vergleichsbasis unkomfortabel hoch ist.
Zum anderen belastet vor allem China:
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Bei einer bifokalen Intraokularlinse (IOL) kam es zu Umsatzverlusten. Grund ist die Rücknahme aus einem volumenbasierten Tenderverfahren – ein Thema, das das Unternehmen bereits im Rahmen der Analystenkonferenz am 11. Dezember 2025 adressiert hatte.
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Hinzu kommt die Kalenderverschiebung der Wintersaison für refraktive Behandlungen rund um das chinesische Neujahrsfest. Kurz gesagt: Die „Laser-Saison“ hat sich nach hinten verschoben.
Der Blick nach vorne macht die Lage nicht entspannter: Das bevorstehende neue landesweite volumenbasierte Tenderverfahren für das IOL-Geschäft in China dürfte den Preisdruck weiter massiv erhöhen, zumal der lokale Wettbewerb anzieht. Für ein Premiumhaus wie Carl Zeiss Meditec bedeutet das: Margenrisiko statt Fantasie.
Auch die Region Americas zeigt sich angeschlagen. Ein zunehmend schwächeres Investitionsumfeld, befeuert durch gestiegene geopolitische Unsicherheiten, bremst die Investitionsbereitschaft von Kliniken und Praxen. Gerade Großgeräte werden damit zur Verschiebungsmasse in den Budgets.
Prognose wackelt: Umsatz- und Margenziele wohl nicht zu halten
Angesichts dieser Gemengelage überrascht es kaum, dass das Management die bisherige Prognose für das Geschäftsjahr 2025/26 nicht mehr für erreichbar hält. Bisher war ein Umsatzanstieg auf rund 2,3 Mrd. € und eine EBITA-Marge von 12,5 % in Aussicht gestellt worden.
Diese Ziele stehen nun explizit zur Überprüfung. Die Liste offener Variablen ist lang:
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Ausgang des Neuzulassungsverfahrens für eine bifokale IOL,
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Ergebnis des neuen volumenbasierten China-Tenders,
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Verlauf der Wintersaison für refraktive Behandlungen in China,
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sowie der weitere Verlauf der geopolitischen und regulatorischen Rahmenbedingungen.
Spätestens im Rahmen der 6-Monats-Zahlen am 12. Mai 2026 will das Unternehmen ein Update vorlegen – inklusive weiterer Reorganisations- und Kostensenkungsmaßnahmen sowie einer präzisierten Jahresprognose. Anders gesagt: Anleger müssen sich darauf einstellen, dass es nicht nur bei einem Zahlendämpfer bleibt, sondern strukturelle Anpassungen folgen.
Was heißt das für Anleger? Qualitätstitel mit erhöhtem China-Risiko
Carl Zeiss Meditec gilt seit Jahren als Qualitätswert im Medtech-Sektor: starke Marke, führende Position in der Ophthalmologie, strukturell wachsender Markt (demografischer Wandel, steigende Sehkorrekturbedarfe).
Der aktuelle Zahlenauftakt zeigt aber deutlich, dass selbst Premiumanbieter nicht immun gegen Währungs-, Tender- und Geopolitikrisiken sind. Besonders China entwickelt sich zunehmend zum zweischneidigen Schwert: einerseits Wachstumsmarkt, andererseits Tenderdruck, Preiserosion und starker lokaler Wettbewerb.
Die entscheidenden Fragen für Investoren lauten daher:
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Wie stark wird die neue Tenderrunde in China die Preise und Margen bei Intraokularlinsen drücken?
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Gelingt es, mit einer neuen IOL und einem breiteren Produktmix die Belastung teilweise zu kompensieren?
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Kann die Refraktivnachfrage in China nach der Kalenderverschiebung wieder anziehen – oder bleibt sie hinter den Erwartungen zurück?
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Und: In welchem Tempo und Umfang gelingt es, über Reorganisation und Kostensenkungen die operative Marge wieder Richtung zweistelliger Werte zu bewegen?
Die jetzt kommunizierten Q1-Zahlen sind klar ein Warnsignal – aber noch keine strukturelle Demontage der Investmentstory. Kurzfristig dürfte die Aktie jedoch sensibel auf jede Andeutung reagieren, wie tief die Prognoseanpassung ausfallen wird.
Bis zum 12. Mai 2026 bleibt Carl Zeiss Meditec damit ein klassischer „Show-me“-Case: Die Story Augenheilkunde bleibt intakt, aber das Unternehmen muss erst beweisen, dass es das Zusammenspiel aus China-Risiken, Währungseffekten und globaler Unsicherheit wieder unter Kontrolle bekommt – und die Margen nicht dauerhaft im einstelligen Bereich stecken bleiben.













