Abo Wind AG: „…größte Wertschöpfung liegt in der Projektierung und Errichtung der Energieparks“, Alexander Koffka im Gespräch..

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Die ABO Wind AG ist ein Projektentwicklungsunternehmen für Anlagen der Energieversorgung aus erneuerbaren Energiequellen
ABO Wind AG ist klar positioniert: Projektieren und Errichten von Wind-, Solarparks und Wasserstoffprojekte. Kein Bestandsgeschäft, wie bei anderen, keine 50:50 Aufteilung, nein: finden, planen, möglicherweise errichten und dann verkaufen – mit potentieller Managementvereinbarung.  Es gehe hier um die „grösste Wertschöpfung“ in der Kette. Wie sich da die ABO Wind AG positioniert hat erfahren Sie vom Mitglied der Geschäftsführung der ABO Wind AG (ISIN: DE0005760029), Herrn Alexander Koffka,der sich unseren Fragen stellte:

ABO Wind AG hat bisher Projekte von rund 3,7 GW im Bereich erneuerbare Energien geplant und errichtet. Hierbei sind Sie weltweit aktiv. Wie sieht die derzeitige Struktur ihrer Projektpipeline aus? Regional und aufgeteilt auf die drei Segmente Solar, Wind und Batterie-/Wasserstoffprojekte?

Koffka: 3,8 Gigawatt haben wir projektiert und veräußert, die Hälfte davon auch errichtet. Die andere Hälfte haben wir bereits im Planungsstadium veräußert. Zum Teil hat der Käufer die Errichtung dann selbst übernommen. Zum Teil unterstützen wir die Käufer weiterhin bei der noch laufenden Umsetzung der Projekte.

Darüber hinaus arbeiten wir an rund 17 Gigawatt Erneuerbaren-Energie-Projekten. Davon entfallen ungefähr 60 Prozent auf Windkraft, 35 Prozent auf Solar und fünf Prozent auf Speicher (Batterie und Wasserstoff).

Bei der regionalen Verteilung liegt Europa vorne, gefolgt von Afrika, Süd- und Nordamerika. Bislang erwirtschaften wir mehr als 90 Prozent unserer Umsätze in Europa. Wenn man auf die Gigawattzahlen der Projekte schaut, wächst die Bedeutung der außereuropäischen Märkte. In Südafrika, Argentinien oder Kanada sind aufgrund der räumlichen Verhältnisse sehr viel größere Wind- und Solarparks üblich als in den meisten europäischen Ländern. Eine Ausnahme in unserem Portfolio ist Finnland, wo wir ebenfalls an sehr großen Einzelprojekten mit mehreren hundert Megawatt Leistung arbeiten. Der Wert unserer Planungsleistung je Megawatt ist in Europa in der Regel sehr viel höher als in den anderen Regionen. Die geplante elektrische Leistung ergibt kein vollständiges Bild.

Wie kam es zu dieser Aufteilung? Nutzen von Gelegenheiten oder auch eine Strategie? Erwarten Sie Änderungen in der Struktur für die nächsten Jahre?

Koffka: Wir haben 1996 als reines Windkraftunternehmen begonnen. Nach 20 erfolgreichen Jahren als Windkraftprojektierer sind wir in die Projektierung und Errichtung von Freiflächen-Photovoltaik eingestiegen. Vorangegangen war eine rasante technologische Entwicklung bei der Photovoltaik, die die Stromgestehungskosten in wenigen Jahren um mehr als 80 Prozent senkte. Damit wurde diese Technologie wettbewerbsfähig, und wir haben unser Geschäftsmodell darauf ausgerichtet.

Zeitgleich mit der strategischen Erweiterung unseres Kerngeschäfts um Photovoltaik haben wir vor etwa sechs Jahren auch unseren regionalen Fokus erweitert. Innerhalb kurzer Zeit haben wir die Zahl der Länder, in denen wir Projekte entwickeln, verdoppelt. Damals zeichnete sich eine deutliche Veränderung des Windkraftmarktes in Deutschland ab, in dem wir bis dato mehr als zwei Drittel unserer Umsätze erzielten.  Diese starke Abhängigkeit von einem Markt und einer Technologie schien uns im Angesicht der sich abzeichnenden Umstellung auf Ausschreibungsverfahren bei der Bestimmung der Stromtarife riskant.

Mittlerweile sind Windkraft und Solar für uns gleichermaßen interessant. Projekte, die wir neu beginnen, nutzen je zur Hälfte die eine oder die andere Energie. Bei der Projektierung von Speichern zählt ABO Wind zu den Vorreitern. Hier sehen wir großes Potenzial, um zum Beispiel mit Hybridkraftwerken erneuerbare Energien und Speicher zu kombinieren. Solche Projekte werden noch stark an Bedeutung gewinnen.

ABO Wind wird sich weiter dynamisch verändern. In Kanada haben wir mit einem guten Team die ersten Projekte so weit entwickelt, dass sie sich kommerziell verwerten lassen. Von dieser Basis aus wollen wir nun auch in einzelnen US-amerikanischen Staaten in die Projektentwicklung einsteigen.

Noch einmal auf das Thema Wasserstoff zurückkommend. Wie sind Sie “in dieses Thema” gekommen? Gab es konkrete Projektnachfragen oder hatten Sie im Vorfeld einen Bedarf identifiziert?

Koffka: Was muss sich verändern, um eine klimaverträgliche, zukunftsfähige Energieversorgung zu sichern? Und welchen Beitrag können wir als mittelständisches Unternehmen mit unserer Expertise und Erfahrung dazu leisten? Das sind die beiden Fragen, an denen wir uns bei der Entwicklung unserer Geschäftsfelder orientieren.

Die Stromproduktion aus Sonne und Wind unterliegt natürlichen Schwankungen, die nicht mit dem Strombedarf korrelieren. Solange Wind- und Solarparks weniger als die Hälfte des Strombedarfs decken, lassen sich diese Schwankungen ganz gut über ein weiträumiges Stromnetz ausgleichen. Denn die Sonne- und Windverhältnisse sind ja nicht überall gleich. Flexibel steuerbare Gaskraftwerke tragen auch dazu bei, Schwankungen auszugleichen. Je weiter wir uns einer vollständig auf erneuerbar Energien ausgerichteten Versorgung nähern, um so wichtiger werden Speicher. Das haben wir frühzeitig als Geschäftsfeld für uns identifiziert und Expertise aufgebaut. Für ABO Wind sind vor allem Batterien und Wasserstoff relevant.

Kleinere Batterieprojekte haben wir bereits umgesetzt. Eine erste große 50 Megawatt-Batterie bringen wir gerade in Nordirland ans Netz. Unsere Wasserstoffprojekte befinden sich noch in früherem Planungsstadium. Die erste Errichtung eines kleineren Wasserstoffprojekts in Deutschland erwarten wir 2023. International wollen wir uns auch an sehr großen Wasserstoffprojekte beteiligen. Und zwar im Wesentlichen, indem wir die Erzeugung des benötigten Stroms aus Wind- und Solarparks beisteuern.  Da können wir einen bedeutenden Beitrag leisten und bringen uns daher aktiv in entsprechende Vorhaben weltweit ein. Argentinien beispielsweise verfügt über unbesiedelte und sehr windreiche Regionen. In Patagonien etwa wird Windkraft bislang kaum genutzt, weil kein leistungsfähiger Anschluss ans Stromnetz existiert. Solche Flächen sind gut geeignet, um Windstrom vor Ort zur Wasserstoffproduktion zu nutzen.

Der Export von Wasserstoff wiederum könnte dazu beitragen, Argentinien wirtschaftlich zu stärken. ABO Wind engagiert sich seit 16 Jahren als Windkraftprojektierer in Argentinien.  Wir könnten einen schönen Beitrag zum Aufbau einer Wasserstoffproduktion aus grünem Strom leisten.

Wie sehen Sie die Zukunft von Wasserstoff als Energieträger einer decarboniserten Wirtschaft? Mit welchen Herstellern arbeiten Sie in diesem Bereich zusammen?

Koffka: Der erste Schritt ist ein deutlicher Ausbau von Wind- und Solarparks. Wenn wir mehr grünen Strom produzieren als wir benötigen, ist die Wasserstoffproduktion ein hervorragendes Mittel, um auch industrielle Prozesse und den Schwerlastverkehr zu dekarbonisieren. Allerdings wird es in dichtbesiedelten und hochindustrialisierten Ländern wie Deutschland kaum möglich sein, genug erneuerbaren Strom für diese große Mengen Wasserstoff zu produzieren. Hier bedarf es der Kooperation mit Ländern, die über große freie Flächen und gute Wind- und Sonnenverhältnisse verfügen.

Trotzdem arbeitet ABO Wind auch in Deutschland an kleineren Wasserstoffprojekten. Prinzipiell achten wir darauf, uns nicht von Zulieferern abhängig zu machen und arbeiten mit möglichst vielen zusammen. Da noch kein Wasserstoff-Projekt in der Umsetzungsphase ist, haben wir auch noch keinen Hersteller beauftragt.

Die ABO Wind ist ein Allroundanbieter: Vom Standortidentifizieren über Projektentwickler bis hin zum Servicedienstleister für fertiggestellte Anlagen. Welche Gründe sprechen nach Ihrer Meinung für dieses Geschäftsmodell? Andere mischen ja zwischen Projektierer und Bestandshalter von Anlagen oder konzentrieren sich nur auf den Aufbau eines eigenen Bestands.

Koffka: Die größte Wertschöpfung liegt in der Projektierung und Errichtung der Energieparks. Das sind unsere Kerngeschäftsfelder. Kapital durch den Aufbau eines Eigenbestands zu binden, erscheint uns weniger interessant. Wir investieren unsere Mittel lieber in die Entwicklung möglichst vieler neuer Projekte. Damit setzen wir unsere Expertise optimal ein und leisten den größtmöglichen Beitrag zur Beschleunigung der Energiewende und zum unternehmerischen Erfolg.

Dienstleistungen wie kaufmännische und technische Betriebsführung, Wartungen oder Gutachten in der operativen Phase der Wind- und Solarparks ergänzen unser Kerngeschäft optimal.

Die zunehmende Nachfrage nach erneuerbaren Energien Projekten scheint sich immer mehr zu beschleunigen. Wachsen Sie mit dem Markt oder vielleicht sogar schneller?

Koffka: Wir sind eher noch schneller als der Markt gewachsen, weil wir aus strategischen Gründen regional und technologisch diversifiziert haben. Als ich vor 14 Jahren bei ABO Wind anfing, zählten wir gut 100 Kolleg*innen. In diesem Jahr werden wir die 1.000er Schwelle überschreiten.

Welcher regionale Markt scheint Ihnen derzeit am interessantesten?

Koffka: Wir sind weltweit in 16 Ländern tätig. Interessant ist die Projektierung Erneuerbarer-Energie-Parks in allen diesen Ländern. Unserer Tochtergesellschaften in Finnland, Frankreich oder Spanien leisten bereits seit längerem stetige Beiträge zum Unternehmenserfolg. Länder wie Südafrika oder Argentinien haben großes Potenzial für uns. Hier hängt die Entwicklung aber auch stark von künftigen politischen Entscheidungen ab. Besonders gespannt bin ich auch wie es in Deutschland, unserem nach wie vor mit Abstand wichtigstem Markt, weitergeht. Unter der großen Koalition war der Ausbau der Windkraft von 2017 bis 2019 um 80 Prozent eingebrochen. Danach hat sich die Situation zwar leicht gebessert. Doch um die Klimaziele zu erreichen, muss Deutschland kurzfristig sehr viel mehr Wind- und Solarparks ans Netz bringen als in den vergangenen Jahren. Die Ampel-Koalition will nun den Hebel umlegen, die Genehmigungshindernisse beseitigen und die Energiewende wieder in Schwung bringen.

Auf dem Weg dahin sind unter anderem erhebliche Konflikte mit dem Natur- und Artenschutz zu lösen. Aber auch Denkmalschutz, Flugsicherung, Wetterradar oder Militär verhindern immer wieder das Windparks genehmigt und gebaut werden. Wenn es der neuen Bundesregierung gelingt, ihre ambitionierten Klimaschutzziele umzusetzen, hätte das Signalwirkung auch für andere Länder.

Wie ist die Preisentwicklung für “Anlagen”? Wo liegt die Schmerzgrenze an Gesamtkosten je MW-Erzeugungskapazität für Ihre Kunden?

Koffka: Rohstoffpreise und Transportkosten sind 2021 deutlich gestiegen. Das hat den in den drei Jahren zuvor erzielten Rückgang der Gestehungskosten für Wind- und Solarstrom aufgezehrt. Allerdings sind die Kosten für Strom aus fossilen Kraftwerken im vergangenen Jahr noch stärker gestiegen. Erneuerbare Energien haben ihren Wettbewerbsvorteil als günstigste Kraftwerksoption daher trotz der Kostensteigerungen eher noch weiter ausgebaut. Angesichts der hohen Strompreise weltweit sind Wind- und Solarparks wirtschaftlicher denn je. Eine fixe Preisgrenze je Megawatt Leistung haben unsere Kunden nicht. Für die Käufer von Wind- und Solarparks entscheidend ist, welche Rendite sie mit den Anlagen erzielen können. Insofern haben steigende Strompreise auch Vorteile.

Lieferkettenprobleme und steigende Materialpreise machten auch ABO Wind im letzten Jahr zu schaffen. Wie gehen Sie damit um? Welche Marge erzielen Sie derzeit mit Ihren Projekten? Gibt es Mindestvorgaben?

Koffka: Kurzfristig wirken sich Verzögerungen und steigende Preise negativ aus. Für Projektentwickler problematisch ist beispielsweise, wenn wir uns bei Tarifausschreibungen Vergütungen für Strom gesichert haben und ein Jahr nach der Ausschreibung feststellen müssen, dass wir die kalkulierten Preise nicht halten können. Dann muss umgeplant werden, gegebenenfalls gehen Bürgschaften verloren. Solche Probleme gehören zum Entwicklergeschäft dazu. Darüber dürfen wir uns nicht beschweren. Es kommt darauf an, verantwortlich mit diesen unvermeidlichen Risiken umzugehen. Das gelingt uns insgesamt gut. Und die langfristigen Aussichten sind besser denn je. Die Höhe unserer Projektmargen geben wir öffentlich nicht preis. Verraten kann ich aber, dass die Margen von Land zu Land und zum Teil sogar von Projekt zu Projekt um mehrere hundert Prozent schwanken.

Wie ist der Auslastungsgrad ihrer Kapazitäten? Weiviel “Luft “ haben Sie für weitere Projekte mit ihrem derzeitige Mitarbeiterstand? Welche Wachstumsraten streben Sie auf Dauer an?

Koffka: Unser Mitarbeiterwachstum in den vergangenen Jahren betrug recht kontinuierlich 15 Prozent. Der Bestand unserer Projekte in der Entwicklung ist eher noch stärker gestiegen. Wachstum ist für uns allerdings kein Selbstzweck. Wir wollen ein unabhängiger mittelständischer Projektentwickler bleiben. Dazu müssen wir genug Projekte umsetzen, damit die Zulieferer uns die Anlagen weiterhin zu guten Preise anbieten. Indem wir uns in vielen verschiedenen Regionen engagieren, können wir länderspezifische Marktzyklen, die oft auch durch politische Wechsel entstehen, gut abfedern. Vermutlich werden wir weiter wachsen, weil das auch für die Branche insgesamt gilt. Wir glauben aber, dass die Wachstumsraten etwas nachlassen werden. Wir haben uns finanziell und personell so aufgestellt, dass wir künftig deutlich mehr und größere Projekte umsetzen können als uns das früher möglich war.

Wie sahen ihre Zahlen in den ersten neun Monaten 2021 konkret aus? Wo sehen Sie Änderunsgbedarf oder Erfordernisse einzugreifen?

Koffka: Wir erstellen keine Quartalsberichte. Die wären auch wenig aussagekräftig. Denn Projektentwicklung ist ein langfristiges Geschäft. Die Zyklen der einzelnen Projekte dauern im Schnitt drei bis acht Jahre. So viel Zeit vergeht von der Flächensicherung bis zur Inbetriebnahme des einzelnen Wind- oder Solarparks. Wobei Solarparks sich prinzipiell schneller umsetzen lassen als Windparks. Bei jedem einzelnen Projekt muss ständig an vielen Details gearbeitet werden, um alle erforderlichen Genehmigungen zu erlangen, einen Netzanschluss zu erlangen, die Wirtschaftlichkeit zu optimieren und den Wind- oder Solarparks möglichst zügig zu errichten. Als Unternehmen insgesamt sehen wir uns aktuell auf dem richtigen Weg und haben keinen grundsätzlichen Korrekturbedarf. Aber natürlich lernen wir ständig dazu und wollen jeden Fehler möglichst nur einmal machen.

Zuletzt bestätigten Sie Anfang Dezember, ihre Prognose 2021 erreichen zu können. Welche Zahlen erwarten Sie konkret?

Koffka: Zum Ende des Jahres haben wir unsere Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2021 bekräftigt. Aller Voraussicht nach werden wir für 2021 einen geringfügig höheren Jahresüberschuss ausweisen als im Vorjahr. 2020 betrug er 13,1 Millionen Euro. Die Steigerung ist erfreulich. Schließlich hatten auch wir Auswirkungen von Lieferverzögerungen und Preissteigerungen zu verkraften.

Welche Erwartungen haben Sie für die nächsten Jahre? An welchen Stellrädern wollen oder müssen Sie drehen?

Koffka: Für 2022 rechnen wir mit einer weiteren moderaten Ergebnisverbesserung. In den Folgejahren sollte es einen kräftigeren Schub geben. Wir rechnen ab dem Geschäftsjahr 2024 mit durchschnittlichen Jahresüberschüssen von mindestens 20 Millionen Euro. Dann wird sich der in den vergangenen Jahren aufgebaute große Bestand an Projekten in der Entwicklung auszahlen.

Grundsätzlich ist unser Unternehmen gut gerüstet. Eine ständige Herausforderung ist es, neue Mitarbeiter zu gewinnen und langfristig an das Unternehmen zu binden.

Die Kursentwicklung der ABO Wind Aktie war in den letzten Monaten durchaus besser als bei den reinen Bestandsaufbauern. Was denken Sie spricht für Ihr Unternehmen?

Koffka: Um Projekte zu kaufen und zu betreiben, benötigt man vor allem Kapital. Darüber verfügen viele. Entsprechend groß ist der Wettbewerb unter den Investoren, die Wind- und Solarparks erwerben möchten. Wer zum Zug kommen möchte, muss relativ hohe Preise zahlen. Das spiegelt sich in den eher bescheidenen Renditen wider, die Betreiber aktuell erzielen.

Unsere Spezialität ist die Projektentwicklung. Das ist ein personalintensives, komplexes und risikoreiches Geschäft. Unternehmen wie ABO Wind, die über mehrere Jahrzehnte mit kontinuierlichem Erfolg Erneuerbare-Energie-Projekte planen und errichten, sind selten. Zugleich ist die Entwicklung neuer Projekte der Schlüssel, um die Energiewende voranzubringen. Die Expertise und Erfahrung unserer engagierten Mitarbeiter*innen ist darum sehr wertvoll und ermöglicht ABO Wind stetig wachsenden unternehmerischen Erfolg. Das honoriert der Kapitalmarkt.

Kursverlauf der ABO Wind AG | Powered by GOYAX.de


Chart: Abo Wind AG | Powered by GOYAX.de

Haben Sie Kapitalmassnahmen im letzten Jahr durchgeführt oder sind welche geplant oder absehbar?

Koffka: Wir haben 2019 und 2020 insgesamt fast 1,6 Millionen neue Aktien emittiert und damit unser Eigenkapital wesentlich gestärkt. Das versetzt uns nun in die Lage, sehr viele größere Energieparks schlüsselfertig zu errichten. Zugleich sind damit unsere Möglichkeiten, Fremdkapital aufzunehmen, deutlich gewachsen. Kurzfristig planen wir daher keine weiteren Kapitalmaßnahmen. Allerdings überlegen wir, ein Aktienprogramm für Mitarbeiter*innen aufzulegen.

Denken Sie eigentlich auch über anorganisches Wachstum nach? Gäbe es interessante Wettbewerber am Markt?

Koffka: Im vergangenen Jahr haben wir bereits die Service-Abteilung eines Wettbewerbers übernommen und damit die Zahl der Kolleg*innen in diesem Bereich auf hundert verdoppelt. Weitere Übernahmen planen wir aktuell nicht.

Und die ABO Wind  als Übernahmeziel? Gerade in Zeiten, in denen die Projekte nachgefragter werden, der wettbewerb um gute Standorte zunimmt, könnte doch ein Entwickler mit Pipeline interessant sein?

Koffka: Anfragen von Interessenten gibt es viele. Zum Glück haben die Gründerfamilien Dr. Ahn und Bockholt, die weiterhin die Mehrheit der ABO Wind-Aktien halten, nicht die Absicht, Anteile zu verkaufen. Wir glauben, dass wir als mittelständischer und inhabergeführter Projektentwickler die besten Voraussetzungen haben, um agil und erfolgreich zu bleiben. Die Erfahrung zeigt, dass große Konzerne sich bei der Projektentwicklung schwerer tun, weil es bei jedem einzelnen Projekt darauf ankommt, schnell Entscheidungen zu treffen.

Wie ist die derzeitige Struktur Ihres Aktionariats?

Koffka: Nach den beiden genannten Gründerfamilien mit einem Anteil von zusammen 52 Prozent ist der kommunale Frankfurter Energiedienstleister Mainova AG mit 10 Prozent unser größter Aktionär. Die weiteren 38 Prozent sind im Streubesitz. Viele Mitarbeiter*innen und kleinere Aktionäre sind beteiligt. In den vergangenen Jahren haben sich auch institutionelle Investoren wie DWS, Capricorn, Value-Partnership, Aguja, KBC, GS&P, Baring Asset, Murphy&Spitz, Spirit Asset Management oder PFP Advisory engagiert, von denen keiner mehr als drei Prozent der Anteile hält.

Wäre möglicherweise ein “Nachhaltigkeits”-Index eine Möglichkeit, die ESG-Aktien mehr in den Fokus zu rücken?

Koffka: Wenn der Index Unternehmen mit wirklich nachhaltigem Geschäftsmodell und -gebaren versammelt, wäre das interessant. Allerdings habe ich den Eindruck, dass Unternehmen viel Geld dafür ausgeben, um sich mit Hilfe zweifelhafter Siegel ein grünes Image zu erkaufen. Damit ist niemandem gedient, am wenigsten dem Klima- und Umweltschutz.

Bitte kommentieren Sie zum Ende noch einige Stichworte kurz:

Dividende: Sollte möglichst stetig fließen und so bemessen sein, dass genug Geld im Unternehmen bleibt, um neue Projekte zu finanzieren.

Wettbewerber: Es ist schön in einer Branche mit vielen weiteren innovativen und zukunftsgewandten Unternehmen zu arbeiten.

EEG: Kluges Instrument, um den Abschied von einer hochsubventionierten fossilen Energiewirtschaft zu ermöglichen.

Brennstoffzelle: Hat in Kombination mit einem Elektrolyseur das Potential, Strom aus erneuerbaren Energien als Wasserstoff zu speichern und dann wieder in Strom umzuwandeln. Könnte – neben zum Beispiel Batterien – zum wichtigen Baustein einer erneuerbaren Energiewirtschaft werden.

Nachhaltigkeit: Ist nicht überall drin, wo sie draufsteht.

Börse: Kann helfen, guten Ideen zum Durchbruch zu verhelfen.

Ampelkoalition: Der Start war vielversprechend. Die eigentliche Arbeit kommt erst noch.

Vielen Dank für das Gespräch!

Alexander Koffka | Mitglied der Geschäftsführung der ABO Wind AG

Alexander Koffka, Jahrgang 1968, hat Literaturwissenschaften studiert und als Journalist für Tageszeitungen, Nachrichtenagentur, Hörfunk und Fernsehen gearbeitet. Seit 14 Jahren arbeitet er bei ABO Wind mit an der Energiewende. Als Mitglied der Geschäftsführung verantwortet er interne und externe Kommunikation, Bürgerbeteiligung und Investorenbetreuung.

Kurzinfo zum Unternehmen

ABO Wind entwickelt und errichtet erfolgreich Wind-, Solarparks und Speicher. Das 1996 gegründete Unternehmen aus Wiesbaden hat bislang Anlagen mit 3.800 Megawatt Leistung umgesetzt und rund die Hälfte davon errichtet. Das jährliche Investitionsvolumen beträgt 500 Millionen Euro. Mehr als 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 16 Ländern arbeiten mit Elan an der Planung, Finanzierung, Errichtung, Betriebsführung und am Service von Anlagen für eine zukunftsfähige Energieversorgung.

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