2G Energy meldet für das dritte Quartal 2025 einen deutlich geringeren Umsatz bei Neuanlagen in Deutschland: 30,2 Mio. € (Vj. 42,8 Mio. €). Hauptgründe: die konzernweit eingeführten Werks-Sommerferien zur ERP-Umstellung und die beihilferechtliche EU-Genehmigung fürs Biomassepaket, die erst im September kam und Kunden im Biogas-Segment bis dahin zögern ließ. Parallel hakte die Service-Performance im Heimatmarkt – das neue ERP-System lief im Service noch nicht rund, die Materialdisposition und Einsatzplanung wurden erst sukzessive stabilisiert. Ergebnis: ein EBIT von –0,9 Mio. € (Vj. +4,9 Mio. €). Kurzfristig schmerzhaft, strategisch sinnvoll: 2G schafft damit gerade die Basis für mehr Effizienz und Skalierbarkeit.
Rückenwind aus Berlin und Brüssel: Biomassepaket als Nachfrageanker
Mit der EU-Genehmigung und dem bereits am 31. Januar 2025 verabschiedeten Biomassepaket steht die Pipeline: 2,8 GW zusätzliche, netzdienliche Verstromungskapazitäten müssen in den nächsten Jahren ans Netz. 2G sieht seitdem eine spürbare Belebung der deutschen Vertriebsaktivitäten. Der Auftragsbestand klettert auf die Rekordmarke von ca. 250 Mio. € – Bestellungen werden jetzt sukzessive in die Fertigungsplanung gehoben und schrittweise umsatzwirksam. Der temporäre Q3-Effekt könnte damit im Q4 bereits in Teilen nachgeholt werden; 2026 dürfte das Biogas-Segment zum echten Wachstumstreiber werden.
Nordamerika: Kapazitätsstory trifft KI-Stromhunger
Außerhalb Deutschlands läuft das Geschäft robust, Nordamerika legt wie erwartet deutlich zu. Besonders spannend: 2G verhandelt fortgeschrittene Großprojekte im Kontext Rechenzentren – ein Markt mit strukturellem Nachfrageüberhang und Einzelprojektgrößen von teils mehreren hundert Megawatt. Um Flexibilität zu erhöhen, gründet 2G die 2G Energy Rental North America, LLC (JV mit Clarus Energy) und baut ab Anfang 2026 ein operatives Mietgeschäft für kurz- und mittelfristige Kraftwerkslösungen auf. Das eröffnet höhere Margen und beschleunigt Time-to-Revenue in einem heiß laufenden Segment.
ERP jetzt Pflichtprogramm: Kurzfristige Schmerzen, langfristige Hebel
Die ERP-Einführung belastete Q3 und den Oktober – besonders im deutschen Service (28,3 Mio. €, –36 % ggü. Vj.). Inzwischen ist der Regelbetrieb erreicht; 2G avisiert Normalisierung im Q4 und deutliche Effizienzgewinne 2026. Strategisch passt das Timing: Mit Blick auf Biogas-Aufträge, Rechenzentrumsprojekte, Großwärmepumpen und Gasreservekraftwerke braucht 2G ein System, das Durchsatz, Disposition und Cash-Konversion skaliert. CFO Pehle nennt es beim Namen: Investition heute, Ertrag morgen.
Einordnung für Anleger: Chancen satt – Ausführung bleibt König
Chancen:
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Rekord-Backlog ~250 Mio. € + beschleunigte Biogas-Nachfrage in Deutschland.
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Rechenzentren als strukturelles Wachstumsthema (KI-Infrastruktur) mit Großprojekt-Fantasie.
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Rental in Nordamerika für schnelle, margenstarke Lösungen und wiederkehrende Erlöse.
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ERP-Hebel für Service- und Produktions-Effizienz ab 2026.
Risiken:
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Umsetzungsrisiken bei ERP/Service und Genehmigungen/Netzanschlüssen in Projekten.
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Timing der Biogas-Abrufe, mögliche Lieferketten-/Preisrisiken bei Schlüsselkomponenten.
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Projektlastigkeit kann Quartale volatil machen; Working-Capital-Steuerung bleibt zentral.
Fazit: 2G steckt mitten in der Operativkur, während die Marktampeln auf Grün springen. Wer die Aktie betrachtet, spielt eine Backlog-zu-Cash-Story mit zyklischem Rückenwind aus Biogas, Datacenter-Power und Wärmewende – und einem ERP-Hebel, der die Margenmechanik ab 2026 sichtbar verbessern kann. Entscheidend wird die Ausführung in Q4/2025 und 2026: Kommt der Nachholeffekt planmäßig, dürfte die Bewertung wieder stärker die Pipeline widerspiegeln.














