€thyssenkrupp nucera – Der Elektrolyse-Spezialist thyssenkrupp nucera hat zum Auftakt des Geschäftsjahres 2025/26 ein durchwachsenes erstes Quartal hingelegt. Der Konzernumsatz sank um 44 % auf 147 Mio. Euro (Vorjahr: 262 Mio. €), der Auftragseingang um 21 % auf 75 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) drehte von +8 Mio. Euro auf –4 Mio. Euro ins Minus.
Auf den ersten Blick klingt das heftig – doch das Management betont, dass die Entwicklung im Rahmen der Erwartungen liegt. Grund für die schwächeren Zahlen sind projektbedingte Verschiebungen im Bereich Grüner Wasserstoff (gH2) und vorübergehend geringere Neubestellungen im klassischen Chlor-Alkali-Geschäft (CA).
Der Auftragspuffer bleibt solide: Zum 31. Dezember 2025 summierte sich der Auftragsbestand auf 489 Mio. Euro (30. September 2025: 606 Mio. Euro). Allerdings wurde ein Großteil der laufenden Projekte – etwa in Saudi-Arabien und Schweden – bereits weitgehend abgewickelt, sodass weniger Umsatz zu realisieren war.
Grüner Wasserstoff: NEOM-Projekt ausgelaufen – Fokus auf neue Märkte wie Indien
Besonders im Segment Grüner Wasserstoff zeigt sich, wie stark die Entwicklung von Projektzyklen abhängt. Der Umsatz halbierte sich auf 77 Mio. Euro (Vorjahr: 154 Mio. €), während das EBIT auf –12 Mio. Euro fiel (Vorjahr: –8 Mio. €).
Hauptgrund ist der hohe Fertigstellungsgrad des Mega-Projekts NEOM in Saudi-Arabien – eines der größten Vorhaben weltweit, um grünen Wasserstoff mittels Elektrolyse herzustellen. Nach Abschluss wesentlicher Projektphasen fällt nun die Umsatzrealisierung geringer aus.
Der Lichtblick: das Stegra-Projekt in Schweden, für das thyssenkrupp nucera Elektrolyseure mit einer installierten Leistung von über 700 MW liefert. Zudem hat das Unternehmen Anfang 2026 eine Partnerschaft mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) geschlossen, um den Einsatz von grünem Wasserstoff in Indien zu fördern. Das Land gilt als kommender Schlüsselmarkt der Energiewende – und könnte für nucera langfristig ein zentraler Wachstumstreiber werden.
CEO Dr. Werner Ponikwar bleibt optimistisch:
„Auch wenn das Marktumfeld herausfordernd bleibt, sehen wir verstärkt positive Impulse – insbesondere im Bereich grüner Wasserstoff. Wir treiben unsere Projekte wie vereinbart voran und investieren weiter gezielt in unsere Technologien.“
Chlor-Alkali: Großauftrag im Nahen Osten sorgt für Rückenwind
Wesentlich stabiler lief es im klassischen Chlor-Alkali-Segment. Zwar gingen die Neuaufträge leicht zurück auf 70 Mio. Euro (Vorjahr: 89 Mio. Euro), doch steht ein echter Großauftrag im hohen zweistelligen Millionenbereich in den Startlöchern. Der Deal, unterzeichnet im Dezember 2025, soll im zweiten Quartal offiziell in die Bücher eingehen – es ist der größte Chlor-Alkali-Auftrag der Firmengeschichte.
Damit bleiben die Perspektiven im CA-Geschäft intakt. Der Umsatz sank im Quartal auf 70 Mio. Euro (Vorjahr: 108 Mio. €), das EBIT halbierte sich von 16 Mio. auf 8 Mio. Euro. Während das Servicegeschäft stabil blieb, bremste das schwächere Neubaugeschäft den Umsatz. Dennoch verbesserten sich laut CFO Dr. Stefan Hahn die Bruttomargen, und die Kostenstruktur bleibt flexibel:
„Wir halten unsere Kostenstrukturen schlank, verbessern kontinuierlich die Margen und investieren gezielt in Zukunftstechnologien.“
Innovation bleibt Trumpf: F&E-Ausgaben steigen um 31 Prozent
Trotz der rückläufigen Umsätze hält thyssenkrupp nucera Kurs bei Innovation und Technologieführerschaft. Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung wurden um 31 % auf 9 Mio. Euro erhöht. Im Fokus stehen neue Verfahren zur Wasserstoffproduktion wie die Hochtemperaturelektrolyse (SOEC) und modulare Hochdrucksysteme.
Zudem präsentierte das Unternehmen eine neue Generation seiner BM- und BiTAC-Elektrolyseure, die effizienter arbeiten, leichter zu warten sind und sich einfacher installieren lassen. Technologisch bleibt nucera damit einer der führenden Anbieter weltweit in der Wasserstoff- und Chlor-Alkali-Elektrolyse.
Dass Investitionen in F&E trotz niedrigeren Umsatzes fortgeführt werden, signalisiert: Das Management denkt langfristig – ein Pluspunkt aus Sicht der Investoren.
Zahlen im Überblick
| Kennzahl | Q1 2025/26 | Q1 2024/25 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Umsatz | 147 Mio. € | 262 Mio. € | –44 % |
| EBIT | –4 Mio. € | +8 Mio. € | –150 % |
| Auftragseingang | 75 Mio. € | 95 Mio. € | –21 % |
| Auftragsbestand | 489 Mio. € | 606 Mio. € (Sep 25) | –19 % |
| F&E-Aufwand | 9 Mio. € | 7 Mio. € | +31 % |
| Mitarbeiter | 1.089 | 944 | +15 % |
Das Konzernergebnis drehte auf –3 Mio. Euro (Vorjahr: +9 Mio. Euro), das Ergebnis je Aktie liegt bei –0,02 Euro (Vorjahr: +0,07 Euro). Die höheren Rohstoffpreis-Sicherungen (Derivate) belasteten das Ergebnis einmalig um rund 2 Mio. Euro.
Ausblick: Zwischen Delle und Dynamik – mittelfristig bleibt Wasserstoff das Zugpferd
Für das laufende Geschäftsjahr 2025/26 bestätigt thyssenkrupp nucera die Prognose:
- Auftragseingang: 350 bis 900 Mio. Euro (2024/25: 348 Mio. Euro)
- Umsatz: 500 bis 600 Mio. Euro (2024/25: 845 Mio. Euro)
- EBIT: zwischen –30 Mio. und 0 Mio. Euro
Während das Chlor-Alkali-Geschäft solide läuft, wird im grünen Wasserstoffsegment 2025/26 nochmals ein rückläufiger Umsatz erwartet (150 bis 220 Mio. Euro). Erst ab dem Geschäftsjahr 2026/27 dürften neue Projekte wieder spürbar Umsatzbeiträge liefern.
Langfristig aber bleibt das Ziel klar: Marktführerschaft bei Elektrolyse-Technologien für grünen Wasserstoff. Die Kapitalbasis ist stabil, die F&E-Pipeline prall gefüllt – und mit Großaufträgen wie dem im Nahen Osten steht ein potenzieller Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte bevor.
Fazit: Kurzfristige Schwäche – aber langfristige Story intakt
thyssenkrupp nucera steckt mitten in einer Übergangsphase. Der starke Umsatzrückgang im Quartal spiegelt vor allem den Abschluss großer Projekte wider, nicht strukturelle Schwächen. Die Investitionen in Technologien der nächsten Generation zeigen: Das Unternehmen denkt über den aktuellen Zyklus hinaus.
Die Aktie bleibt damit ein klassischer Zukunftswert – riskant auf kurze Sicht, aber mit massiven Chancen im globalen Wasserstoffboom. Wer Geduld mitbringt und an die Dekarbonisierung der Industrie glaubt, dürfte thyssenkrupp nucera langfristig auf dem Radar behalten.















