OHB Aktie die Deutsche SpaceX? Besser das Original? Weltraumaktien – Hype? Flop?

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OHB, SpaceX oder besser Rocket Lab, Airbus… gibt einige Varianten auf den Weltraum zu setzen. Ob sich hier ein neuer Trend herausbildet? Oder ist schon die Musik gesungen? SpaceX halbiert vom Hoch als Menetekel für eine ganze Branche. Vorbei bevor es wirklich Spass macht?

Oder steht eine SpaceX Aktie erst am Anfang? Wird man wie Tesla die Automobilindustrie eine ganz neue „Industrie“ begründen? Oder ist es besser auf langjährig erfolgreiche „klassische Player“ zu setzen – wie eine OHB, deren Qualaität bereits vor einigen Jahren eine KKR überzeugte? Die Raumfahrt hat die Nische der spekulativen Zukunftsvisionen längst verlassen. Angetrieben durch geopolitische Spannungen, den Wunsch nach europäischer Unabhängigkeit und die zunehmende Kommerzialisierung fließen derzeit Rekordsummen ins All. Doch ein genauerer Blick auf die Branche offenbart gravierende Unterschiede bei Geschäftsmodellen und Bewertungen. Besonders deutlich wird dieser Kontrast an zwei völlig gegensätzlichen Akteuren: dem US-Branchenprimus SpaceX und dem Bremer Raumfahrtkonzern OHB.

SpaceX oder OHB? Hohe Wachstumsraten treffen auf extrem hohe Bewertung…

… bei den Amerikanern: SpaceX dominiert aktuell den kommerziellen Markt. Das Unternehmen agiert hochgradig vertikal integriert – vom eigenen Raketenstart über das Satellitennetzwerk Starlink bis hin zu KI-Strukturen. Während das Starlink-Geschäft Milliarden in die Kassen spült, verbrennt die Entwicklung der Schwerlastraketen ebenso viel Kapital. Und SpaceX setzt voll auf den Massenmarkt und verbucht unter dem Strich hohe operative Verluste. Dennoch bewerten die Finanzmärkte das Unternehmen auch nach Kurskorrekturen noch mit einem Vielfachen seines Umsatzes.

… und auf der anderen Seite:  Solides Systemhaus im Staatsauftrag.

Der Bremer Konzern OHB liefert dazu den direkten Gegenentwurf. Als einer der wenigen europäischen Systemanbieter (Prime Contractor) arbeitet OHB vorrangig für institutionelle Kunden wie die ESA, nationale Regierungen oder das Militär. Statt auf riskante Massenmärkte setzt man in Bremen auf langfristige Verträge und stabile Margen in Nischenbereichen. Dazu zählen die Erdbeobachtung, wissenschaftliche Missionen und militärische Kommunikation (wie etwa das Projekt SATCOMBw4) oder Frühwarnsysteme.

SAP Zahlen. Ziele knapp erfüllt – Freitag Kurs-Spannung garantiert – Prognose „angepasst“…
ATOSS Aktie vor Rebound.

Freitag gab es aus Bremen eine Coirporate News: Verteidigungsminister Boris Pistorius erwäge aus sicherheitspolitischen Gründen den Bau eines bundeswehreigenen Raketenstartplatzes. Damit soll der reaktionsschnelle und souveräne Zugang zum All für Deutschland und Europa dauerhaft gesichert werden. Die Raumfahrtindustrie begrüße diese Pläne zur Stärkung der nationalen Verteidigungsfähigkeit ausdrücklich. Und Sabine von der Recke, Geschäftsführerin der European Spaceport Company, betont die eigene Handlungsfähigkeit: „Gerade für den militärischen Bedarf brauchen wir deutlich mehr Resilienz in den Startkapazitäten und wir sind bestens darauf vorbereitet, damit schnell loszulegen.“

Das Thema sei auch beim jüngsten Truppenbesuch des Ministers beim Raumfahrtkonzern OHB in Bremen diskutiert worden. Und OHB-Vorstandsvorsitzender Marco Fuchs sieht bei der Entwicklung eigener Plattformen enormes Ausbaupotenzial: „Es gibt seit den ersten Überlegungen einen viel größeren Bedarf an Satelliten und damit auch an Startplätzen, und deshalb sollten wir auch groß denken.“ Um diese Kapazitäten zu schaffen, bündelt die European Spaceport Company nun die Expertise für landbasierte und maritime Startplätze.

OHB went private – KKR-Einstieg schuf mehr Handlungsspielraum.

Ein wesentlicher Einschnitt für OHB war die im Sommer 2023 angekündigte Übernahme durch den US-Finanzinvestor KKR und das anschließende Delisting. Die Gründerfamilie Fuchs behielt dabei das Steuer in der Hand, während KKR den Streubesitz-Aktionären 44,00 Euro je Aktie zahlte – ein satter Aufschlag von fast 40 Prozent auf den damaligen Durchschnittskurs.

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Der Rückzug von der Börse hatte ein klares strategisches Ziel: OHB wollte dem kurzfristigen Druck der Quartalsberichterstattung entgehen, um langfristige Pläne besser umsetzen zu können. Und KKR brachte zudem dringend benötigtes Kapital mit. So flossen etwa 30 Millionen Euro über Wandelschuldverschreibungen in das Augsburger Tochterunternehmen Rocket Factory Augsburg (RFA), um die Entwicklung eines eigenen Microlaunchers abzusichern. Für Anleger bedeutete der Schritt zwar das Aus im regulären Prime Standard, doch ganz vom Kurszettel verschwunden ist OHB nicht: An Plätzen wie der Hamburger Börse lassen sich die Papiere weiterhin handeln, wenngleich Anleger wegen des deutlich gesunkenen Handelsvolumens zwingend mit strengen Limits arbeiten müssen.

Mehr als OHB und SpaceX: Start-ups und Verteidigungs-Riesen.

Neben OHB und SpaceX teilt sich der restliche Markt grob in zwei Lager auf: Aufstrebende Spezialisten und etablierte Großkonzerne.

  • Die Herausforderer im Start-Geschäft: Das US-Unternehmen Rocket Lab hat sich mit seinen kleineren Trägerraketen als schärfster Verfolger von SpaceX positioniert. In Europa versuchen Start-ups wie RFA und Isar Aerospace, eigene flexible Startkapazitäten für Kleinsatelliten aufzubauen.

  • Daten und Infrastruktur: Firmen wie Planet Labs oder Spire Global nutzen eigene Nano-Satelliten, um Daten für die Landwirtschaft, Logistik oder Streitkräfte als Dienstleistung zu verkaufen. Gleichzeitig müssen sich klassische Satellitenbetreiber (Eutelsat, Viasat) gegen die neue Starlink-Konkurrenz behaupten.

  • Die klassischen Profiteure: Die großen Luft- und Raumfahrtkonzerne (Lockheed Martin, Airbus, Thales Alenia Space) erwirtschaften traditionell Milliarden mit Raumfahrtsystemen. Sie bieten Investoren ein deutlich defensiveres Risikoprofil, da ihr Kerngeschäft meist in der Zivilluftfahrt oder Rüstung liegt.

Das nächste große Börsenthema?

Vieles spricht dafür, dass Space-Aktien dauerhaft in den Fokus der Anleger rücken. Der Weltraum ist mittlerweile eine fest definierte operative Verteidigungsdimension. Staaten rüsten bei sicherer Satellitenkommunikation und Lageerfassung massiv auf. Gleichzeitig purzeln durch wiederverwendbare Raketen die Startkosten ins All, was Geschäftsmodelle in der Datenökonomie überhaupt erst profitabel macht.

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Der Sektor bietet zweifellos enorme Chancen, verlangt Investoren aber ein gutes Auge ab. Den hoch bewerteten und riskanten Wachstumsstorys aus den USA stehen in Europa substanzstarke Infrastrukturpartner wie OHB gegenüber, die im Windschatten von geopolitischen Sicherheitsinteressen relativ geräuschlos, aber profitabel wachsen.

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