Die Nemetschek Group setzt ihren dynamischen Wachstumskurs auch im zweiten Quartal 2026 fort. Der Spezialist für Softwarelösungen in der Bau- und Medienbranche steigerte Umsatz, wiederkehrende Erlöse und Gewinn deutlich. Besonders stark entwickelte sich erneut das Segment Build, das von erfolgreicher internationaler Expansion, starkem Neugeschäft und der Einführung der KI-Lösung Bluebeam Max profitierte.
Gleichzeitig erreichte Nemetschek mit dem Abschluss der Übernahme von HCSS einen wichtigen strategischen Meilenstein. Die größte Akquisition der Unternehmensgeschichte stärkt die Position im Infrastruktur- und Tiefbaugeschäft und soll bereits im laufenden Jahr einen erheblichen Umsatzbeitrag leisten.
Nach dem starken ersten Halbjahr bestätigt der Vorstand die bisherige Prognose für das organische Geschäft und erweitert sie um die Effekte aus der HCSS-Konsolidierung.
Nemetschek: Umsatz wächst im zweiten Quartal zweistellig
Der Konzernumsatz stieg im zweiten Quartal 2026 währungsbereinigt um 14,5 Prozent auf 327,7 Mio. Euro. Einschließlich negativer Währungseffekte lag das ausgewiesene Wachstum bei 13,0 Prozent.
Im gesamten ersten Halbjahr erhöhte sich der Umsatz auf 640,7 Mio. Euro. Währungsbereinigt entspricht dies einem kräftigen Wachstum von 15,7 Prozent, während der berichtete Anstieg bei 11,9 Prozent lag.
Der wichtigste Wachstumstreiber blieb das Segment Build. Das Geschäft mit Softwarelösungen für die Bauausführung, Zusammenarbeit und Dokumentation entwickelte sich deutlich dynamischer als der Gesamtkonzern und profitierte insbesondere von hoher Nachfrage in internationalen Märkten.
Wiederkehrende Erlöse steigen schneller als der Umsatz
Besonders positiv entwickelte sich das Geschäft mit wiederkehrenden Einnahmen. Die jährlich wiederkehrenden Umsätze, kurz ARR, stiegen zum Ende des zweiten Quartals währungsbereinigt um 17,4 Prozent auf 1,2495 Mrd. Euro.
Damit wuchsen die ARR erneut stärker als der Konzernumsatz. Für Anleger ist dies ein wichtiges Signal, da wiederkehrende Erlöse die Planbarkeit des Geschäftsmodells erhöhen und die Abhängigkeit von einmaligen Lizenzverkäufen reduzieren.
Der Umsatz aus Subskriptions- und SaaS-Angeboten legte im zweiten Quartal währungsbereinigt sogar um 29,6 Prozent auf 266,4 Mio. Euro zu. Im ersten Halbjahr erreichten die entsprechenden Erlöse 514,7 Mio. Euro, was einem währungsbereinigten Plus von 32,4 Prozent entspricht.
Die laufende Umstellung auf cloudbasierte Abonnementmodelle schreitet damit weiter deutlich voran.
EBITDA steigt trotz Währungsbelastungen
Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erhöhte sich im zweiten Quartal währungsbereinigt um 15,8 Prozent auf 98,6 Mio. Euro. Ausgewiesen lag das Wachstum bei 11,5 Prozent.
Belastet wurde das Ergebnis durch den schwächeren US-Dollar und einen außergewöhnlichen transaktionsbedingten Währungseffekt im oberen einstelligen Millionen-Euro-Bereich. Dieser entstand durch die Neubewertung von Bilanzpositionen in nichtfunktionaler Währung bei einer Konzerngesellschaft.
Zusätzlich fielen im Zusammenhang mit Akquisitionen einmalige Aufwendungen im niedrigen einstelligen Millionen-Euro-Bereich an.
Die ausgewiesene EBITDA-Marge lag deshalb im zweiten Quartal bei 30,1 Prozent. Bereinigt um akquisitionsbedingte Einmalkosten erreichte Nemetschek eine Marge von 31,0 Prozent.
Im ersten Halbjahr stieg das EBITDA währungsbereinigt um 24,0 Prozent auf 197,0 Mio. Euro. Die berichtete EBITDA-Marge verbesserte sich von 29,5 Prozent auf 30,7 Prozent. Ohne die akquisitionsbedingten Sonderkosten hätte die Marge bei 31,5 Prozent gelegen.
Gewinn steigt deutlich stärker als der Umsatz
Unter dem Strich setzte Nemetschek das hohe Wachstum in eine überproportionale Gewinnsteigerung um.
Der Quartalsüberschuss erhöhte sich um 25,4 Prozent auf 66,0 Mio. Euro. Das Ergebnis je Aktie stieg von 0,45 Euro auf 0,57 Euro.
Im gesamten ersten Halbjahr erreichte der Überschuss 126,4 Mio. Euro und lag damit 29,9 Prozent über dem Vorjahreswert. Das Ergebnis je Aktie verbesserte sich entsprechend von 0,84 Euro auf 1,09 Euro.
Die Zahlen zeigen, dass das skalierbare Softwaremodell trotz Investitionen in Übernahmen, Internationalisierung und künstliche Intelligenz weiterhin hohe Ergebniszuwächse ermöglicht.
HCSS-Übernahme eröffnet neuen Milliardenmarkt
Einen entscheidenden strategischen Schritt vollzog Nemetschek mit der Übernahme der Heavy Construction Systems Specialists, kurz HCSS. Die Transaktion wurde zum 1. Juli 2026 abgeschlossen und stellt die größte Akquisition in der Geschichte des Konzerns dar.
HCSS entwickelt Software für Unternehmen aus dem Infrastruktur- und Tiefbausektor. Dazu gehören Lösungen für Kalkulation, Projektsteuerung, Ressourcenplanung und Baustellenmanagement.
Mit der Übernahme erweitert Nemetschek seine Position im Segment Build gezielt in einen Bereich, der von langfristig hohen Infrastrukturinvestitionen profitiert. Besonders in Nordamerika besteht ein großer Bedarf an der Digitalisierung von Bau- und Infrastrukturprojekten.
HCSS ergänzt das bisherige Produktportfolio und bietet Nemetschek zusätzliche Möglichkeiten für Cross-Selling, internationale Expansion und die Verbindung verschiedener Softwareangebote innerhalb des Konzerns.
Bluebeam Max bringt agentenbasierte KI auf die Baustelle
Neben der HCSS-Übernahme bildet die KI-Strategie einen weiteren Schwerpunkt der Wachstumsagenda.
Mit Bluebeam Max hat Nemetschek die erste umfassende agentenbasierte KI-Lösung des Konzerns für die Bauindustrie auf den Markt gebracht. Die Software unterstützt Anwender unter anderem bei der Dokumentenanalyse, Qualitätskontrolle, Mengenermittlung und intelligenten Informationssuche.
Zeitintensive und bislang häufig manuell ausgeführte Aufgaben sollen dadurch automatisiert oder deutlich beschleunigt werden. Die Lösung ist inzwischen über alle relevanten Vertriebs- und Partnerkanäle sowie für sämtliche Kundengruppen verfügbar.
Nemetschek positioniert sich damit frühzeitig im Markt für KI-Agenten, die nicht nur Informationen bereitstellen, sondern eigenständig Aufgaben innerhalb digitaler Arbeitsprozesse übernehmen können.
Zusätzlich wurden bei mehreren Konzernmarken weitere KI-Funktionen eingeführt. Die Gruppe verfolgt dabei das Ziel, künstliche Intelligenz nicht als isolierte Zusatzfunktion, sondern als festen Bestandteil der Produktlandschaft zu etablieren.
Build-Segment wächst um mehr als 24 Prozent
Das Segment Build blieb der mit Abstand stärkste Wachstumsmotor.
Der Segmentumsatz erhöhte sich im zweiten Quartal währungsbereinigt um 24,5 Prozent auf 142,9 Mio. Euro. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz auf 277,7 Mio. Euro, was einem währungsbereinigten Wachstum von 27,1 Prozent entspricht.
Neben dem starken Neugeschäft profitierte Build von der internationalen Expansion und der steigenden Verbreitung der Bluebeam-Produkte.
Auch die Profitabilität entwickelte sich außergewöhnlich stark. Die EBITDA-Marge stieg im zweiten Quartal von 34,1 Prozent auf 40,1 Prozent. Im ersten Halbjahr verbesserte sie sich von 34,6 Prozent auf 39,8 Prozent.
Damit verbindet das Segment hohes Wachstum mit einer außergewöhnlich hohen Marge. Die Entwicklung unterstreicht die strategische Bedeutung von Build innerhalb des Nemetschek-Konzerns.
Nemetschek: Design wächst trotz laufender SaaS-Transformation
Das Segment Design erzielte im zweiten Quartal einen Umsatz von 142,9 Mio. Euro. Währungsbereinigt entspricht dies einem Plus von 9,9 Prozent.
Besonders dynamisch entwickelte sich der Umsatz aus Subskription und SaaS, der währungsbereinigt um 46,7 Prozent zulegte. Die Umstellung bestehender Kunden von Serviceverträgen auf Abonnementmodelle wird unter anderem durch Mehrjahresverträge unterstützt.
Im ersten Halbjahr erreichte das währungsbereinigte Umsatzwachstum 9,7 Prozent.
Die Profitabilität wurde jedoch durch den außergewöhnlichen Währungseffekt belastet. Die EBITDA-Marge sank im zweiten Quartal auf 22,7 Prozent, nach 30,5 Prozent im Vorjahresquartal. Im Halbjahr lag die Marge bei 23,9 Prozent.
Da der Rückgang wesentlich durch einen nicht operativen Bewertungseffekt verursacht wurde, bildet die ausgewiesene Marge die Entwicklung des Kerngeschäfts nur eingeschränkt ab.
Manage mit gut gefüllter Vertriebspipeline
Das Segment Manage steigerte seinen Umsatz im zweiten Quartal um 4,6 Prozent auf 13,1 Mio. Euro. Im ersten Halbjahr erreichte das währungsbereinigte Wachstum 3,8 Prozent.
Wachstumsimpulse kamen insbesondere aus den Bereichen Workspace-Management und Energieeffizienz. Zudem berichtet Nemetschek von einer gut gefüllten Vertriebspipeline bei Bestands- und Neukunden, vor allem im öffentlichen und im Finanzsektor.
Dies schafft nach Einschätzung des Managements gute Voraussetzungen für eine stärkere Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte.
Die EBITDA-Marge lag im zweiten Quartal bei 5,1 Prozent und damit unter dem Vorjahreswert von 7,6 Prozent. Im Halbjahr erreichte sie 7,8 Prozent.
Media bleibt das Sorgenkind im Portfolio
Das Segment Media entwickelte sich dagegen schwächer.
Der Umsatz lag im zweiten Quartal mit 29,4 Mio. Euro leicht unter dem Vorjahreswert von 30,1 Mio. Euro. Im ersten Halbjahr wurde währungsbereinigt ein Wachstum von 3,3 Prozent erreicht, ausgewiesen ergab sich jedoch ein leichter Rückgang.
Belastend wirkten eine anhaltend schwache Investitionsbereitschaft der Kunden, Konsolidierungen auf Kundenseite sowie verlängerte Vertriebs- und Entscheidungsprozesse.
Um das Segment breiter aufzustellen, hat Nemetschek unter anderem die Rendering-Lösung Archviz eingeführt. Damit soll das Media-Angebot stärker mit der Architektur-, Ingenieur- und Bauindustrie verbunden werden.
Trotz des schwierigen Marktumfelds verbesserte sich die EBITDA-Marge im zweiten Quartal von 25,2 Prozent auf 27,7 Prozent. Im ersten Halbjahr stieg sie auf 29,8 Prozent.
Internationale Expansion soll Cross-Selling beschleunigen
Nemetschek baut parallel zur Produktentwicklung seine internationale Präsenz weiter aus.
Nach der Expansion in Indien und den Mittleren Osten verstärkte das Unternehmen seine Aktivitäten auch in Südostasien. Gleichzeitig wurde das strategische Account-Management über mehrere Konzernmarken hinweg intensiviert.
Damit will Nemetschek größere internationale Kunden umfassender betreuen und die zahlreichen Marken und Produktlösungen der Gruppe besser miteinander verzahnen.
Gerade Cross-Selling gilt als einer der wichtigsten bislang noch nicht vollständig ausgeschöpften Wachstumstreiber des Konzerns. Die breite Produktpalette bietet die Möglichkeit, Kunden entlang des gesamten Lebenszyklus von Bauwerken und Infrastrukturprojekten mit mehreren Lösungen zu bedienen.
Organische Prognose für 2026 bestätigt
Nach dem starken ersten Halbjahr bestätigt der Vorstand seine Ziele für das organische Geschäft ohne HCSS.
Nemetschek erwartet unverändert ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum zwischen 14 und 15 Prozent. Die EBITDA-Marge soll zwischen 32 und 33 Prozent liegen.
Ohne die im Zusammenhang mit Akquisitionen entstandenen Einmalaufwendungen hätte sich die bisherige Marge nach Unternehmensangaben bereits am oberen Ende dieser Bandbreite bewegt.
Damit bleibt Nemetschek trotz Währungsschwankungen, geopolitischer Unsicherheiten und Investitionen in die weitere Expansion auf einem sehr profitablen Wachstumskurs.
HCSS soll rund sechs Prozentpunkte zum Wachstum beitragen
Durch die erstmalige Konsolidierung von HCSS ab dem 1. Juli erweitert Nemetschek seine Prognose.
Die Akquisition soll im Geschäftsjahr 2026 einen zusätzlichen währungsbereinigten Beitrag zum Konzernumsatzwachstum von rund 600 Basispunkten beziehungsweise sechs Prozentpunkten leisten.
Ausgehend vom Mittelpunkt der organischen Margenprognose wird durch HCSS zunächst eine Verwässerung der EBITDA-Marge um rund 150 Basispunkte erwartet.
Ursächlich sind vor allem Effekte aus der Kaufpreisallokation, Integrationskosten und Aufwendungen für ein neu geschaffenes aktienbasiertes Vergütungsprogramm.
Diese Belastungen sind größtenteils bilanzieller oder integrationsbedingter Natur und geben nach Einschätzung des Managements noch nicht das volle wirtschaftliche Potenzial der Transaktion wieder.
Kaufpreisallokation drückt kurzfristig Umsatz und EBITDA
Die vorläufige Kaufpreisallokation dürfte den ausgewiesenen Umsatz von HCSS im zweiten Halbjahr 2026 um einen Betrag im mittleren bis hohen 20-Millionen-Euro-Bereich reduzieren.
Dieser Effekt schlägt entsprechend auch auf das EBITDA durch. Die wesentlichen Belastungen sollen in den ersten sechs Monaten nach Abschluss der Akquisition anfallen.
Für Anleger ist deshalb wichtig, zwischen der operativen Entwicklung von HCSS und den bilanziellen PPA-Effekten zu unterscheiden. Die ausgewiesenen Kennzahlen könnten das tatsächliche Wachstum und die operative Stärke der übernommenen Gesellschaft zunächst unterschätzen.
Nemetschek verbindet hohes Wachstum mit KI-Fantasie
Die Halbjahreszahlen zeigen, dass Nemetschek aktuell mehrere Wachstumstreiber miteinander verbindet.
Das organische Geschäft wächst zweistellig, Subskriptions- und SaaS-Umsätze steigen mit mehr als 30 Prozent, das Build-Segment erzielt außergewöhnlich hohe Margen und die HCSS-Übernahme eröffnet einen zusätzlichen Markt im Infrastruktur- und Tiefbau.
Gleichzeitig gewinnt die KI-Strategie an Substanz. Mit Bluebeam Max bringt Nemetschek eine konkrete agentenbasierte Lösung in den Markt, die reale Arbeitsprozesse in der Bauindustrie automatisieren soll.
Kurzfristig können Währungseffekte, Integrationskosten und die Kaufpreisallokation die ausgewiesene Profitabilität belasten. Mittel- und langfristig besitzt die Gruppe jedoch gute Voraussetzungen, ihre wiederkehrenden Erlöse weiter auszubauen, Synergien aus HCSS zu realisieren und zusätzliche Cross-Selling-Potenziale zu erschließen.
Für Anleger dürfte nun entscheidend sein, wie schnell die Integration von HCSS gelingt und ob Nemetschek seine hohe Wachstumsdynamik im Build-Segment auch in den kommenden Quartalen aufrechterhalten kann.















