
Mutares ist und bleibt eine spannende Story – da störten zwar ein Covenent-Waver bei der Anleihe. Oder ein mittlerweile „wohl erledigter“ Shortsellerangriff. ABER: Mit kräftigem Umsatzwachstum durch immer mehr, immer grössere und immer internationalere Übernahmen und gleichzeitig einigen Exits aus der prallgefüllten Pipeline,
kann man immer wieder postiv überraschen. So zuletzt am 22.05. mit dem vollständigen Verkauf der verbliebenen 46,3-%-Beteiligung an der nordischen Infrastrukturgesellschaft Terranor Group AB – realisierter Bruttoerlös von rund 50 Mio EUR, und erzielt dabei einen Return on Invested Capital (ROIC) erklärtermassen deutlich oberhalb der eigenen Zielspanne. Diese definiert Mutares mit „dem 7- bis 10-fachen des investierten Kapitals (7x bis 10x ROIC)“. Und diese Woche direkt zwei spannende Entwicklungen aus der Exit-Pipeline.
F.lli Ferrari Holding wird umgebaut, Teil verkauft – nur eine Randmeldung?
Die Nachricht vom späten Freitagnachmittag klang zunächst nach Routine: Die Mutares-Portfoliogesellschaft F.lli Ferrari Holding veräußert ihr niederländisches Vertriebsgeschäft mit rund 35 Mio EUR Umsatz an die HMF Group. Eine Transaktion, die als Teil der operativen Neuausrichtung und Fokussierung auf die Kernfertigung von Kranplattformen präsentiert wird. Und CIO Johannes Laumann spricht vom „Streamlining“ und der „Stärkung des Kerngeschäfts“ – die übliche Sprache für Portfolio-Pflege. Doch genau diese scheinbar kleine Operation könnte sich für aufmerksame Anleger als die Ouvertüre für einen der größten Exits in der jüngeren Mutares-Geschichte entpuppen.
Steyr-Blaupause – ein Big Deal als Maßstab?
Um das Potenzial der aktuellen Pipeline zu verstehen, lohnt ein Blick zurück auf das – bisher – erfolgreichste Kapitel der Mutares-Exit-Historie: den Börsengang von Steyr. Der österreichische Nutzfahrzeug-Spezialist wurde nach gründlicher Restrukturierung an die Börse gebracht – und das in Rekordzeit. Natürlich durch die Umstände des Ukraine-Krieges angetrieben, Zeitenwende brachte schnellen Turn-around. Die Eckdaten sprachen eine klare Sprache: Steyr setzte zum Zeitpunkt der Übernhame der Mutares in 2022 nur rund 38 Mio EUR um, die Zahlen waren schlecht, auftragsbestand gering. Und der Kaufpreis sollte seinerzeit symbolischer Art gewesen sein.
Dann der Umsatz- und Auftargsmotor Ukrainekrieg – in verschiedenen Teilschritten über ein IPO erzielte Mutares über 170 Mio EUR Erlöse. Und so passt der Kommentar von Johannes Laumann, CIO von Mutares, vom 2011.2025, Verkauf der letzten 23%: „Der vollständige Verkauf des Anteils an Steyr Motors entspricht dem strategischen Ansatz von Mutares, Beteiligungen nach einem erfolgreich abgeschlossenen operativen Turnaround weiter zu veräußern. Mit der erfolgreichen Platzierung bestätigen wir einmal mehr unsere Fähigkeit, signifikante Wertsteigerungen im Portfolio zu realisieren.(…)“
Magirus – der nächste Wurf mit ähnlichem oder sogar anderem Kaliber?
Genau dieses Muster scheint sich nun bei Magirus zu wiederholen – nur in einer potenziell noch größeren Dimension. Zumindest wenn man die Ausgangsbasis von Mutares in diesem „Case“ betrachtet. Seit Muatres den bekannten Feuerwehr- und Spezialfahrzeughersteller übernahm, hat sich dieser in Rekordzeit vom Sanierungsfall zu einem interessanten Player im Industrie- und Defense-Tech-Bereich gemausert. Dazu gehören natürlich starke Zahlen: Der Auftragsbestand erhöhte sich auf mehr als 880 Mio EUR, der Umsatz stieg von rund 276 auf 336 Mio EUR, während das bereinigte EBIT in einem ersten Schritt von minus 40 Mio EUR auf minus 12 Mio EUR verbessert wurde.
Immer noch spannend INTERVIEW – Hausvorteil AG im Blick. CEO und CFO stellen sich unseren Fragen. Spannend.
Noch wichtiger – die Ziele, die Perpsektiven: Bis 2030 erwartet Mutares für Magirus einen Umsatz von über 750 Mio. EUR an. Und weiter ins Konzept passt: Mit der Übernahme von Achleitner Fahrzeugbau – umbenannt in Magirus Defense Systems – hat sich Magirus strategisch im boomenden Verteidigungssegment positioniert und erste Großaufträge für die Survivor-Fahrzeugplattform an Land gezogen. Damit adressiert das Unternehmen nicht nur den zyklischen Feuerwehrmarkt, sondern öffnet sich für das derzeit wachstumsstärkste Segment Europas.
Ferrari-Deal als „Vorgeschmack“? Fokussierung vor dem großen Wurf?
Und genau hier schließt sich der Kreis zur kleinen Ferrari-Meldung. Was auf den ersten Blick wie ein unbedeutender Teilverkauf aussieht, ist im Kern die konsequente Vorbereitung auf eine größere Transaktion. Mutares räumt intern die Schubladen: Bei Ferrari wird das Vertriebsgeschäft in den Benelux-Ländern abgestoßen, um Kapital und Management-Kapazitäten für die profitablen Kernaktivitäten freizusetzen. Gleiches geschieht konzernweit: Jede Portfolio-Gesellschaft wird auf operative Effizienz, klare Profitabilität und strategische Schärfe getrimmt. Ziel ist es, die Unternehmen entweder für einen strategischen Verkauf oder – wie bei Steyr und nun möglicherweise bei Magirus – für einen Börsengang fit zu machen.
Freitag gab es Partystimmung – oder überfälliger Aufholer – bei CTS Eventim, ausgelöst durch starke Zahlen.
Magirus – IPO oder Trade Sale – die Weichen sind gestellt.
Mutares hat die Prüfung strategischer Optionen für Magirus offiziell eingeleitet . Und das sind die denkbar attraktivsten für die Muatres-Aktionäre. Natürlich einmal der Börsengang . Oder ein Verkauf an einen strategischen Partner, der Synergien sieht – und bezahlt. Eine finale Entscheidung sei noch nicht gefallen. Doch die Signale sind klar: Magirus ist bereit für die große Bühne. Mit einem Auftragsbestand von fast einer Milliarde Euro, einer operativen Trendwende, die unmittelbar vor der Gewinnschwelle steht, und einem strategisch interessantem Defense-Geschäft, das in einem der wachstumsstärksten Märkte Europas agiert, sind die Parallelen zum Steyr-Exit unübersehbar.
Wochenrückblick – Märkte schnuppern an neuen Rekordständen. Zuviel des Guten? News diese Woche im Fokus . Und die Entwicklung an den Börsen.
Ferrari Meldung stärkt den Blick, und weckt Erwartungen…
Für Anleger, die die Mutares-Strategie verstehen, war die Ferrari-Meldung vom Freitag mehr als nur eine Randnotiz. Sie ist das perfekte Beispiel dafür, wie Mutares seine Beteiligungen systematisch für Exits trimmt. Randbereiche werden abgestoßen. Und das Kerngeschäft wird gestärkt. Dazu setzt man operative Verbesserungen um – ganzheitlich. Dieses Muster hat bei Steyr zu einem hochprofitablen Börsengang geführt . Und bei Magirus könnte möglicherweise aufgrund der Größenordnung, der Defense-Komponente und des rekordverdächtigen Auftragsbestands ein noch größerer Wurf gelingen. Wenn der Turn-around nachhaltig kurzfristig erreicht werden kann, zumindest. Die kleine Verkaufsmeldung aus BENELUX ist also nicht das Ende, sondern die Ouvertüre der Muatres-Exitstories. Wer genau hinschaut, erkennt: Mutares räumt die Bühne für den nächsten großen Exit – und dieser könnte vielleicht sogar den Steyr-Erlös erreichen – oder sogar noch mehr?











