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Gerade wenn die Aktienmärkte in den freien Fall zu geraten scheinen, werden die Chancen für zukünftige Börsenaufschwünge gelegt. Grund für uns eine Reihe über "interessante Werte in der Krise" zu starten.

Den ersten Teil lieferte am 17.03.2020 Lukas Spang (HIER SEIN ZWISCHENSTAND: MuM SE (ISIN: DE0006580806), DataGroup SE (ISIN:DE000A0JC8S7)  MBB SE (ISIN: DE000A0ETBQ4) - klar besser als SDAX und DAX),  am 19.03.2020 stellte das nwm seine Werte in der Krise vor: Evotec SE (ISIN: DE0005664809), Encavis AG (ISIN:DE0006095003), Wirecard AG (ISIN: DE0007472060) und last but not least stellte am 27.03.2020 Michael C. Kissig seine Favoriten in Crashzeiten vor: DIC Asset AG (ISIN: DE000A1X3XX4 ), SBF AG (ISIN:DE000A2AAE22 )  PNE AG (ISIN: DE000A0JBPG2 )

LUKAS SPANG vom 17.03. bis zum 16.04: 31,9%. Konkret machte der DAX seitdem 15,2%, der SDAX 18,9% und MuM satte 35,6%, MBB sehr gute 24,8% und DataGroup fast auf MuM-Niveau mit 35,4% - Stand 16.04.2020.

nwm vom 19.03. bis zum 17.04.: +44,77%. Konkret Encavis: +67,05%, Wirecard: +46,40%, Evotec: +20,85 - insgesamt +44,77%

Michael c. Kissig vom 27.03 bis zum 17.04. (ACHTUNG eine Woche später eingestiegen!): Konkret DIC Asset +18,9%, PNE +14,17%, SBF +29,90% (Börse Stuttgart) (im selben Zeitraum:DAX +11,36%, SDAX +9,41%)

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27.03.2020: DIC Asset, PNE und SBF bieten mehr Chancen als Risiken, meint Michael C. Kissig

Der Corona-Crash hat die Börsen auf Talfahrt geschickt und die Aktienkurse sind abgestürzt. Dabei werden sich die negativen Auswirkungen auf Konjunktur und Wirtschaft erst noch zeigen, wenn die Statistiken zu Arbeitsmarkt, Geschäftsklima oder Bruttoinlandsprodukt uns die schreckliche Wahrheit deutlich sichtbar vor Augen führen. Die Aktienkurse haben schon viel vorweggenommen und dabei auch Unternehmen in Sippenhaft genommen, die gar nicht so sehr von der Pandemie betroffen sein werden und gute Chancen haben, zu den mittel- und langfristigen Gewinnern zu zählen.

report wirecard

DIC Asset

Der Aktienkurs des Spezialisten für Gewerbe- und Büroimmobilien kam mächtig unter die Räder, weil Anleger befürchteten, dass viele Unternehmen ihre Mieten nicht mehr zahlen können, nachdem nun die Wirtschaft stillgelegt wurde. Und auch der Trend zum Home Office dürfte nach der Krise tendenziell eher zu einer verringerten Nachfrage nach Büroflächen führen. Beide Faktoren werden die Ergebnisse von DIC Asset negativ beeinflussen, doch der Kursabsturz um mehr als 50 Prozent scheint mehr als übertrieben und könnte sich als gute Chance entpuppen.

DIC Asset hat im sog. Commercial Portfolio seine eigenen Liegenschaften konzentriert. Die 20 größten Immobilien des Bestandsportfolios erwirtschaften rund 60% der Mieteinnahmen und sind mit einer Leerstandquote von 1,4% und einer durchschnittlichen Restmietlaufzeit von rund 7,5 Jahren annähernd vollvermietet. Dabei stammen zwei Drittel der Mieteinnahmen aus Büroflächen und davon wiederum knapp 30% von öffentlichen Mietern wie der Stadt Hamburg, dem Land Hessen oder der Stadt Duisburg. Etwa 20% der Mieten generiert DIC Asset aus Retail-Flächen, wobei Lebensmittelhändler wie Aldi, REWE, Edeka, Real, Netto, tegut und Nahversorger wie Rossmann und DM, die als Teil der kritischen Infrastruktur nicht von aktuellen Schließungen betroffen sind, etwa ein Drittel beisteuern.

Im betreuten Portfolio des Institutional Business, wo DIC Asset Immobilien-Anlagen für Investoren managt, werden rund 86% der Mieten über Büroflächen erwirtschaftet und rund 14% durch sonstige gewerbliche Flächen, darunter mit rund 8% Retail-Flächen.

DIC Asset verfügt über eine hohe Bilanz- und Finanzstärke; man hat rund 350 Mio. Euro Cash auf dem Konto und verfügt über zusätzliche freie Kreditlinien. Darüber hinaus sind  in nächster Zeit keine nennenswerten Kreditverpflichtungen fällig, so dass die Liquiditätslage sehr komfortabel ist. Dazu hat auch beigetragen, dass erst Mitte Januar noch eine Kapitalerhöhung durchgeführt worden war und Aktien von institutionellen Anlegern sowie dem Großaktionär TTL für 16 Euro übernommen worden waren.

DIC Asset AG ist mit sieben Standorten regional in allen wichtigen deutschen Märkten vertreten und betreut 180 Objekte mit einem Marktwert von rund 7,6 Mrd. Euro. Das Portfolio ist über Regionen und Branchen gut diversifiziert und der Großteil der Einnahmen dürfte auch während der Krise stabil bleiben. Dank des hohen Bestands an Finanzmitteln und dem über die letzten Jahre deutlich reduzierte Verschuldungsgrad präsentiert sich DIC Asset sehr solide. Vereinzelte mögliche Mietausfälle trüben das Bild, so dass auch der NAV (Buchwert) leiden dürfte. Dieser war in den letzten Jahren mehrfach prozentual zweistellig angestiegen und kam per Ende 2019 auf einen Wert von 22,26 Euro. Selbst bei Berücksichtigung eines Risikoabschlags von 20% käme man auf einen Buchwert von 18 Euro, der doppelt so hoch liegt wie der aktuelle Aktienkurs.

NACHTRAG 19.04.2020: DIC reduziert leicht die Prognose , DIC Asset sieht sich gut in der Corona-Krise aufgestellt und sieht sich einem schwer nachvollziehbaren Kurseinbruch gegenüber und unser Exclusivinterview mit der CEO der DIC ist immer noch interessant..

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PNE

PNE (das PNE steht für Pure New Energy) baut, betreibt und veräußert Windparks. Während man einerseits im Auftrag von Windparkbetreibern tätig wird und bei diesen Projekten im Projektverlauf sog. Meilensteinzahlungen erhält für das Erreichen bestimmter fixierter Zwischenschritte, baut PNE auch für den eigenen Bestand. Aus Anlegersicht ist dieser zweite Part des PNE-Geschäftsmodells schwierig, weil PNE große und kapitalintensive Windparks baut, diese aber nicht zeitnah nach Fertigstellung verkauft. Es fallen also die hohen Kosten an, aber es gibt selten dagegen stehende Erträge. Die werden erst dann erzielt, wenn es zum Paketverkauf kommt, der aber eben erst nach einigen Jahren erfolgt. In der Zwischenzeit muss man als Aktionär mit den vermeintlich schlechten Zahlen und der Unsicherheit leben, ob es mit dem Verkauf und den Gewinnen am Ende denn auch klappt. Aus diesem Grund sieht PNE stets viel teurer aus als Wettbewerber wie z.B. Energiekontor, und die Erlöse und Gewinne erscheinen weniger visibel.

2016 konnte PNE mit seiner Strategie einen großen Erfolg verbuchen und sein angesammeltes Portfolio an die Allianz verkaufen. Die hohen Einnahmen und der üppige Gewinn sanierten die Bilanz und schafften die Grundlagen, um mit dem Windparkportfolio2020 diesen Erfolg in noch größerem Umfang zu wiederholen. Doch vor einem halben Jahr trat Morgan Stanley Infrastructure Partners auf den Plan und platzierte mit Billigung von PNE ein Delisting-Übernahmeangebot zu 4 Euro je Aktie. Doch es regte sich Widerstand und mehrere aktivistische Investoren kauften sich ein, weil sie den gebotenen Preis für zu niedrig erachteten. Am Ende kam MSIP lediglich auf einen Anteil von knapp 40% und von einem Delisting ist erstmal keine Rede mehr. Allerdings ist die zwischenzeitliche Euphorie, die den Aktienkurs bis knapp 5,50 Euro hochtrieb, im Zuge der Corona-Krise wieder verflogen und der Kurs sogar unter die 4-Euro-Marke gefallen. Doch das könnte sich als große Chance erweisen, denn bei PNE werden die Karten gerade neu gemischt.

Denn soeben hat das Unternehmen einen Strategieschwenk vermeldet. So wird das Windparkportfolio2020 nicht mehr veräußert, sondern in den Eigenbestand überführt. Was nur konsequent ist, denn Großaktionär MSIP dürfte es mit dem Übernahmeversuch bei PNE nicht nur auf den Projektentwickler abgesehen haben, sondern eben auch auf die bestehenden Windparks.

Die Folgen des Strategieschwenks werden bisher übersehen. Zum einen werden die Erträge von PNE künftig viel planbarer, da den Ausgaben nun dauerhaft die steigen Einnahmen aus den Windparks gegenüberstehen. Der entscheidende Effekt dürfte aber sein, dass PNE bisher die Kosten für den Aufbau des Windparkportfolio2020 bilanziell verarbeitet hat, aber den Wert der Anlagen nicht. Dieser wird bisher nur nachrichtlich bekanntgegeben und würde schlagartig auf einmal in die Bilanz eingehen, sobald das Portfolio verkauft wird. Da der Verkauf nicht mehr erfolgen wird und die Windparks nun in den Eigenbestand wechseln, wird ihr Wert nun sofort in der Bilanz aufschlagen und sämtliche Ergebnis- und Wertansätze massiv nach oben treiben. Eine kleine Meldung mit enormen Auswirkungen – sobald diese in den nächsten Geschäftszahlen Schwarz auf Weiß auftauchen.

NACHTRAG 19.04.2020: PNE - kommt gut durch die Corona-Krise

SBF

SBF ist ein Spezialist für Decken- und Beleuchtungssysteme in Schienenfahrzeugen und damit profitiert das Unternehmen von dem massiven Investitionsprogramm der Deutschen Bahn in neue Schienenfahrzeuge. Aber auch im angrenzenden Ausland ist SBF aktiv und in seinem Segment der führende Anbieter unter nur einer Handvoll Wettbewerbern.

SBF firmierte bis vor einigen Jahren als Corona Equity Partners und ging durch eine harte Sanierung. Diese wurde 2019 vollständig abgeschlossen und das Unternehmen ist wieder sehr solide finanziert. Trotz hoher Investitionen in die Erweiterung der Produktionskapazitäten und der Wertschöpfungskette war der Free-Cashflow mit 0,76 Mio. Euro erneut positiv und die Eigenkapitalquote lag zum Jahresende 2019 bei satten 73%.

Ergebnisseitig konnten im Geschäftsjahr 2019 sowohl das EBITDA um 84% als auch das EBIT um 116,9% deutlich überproportional zulegen und der Konzernjahresüberschuss legte von 1,39 Mio. Euro um 116,7% auf 3,0 Mio. Euro zu. Der operative Cashflow wurde von 1,6 Mio. Euro auf 2,9 Mio. Euro erhöht. Diese Erfolge sind vor allem auf erhebliche Profitabilitätsverbesserungen zurückzuführen. Hatte man 2018 noch bewusst auf unprofitablen Umsatz verzichtet und Personal abgebaut, schwenkte man 2019 wieder auf den Wachstumspfad ein. Der hohe Auftragsbestand und der enorme Auftragszuwachs sind dabei Gradmesser für künftige Erfolge, denn zwischen Auftragseingang und Auslieferung bzw. Abrechnung vergehen bei SBF in der Regel vier Jahre. Da SBF noch Spielraum hat bei der Auslastung, kann man auch ohne weitere Investitionen höhere Auftragsvolumina abwickeln, was zu erheblichen Skaleneffekten führt und die Produktivität weiter steigert.

Soeben gab SBF ein Corona-Update: Im Jahr 2020 soll der Umsatz auf rund 21,6 Mio. Euro und der Jahresüberschuss vor Steuern (EBT) auf 3,6 Mio. Euro gesteigert werden. Hierin sind die möglichen Auswirkungen der Corona-Pandemie bereits berücksichtigt, wobei es derzeit keine wesentlichen Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung der SBF-Gruppe gibt. Weder sind die Lieferketten negativ beeinflusst noch gibt es Stornierungen von Aufträgen. Auch sind die Lagerbestände hoch, so dass SBF keine Zweifel hat, die hohe Auftragspipeline von mehr als 100 Mio. Euro abarbeiten zu können. Dabei kann das für die kommenden Jahre prognostizierte organische Wachstum mit den bestehenden Produktionsanlagen realisiert werden, die für ein Umsatzniveau von bis zu 30 Mio. Euro ausgelegt sind. Und sollte eine Ausweitung auf einen Jahresumsatz von 40 Mio. Euro nötig erscheinen, wären hierzu lediglich zusätzliche Investitionen von 3 bis 4 Mio. Euro erforderlich.

SBF wächst stark und Cashflow und Gewinne legen überproportional zu. Das versetzt das Unternehmen in die komfortable Situation, sich auch nach strategischen Übernahmezielen umsehen zu können. Bisher waren die Preise für die möglichen Kandidaten aber zu hoch, was sich momentan allerdings ändern könnte. SBF dürfte von der Corona-Krise vergleichsweise unbeeindruckt bleiben und könnte sogar zu einem ihrer Profiteure werden.

Ich halte Aktien von DIC Asset, PNE, SBF. (Michael C. Kissig, 26.03.2020)

Interessante Ansichten unter Corona-Schatten:

Exklusivinterview M. Schrade: Interessant auch das Umgehen des CEO der DEFAMA mit der Corona-Krise

Exklusivinterview W. Berger: B+S stellt sich der Corona-Krise

Exklusivinterview J. Gerhardt: HanseYachts wird besser durch die Krise kommen als man denken könnte

report wirecard

DIE GANZE REIHE

MuM, DataGroup und MBB - Werte denen Lukas Spang einiges zutraut - TEIL1 unserer Reihe Aktien in Crashzeiten

Encavis, Evotec und Wirecard - Werte denen Wir einiges zutrauen - TEIL2 unserer Reihe Aktien in Crashzeiten

SBF, DIC Asset und PNE - Werte denen Michael C. Kissig einiges zutraut - TEIL 3 unserer Reihe Aktien in Crashzeiten


kissigMichael C. Kissig

Vita
▸ Gründungsjahrgang 1970
▸ Ausbildung zum Bankkaufmann
▸ Studium der Volks- und Rechtswissenschaften

Beruf
▸ Unternehmensberater und Vermögensverwalter
▸ Aufsichtsratsvorsitzender eines kommunalen Energieversorgungsunternehmens

Berufung
▸ Value Investor (und damit überzeugter Stock-Picker ohne Hang zu Fonds oder ETFs)
▸ Kolumnist für das "Aktien Magazin" von Traderfox und das "Anlegermagazin" der Börse Stuttgart
▸ Betreuer der Rubrik "Portfoliocheck" bekannter Value Investoren für aktien-mag.de (Traderfox)

Faszination Börse
Meine erste Aktie habe ich 1988 gekauft, die Vereins- und Westbank AG aus Hamburg. Weil die ein tolles Buffet auf der Hauptversammlung haben sollten, wie mir aus Insiderkreisen versichert worden war (mein Nachbar war der Neffe eines Vorstandsmitglieds). Dem war auch so und daher hat sich das Investment letztlich gelohnt. Kursgewinne habe ich kaum eingefahren, aber zum Reinschnuppern in die Welt der Aktien war das kein ganz schlechter Start: ich habe die Hauptversammlung besucht, eine Dividendenausschüttung miterlebt, mich über die Bank- und Börsenprovisionen - und die Steuern - geärgert und am Auf und Ab der Börsenkurse teilgenommen.

Inzwischen kaufe ich aufgrund anderer Motive und ich informiere mich anders und umfassender über die Unternehmen, an denen ich mich beteilige. Darüber hinaus verfolge ich die erprobte Value-Investing-Strategie und bemühe mich, ihren Grundsätzen treu zu bleiben - selbst wenn dies im Einzelfall mitunter schwer fällt. Das Grundprinzip ist jedoch das gleiche geblieben: in Unternehmen investieren, nicht mit deren Aktien spekulieren.


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Das Nebenwerte Magazin richtet seinen Fokus auf die Welt der deutschen Nebenwerte und hat sich zum Ziel gesetzt, Mid-Caps und Small-Caps aus Deutschland mehr in den Blickpunkt zu rücken.

Noch immer stehen deutsche Nebenwerte weitestgehend im Schatten der sogenannten 30 Blue Chips aus dem DAX, dem deutschen Leitindex. Doch so mancher Wert aus dem DAX kam ja einst aus der zweiten und dritten Reihe und war somit selbst einmal ein Mid-cap oder Small-Cap. SDAX, TECDAX und MDAX sind daher sozusagen die Wiege des DAX.

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