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Es war einmal ein deutscher Chemiekonzern, der wollte sich vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan wandeln.

Also begann er, vermeintlich hässliche Teilbereiche abzuspalten, um vom Chemiekonzern zu einem Life-Science-Unternehmen zu werden. Und dies ist seine Geschichte. Obwohl er eigentlich gar nicht die Hauptrolle in unserem Börsenmärchen spielt…

Die Rede ist natürlich von Bayer und nachdem bereits im Jahr 2004 die ehemalige Polymersparte abgespalten und später unter dem Namen Lanxess an die Börse gebracht wurde, folgte im Herbst 2015 die auf Kunststoffe spezialisierte Sparte MaterialScience, die heute unter dem Namen Covestro im Mittelstandsindex MDAX notiert.

Und sowohl Lanxess als auch Covestro laufen seit ihrer Eigenständigkeit der Bayer-Aktie den Rang ab. Was Börsenkenner allerdings nicht wirklich verwundert, denn Spin-offs sind überwiegend erfolgreich. Obwohl man eigentlich denken sollte, dass so eine Abspaltung eines großen Konzerns keine aussichtsreiche Zukunft haben dürfte, da der Konzern ansonsten diese Sparte ja selbst behalten hätte. Doch die Gründe für die Abspaltung können vielfältig sein und daher sollte man sich von diesem Vorurteil lösen und sich lieber das neue Unternehmen separat anschauen.

Spin-offs sind wahre Outperformer

Bereits Benjamin Graham, der Urvater des Value Investings und Lehrmeister von Warren Buffett, lehrte uns, dass Spin-Offs oft zu Sondersituationen führen, bei man Unternehmensanteile unter Wert einsammeln kann. Das liegt daran, dass ein Spin-off kein normaler Börsengang ist, bei dem sich Anleger aktiv um die neuen Aktien bemühen, sondern bei einem Spin-off bekommen Aktionäre des abgebenden Konzerns die Aktien der abgespaltenen Unternehmenseinheit einfach in ihre Depots eingebucht. Und haben nun also Anteile an einem Unternehmen, das sie vielleicht gar nicht haben wollen. Da diese Situation bei allen Anlegern zur gleichen Zeit auftritt, handeln auch vielleicht entsprechend und verkaufen ihre neuen Aktien umgehend. Es kommt also kurzfristig zu einem Angebotsüberhang an Aktien und das drückt auf den Kurs.

Und auch in der ersten Folgezeit hat es das neue Unternehmen schwer, sich die nötige und vielleicht verdiente Beachtung zu sichern. Denn es ist am Markt unbekannt, der neue Name ist nicht geläufig und es gibt vergleichsweise wenig Informationen zu dem Unternehmen, da die Historie seiner Unternehmenszahlen noch kurz ist und es nur wenige Analysten gibt, die sich bereits mit dem Unternehmen befassen.

Doch nach dieser vorübergehenden Schnäppchenkursphase beruhigt sich die Lage und es rücken zunehmend die fundamentalen Daten in den Vordergrund. Eine Studie von Deloitte zeigt für den Zeitraum zwischen 2000 und 2014 dann auch, dass sowohl die Spin-Offs als auch die Mutterkonzerne ein Jahr nach der Abspaltung deutlich überdurchschnittliche Kurszuwächse aufweisen. Besonders gut haben sich dabei die Spin-Offs entwickelt, die ihre Benchmark um durchschnittlich 21 Prozent schlagen konnten. Und es gibt natürlich handfeste Gründe dafür, dass 90 Prozent der Spin-offs positiv verlaufen für die Anleger, denn die neu geschaffenen Unternehmen sind agiler als sie es zuvor als Konzernsparte waren, sie haben flachere Hierarchien und schnellere Entscheidungswege. Sie können daher viel besser auf Chancen und Risiken in ihrem Geschäftsfeld reagieren und müssen sich nicht zuwiderlaufenden übergeordneten Konzerninteressen beugen, sondern sind Herr ihrer eigenen Entscheidungen. Und diese Vorteile treffen auch auf Covestro zu, die nicht nur irgendein Spin-off sind, sondern geradezu ein Paradebeispiel für eine gelungene Konzernabspaltung. Immerhin hat sich der Kurs seit Herbst 2015 beinahe schon vervierfacht.

 


Chart: Covestro AG | Powered by GOYAX.de

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Michael C. Kissig | iNTELLiGENT iNVESTiERENMichael C. Kissig studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst er zudem regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

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