KWS-Aktie: Saatgut-Riese senkt Umsatzprognose – trotzdem Kaufchance?

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Der Saatgut-Spezialist KWS SAAT SE & Co. KGaA (ISIN: DE0007074007) hat seine Halbjahreszahlen für 2025/2026 vorgelegt – und die Botschaft ist zweigeteilt. Einerseits wächst das Geschäft organisch, das Rapsgeschäft brummt mit einem Plus von 21 Prozent. Andererseits drücken sinkende Zuckerrüben-Anbauflächen weltweit auf die Stimmung, sodass der Umsatzausblick nach unten korrigiert werden musste.

Die Reaktion der Börse dürfte verhalten ausfallen. Doch für langfristig orientierte Anleger könnte sich hier eine Einstiegschance auftun – denn die Profitabilität bleibt trotz widriger Umstände stabil. Finanzvorstand Dr. Jörn Andreas betont: „Wir setzen unseren Fokus klar auf Profitabilität und anhaltend hohe Investitionen in unsere langfristige Innovationskraft.“

Zahlen im Detail: Verluste schrumpfen deutlich

Im ersten Halbjahr 2025/2026 (Juli bis Dezember 2025) erzielte KWS einen Umsatz von 411,3 Millionen Euro – ein leichtes Minus von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf vergleichbarer Basis, also bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte, legte der Umsatz jedoch um 0,8 Prozent zu.

Das EBITDA verbesserte sich spürbar von minus 65,9 auf minus 49,0 Millionen Euro. Klingt nach roten Zahlen? Ist bei KWS aber völlig normal: Als Saatgut-Unternehmen macht die Firma den Löwenanteil ihres Geschäfts im Frühjahr zur Aussaat – das erste Halbjahr ist traditionell ein Verlusthalbjahr.

Entscheidend ist der Sondereffekt: Rund 30 Millionen Euro flossen aus dem Verkauf von Lizenzrechten im Rahmen der Veräußerung des nordamerikanischen Maisgeschäfts. Ohne diesen Einmaleffekt hätte das EBITDA deutlich schlechter ausgesehen.

Raps läuft, Roggen schwächelt: Segment Getreide im Fokus

Das Segment Getreide ist für KWS ein zentraler Umsatztreiber – und hier gibt es gute Nachrichten. Der Umsatz stieg auf 222,0 Millionen Euro (Vorjahr: 221,3 Mio. EUR), getrieben von einem starken Rapsgeschäft mit einem Plus von 21 Prozent. Das leistungsfähige Sortenportfolio zahlt sich aus.

Auf der anderen Seite schrumpfte das Geschäft mit Hybridroggen um 13 Prozent. Der Grund: Die Marktpreise für Roggen sind im Keller, was Landwirte zurückhaltend beim Saatgutkauf macht. Ein typisches Beispiel dafür, wie stark die Agrarrohstoffpreise das Geschäft von KWS beeinflussen.

Zuckerrüben unter Druck: Anbauflächen schrumpfen weltweit

Das Segment Zuckerrüben – eigentlich ein Kerngeschäft von KWS – steht unter Druck. Der Umsatz sank im ersten Halbjahr leicht auf 135,0 Millionen Euro. Noch alarmierender: KWS erwartet für das Gesamtjahr eine „stärker als bisher angenommene Verringerung der weltweiten Anbaufläche für Zuckerrüben“.

Hintergrund sind niedrige Preise für Agrarrohstoffe, die Landwirte verunsichern und zu veränderten Anbauentscheidungen führen. Hinzu kommen Importrestriktionen in Russland und Lokalisierungsbestrebungen, die KWS Marktanteile kosten.

Für Anleger bedeutet das: Das Russland-Geschäft, früher eine wichtige Umsatzstütze, wird mittelfristig schwächeln. Ein Risikofaktor, den man im Auge behalten sollte.

Mais-Verkauf macht sich bezahlt: 30 Millionen Euro Sonderertrag

Ein Lichtblick: Der Verkauf des nordamerikanischen Maisgeschäfts brachte nicht nur einen Einmaleffekt von rund 30 Millionen Euro aus Lizenzrechten, sondern entlastete auch strukturell. Das Segmentergebnis im Bereich Mais verbesserte sich von minus 79,2 auf minus 40,9 Millionen Euro.

KWS konzentriert sich damit stärker auf profitablere Bereiche und reduziert die Abhängigkeit vom volatilen US-Maismarkt. Eine strategisch kluge Entscheidung, die sich in den kommenden Quartalen weiter positiv niederschlagen sollte.

Gemüsesaatgut wächst leicht: Spinat als Hoffnungsträger

Das kleinere Segment Gemüse legte beim Umsatz leicht zu – von 26,1 auf 26,9 Millionen Euro. Treiber war das Spinatsaatgut-Geschäft, während Bohnensaatgut rückläufig war. Das Segmentergebnis bleibt negativ (minus 14,1 Mio. EUR), was aber planmäßig ist: KWS investiert massiv in den Ausbau der Gemüsezüchtung.

Langfristig könnte Gemüsesaatgut für KWS an Bedeutung gewinnen, gerade im Hinblick auf klimaresistente Sorten und steigende Nachfrage nach pflanzlichen Lebensmitteln.

Prognose angepasst: Umsatzwachstum gestrichen, Marge bestätigt

Jetzt wird es für Anleger kritisch: KWS hat die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2025/2026 nach unten korrigiert. Statt des zuvor anvisierten Wachstums von rund 3 Prozent erwartet das Unternehmen nun ein Umsatzniveau auf Vorjahresniveau – also Stagnation.

Die EBITDA-Marge von 19 bis 21 Prozent wird jedoch bestätigt. Wie passt das zusammen? KWS hat Kostensenkungsmaßnahmen eingeleitet, die bereits erste Effekte zeigen. Der Fokus liegt klar auf Profitabilität statt Volumenwachstum.

Für die Aktie bedeutet das: Kurzfristig könnte der Kurs unter Druck geraten, da der Markt Wachstum liebt. Mittelfristig könnte die Strategie aber aufgehen, wenn KWS die Margen verteidigt und gleichzeitig in Innovation investiert.

Cashflow und Bilanz: Solide Basis trotz operativer Belastung

Der operative Cashflow aus fortgeführten Geschäftsbereichen verschlechterte sich auf minus 164,1 Millionen Euro (Vorjahr: minus 128,0 Mio. EUR), hauptsächlich aufgrund eines gestiegenen Net Working Capitals. Der freie Cashflow verbesserte sich hingegen auf minus 145,2 Millionen Euro.

Positiv: Die Eigenkapitalquote stieg auf 57,1 Prozent, die Nettoverschuldung sank von 343,5 auf 264,6 Millionen Euro. KWS steht finanziell solide da und hat Spielraum für weitere Investitionen oder Akquisitionen.

Einordnung für Anleger: Defensive Qualitätsaktie mit Geduld

KWS ist keine Wachstumsrakete, sondern ein solider Dividendenwert für geduldige Anleger. Die Aktie eignet sich für defensive Depots und als Inflationsschutz, da Saatgut ein essentielles Gut ist.

Vergleichbare Unternehmen wie Bayer (CropScience-Sparte), Corteva oder Syngenta zeigen, dass die gesamte Agrarbranche unter Druck steht. Niedrige Rohstoffpreise belasten die Kaufkraft der Landwirte weltweit. KWS profitiert von seiner Spezialisierung auf Zuckerrüben und Getreide, ist aber nicht immun gegen Branchenzyklen.

Chancen bieten sich für Anleger, die auf eine Erholung der Agrarrohstoffpreise setzen und die langfristige Innovationskraft von KWS (Züchtung, Biotechnologie) als Wettbewerbsvorteil sehen. Die Dividendenrendite liegt historisch bei rund 1,5 bis 2 Prozent – nicht spektakulär, aber verlässlich.

Risiken nicht ausblenden: Russland, Wetter, Regulierung

Drei zentrale Risiken sollten auf dem Radar bleiben:

  1. Russland-Geschäft: Importrestriktionen und Lokalisierung werden das Geschäft dort mittelfristig belasten.
  2. Wetterextreme: Dürren, Überschwemmungen und unvorhersehbare Klimabedingungen können Anbauflächen und Ernteerträge massiv beeinflussen.
  3. Regulierung: Strenge EU-Vorgaben zu Gentechnik und Pflanzenschutz könnten Innovationen bremsen oder verteuern.

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