Branicks Group kauft Zeit, umfinanziert. Wer zahlt? Anleihegläubiger? Aktionäre?

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Branicks Group stand unter dem Druck eine 2026 fällige 400 Mio EUR-Anleihe und weitere Verbindlichkeiten zu prolongieren. Und das Gute ist: Es ist gelungen. Natürlich zu einem Preis  – wer mit dem Rücken zur Wand steht, der muss „ZAHLEN“. Und auch personell ändert sich einiges bei der Branicks Group –

CEO Sonja Wärntges bekommt Ablaufdatum 31.12.2026, der Aufsichtsrat wird umgebaut. Und ein Restrukturierungsspezialist wird CRO. Substanz gibt es – zuletzt sprach man von einem NAV von deutlich über 10,00 EUR – bei einem Aktienkurs von aktuell „um 1,00 EUR“. Also Chancen für die Aktionäre? Ja, aber. Und zum Aber kommen wir bei der Betrachtung der heute/gestern Nacht vorgestellten „Umfinanzierung“. Und auch die Anleihegläubiger müssen bluten, aber die, die weiter ins Risiko gehen, die bekommen ein „fettes Trostpflaster“. Zu Recht, denn Risiken sind vorhanden – also ist eine Risikoprämie nötig. Ob sie so hoch sein muss? Wer weiss?

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Branicks mit dem Rücken zur Wand – Lösung war nötig!

Ad-hoc Meldungen von der Branicks Group gestern Nacht und wenig später auch von der Tochter VIB Vermögen. Worum geht’s? Um Lock-up-Vereinbarungen. Die Lock-Up-Vereinbarung der Branicks Group vom 30. Juli 2026 reagiert auf Engpässe bei der anstehenden Refinanzierung. Das Unternehmen wies zuletzt Finanzverbindlichkeiten von rund 1,86 Milliarden Euro auf, denen flüssige Mittel von etwa 97 Millionen Euro gegenüberstanden, was einen Netto-Fehlbetrag von 1,76 Milliarden Euro ergab. Der dringlichste Handlungsbedarf bestand durch die unbesicherte Anleihe über 400 Millionen Euro, die am 22. September 2026 fällig wird, sowie durch Schuldscheindarlehen und Namensschuldverschreibungen im Volumen von 179,5 Millionen Euro.

Bei einem Börsenwert von zuletzt rund 75 bis 88 Millionen Euro war eine reguläre Refinanzierung am Kapitalmarkt ausgeschlossen. Ohne die Vereinbarung mit der Gläubigergruppe hätte eine zeitnahe Insolvenz wegen Liquidität gedroht. Denn wichtig: Übershculdung ist kein Thema. Es gibt Werte, aber eben Fristeninkongruenzen – Fehler im Management in den letzten Jahren – eindeutig. Dazu die Übernhame der VIB Vermögen in einer Höchstkursphase – schien damals eine Top-Entscheidung, aber im Nachinein ein Riesenfehler! Udn dafür rollen jetzt auch Köpfe.

Ergebnis: Restrukturierung der Anleihe und Risikoverschiebung

Für Inhaber der Anleihe mit der ISIN XS2388910270 bedeutet die Vereinbarung mit der Ad-hoc-Gruppe, die 60,4 % des Volumens vertritt, eine Umstrukturierung ihrer Forderungen. Das bisher unbesicherte Volumen von 400 Millionen Euro wird in zwei Tranchen aufgeteilt. Der vorrangige Teil umfasst ein Volumen von 258,8 Millionen Euro. Dieser Betrag wird künftig besichert, läuft bis zum 30. September 2030 und wird mit 7,5 % pro Jahr in bar verzinst.

Der verbleibende Teil von 151,5 Millionen Euro wird in eine unbesicherte, nachrangige Anleihe umgewandelt. Diese Tranche hat eine Laufzeit bis zum 30. September 2038 und ist mit einem Kupon von 15 % pro Jahr ausgestattet. Allerdings kann Branicks diese Zinsen wahlweise als PIK-Zinsen (Payment-in-Kind) verrechnen, wodurch sich der ausstehende Nennbetrag erhöht, anstatt dass liquide Mittel abfließen. In der Praxis erhalten Gläubiger für je 300.000 Euro Nennwert der Alt-Anleihe einen Betrag von 113.600 Euro in den neuen nachrangigen Papieren, während der Rest in die vorrangige Tranche fließt. Obwohl der vorrangige Teil durch Sicherheiten gestärkt wird, steigt das Ausfallrisiko für den nachrangigen Teil erheblich, da nachrangige Gläubiger im Verwertungsfall erst nach vollständiger Bedienung aller vorrangigen Verbindlichkeiten berücksichtigt werden.

Folgen für Aktionäre und Veränderungen in der Unternehmensführung

Aktionäre der Branicks Group (ISIN: DE000A1X3XX4) stehen vor einer deutlichen Verwässerung ihrer Anteile. Um die Liquidität zu sichern, wird frisches Kapital (sogenanntes „New Money“) im Umfang von 35 Millionen Euro für Branicks sowie 60 Millionen Euro für die Tochtergesellschaft VIB Vermögen bereitgestellt. Die damit verbundenen Instrumente und Wandlungsrechte reduzieren den Anteil der Altaktionäre am künftigen Eigenkapital drastisch. Dividendenausschüttungen sind für die Dauer der Sanierung ausgeschlossen, da sämtliche Mittel für den Schuldendienst benötigt werden.

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Gleichzeitig greift die Gläubigerseite tief in die Unternehmenssteuerung ein. Die Wirksamkeit der Restrukturierung erfordert unmittelbare personelle Einschnitte: Der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende legt sein Amt nieder, und Josef Schultheis zieht als Chief Restructuring Officer (CRO) in den Vorstand ein. Die Vorstandsvorsitzende Sonja Wärntges verbleibt noch bis spätestens 31. Dezember 2026 im Amt. Damit geht die operative und strategische Führung faktisch auf die Gläubigervertreter über.

Branicks mus bluten…

Die Aufrechterhaltung der Finanzierung ist mit erheblichen Nebenkosten verbunden, die die Gesamtschulden erhöhen. Den Gläubigern werden verschiedene Gebühren zugesagt. So fällt eine Subordinationsgebühr von 15 Millionen Euro an, die dem Nennbetrag der nachrangigen Instrumente zugeschlagen wird. Für die Verlängerung der Laufzeiten erhalten die Gläubiger der Anleihe und der Schuldscheine eine Barzahlung in Höhe von 50 Basispunkten (0,5 %) auf das bestehende Schuldenvolumen.

Zusätzlich erhöhen kapitalisierte Backstop-Gebühren für die Überbrückungsfinanzierung die Nominalbeträge von 35 Millionen auf 36,1 Millionen Euro bei Branicks und von 60 Millionen auf 61,9 Millionen Euro bei VIB. Sollten die vorrangigen Instrumente und das New Money zum 31. Dezember 2028 noch ausstehen, wird eine Gebühr von 200 Basispunkten (2 %) fällig. Bei einer vorzeitigen Rückzahlung oder Refinanzierung fällt eine Abgangsgebühr (Exit Fee) von 100 Basispunkten (1 %) an. Diese Positionen verteuern die Sanierung zusätzlich.

Fazit – Branicks Group hat wieder eine Chance.

Das vom Konzern verwaltete Immobilienportfolio umfasst einen Wert von rund 10,7 Milliarden Euro, wovon ein Großteil über Off-Balance-Sheet-Strukturen und Spezialfonds geführt wird. Die Konzern-Eigenkapitalquote lag zuletzt bei etwa 41,5 %, was bilanziell nicht auf eine klassische Überschuldung hindeutet. Die Krise des Unternehmens ist primär eine Illiquiditätskrise: Die flüssigen Mittel reichten nicht aus, um die fälligen Verbindlichkeiten im September 2026 zu bedienen.

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Die Restrukturierung löst dieses akute Fälligkeitsproblem, erkauft die zeitliche Streckung jedoch mit höheren Zinslasten, zusätzlichen Gebühren und einer weitgehenden Verschiebung der Wertschöpfung von den Aktionären hin zu den Gläubigern. Wenn der Immobilienmarkt sich weiter erholt, die Umschlaghäufigkeit am Immobileinmarkt wieder Fahrt aufnimmt, könnten am Ende alle Beteilgiten „mit einem netten“ Gewinn herauskommen. Bezogen auf den Sattus Quo – bei einem Aktienkurs von rund 1,00 EUR und einem Anleihekurs.von ca. 58%. Wer vorher eingestiegen ist, muss bangen. Und Hoffen. 

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