Berentzen-Gruppe, einer der traditionsreichsten deutschen Spirituosen- und Getränkehersteller, hat vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 vorgelegt – und zeigt sich trotz deutlicher Umsatzrückgänge operativ stabil.
Der Konzernumsatz sank um rund 10 % auf 162,9 Mio. Euro (2024: 181,9 Mio. Euro). Das Konzern-EBIT ging von 10,6 Mio. Euro auf 8,5 Mio. Euro zurück, die EBIT-Marge betrug 5,2 % (Vorjahr: 5,8 %). Das EBITDA fiel von 19,3 Mio. auf 17,1 Mio. Euro, die EBITDA-Marge blieb mit 10,5 % (Vorjahr: 10,7 %) nahezu stabil.
CEO Oliver Schwegmann zeigt sich zuversichtlich:
„Trotz der anhaltend herausfordernden Marktbedingungen ist es uns gelungen, weiterhin sehr profitabel zu wirtschaften.“
Verkauf von Grüneberg und Spirituosenmarkt unter Druck – doppelter Gegenwind
Der Umsatzrückgang hat zwei Hauptursachen:
1. Verkauf des Mineralbrunnens Grüneberg
Im letzten Quartal 2024 veräußerte die Berentzen-Gruppe ihre Betriebsstätte in Grüneberg, die für das regionale Mineralwassergeschäft verantwortlich war. Der Standort wurde aus Profitabilitätsgründen aufgegeben – ein strategisch konsequenter Schritt, der allerdings zu planmäßigen Umsatzeinbußen führte.
2. Schwächelnder Spirituosenmarkt in Deutschland
Der deutsche Spirituosenmarkt litt 2025 unter deutlichen Absatzrückgängen – getrieben durch verändertes Konsumverhalten, Kaufzurückhaltung und eine allgemeine Konsumflaute. Berentzen, als klassischer Anbieter in diesem Segment, blieb davon nicht verschont.
Schwegmann räumt ein:
„Auch wenn wir von dieser Gesamtmarktentwicklung betroffen sind, sehen wir innerhalb unseres breiten Portfolios viele Produkte mit positiver Wachstumsdynamik.“
Lichtblicke im Portfolio: Minis, Handelsmarken und Mio Mio Dose wachsen
Trotz des schwierigen Umfelds konnte Berentzen mit gezielten Produktinnovationen punkten:
- Berentzen Minis: Die handlichen Kleinformate kommen gut an – insbesondere bei jüngeren Konsumenten und im To-Go-Segment.
- Premium Handelsmarkenkonzepte: Berentzen produziert nicht nur Eigenmarken, sondern entwickelt auch hochwertige Private-Label-Produkte für den Handel – ein lukratives und wachsendes Standbein.
- Citrocasa XPro Geräte: Die neuen Wassersprudler erweitern das Sortiment sinnvoll und bedienen den Trend zu Homebar-Lösungen.
- Mio Mio Dose: Die Einführung des beliebten Limonadengetränks in Dosenform war ein Erfolg – getrieben von Convenience und dem Outdoor-Trend.
Diese Erfolge zeigen: Berentzen kann Innovation – und das trotz eines rückläufigen Gesamtmarkts.
Neue Strategie „BERENTZEN EVOLVE 2030″: Drei Säulen für künftiges Wachstum
Um den Umsatzrückgang umzukehren und langfristiges Wachstum zu sichern, hat die Berentzen-Gruppe im November 2025 ihre neue Konzernstrategie „BERENTZEN EVOLVE 2030″ vorgestellt.
Die Strategie ruht auf drei zentralen Säulen:
1. Neuartige Marken und Produkte
Berentzen will stärker auf Produktinnovationen setzen, die auf veränderte Konsumentenbedürfnisse eingehen – etwa im Bereich alkoholfreie Alternativen, funktionale Getränke oder Lifestyle-Spirituosen.
2. Neue Märkte (Emerging Markets)
Der Eintritt in internationale Wachstumsmärkte soll zusätzliche Umsatzpotenziale erschließen. Insbesondere sogenannte „Emerging Markets“ in Asien, Lateinamerika oder Osteuropa stehen im Fokus – Märkte mit steigender Kaufkraft und wachsendem Interesse an westlichen Marken.
3. Neue Vertriebskanäle
Berentzen will sich breiter aufstellen und neben dem klassischen Lebensmitteleinzelhandel auch neue Touchpoints erschließen – etwa über E-Commerce, Gastronomie-Partnerschaften, Direktvertrieb oder Convenience-Stores.
CEO Schwegmann:
„Diese Kombination wird es uns ermöglichen, uns in einem dynamischen Wettbewerbsumfeld erfolgreich zu behaupten. Erste Maßnahmen wurden bereits gestartet.“
Ambitioniertes Ziel: Deutlicher Umsatzzuwachs bei steigender Profitabilität
Das erklärte Ziel von BERENTZEN EVOLVE 2030 lautet:
„Deutlicher Umsatzzuwachs bei gleichzeitiger Steigerung der Profitabilität“
Das ist ein ehrgeiziges, aber realistisches Ziel, wenn die Strategie konsequent umgesetzt wird. Berentzen verfügt über:
- eine starke Marke mit hoher Wiedererkennungswert
- ein breites Produktportfolio
- eigene Produktionsstandorte
- langjährige Handelsbeziehungen
Was bisher fehlte, war Dynamik in neuen Wachstumsfeldern – genau hier setzt die neue Strategie an.
Berentzen im Branchenvergleich: Solider Mittelständler mit Ausbaupotenzial
Im Vergleich zu anderen börsennotierten Getränkeherstellern wie der Kulmbacher Brauerei AG oder Grasbrunn (Spaten-Franziskaner-Bräu) bewegt sich Berentzen in einem ähnlich herausfordernden Umfeld.
Während große internationale Player wie Diageo oder Pernod Ricard von globaler Reichweite und Premiummarken profitieren, muss Berentzen als mittelständischer Regional- und Nationalplayer gezielt Nischen besetzen und Innovationen schneller umsetzen.
Die neue Strategie ist daher ein notwendiger Schritt, um nicht nur zu reagieren, sondern proaktiv zu agieren.
Ausblick: Spannendes Jahr 2026 mit ersten Strategieerfolgen erwartet
Für Anleger bleibt die Berentzen-Aktie ein spekulativer Wert mit solider Basis, aber begrenztem Wachstum im Kerngeschäft. Die neue Strategie könnte allerdings mittelfristig neue Impulse setzen – insbesondere durch:
- Produktinnovationen mit hoher Marge
- Internationalisierung mit zusätzlichen Umsatzquellen
- Neue Vertriebskanäle, die unabhängiger vom stationären LEH machen
Die EBITDA-Marge von rund 10 % zeigt: Berentzen bleibt grundsolide profitabel. Sollte der Umsatz wieder anziehen, könnte auch das absolute Ergebnis schnell wieder zulegen.
Fazit: Solide Basis, mutige Strategie – Berentzen auf dem Weg in die Zukunft
Die Berentzen-Gruppe hat 2025 ein schwieriges Jahr hinter sich – geprägt von Marktflaute, Portfoliobereinigung und verändertem Konsumverhalten. Dennoch bleibt das Unternehmen profitabel und handlungsfähig.
Mit der neuen Strategie „BERENTZEN EVOLVE 2030″ setzt der Vorstand ein klares Zeichen: Stillstand ist keine Option. Die Kombination aus Produktinnovation, Internationalisierung und Omnichannel-Ansatz könnte die entscheidenden Wachstumshebel der kommenden Jahre sein.
Für geduldige Anleger bleibt die Aktie ein interessanter Turnaround-Kandidat – solide aufgestellt, mit klarer Vision und ersten sichtbaren Umsetzungsschritten.















